Archiv der Kategorie 'Deutsches Kunsthandwerk'

„Aus diesen wird etwas bereitet, Kunstwerke, der Welt zum Fraß vorgeworfen, die sie umbrachte.“ II

„Alle beteuern ihre gute Absicht. Und genau die gilt es zu fürchten. Niemand hat bei dem Dreischritt von der Humanität über die Nationalität zur Frivolität je die Frage gestellt, mit welchem Recht sich Deutsche so fürsorglich an den Ermordeten vergreifen. Walter Benjamins Warnung, daß die Sieger vor den Toten nicht halt machten, wäre für Lea Rosh das Geschwätz ‚ewiger Besserwisser‘. Zu diesen gehört auch Julius Posener, der aus der Emigration zurückgekehrte Architekturhistoriker. Schon 1985 schrieb er: ‚Nach vierzig Jahren habt ihr das Recht auf ein Mahnmal an diesem Ort verwirkt.‘“ Eike Geisel

Im Kuratorium des „Zentrums für Politische Schönheit“ sitzt der Geschäftsführer des „Aktiven Museums. Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.“, Kaspar Nürnberg. Das 1983 aus einer Bürgerinitiative hevorgegangene „Aktive Museum“ hat es sich irgendwann unter anderem zur Aufgabe gemacht, die kleinen Stolpersteine des ‚Bildhauers’ Gunter Demnig zu bewerben. Jene bronzefarbenen Stolpersteine, die, in die deutschen Gehwege hineingehämmert, an die von Deutschen ermordeten Juden erinnern sollen. Jegliche Weigerung an der angeblichen Sühne-Geste teilzunehmen, wird vom Künstler und seinen Mitstreitern als Skandal gewertet. Ungeachtet der Motivation der Verweigerung, die ganz gewiss zum Großteil dem Unwillen der Deutschen, ihre schönen Fußgängerzonen verschandeln zu lassen, entspringt. Das Gedenken an die ermordeten Juden nämlich haben sie längst zu ihrem Gründungsmythos gerinnen lassen. Es stört sie so wenig wie das Holocaust-Denkmal, zu dem „man gerne“ gehen soll (Schröder) und „um das die Welt uns beneidet“ (Jäckel).
Mittlerweile nun werden auch andere „Opfergruppen“ erfasst (pun intended) und zu dem Zweck ganz einfach die Nazi-Bezeichnungen übernommen – gründlich soll es sein, und da hat man halt keine Zeit fürs Individuum –, weswegen eine in Auschwitz Ermordete auf ‚ihrem’ Stein als „Gewohnheitsverbrecherin“ eingraviert wurde.

„Reinhold Schneider schlug vor rund fünfzig Jahren vor, die Deutschen sollten sich als nationales Patientenkollektiv konstituieren; jeder solle jedem versichern, wie schuldig er sich fühle, denn nur so entstünde wieder echte Gemeinschaft. Daß diese Wahrheit gar nicht zuende gegangen war, notierte Anfang der sechziger Jahre Max Horkheimer in einem Rückblick unter dem Stichwort “Wir Nazis”. Dort heißt es: “Immer wieder formulieren: das Schuldbekenntnis der Deutschen nach der Niederlage war ein famoses Verfahren, das völkische Gemeinschaftsempfinden in die Nachkriegsperiode hinüberzuretten. Das Wir zu bewahren war die Hauptsache … Das Wir ist die Brücke, das Schlechte, das den Nazismus möglich machte.“ Eike Geisel – E.T. bei den Deutschen oder Nationalismus mit menschlichem Antlitz in: ISF – Schindlerdeutsche. Ein Kinotraum vom Dritten Reich, 1994, 11.

Die kleinen Stolpersteine, die dem deutsch-nationalen „Patientenkollektiv“ (Schneider) seinen Gründungsmythos tagtäglich so angenehm sinnsprüchlich nahebringen, ergänzt das „Zentrum für Politische Schönheit“ jetzt mit größeren, nicht umsonst mit solchen dem Stelenfeld des Holocaust-Denkmals gleichenden – mit mehr oder weniger Grabmälern für die an den Grenzen Europas ermordeten Geflüchteten.

„Aus diesen wird etwas bereitet, Kunstwerke, der Welt zum Fraß vorgeworfen, die sie umbrachte.“ Theodor W. Adorno zu Arnold Schönbergs „Ein Überlebender aus Warschau“.

Wo sich alle Gleichsetzungen verbieten, bleibt hier trotzdem das unvermeidliche Scheitern jeglichen Versuches von Veranschaulichung. Und so unterschiedlich die Intentionen von Künstlern mit Botschaften sein mögen: Gunther von Hagens‘ Leichen wurden fatal ähnlich angekündigt – als Skandal. Skandal aber setzt immer auf Einverständnis, anders kann er nicht funktionieren. Und so wird mit ostentativ als Schock annoncierten Events nie etwas anderes zu erzeugen möglich sein als einerseits ein Übereinkommen in der kalt berechnenden Abwehr und andererseits die beruhigende Erleichterung, zu den Schockierten zu gehören.
„Die Toten kommen“ schlagzeilt das „Zentrum“ medienkompatibel, als könnten sie noch gehen, als könnten sie noch bedrohen. Wer sie kommen sehen will, braucht bloß noch Bestätigung. Die Bedrohung sehen aber die Deutschen gerade eben in den Geflüchteten, die noch gehen können, deren Heime zünden sie an. Der Trugschluss des „Zentrums“ liegt gerade darin, in ausgerechnet den Deutschen einen Unterschied zu den sie regierenden zu imaginieren. Wenn es ein Trugschluss sein sollte und nicht bloß die Exkulpierung des „Patientenkollektivs“. Die Angehörigen, die vor Ort denselben Repressionsmechanismen ausgesetzt sind wie die, vor denen die Geflüchteten sich zu retten versuchten, zu fragen, welch ein Begräbnis der/ die Verschiedene denn gewünscht haben möge, und dann kurzerhand den Imam zu bestellen, ist mit zynisch nicht adäquat beschrieben.

Und im Kuratorium des „Zentrum für Politische Schönheit“ sitzt eben auch Rupert Neudeck (via Dissi Kotzboy) – zu Recht. Das „Zentrum“ ist öffentlich darum bemüht, die deutsche Schuld an der Shoah zu relativieren, indem es beispielsweise betont, dass, wenn die Alliierten bloß die Bahngeleise bombardiert hätten, Auschwitz so nicht möglich gewesen wäre. Ein Vorwurf, der längst widerlegt wurde und letztlich die wesentlichste Motivation der deutschen Volksgemeinschaft in ihrem „Dritten Reich“ herunterspielt: ihren Antisemitismus.
Neudeck ist ein offener Antizionist, seine Ausfälle gegen Israel sind dokumentiert, in seinen Texten und unter anderem auf seiner Grünhelm-Webseite. Der Deutschen Antizionismus mündet generell in Antisemitismus oder entstammt ihm. Der sekundäre Antisemitismus resultiert aus dem primären Antisemitismus. Neudeck belegt dies eindrucksvoll mit seinem „Engagement“. Die Zusammenarbeit des „Zentrums“ mit ihm ist kein Widerspruch, am Ende tanzt das „Patientenkollektiv“ auf den Leichen.

Zu angeblichen Kunst-Charakter des Events: More later!
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+ Eigentlich hätte hier etwas zu Walser erscheinen müssen:

„Dann wird Walser an den Rand eines Wäldchens geführt und…“

„…fotografiert.“ Martin Doerry und Volker Hage: „Einsam ist man sowieso“, Interview mit Martin Walser, Einleitung, Spiegel 19/2015, 137.

„So ruhig war es im Walde, als wartete alles auf den Todesschrei, der nicht kam.“ Joseph Roth – Das Spinnennetz, Köln 1988, 50.

„(M)an tauscht Erinnerungen an die letzten Treffen aus.“ Doerry/ Hage ebd. „Man“ hat mit ihm gesprochen. „Man“ hat es tatsächlich – womöglich ein wenig „vor Kühnheit zitternd“ (Walser) – gewagt, ihn so etwas wie zu kritisieren. Und vor allem hat „man“ ihm seine Opfer „zum Fraß vorgeworfen“ (Adorno). „Man“ ist zum Erfüllungsgehilfen seiner für ihn zumindest neuen Opfererscheinungsform geworden. Das „man“ der Einleitung spiegelt das typisch exkulpierende „man“ der Walserschen Antworten und überhaupt seiner Werke wider. Walser war in seinem expliziten Antisemitismus unter den erfolgreichen deutschen Nachkriegsschriftstellern immer einer der Zuspätgekommenen. Matthias N. Lorenz hat das in „Auschwitz drängt uns auf einen Fleck. Judendarstellung und Auschwitzdiskurs bei Martin Walser“ minutiös nachgewiesen; der Entschlüsselung bedurfte es bei Walser eben nicht. Umso empörter waren die Reaktionen des deutschen Feuilletons auf Lorenz’ Buch. Der letzte deutsche „Großschriftsteller“, der noch veritabel deutsches Opfertum ohne einschlägige Nachkriegsopfer-Partizipation/-Projektion zu schreiben bereit war, durfte nicht aufgegeben werden, auch wenn man sich selbst längst der „jüdischen Opfer“ als Identifikationsmodell bediente.

Walser ist ein ein sehr zu spät Gekommener und natürlich lügt er: Im jüngsten Interview mit dem Spiegel behauptet er, er habe Grass, Fischer und Jens mit seiner Paulskirchenrede anklagen wollen, Ignatz Bubis keinesfalls. Wenn auch sein Neid und seine Missgunst ob ihrer unangemessenen öffentlichen Strahlkraft den Genannten gegolten haben mögen, der Hass ergoss sich über die, die ihm als schuldig an deren Glanz und überhaupt galten, über Bubis und über Reich-Ranicki. „Man“ hat niemals um eine Debatte mit Grass, Fischer, Jens et. al. gebeten. „Man“ hat sich willig und widerspruchslos einladen lassen, zu einem Gespräch mit Bubis. „Man“ hätte niemals als Opfer von Grass, Jens, Fischer reüssieren können. Bubis hingegen oder auch Reich-Ranicki, an ihnen hat Walser sein Ressentiment hemmungslos ausgelebt, mitleidlos aus der Perspektive des überlegenen Opfers heraus: aus der des deutschen Opfers.
More later…

Reread aus gegebenem Anlass: „Der Kla­mauk wird zudem durch eine auch im deut­schen Nach­kriegs­film be­lieb­te Figur sank­tio­niert: den jung ge­blie­be­nen Leh­rer…“

Pennälerfilme dürften in Deutschland auch deswegen so beliebt sein, weil sie das Selbstbild der orientierungslosen und zur Mündigkeit irgendwie unreifen Adoleszenten, die es am Ende immer nicht besser wussten und so nicht gemeint hatten, bestätigen. Charismatische Leh­rerfiguren lassen die Disziplinierung harmlos erscheinen und am Ende steht das Lob des autoritären Staates selbst.
Jakob Hayner – Der neue deutsche Volkskörper, Jungle World


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Schafft ein, zwei, viele Deutsche! Der Fortpflanzungsterror der „jungen Nation“ (6.8.2011)

Der Landesvorsitzende der Jungen Union Nordrhein-Westfalen, Sven Volmering, sagte, seine Organisation fordere ‚angesichts der demografischen Entwicklung mehr und nicht weniger Kinderlärm’.
Focus.de

Und heute da hört uns Deutschland und morgen die ganze Welt…
Hans Baumann – Es zittern die morschen Knochen

Die „beliebteste Nation der Welt“ (BBC-Poll according to Welt.de) bereitet sich einmal mehr darauf vor, für ihre einzigartige Aufopferungsbereitschaft belohnt zu werden. Und opfert auf dem Altar des Fortbestands des Volkes die im Lande angeblich so geschätzte Ruhe. Unter Ruhe jedoch wird in Deutschland seit jeher nicht die Qualität Stille, also die luxuriöse Abwesenheit von Krach, verstanden sondern das ruhige Gemüt, das beruhigte Gewissen, das Ruhekissen. Dem deutschen Bedürfnis nach Ruhe wird, notfalls mit drastischen Mitteln, aus zwei erst einmal entgegengesetzt anmutenden Gründen Ausdruck verliehen: aus Neid auf allzu lautstark geäußerte Lust am Leben und aus Gleichgültigkeit oder/ und Brutalität gegenüber den Schreien der Gequälten, Misshandelten und Leidenden (Neid diesen gegenüber entsteht dann, wenn man den Opfern ihr Leiden nachträglich missgönnt und umso mehr gelitten haben will; während man sie zuvor um alles beneidete, was man ihnen nicht gönnen mochte, um sich an ihnen rächen oder gegen sie wehren zu dürfen – das ist so krude wie notwendiger Bestandteil deutscher Ideologie). All dem begegnen die Deutschen mit dem gleichen missgünstigen, misstrauischen, missmutigen, miserablen „Lass’ mich in Ruhe!“. Das gilt nicht dem Lärm sondern dessen Motivation, denn Krach produzieren sie selbst ausgesprochen gerne, wobei allerdings peinlich genau darauf geachtet wird, dass der Anlass (Schützen- oder Oktoberfeste, Humtata-Karnevalsumzüge, Fußballweltmeisterschaften etc.) unverdächtig ist und er die Gemeinschaft, welcher als angemessen empfundenen Natur auch immer sie sein mag, ausdrücklich betont.

Sicher, das plötzliche Verschwinden Hunderttausender jüdischer Nachbarn mit nichts als einem Köfferchen in der Hand konnte für den objektiven Betrachter der damaligen Zeit nur einen Kurzurlaub auf Usedom bedeuten. Und die anschließende Belegung ihrer Wohnungen samt Mobiliar durch die arischen Nachbarn belegte die These der unmittelbar bevorstehenden Rückkehr der Besitzer mit großem Nachdruck. Auch der öffentliche Abtransport Hunderttausender Juden in Güterwaggons Richtung Osten und die leere Rückreise derselben hat nur eine kleine, privilegierte und informierte Minderheit Böses annehmen lassen.
Nathan Gelbart (via hankythewanky)

Die unüberhörbarste deutsche Lärmproduktion im Wortsinne fand zwischen 1933 und 1945 statt. Die bloß deutsche Revolution ging einher mit dem schrillen Schreien ihrer Repräsentanten, mit Tschingderassabum, Gegröle, Kanonendonner, Sirenen, den „Jericho-Trompeten“ der Stukas und einem einfältigen Lied nach dem unvermeidlichen anderen. Es verwundert geradezu, dass noch keiner der sonst um abwegige Entschuldungen nicht verlegenen Volksgenossen auf die Idee kam zu behaupten, man habe einfach nichts mitbekommen können, weil’s doch im „Dritten Reich“ eh immer so laut gewesen sei. Die pausenlose Geräuschkulisse diente vornehmlich dazu, den jugendlichen Elan der Bewegung hervorzuheben – das hysterische Kreischen, anspornende Brüllen und begeisterte Johlen galt dem einen Volke als Inbegriff von Frische und Ursprünglichkeit. Die von den völkischen Jugendbewegungen des 19. Und 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflussten Nazis (vgl. George L. Mosses Grundlagenwerk „Die völkische Revolution. Über die geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus“) fühlten sich den Heranwachsenden genauso weit verpflichtet, wie sie mit deren Vitalität und Virilität beispielsweise grenzenloses Wachstum zu begründen in der Lage waren. In den Lagern des Jungvolks war lautstarkes Bekunden der Freude an Gemeinschaft, Kräftemessen und Bewegung an frischer Luft obligatorisch. Darüber hinaus setzten die Nationalsozialisten eine Reihe kinderfreundlicher Gesetze in Kraft, bei denen es vornehmlich darum ging, Kinder aus proletarischem Milieu nicht mehr als billige Arbeitskräfte sondern als Deutsche zu definieren und sich somit deren Zugehörigkeitsgefühls zu versichern. Alle fortschrittlich anmutenden Gesetze wiesen dementsprechend die eine Einschränkung auf: Sie galten ausschließlich für ‚Arier’. Spätestens mit den Nürnberger Rassegesetzen waren vor allem Juden von den ‚Errungenschaften’ deutscher Gleichberechtigungspolitik ausgeschlossen. Das jüdische Kind wurde mit allen daraus resultierenden Konsequenzen de facto als jüdischer Erwachsener behandelt, der im Gegensatz zu den sich noch im Werden befindlich wähnenden Volksgenossen für alles und jedes Übel verantwortlich gemacht wurde, als Repräsentant der uralten Gegenrasse, des einen Volksfeindes. Kindheit und Jugend waren den (‚erbgesunden’) Deutschen vorbehalten und wurden politisch propagiert und medial verherrlicht.
Der im Nachkriegsdeutschland unisono als unpolitisch gehandelte Film „Die Feuerzangenbowle“ (1944, Vorbild für unzählige so genannte Pennälerfilme seit den späten 1960ern!) zeugt von der Sehnsucht der Deutschen als ewig Jungenhafte von aller individuellen Verantwortung frei zu sein. Der gleichermaßen als Salonlöwe wie als Autor erfolgreiche Hans Pfeiffer, der aufgrund seiner Erziehung durch Hauslehrer nie die ausgelassenen Freuden gemeinschaftlichen Schulbesuchs erfahren durfte, verjüngt sich zunächst nur optisch, um am Unterricht eines Gymnasiums teilnehmen zu können. Der äußerlichen Verwandlung folgt die geistig-moralische, und derart geläutert produziert Pfeiffer nunmehr vor allem eines: Lärm. Der Klamauk wird zudem durch eine auch im deutschen Nachkriegsfilm beliebte Figur sanktioniert: den jung gebliebenen Lehrer, und am Ende den wieder jung gewordenen Rektor, dessen frisch, fromm, fröhlich blondes, schrill kicherndes, krakeelendes und trotz aller vorgeblichen Unschuld vor allem im besten Gebäralter sich befindendes Töchterlein Pfeiffer schlussendlich ehelichen will. Statt seiner deutlich älteren und erkennbar sexuell erfahrenen vormaligen Geliebten, einer sich ausgesprochen erwachsen und ergo blasiert gebenden (eher dunkelhaarigen) Dame von Welt, die nicht ans Herz sondern die Vernunft, das Verantwortungsbewusstsein und letztlich den Geldbeutel appelliert und vor allem unnatürlich leise spricht. Und so geriert sie sich angesichts des Tumults der sie irgendwann naiv begeistert bedrängenden Schulkameraden Pfeiffers ostentativ artifiziell und bittet die „Herren“ (!) darum, doch nicht so einen Lärm zu veranstalten.
Zweifellos hatte die deutsche Frau offiziell vor allem einen Zweck zu erfüllen, und der war die Produktion Deutscher. In einem abgesehen davon breiten Rahmen jedoch existierten im „Dritten Reich“ durchaus vielfältige emanzipatorische Bestrebungen, die problemlos in das System integriert werden konnten. Es gab eine deutsche Frauenbewegung, die unwidersprochen Rechte einfordern durfte, und Leni Riefenstahl war trotz ihrer späteren (eigentlich leicht durchschaubar grotesken aber nichtsdestotrotz erfolgreichen) Selbstdarstellung als widerständiges Ausnahmetalent, das „nur Filme machen wollte“, eine durchaus bewunderte Ikone weiblicher Kreativität. Auch Prüderie war kein herausragendes Merkmal der Deutschen von 1933 bis 1945 – au contraire – jegliche augenzwinkernde und in den Arbeitsdiensten oder Freizeitlagern unermüdlich konterkarierte Kundgebung sexueller Zurückhaltung war bloße Konzession an insbesondere katholische oder anders tugendhafte Deutsche, wie auch das „Dritte Reich“ in jeglicher Hinsicht (außer wenn es um die Juden ging!) permanent bereit war Konzessionen zu machen. Prinzipiell war Nazi-Deutschland allen gegenüber aufgeschlossen, die Deutsche herstellen, sich darin üben oder dazu beitragen wollten (Riefenstahls schöne deutsche Jugendliche sind hier ein nicht zu unterschätzender Propagandafaktor: Dies könnte Ihr Kind sein!) – auf welche Art und in welchen (heterosexuellen) Verhältnissen auch immer sie das tun mochten. Tatsächlich schafften die Deutschen darüber hinaus Freiräume, in denen die Volksgenossen wirklich alles durften: die Konzentrationslager.
Nach 1945 herrschte bequemerweise die Meinung vor, Deutschland habe zwölf Jahre lang als geknechtetes und von einer grausamen Diktatur zum Schweigen gezwungenes Volk dahinvegetiert. Ebenso bequem wurden die unzähligen Beschwerden ignoriert, die das so ganz und gar nicht stumme Volk unermüdlich an relevante Institutionen weiterleitete (vgl. Robert Gellately – Backing Hitler. Consent and Coercion in Nazi Germany). In ihnen ging es vorwiegend um die ungerechte Verteilung des tagtäglich Erbeuteten oder ‚Rassenschande’. Der Traum der Deutschen allerdings offenbarte sich genau dort, wo ihm keinerlei Grenzen mehr gesetzt wurden. Und sie schufen eine Kakophonie des Grauens. Eine Collage gewollt widersprüchlicher Melodien, wo Kitsch und Grauen sich gegenseitig bedingten, durch Schreien dirigiert und jeden Schrei übertönend.
Ganz am Schluss erst konnten die Deutschen dazu gebracht werden, endlich mit dem Lärmen aufzuhören. Für einen kurzen Moment hielten sie dann erschrocken die Luft an (© by KdP), nur um bereits im ersten Augenblick des ob der ausbleibenden Strafe Aufatmens mit ihrem Gejammer die nachhallenden Klagen ihrer Opfer um jeden Preis zu übertönen.
Der erfolgreichste deutsche Nachkriegsroman wartete folgerichtig mit einem ausschließlich Lärm veranstaltenden Helden auf. In Günter Grass’ „Blechtrommel“ (1959) trommelt und schreit das deutsche ewige Kind Oskar Matzerath vorgeblich gegen die Nazis an, die es aber bloß imitiert und ihnen die vom Volk bis zum Ende herbeigesehnte kindische Variante einer Wunderwaffe vorführt: seine zerstörerische Stimme. Ganz anders als bei der ungleich und unangemessen erfolgloseren Gisela Elsner, die in „Fliegeralarm“ drastisch das konformistische Moment von Kinderlärm ausstellt. Derweil galt dem durchschnittlichen Nachkriegsdeutschen das stille Kind aber als Ideal; es glich so weniger den als gefährlich für den Bestand erkannten Schreihälsen im „Dritten Reich“ und diente als Spiegel ihres unauffällig zu sein habenden Selbst, als Beleg dafür, dass man nicht am Lärmen teilgenommen hatte.
Es blieb der kommenden sich ebenso von Schuld frei wähnenden und zur Ruhe ermahnten Generation vorbehalten, den Krach wiederzuentdecken. Aufbauend häufig auf ähnlichen Grundlagen wie ihre völkisch motivierten Vorfahren. In den Kinderläden der 68er herrschte das angeblich natürliche und noch angeblicher fröhliche Kreischen, Grölen und Johlen der Kleinen vor. Das wiederum den Grundstock legte für die nächste Generation jammernder Deutscher, die sich seit den 1990ern noch eine zeitlang ausführlich über ihr Leiden an den ihnen von ihren Eltern grausam gewährten Freiheiten beklagen durften. Damit ist es nun vorbei. Einzig die Senioren-Union mag noch Einspruch erheben gegen das bloß ihnen nach wie vor als subversiv oder allzu bekannt gelten mögende Gekreische.


Monty Python – Hell’s Grannies

Das Baby von Familienministerin Kristina Schröder ist da. Lotte Marie heißt das Kind, Mutter und Baby sind wohlauf. Und auch der Bundesrepublik geht es bestens.
Berliner Morgenpost

Während der unüberhörbare Beifall, der Thilo Sarrazin aus allen Schichten der Gesellschaft beschallt, den Wunsch nach nichts anderem als mindestens so genannten positiven eugenischen Maßnahmen unterstreicht, sind die offiziellen Volksvertreter noch vorsichtiger in der Umsetzung des Willens und Wollens ihresgleichens. Das beliebteste Volk der Welt hat sich eben deswegen keinesfalls als rassistisch darzustellen, als kinderfreundlicher sogar noch als die „vorbildlichen Skandinavier“ hingegen soll die einstmals kinderfeindliche Nation in Zukunft dastehen. Da man hierzulande in seiner Missgunst dem Nächsten nicht einmal den Dreck unter dessen Fingernägeln gönnt, wird propagiert, es hinge gerade eben nicht vom Geld ab, dass die Deutschen sich nicht mehr so recht fortpflanzen wollen. Vielmehr sei das kinderfeindliche Klima schuld am Niedergang der Nation. So lächerlich es klingen mag, dass daraufhin zuerst ein Gesetz für Kinderlärm unter Beteiligung aller deutschen Parteien erlassen wird, so offensichtlich sind dessen problematische Traditionslinien. Und natürlich schlägt man diverse Fliegen mit einer Klappe: Ums Bezahlen für den Bestand ist man mit hochmoralischem Gestus herumgekommen; gerade die Armen im Lande werden dadurch nicht zu übermäßiger Kinderproduktion angeregt, ebenso wenig die vielen in ärmlichen Verhältnissen leben sollenden „Menschen mit Migrationshintergrund“, die sind in ihren billigen Wohnungen in oft desolaten Gegenden eh meist dermaßen unerträglichen Lärmquellen ausgesetzt, dass es auf ein bisschen mehr oder weniger nicht mehr ankommt. Man braucht auch kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn man den Nachbarn, der sein Kind verprügelt, nicht anzeigt, gegen Kindergeschrei kann man nun mal nichts machen. Es hat natürlich zu sein.
Hinter all dem steht auch ein „Schreit so lange ihr es noch dürft, irgendwann ist es damit vorbei!“ Und jeder weiß, dass Kindergeschrei keinesfalls prinzipiell Ausdruck von Lebensfreude ist, viel öfter zeugt es von Hilflosigkeit und verzweifeltem sich Ausgeliefertfühlen; irgendwer ist immer stärker und mächtiger. Und wenn das Kind nicht grölend herumtoben mag, und stattdessen gerne still in der Ecke sitzt und liest, gilt es fortan als die Urwüchsigkeit und die Volksertüchtigung gefährdendes Element. „Geh doch mal raus spielen“, soll kein nerviger Vorschlag mehr sein sondern der Beleg dafür, dass man das Gesetz achtet. Und das Geschrei unzufriedener, unbefriedigter, frustrierter, ignorierter etc. Kreaturen wird kurzerhand unisono als wertvoll für die Selbstentfaltung erklärt.
Auf der anderen Seite zeugt das Bemühen nahezu aller Politiker, den deutschen Nachwuchs zum Schreien zu animieren von ihrem schlichten Gemüt: Das weit verbreitete Vorurteil, die „Ausländerkinder“ seien so viel lauter als die eigenen wohlerzogenen Abkömmlinge, lässt sie offenbar vermuten, der Krach rege zum endlich ernst gemeinten Zeugungsakt an: „Ach, ich will auch was haben, das 80 Dezibel machen kann.“ (Zum Vergleich: 65 Dezibel, Beginn der Schädigung des vegetativen Nervensystems, erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Damit erledigt man nebenbei gleich das vor allem von weiten Teilen der Jungen Union als solches empfundene lästige Seniorenproblem mit.) Und die „ausländischen Mitbürger“, denen man sogar noch weniger gönnt als den Volksgenossen, haben gefälligst nicht besser im Kinderkriegen zu sein. Da die rassistischen Ausschreitungen vor allem seit 1989 das Bild, das sich die Welt von den reumütigen Deutschen zu machen hatte, gravierend gefährdeten, müssen andere Mittel her, um das Land als deutsches zu bewahren. Hier geht es nicht ausschließlich um die Angst vor „Überfremdung“, sondern auch um den von Wolfgang Pohrt richtig beschriebenen Neid der Deutschen angesichts von nichtimdeutschenwurzelnden Müttern vieler Kinder, die ihnen im Schlussverkauf irgendwas vor der Nase wegziehen und das auch noch mit dem deutsch imaginierten und ersehnten guten Gewissen, mit einer Rechtfertigung vor sich selbst und allen anderen. „Obwohl die BRD ein Wohlstandsland ist, spielen sich bei der Öffnung der Kaufhäuser im Schlussverkauf regelmäßig Szenen ab, die an die Verteilung von Brot an die verhungernden Kurden erinnern. {…} Es dürfte hart für die Deutschen sein, wenn sie es mit ansehen müssen, wie andere die besseren Menschen sind, wenn sie tun, was die Deutschen nicht lassen können.“ (Wolfgang Pohrt – Das Jahr danach. Ein Bericht über die Vorkriegszeit., 169)


Martin Creed – Mothers


„Serial Mom“, John Waters (1994): „Separate your garbage!“, Screenshot

Die neue junge deutsche Frau, der man lange genug eingeimpft hat, als kinderlose sei sie nicht wirklich erfüllt, und sie könne doch im neuen jungen Deutschland mühelos Job (!) und Kinder „miteinander verbinden“, macht sich entsprechend auf, ihren Bauch nicht mehr für sich zu beanspruchen, sondern ihn buchstäblich als Rammbock einzusetzen. Schwangere Frauen und solche mit Kinderwagen rempeln (vorzugsweise in als wohlhabend und/ oder grün-alternativ aufgehübschten Städten respektive Stadtteilen) rücksichts- und grundlos Passanten an, die ihnen nicht umgehend den Tribut zollen, den die zukünftigen oder frischgebackenen Mütter der Nation einfordern. Ihre unverhohlen strahlend daherkommende Aggressivität ist nicht bloß dem Stolz auf die verdienstvolle Rolle geschuldet sondern vermutlich auch der Ahnung, dass das Ganze irgendwann wird teuer zu bezahlen sein, mit dem Verlust von Stille und einem erhöhten „Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ oder unerwünschten Falten. Wenigstens liefert Das Gesetz auch den Rest der Bevölkerung denselben Strapazen und Gefährdungen aus, darauf wird man mit Schubsen, ungeduldigem Drängeln beizeiten vorbereitet. Und Gnade dem, der es wagt, rauchend an einer Ampel zu warten, während die Erfüllten sich in seiner Nähe befinden…
Mehr oder weniger gelungene literarische Umsetzungen des Ausgeliefertseins an Kinder gibt es zuhauf: In John Wyndhams Midwich Cuckoos bilden die (vordergründig Alien-)Kinder eine verschworene, Erwachsene, die sich ihnen in den Weg stellen, mordende Gemeinschaft; in Doris Lessings „Memoirs of a Survivor“ und „The Fifth Child“ ziehen marodierende Kinder- und Heranwachsenden-Banden durchs trostlose Land; in Tennessee Williams’ „Suddenly Last Summer“ zerstückeln und essen minderjährige Jungen ihren Vergewaltiger in einem Akt hilflos brutaler Selbstjustiz; in Ira Levins „Stepford Wives“ zieht Joanna Newsom ihrer Kinder wegen und aufgrund des Drängens ihres Mannes in die erst einmal idyllische und erschreckend saubere, vor allem aber kinderfreundliche Kleinstadt Stepford, wird ermordet und durch einen Heiligeundhure-Roboter ersetzt, der nichts mehr tut, als die Kinder zu erziehen, zu kochen, putzen, einzukaufen und ihrem Mann jeden Willen und Wunsch zu erfüllen etc. pp. Und in der britischen TV-Serie „Cracker“ (dt. „Für alle Fälle Fitz“) klagt die hochschwangere Ehefrau den Autoren eines Science Fiction-Romans an, der die Schrecken einer Invasion beschreibt, in der Aliens die Körper von Menschen in Besitz nehmen und sie von innen heraus ausbeuten, das könne nur ein Mann als Fiktion geschrieben haben. In „Alien“ (Ridley Scott, 1979) hingegen bedeuten ‚Befruchtung’ und ‚Schwangerschaft’ den sicheren Tod.
Diese unterschwellig immer vorhandene Ahnung von Ausgesetztsein konterkariert die Regierung mit einer potentiellen Mutterkreuzträgerin, die mühelos vier, fünf oder wie viel auch immer Kinder neben ihren vielen politischen Aufgaben großziehen konnte, die aber um der Zielsetzung Willen irgendwann durch eine erstgebärfähige Nachfolgerin ersetzt wurde. Deren Kind trägt dann auch entsprechend einen Namen, der zwar wie derzeit angesagt ausgesprochen deutsch ist, jedoch Erinnerungen an Astrid Lindgrens fröhlichere und harmlosere Kinder aus Bullerbü evoziert. Womit ein weiterer Kreis aus den sich an angeblich entgegengesetzten Enden der Strecke befindenden Punkte gebogen wird, wo sich notwendig natürlich deutscher Nachwuchs und natürlicher Kinderladenkrawall treffen.

Deutschland ist volljährig, aber auch noch ein Teenager. Der fühlt sich stark, hat aber noch einiges zu lernen, bekommt die Fahrerlaubnis, aber erst mal auf Probe, kann bis nach Mitternacht in der Disco feiern, muss aber mit dem Kater selber klarkommen, darf wählen gehen, spricht aber noch im Jugendslang über die Politiker. Volljährig sein bedeutet aber auch: Man kann sich endlich mal so richtig das Jawort geben.
Katrin Göring-Eckardt, Grüne (Süddeutsche.de, 2008)

Ja, Deutschland wird volljährig – Grund zu feiern. Aber auch 18-Jährige sind noch auf der Suche nach ihrer Rolle und manchmal uneins mit sich selbst. Das gilt auch für Deutschland. Also, tu nicht so erwachsen, Deutschland, erhalte dir den Charme des Unfertigen!
Holger Treutmann, Pfarrer der Frauenkirche Dresden (ebd.)

Dieses Reich hat die ersten Tage seiner Jugend erlebt, es wird weiter wachsen in Jahrhunderte hinaus, es wird stark und mächtig werden! Die Fahnen werden durch die Zeiten getragen von immer neuen Generationen unseres Volkes. Deutschland hat sich gefunden! Unser Volk ist wiedergeboren!
Adolf Hitler, Reichsparteitag der Ehre, Nürnberg 1936

Die „späte Nation“ hat als ewig junge zu gelten, nur so ist sie fähig, alles von ihr Ausgehende zu entschulden. Knut Hamsun lieferte ein Beispiel ihrer Exkulpierungsstrategien seit spätestens 1933: „Er bezeichnete Deutschland als «junge Nation», die das Recht der Jugend auf Selbstentfaltung beanspruchte. {…} «Deutschland befindet sich mitten im Umbau. Wenn die Regierung Konzentrationslager einrichtet, so sollten Sie und die Welt verstehen, dass sie gute Gründe hat», belehrte er 1934 den norwegischen Ingenieur Christopher Vibe, der sich für Carl von Ossietzky einsetzte. Als dem KZ-Insassen zwei Jahre später der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde, entrüstete sich Hamsun lautstark. Seine eigene Nobelpreis-Medaille schenkte er 1943 dem Reichspropagandaminister Goebbels.“ (Aldo Keel – Der norwegische Nobelpreisträger: Gefeiert und umstritten)
Marcel Proust schrieb À la recherche du temps perdu in einem schalldicht isolierten Raum am Boulevard Haussmann in Paris. Das Oberverwaltungsgericht Münster aber urteilte apodiktisch und noch die individuellsten Schutzmaßnahmen als miesmacherisch denunzierend: „Wer Kinderlärm als lästig empfindet, {…} hat selbst eine falsche Einstellung zu Kindern.“

Recommended reading:
Ira Levin – The Stepford Wives (see also the 1975 movie version) + The Boys from Brazil + Rosemary’s Baby
Tennessee Williams – Suddenly Last Summer
Magnus Klaue – Lärm ist geil
Marcel Proust – À la recherche du temps perdue
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Later: Offenbar hat Götz Aly den Neidwennnichtmitmissgunst-ihnverwechselndengedanken aufgenommen und daraus womöglich doch nur wieder ‚Deutsche Opfer‘ exzerpiert. More to come!

+ Noch später: „Leider wird oft vergessen: Kinder sind unsere natürlichen Feinde. Die ihnen gemäße Staatsform ist die Diktatur. Wenn sie könnten, würden sie unser Konto plündern, uns in der Küche anketten, uns eine Magnum an die Schläfe halten und uns 24 Stunden am Tag Schokoschaumkuchen backen lassen. Wenn Sie einmal gehört und gesehen haben, was ein Kind an einer Supermarktkasse zu veranstalten in der Lage ist, um Sie fertigzumachen, dann wissen Sie: Ihren süßen kleinen Fratz, den Sie zu einem besseren Menschen erziehen wollen, können Sie jederzeit als akustisches Folterinstrument in Guantánamo einsetzen. Für den Umgang mit Kindern gilt, was für den Krieg gilt. Es gibt nur ein Gesetz: Sie oder wir. Sie sollten also wissen, was zu tun ist. Die Anwendung von Verhütungsmitteln ist einfach zu erlernen.Thomas Blum – Sie oder wir, Jungle World

Anselm Kiefer – der Künstler als Deutschlandinsichtragender

Anfang der Neunziger stand der Autor dieses Artikels verdutzt daneben, als sich zwei Besucher im San Francisco Museum of Modern Art über ein Kiefer-Exponat unterhielten, das ein jüngerer, durchaus weltläufig aussehender Mann seinem Kollegen schwärmerisch mit den Worten anpries: »It’s Kiefer, the new nazi artist from Germany!«
Martin Büsser – Viel Rauch um Neo, Konkret 01/08

Yeah, I got a thing for cows.“ Lana, Boys Don’t Cry

Ebenfalls Anfang der Neunziger waren Kühe unerklärlicherweise das angesagteste Accessoire fürs Mädchen und sein Zimmer. Es gab Kuh-Miniaturen, Ohrhänger, Armbänder, Poster, Geschirr, Salz- und Pfefferstreuer, Röcke, Jacken, Strumpfhosen – alles schwarz-weiß gefleckt. Dass der recht peinliche Hype der Grund dafür ist, dass Anselm Kiefer seine neun seit 1994 entstandenen Kuhbilder jetzt erst der Öffentlichkeit zugänglich macht, ist anzunehmen. Wobei seine Kühe, natürlich, überwiegend hellbraun sind. Bei Berlin online kann man ein Beispiel aus der „Europa“-Serie sehen: Vor kieferschem Hintergrund, der seine üblichen Tafelbilder* als das, was sie tatsächlich sind, entlarvt, weidet eine Kuh, die einem ambitioniert illustrierten Kinderbuch aus den 1960ern enttrabt zu sein scheint. Zudem hat Kiefer den Platz im Bild, hinter dem bei einer echten Kuh der Magen liegt, mit Stroh und/ oder Heu beklebt, was vom Materialreiz her ungefähr so aufregend ist wie die von aufs Land verschlagenen Lehrerinnen in ihrer Freizeitverzweiflung verfertigten überdimensionierten Kränze aus Zeugs vom Feld, die man dort zur Abschreckung an die Haustür hängt.
Kiefer, der, natürlich, Beuys-Schüler, der im Gegensatz zu Jonathan Meese seine Hitler-Gruß-Posen völlig unaufgeregt und mit riefenstahlschem Unschulds-Pathos inszenierte, geht wie jeder gute Deutsche und nach wie vor davon aus, dass er ein Provokateur sei. So verkündete er bei der Vernissage Angela Merkel, die die Kuh-Ausstellung eröffnete, „er habe wohl eines mit der Kanzerlerin gemeinsam, und zwar dass sie beide im Ausland mehr angesehen seien als im Inland.“ (Berlin online – Merkel eröffnet Kiefer-Ausstellung in Potsdam) Gemeinsam haben sie, dass sie sowohl im In- als auch im Ausland unangemessen „mehr angesehen“ (Meinten Sie: angesehener) sind, als sie es ob ihrer für den jeweiligen Beruf verfügbaren Fähigkeiten sein sollten. Egal…
Zum wiederholten Male muss hier mitgeteilt werden, dass jemand, der fürs selbst Geschaffene kritisiert wird, nicht notwendigerweise ein mutiger Provokateur, ein bahnbrechendes Genie, ein ungerecht Verfolgter bzw. Vertriebener (Kiefer setzt ‚uns‘ in Kenntnis: Er müsse gar nicht in Deutschland wohnen, er trage nämlich Deutschland in sich – schön wär’s) oder was auch immer man sich in einschlägigen Kreisen so einbildet, sein muss. Da das deutsche Aufopferungsraunen aber regelmäßig mindestens den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels einbringt, den Kiefer 2008 als erster bildender Künstler überhaupt entgegegen nehmen durfte, bleibt dem mittelmäßigen Zeichner, dem Künstler, der Antoni Tàpies’ seltsam wilden Umgang mit dem Material in etwas Eintopfartiges verwandelte, nichts als sich einzigartig wähnend rumzujammern – wie vor ihm alle anderen von Deutschen als künstlerisch anerkannten Deutschen.

The friendly cow all red and white,
I love with all my heart:
She gives me cream with all her might,
To eat with apple-tart.

R.L. Stevenson – The Cow

Eine Kuh-Serie fordert den Vergleich mit Picassos Stier-Arbeiten unvermeidlich heraus, und der endet wie der mit Tàpies. Kiefers Kühe sind ganz im Gegensatz zu den sensationellen und tatsächlich einzigartigen Stieren Picassos (selbst wenn er sie Metzger-Schaubildern gleich in Zonen aufteilt) essbar. „Europa“, „Pasiphae“ (s.u.)? Humbug! In Kulturzeit wurden sie ebenfalls vorgeführt, und sie heißen definitiv: Malwine, Trude, Dietgard, Jutta usw. Wie sie auch das lieblos im obligatorischen Grundkurs Aktzeichnen I erlernte Bemühen um anatomische Wiedererkennbarkeit belegen. Ob nun mit oder ohne Loch im Bauch. „Dahinter sind auf Leinwänden mit dicken [sic!] Farbauftrag [so einfach ist das nicht, hiermit für deutsch verfolgt erklärter Kunstbejubler von dapd, ddp oder Berlin online!] - Kiefer verwendet Öl und Acryl – liegende, weidende oder stehende Kühe zu sehen. Auf einigen liegen Naturmaterialien wie Heu oder Dornenzweige.“ (Berlin online, ebd.) Dornenzweige, natürlich, und die Kanzlerin stimmt leidend ein: „Merkel sagte sie freue sich besonders, dass sie einmal über Kühe sprechen könne, ohne dass sie über Agrarsubventionen sprechen müsse.“ (Ebd.) Ja, unglaublich witzig. Der ebenfalls anwesende Mathias Döpfner (Bild-Überschrift: „Die Kunst der Kühe“ – dem ist nichts hinzuzufügen) dürfte angemessen gegrinst haben.
Bei Berlin online geht es genauso lustig weiter: „„Europa“ nennt der 65-Jährige einige seiner Werke, „Pasiphae“ andere. Diese mythische Figur versteckte sich der Legende nach in einer hölzernen Kuh, um sich mit ihrem geliebten Stier vereinigen zu können. Daraus ging der Stiermensch Minotaurus hervor, der später viel Unheil anrichtete. […] Es sei natürlich kein Zufall, dass diese Bilder nun an dieser Brücke zwischen Berlin und Potsdam, „wo Europa sich weitergebildet hat, gezeigt werden“, sagt Kiefer […]. Er fügt hinzu: „Aber es gibt keinen Zufall, und es stand schon geschrieben, dass die Kühe über diese Brücke kommen würden.““ Wie deutsche Weiterbildungsprogramme für Europa in der Regel aussehen, hat die Geschichte gezeigt. Und wo alles Schicksal ist, kann niemand schuldig geworden sein.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Hervorragende Kunst kann auch auf dem Boden zynischer (nichtdeutscher! Dass das nicht möglich ist, wurde bewiesen.) Ideologien entstehen, und kein Künstler ist verpflichtet rücksichtsvoll zu produzieren, wie Kunst auch keine demokratisch abgestimmte Veranstaltung sein kann.

And Ulrich, who felt pleasantly relaxed, slowly raised his arm, perhaps for no better reason than a desire not to impede the hypnosis, or a wish to please the doctor. For no other reason … He knew, he was convinced, he was positive that he was not a good hypnotic subject as he opened his eyes, with his right hand raised in a stiff salute.
I think we’re getting there, said the doctor pleasantly.
Is it possible for anyone in Germany, nowadays, to raise his right hand, for whatever the reason, and not be flooded by the memory of a dream to end all dreams?

Walter Abish – How German Is It / Wie deutsch ist es (1979)

Der Produzent buchstäblich bleischwerer, pathetischer Hintergründe hatte bereits vor der Erfindung der Leichtigkeit der Kühe eine Phase malerischer Unbefangenheit mit Vordergrund vorzuweisen: Die oben erwähnten Bilder, in denen er sich selbst als Underground Comic-artige Figur vor skizzierten Hintergründen den rechten Arm hebend darstellt, mit nichts Anderem im Sinn, als unausgesprochen Adorno – ausgerechnet! – zu widerlegen: „Ich wollte für mich selbst herausfinden, ob Kunst nach dem Faschismus überhaupt noch möglich ist. Ich wollte hinter dem Erscheinungsphänomen Faschismus, hinter seiner Oberfläche erkennen, was der Abgrund Faschismus für mich selbst bedeutet, denn diese Geschichte ist ja Teil jeder Wirklichkeit, auch meiner Selbstfindung …, ich wollte das Unvorstellbare in mir selbst abbilden.“ (Anselm Kiefer, zitiert nach Ulf Poschardt – Anselm Kiefer macht den Hitlergruß zu Kunst, Welt.online)
Wie üblich irrt Poschardt, zu Kunst wird von Kiefer gar nichts gemacht. Es waren die Nationalsozialisten, die sich mit dem „deutschen Gruß“ ausdrücklich zum Gesamtkunstwerk wagnerschen Überausmaßes erklären wollten; ob als Selbsterfahrungsbebilderung oder missverstandenes Readymade: ‚Die Geste’ ist künstlerisch nicht ‚verwertbar’, weil sie in Dimensionen eindrang, die Kunst verwehrt sind. Es ist außerdem ein typisches Ansinnen von deutschen Leserbriefschreibern darauf hinzuweisen, es handele sich bei ‚der Geste’ um eine römische oder caesarische oder irgendeine Tradition – nach Auschwitz aber stimmt nichts mehr. Und für Kiefer gilt noch mehr als überhaupt (vgl. Gerhard Scheit – Mülltrennung) Adornos: „Alle Kultur nach Auschwitz, samt der dringlichen Kritik daran, ist Müll.
Wie überdurchschnittlich viele Deutsche ist Kiefer ein Vertreter von Binnengruppen-Rebellion, was letztlich bloß bedeutet, dass man nicht über den eigenen Tellerrand hinauszublicken in der Lage ist. Im harmlosesten Fall bedeutet das, dass man für Alexander ist, weil alle Freunde Daniel favorisieren. Die Steigerungsform ist, dass man bei der WM für Deutschland jubelt, weil zwei oder drei Freunde das immer noch nicht tun. (Man kann sie übrigens zur Weißglut treiben, indem man ihnen Mas Que Nada auf den Anrufbeantworter spielt! Im Experiment bewiesen.) Am oberen Ende der Skala ist man wieder mal deutsches Opfer. Wie Kiefer, der kein „Antifaschist“ (vgl. Welt.online) sein und trotzdem nur eine deutsche Antwort finden wollte. Wollte, weil der von ihm deutsch zu widerlegende Adorno längst eine Antwort aufs so genannte Antifaschistentum gefunden hatte, die Kiefer offenbar nicht verstehen konnte (weil er ihn wie so viele, die ihn widerlegen möchten, nicht einmal gelesen hatte) oder den Willen (!) dazu nicht aufbrachte – weil seine Idee ihm albernerweise so einmalig erschien.
Angesichts von Kiefers Bunkerunddergleichen-Installationen meinte Christoph Krämer sich fragen zu müssen, was er denn da gesehen habe: „Nachsatz: Mehr als einmal sind mir beim Schreiben dieses Artikels Zweifel gekommen, ob es sich bei der Arbeit Kiefers nicht um eine höhere Form von Kitsch handelt, um raunendes Pathos, um die kunstgewerblich gefaßte Beschwörung von Vergänglichkeit, kurz, um die Kunst einer Betschwester. Das jedoch erging mir so nur beim Aufschreiben, nicht beim Sehen. ?“ (Christoph Krämer – Die Augen, der Bauch und der Kopf. Kitsch oder Kunst? – Anselm Kiefer in London und Paris, Konkret 09/07)
Wie kann man das beim Betrachten des vereintopften respektive konsumierbaren Pseudomaterials übersehen oder -hören? In London und Paris? Die absolut unzerstörbaren Bunker, die man z.B. während seines Aufenthalts an der dänischen Nordseeküste immer wieder fotografieren möchte, sind Dokumente der Barbarei und im Foto uneingeschränkt Kitsch. Die brutale Zweckmäßigkeit (Weitermachen mit der Vernichtung um jeden Preis! Was sie von allen entsprechenden Gebäuden ihrer Gegner unterscheidet!) der Bauten kann auf ästhetische Konturen reduziert gar nichts anderes sein. Der Nachbau ist prinzipiell Kunsthandwerk, und dient als kultureller Salz- und Pfefferstreuer. Das pubertäre Bedürfnis der deutschen Nachkriegskünstler darauf zu verweisen, dass man – wie belegt – ja noch viel schlimmer und böser sein könne, wird hierzulande und unsinnigerweise weltweit durchaus goutiert. Der absolut unangemessenen Opferhaltung wohnt immer das sich wehren inne. Und nur deshalb sind sie in der Lage, ihren oft mittelmäßigen Kunstwerken etwas Unverwechselbares zu verleihen. Ob man das als thrilling Nazi Chic, befriedigend oder beängstigend empfindet, ist eine Frage kritischer Analyse. Den Künstlern selbst ist es erschreckend und mit grimmiger Entschlossenheit gleichgültig.

Und was, bittschön, ist an Anselm Kiefers »Heroischen Sinnbildern« unschuldig? Kiefer hatte sich für diese im Bildband ausführlich dokumentierte Serie an verschiedenen historischen Stätten mit Hitlergruß fotografiert und seine Pose nachträglich in pathetische Gemälde umgesetzt. Die Serie sei vor allem Jean Genet gewidmet, schreibt Kellein in seinem Katalogbeitrag – aber eben nicht nur Genet, sondern auch Ludwig II., Caspar David Friedrich, Ernst Jünger, Richard Wagner und Adolf Hitler. Wieder einmal wird Kiefer, der ähnlich wie Hans-Jürgen Syberberg dem Germanenpathos, -klamauk und Säbelgerassel eher erliegt, als daß er es einer Kritik unterzöge, als »Mahner« vorgestellt. »Die Wahl der Orte ist nicht evident, insofern Deutsche hier nicht überall Krieg geführt und Mord und Leid verursacht haben«, legitimiert Kellein die Kiefer-Aktion als »Konstruktion historischer Mimesis« und vergißt nicht anzumerken, daß Kiefer »als 1945 Geborener weder Täter noch Opfer gewesen ist«.
Doch bereits die Tatsache, daß Kiefers Verarbeitung deutschnationaler Mythen und Bilder vom Teutoburger Wald bis zur schlesischen Landschaft die Opferperspektive weitgehend ausblendet, hat ihn zu einem Idol der Neuen Rechten werden lassen, so sehr der Künstler selbst seine Faszination für jüdische Kultur und Mythologie auch immer wieder betont. Gegenüber dem »Focus« erklärte er 2002: »Mit der Vernichtung der Juden haben sich die Deutschen selbst amputiert.« Auch hier richtet sich Kiefers Blick nicht vornehmlich auf die Opfer, sondern auf Ruf und Reputation »der Deutschen«, getreu seiner Selbsteinschätzung: »Meine Biographie ist die Biographie Deutschlands.« Von Unschuld kann hier keine Rede sein. Götz Adriani bringt es auf den Punkt: »Die Haltung des Künstlers ist indifferent.«

Martin Büsser – Wohlstand als Triebfeder. Das Umschreiben der Geschichte geht im Kulturbetrieb weiter – wie der großangelegte Versuch zeigt, ’68 als unschuldigen Neubeginn in der Kunst darzustellen, Konkret 09/09

* Da passt immer noch eine Kuh rein!

Reread 5: 1.008 Jahre Riefenstahl

Jenny Elvers-Elbertzhagen wird Leni Riefenstahl, Hitlers Lieblingsregisseurin. Der Film mit dem vielversprechenden Arbeitstitel Angeklagt soll frühestens 2012 in die Kinos kommen. Wer den Film produziert und wer Regie führt, wollte die Agentur der Hauptdarstellerin nicht verraten – nur so viel: Ein Niederländer soll es sein.“ (Katharina Riehl – Die Rolle eines Lebens, Süddeutsche)

Das mit dem Niederländer ist natürlich eine falsche Fährte. Nachdem Riefenstahl Madonna die Rechte an der Verfilmung ihres Lebens nicht gönnen wollte und auch nicht Kevin Costner oder Jodie Foster, kommt nur noch eine Regisseurin in Frage: Riefenstahl selbst. Dass sie tot ist, bedeutet für die schon zu Lebzeiten Untote (s.u.) das geringste Hindernis. In der Süddeutschen wird die Frage gestellt: „Nun also Jenny Elvers-Elbertzhagen. Ob ihr das gefallen hätte?“ Und geantwortet: „Man weiß es nicht.“ (ebd.) Soll das ein Witz sein? Riefenstahl würde es grauenvoll finden, weswegen ihr Geist zu gegebener Zeit Elvers-Elbertzhagens Körper übernehmen wird, um sich unter eigener Regie auch noch angemessen darstellen zu können.


Riefenstahl beim Truppenbesuch in Polen, Bundesarchiv

Als Riefenstahl 100 wurde, schrieb Gert Ockert ihr und ihren Gratulanten eine Laudatio, die an Schicklichkeit kaum zu überbieten ist.

Gert Ockert – 1.000 Jahre Riefenstahl, Konkret 10/02 (kurze Zitate aus einem angebracht langen und leider online nicht verfügbaren Artikel):

Sie haben sich nie für etwas geschämt, niemals um die Opfer ihrer Mordlust getrauert, keine Sekunde lang die Schuld, in der sie vor der ganzen Welt stehen, akzeptiert, keinen Augenblick lang innegehalten, um vor sich selbst zu erschrecken und vor ihrer Geschichte, ein halbes Jahrhundert lang nicht. Und inzwischen tun sie nicht mal mehr so, als ob. Die Deutschen kommen mit ihrer Vergangenheit bestens klar, weil sie nur das in ihrem Gedächtnis bewahren, was bei Gedenktagen nicht stört. Sie sind mit sich im reinen, weil sie jeden, der sie an das erinnert, was sie, und nicht nur eine kleine, exotische Bande von Nazi-Unholden, angerichtet haben, als einen abtun, der sie in den Schmutz ziehen will. Das abscheulichste und entsetzlichste Verbrechen in der Geschichte der Menschheit hat nichts mit ihnen, sondern nur mit ihrem Namen zu tun. […] Kein nennenswerter Akt der Sühne ist den Deutschen je gelungen, den man ihnen nicht hätte aufzwingen müssen, und dann war er erst recht nicht nennenswert. Sie reden sich heraus seit 57 Jahren, sie leugnen, lügen, fälschen, drohen, verklagen, jammern, quatschen schön oder schweigen stur, und sie sind darüber steinreich geworden und arrogant; unbesiegbar, weil sie keine Reue kennen, unentrinnbar, weil sie sich aufdrängen, wo sie nur können, unsterblich, weil ihr Schlaf von keinen Alpträumen gestört wird. Deutsche haben keine Alpträume, denn sie sind selbst einer.
Wie sehr die Kinder der Mörder ihren Eltern in der Absenz von Trauer und Scham ähneln, wie viel Geschwätz sie entfesseln, um nur nichts Selbstkritisches sagen zu müssen, wie sie das Maul aufsperren, damit sie es anderen verbieten können, all das läßt sich am besten besichtigen, wenn ein runder Geburtstag ansteht. Wie z. B. soeben der hundertste einer Frau, die alle Lügen und Frechheiten, alle Gewissenlosigkeit und alles Selbstmitleid dieser Deutschen derart plakativ verkörpert, daß man meinen möchte, sie sei eine Art ektoplasmatische Erscheinung, geboren bei einer nationalen Séance gleich nach Kriegsende, der fleischgewordene kollektive Unwille der Deutschen zur Scham, und darum so alt, so unverwüstlich, so grauenerregend: ein Gespenst der Gemeinheit, eine Wiedergängerin, die für jeden ermordeten Juden ein Jahr Lebenszeit geschenkt bekommen hat, ein Zombie des Obszönen.

[…] Riefenstahl, blödelt Martenstein, ist vermutlich keine Nationalsozialistin gewesen, das sagten jedenfalls alle, die sie damals kannten, nur ein Genie auf Arbeitssuche. Das nehmen mußte, was es kriegen konnte, weil der schwer faschistische Schmarren, den Riefenstahl bereits 1932 in »Das blaue Licht« inszeniert hatte, allein von den Nazis goutiert wurde. […] Eine der wenigen Zigeunerkomparsinnen, die »Tiefland« überlebten, erzählt in der »Süddeutschen Zeitung«, was ihr passierte, nachdem sie vom Set geflüchtet war. Bald fing die Polizei sie ein, und das Genie verlangte von der jungen Frau Bußfertigkeit, was das Mädchen verweigerte: Da hat die Frau Riefenstahl gesagt: »Dann kommst du eben ins Konzentrationslager.« Und so geschah es auch.
[…] Die »Bunte« überliefert, was die Frau mit der atemberaubend erotischen Bildsprache ihren Festgästen zurief: Alles hätte ich mir vorstellen können, aber daß ich 100 Jahre alt werde, niemals! Sie ist unter all diesen exemplarischen Deutschen wahrscheinlich die einzige Person gewesen, die weiß, daß ihr Geburtstag und all das Gewese um ihn in einem zivilisierten Gemeinwesen unvorstellbar wären. In Deutschland aber ist nur der Tod nicht ihr Freund.

Deutsche Straßenfeste seit 1938 V: Extended Deutschland-Remix

Jetzt, da Zeit, Geld und Raum wieder knapper werden.“
Christian Bangel – Patriotismus. Suche nach dem Sinn. Die Zeit online

Ja, aber ich finde es schade, dass wir unser Land kleiner machen, als es ist.
Bushido im Spiegel-Interview

Volk ohne Raum again! Natürlich ist nur ideeller, spiritueller und dergleichen Raum gemeint – das „Luftreich des Traums“, über das Heine sich noch lustig zu machen wagte und das Marx/ Engels als Bestandteil deutscher Selbstgerechtigkeit diagnostizierten – ganz gewiss nicht das ehemalige Aufmarschgebiet im Osten oder im Süden, Westen, Norden. Das Ziel ist derzeit Expansion ohne Waffengewalt – die aber in allen Dimensionen: Breite, Höhe, Tiefe, Zeit und Sympathie. Und wenn die Stringtheorie zutreffen sollte, nehmen die Deutschen die ganzen fein säuberlich aufgerollten Dimensionen noch mit und stricken sich einen Lebensraum daraus.
Nichts wollen die Deutschen offenbar mehr, denn als „ganz normale Nation“ anerkannt zu werden. Es geht ihnen nur um sich selbst; aber ihr Projektionswahn ist so übermächtig, dass sie ihre Missgunst, ihren Selbsthass, der nicht sein darf und ihren Hass aufs „Andere“, der auch notwendig ist, um den Selbsthass ertragen zu können, auf die Welt übertragen, bis sie ihnen in ihren Augen mindestens gleicht. Frankreichs (fußballerisches) „Multikulti-Experiment“ gilt den Deutschen als gescheitert, während sie ihre eigene „Integrationsleistung“ gar nicht genug ausstellen können.
Das Geheimnis des deutschen Erfolgs gibt Bushido im Spiegelinterview preis: „Egal, wie asozial du bist, du weißt in Deutschland immer noch, an welche Regeln du dich halten musst. […] Es ist einem nicht egal. Deswegen brennen hier nicht die Vorstädte. Es gibt diesen Frust in Deutschland nicht. Auch krass asoziale Leute, die ich kenne, machen lieber Raubüberfall oder Einbruch, als Autos anzuzünden. […] Die kennen das Wort Revolte gar nicht. Wenn der Vater ‚Ruhe’ sagt, dann ist Ruhe.“ (Ebd.) ∎

Inmitten der irgendwie Gleichen aber wollen die Deutschen trotzdem einzigartig sein, z.B. im Nichtdürfen. Ihr „Abermanwirdochwohlnoch“ fordert geradezu Ablehnung ein, um sich entweder als Opfer von ewigwandernden Anklagen oder als zu Recht Empörter geben zu können. Alles ganz entspannt und locker natürlich, beispielsweise beim home screening vom Irgendwer vs. Deutschland-Spiel, wo der bereits als generellnichtfürdeutschlandseiend bekannte Besucher zum fröhlichen Empfang mit Schwarzrotgelbfettfarben bemalt werden soll und mehrfach auf Unterlassung bestehen muss. „Achkommschonistdochbloßlustig“. Deutschsein ist totale Party, und wer nicht mitmachen will, steht als ostentative Erinnerung an das, wasdamalwar mitten im Raum. ‚Das’ gehört zwar mittlerweile zur deutschen Folklore, aber niemand will explizit darauf hingewiesen werden, dass seine „Schland“-Party dem Hüpfen auf den Stelen des Holocaust-Mahnmals verblüffend ähnelt. Eigentlich, denn zugleich freut man sich auch ein wenig über die Verweigerer, hat mans doch gewusst: Was man da gerade macht, ist ungeheuer gewagt! Deswegen wird auch so getan, als sei die ein wenig Freudsche Fehlleistung der ZDF-Moderatorin skandalisiert worden. Was natürlich nicht der Fall war – kurz „Dudu“ hat die deutsche Medienwelt gesagt und dann der liebenswert unverstellten Göre verzeihend den Kopf getätschelt. Andere werden schon fürs bloße Deutschlandlieben brutal gedisst, Bushido for instance:
SPIEGEL: Sie haben in einem Song gerappt: „Ich liebe dich, mein Deutschland.
Bushido: Ich habe das genau so gemeint, aber ich wusste natürlich, was für eine Provokation [?] das ist. Anscheinend muss ich nur sagen, was ich denke, und schon ticken alle aus [Was habe ich nicht mitbekommen?]. Auf dem Single-Cover zum WM-Song prangt [!] jetzt der deutsche Adler. Und trotzdem finde ich Rechtsradikale beschissen. (Ebd.)


„Bio-Fußball-Party-Tüte“, via Hässliche Plastikfähnchen und Zeugs

Ja, alle finden die Nazis doof, vor allem die rassistischen Fahnenzerstörerneoneonazis, die den Deutschen, die von Spiegel, Zeit et al. als vorbildliche ‚Ausländer’ ausgemacht wurden, das Schwarzrotgold nicht gönnen wollen. Mit dem 19-jährigen Schüler Manuel freut man sich: „Es ist doch super, wenn die [!] sich so integrieren.“ Wenn die Anekdote stimmt, dass man den deutschen (in jedem halbwegs zivilisierten Land erhält jemand, der dort geboren wurde, die entsprechende Staatsbürgerschaft – hier nicht) Ladenbesitzer und Fahnenbewacher aufforderte, statt der deutschen doch bitte die palästinensische Flagge zu hissen, hat man es dort tatsächlich auf allen Seiten mit – gelinde gesagt – Spinnern zu tun.
Mit den Fahnenverteidigern aber, die sie immer noch als ‚fremd’ ausstellen müssen, um die gewünschte Absolution zu erreichen, lassen die Deutschen sich lieben, wie sie im selben Kontext ihre Feinde hassen lassen. Niemand gilt ihnen als Individuum, die deutsche Nation wird bejubelt im Stellvertreter, der sich integrieren muss, aber nie wirklich nur er selbst sein darf, in seinem Wahnsinn oder im Streben nach gerade noch zu erahnendem Glück. Gerne vorgezeigt wird er als Konservendosenjubler wie als Konservendosenhasser (Lars Quadfasel).
Und selbst davon glaubt man genug zu haben, denn womöglich wären ja noch einige unter denen, die man lieber gleich bis zur Abschiebung einsperrt (ihren Tod dabei wiederholt in Kauf nehmend), ertrinken oder an der Grenze hinrichten lässt – vgl. dazu Cosmoproletarian Solidarity – Denunzieren, was deutsch ist.
Insofern wichtig sind die, die es überhaupt nicht ins Land des „Weltmeisters der Herzen“, der – damits nicht langweilig wird – nunmehr „Sympathieweltmeister“ heißt, zieht. Weltweit geliebt wird die „junge“, „frische“, „bunte“ und wasweißich Mannschaft. Und wenn der israelische Ministerpräsident mal nichts sagt, hat auch das als Liebeserklärung an Deutschland zu gelten („Wer zu höflich ist zu sagen, dass er ‚gegen‘ uns ist, ist für uns!“): „Soweit ist die Zeit dann doch noch nicht, als dass sich ein israelischer Regierungschef öffentlich zur deutschen Mannschaft bekennen kann.“ (Spiegel online)

Warum die Ewiganklagenden immer noch nicht wirklich zugeben wollen, dass auch sie ‚uns’ lieben, erläuterte der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Jacob-Grimm- und Cicero-Rednerpreis-Inhaber, der emeritierte Münchner Historiker Christoph Meier jüngst im Gespräch mit Wolfgang Herles, der den Phönix-Zuschauern („Auf den Punkt“, vom 18.07.10) dessen Buch „Das Gebot zu vergessen und die Unabweisbarkeit des Erinnerns“ wärmstens empfahl. Natürlich sei der Holocaust irgendwie einzigartig und deswegen dürfe man auch irgendwie das Ganze nicht vergessen. Sonst sei Vergessen aber eine schöne und notwendige Sache. Und dann sei das Gedenken ja auch hierzulande mittlerweile eher Routine geworden (ganz so wie bei Walser sei das nicht gemeint, aber schon, doch, vielleicht…). Und überhaupt habe das sich an den Holocaust erinnern müssen vielleicht nicht nur etwas mit der Einzigartigkeit des Verbrechens zu tun, die man natürlich nicht in Frage stellen wolle, aber womöglich läge es auch an jenen, welchen man es angetan habe. Denn: Anders als andere Kulturen basiere das Judentum ja vor allem auf Erinnerung – da könne man gar nicht anders als pausenlos zurückblicken. Ob das auch das deutsche Gedenkenmüssen bedingen würde, fragt der Moderator. Und der Gast antwortet, dem könne sehr wohl so sein. Dann wird es richtig deutsch, ob er denn keinen Skandal befürchte, will Herles wissen – wie bei Walser damals. Ach nein, sagt Meier, seine Bücher nehme ja eh niemand wahr. (Die Sendung ist leider nicht online verfügbar und kann deswegen nur grob zusammengefasst wiedergegeben werden.)

Die Party war eben auch so laut, so schwarzrotgold, so demonstrativ, weil die Teilnehmer nicht anders können, als sich immer noch als Opfer zu präsentieren. Da hilft nicht einmal der Triumph, sich den Hurra-Patriotismus redlich verdient zu haben, indem man zur Nation mit den überhaupt besten Patrioten geworden ist, weil man nämlich am einzigartigen Verbrechen moralisch über alle anderen hinausgewachsen ist. So schnell macht einem das keiner nach. Aber Opfer sein ist trotzdem viel schöner, Verlierer sein gibt Stoff für noch mehr Mythen und uneinholbare Größe: „Bezeichnend, dass Walser ausgerechnet die Deutschen als die guten, knienden Verlierer den allzu „dreisten“ Gewinnern gegenüberstellt. Jemand, der sich in der Vergangenheit so konsequent in die Reihe der Verlierer zweier Weltkriege eingeordnet hat und den Siegern vorwirft mit der „Moralkeule Auschwitz“ zu schwingen, wählt sich selbstverständlich nun den knieenden Schweinsteiger als Ikone und spricht verächtlich über die Sieger unter denen er vermeintlich zu leiden hatte.Dissonanz – Walser, Schweinsteiger und die Deutschen
Würde man Walsers Ikonisierung Schweinsteigers in der Süddeutschen nur ein wenig kürzen, läse sie sich wie ein Brief an die Leser in der Titanic: „Lieber Bastian Schweinsteiger, wenn Sie nach dem 0:1-Spiel nicht auf dem Rasen gekniet wären, vornübergebeugt, die Stirn, vielleicht das Gesicht im Gras, wenn wir Sie in dieser Haltung nicht zweimal auf dem Bildschirm hätten anschauen können, und jedes Mal nicht nur eine Sekunde lang, sondern so lange, dass uns Ihre Haltung durch und durch gegangen ist, wenn das alles so nicht gewesen wäre, würde ich, könnte ich nicht an Sie schreiben. So aber muss ich reagieren auf diesen grandiosen Fußballer, der nach einem 0:1 so kniet, so sich beugt. Wie Sie sich wieder aufgerichtet haben, wurde nicht gezeigt. So bleibt der kniende Bastian Schweinsteiger unser Haupterinnerungsbild […]. Ich habe gedacht: So knien, so sich beugen kann nur einer, der gerade verloren hat. […] Die, die gewonnen haben, sind nicht halb so eindrucksvoll wie die, die verloren haben. […] Es gibt, das kann sich jeder leicht ausrechnen, viel mehr Verlierer als Gewinner. […] Sportplätze sind nur ein Teil dieser Kampfplatz-Welt – wer aber in seinem Feld und Umfeld erlebt, wie sich Gewinner gewöhnlich aufführen, der kann nur hoffen, dass er, wenn er auch mal gewinnt, nicht so dreist aus der Wäsche schaut, wie das der Gewinner tut. […] An Ihre Haltung reicht das alles nicht heran. Sie sollen wissen, Sie hätten uns durch keinen Sieg so faszinieren, so bannen, so für sich einnehmen können, wie durch dieses Hinknien. Die Schicksalsdramaturgie hatte für Fallhöhe gesorgt. Zuerst ein schönes Spiel nach dem anderen, […] dann dieser Sturz ins 0:1 [aka Stalingrad]. Dann knien Sie so lange, wie Sie noch kein Mensch hat knien sehen. Und in der massenhaft belebten Umgebung direkt nach dem ins Unglück verlaufenen Spiels [sic] knien Sie ganz allein, keiner kommt, der Sie, sagen wir, aufrichten will. Das spricht für alle, die da herumrannten [?]. Ich finde, das Bild, das so zustande kam, der gloriose Fußballer kniet allein, die Stirn im Gras, dieses Bild hat es verdient, gespeichert zu werden, überall. […] Mit freundlichen Grüßen, Martin Walser
(vollständiger Text: Süddeutsche, online 09.07.2010)
Da sieht er dann gerne hin, wenn des Deutschen Leiden ausführlich und mehrfach zelebriert wird, an anderer Stelle brüstet er sich damit, „bestimmt schon zwanzigmal weggeschaut“ zu haben – „[v]on den schlimmsten Filmsequenzen aus Konzentrationslagern“.

Christian Bangels ist noch nicht so weit wie Walser. In seiner Jeremiade in der Zeit (Patriotismus. Suche nach dem Sinn), verbreitet er nämlich, der „schwarz-rot-goldene Frohsinn“ der darob „beseelten“ „Millionen Deutschen“ sei immer noch nicht genug. Richtig eins müsse man werden, unterschiedslos und vollkommene Gemeinschaft. „Ohnehin ist der Schwarz-Rot-Geil-Hype mit dem Abschluss des Festes beendet. Das zeigt die Studie des Berliner Soziologen Jürgen Gerhards, der vor, während und nach der WM 2006 in Umfragen die Akzeptanz des Bekenntnisses „Ich bin stolz darauf, Deutscher zu sein“ maß. Das Ergebnis: Drei Wochen nach der WM waren die Werte wieder auf dem Stand von vorher“, jammert Bangel. Dass es überhaupt einen messbaren „Stand“ gibt, ist der Skandal. Der Spruch, den noch vor Jahren nur Neonazis deutsch trotzig auf ihren Jacken spazieren trugen, wird als allgemein gelten zu habender Anspruch formuliert. Ein „Bekenntnis“? Daraus spricht zweierlei: Nach wie vor die absurde Annahme, es sei überaus mutig, aufs Deutschsein stolz zu sein und das Alltagsreligiöse (Claussen) des Nationalstolzes.


via Hässliche Plastikfähnchen und Zeugs

Das, was immer wieder begeistert als kreativer Umgang mit den Insignien der Nation beschrieben wurde, wobei Kreativität nur die Quantität und den Ort (als gäbe es nicht nur einen adäquaten) bezeichnete, der schwarzrotvergoldet wurde – Hund, Katze, Maus, mein Haus, mein Auto, mein Kind – wird am Ende zu einem riesigen Leichentuch zusammengenäht und übers einzigartige ‚deutsche Trauma’ gezerrt: „Unser Auschwitz“. Im Fahnentaumel ist Auschwitz weder vergessen noch präsent. Auschwitz ist überwunden. Darauf mindestens wird man doch wohl noch stolz sein dürfen! Wer dabei nicht mitjubeln mag, ist Spaßbremse, Rassist, ewiggestrig.

Auf die eine zeitlang irgendwie relevante Frage, für wen man denn nun sein solle, um dem Deutschland-Gegröhle wenigstens etwas entgegenhalten zu können, habe ich vor ichweißnichtwievielen Jahren eine rein persönliche und eher emotionale Antwort gefunden. Jenseits davon, dass ich Fußball nur manchmal (ästhetisch) ansprechend finde und Deutschland prinzipiell verlieren sehen möchte, bin ich immer nur für einen einzigen Spieler – aus irgendeinem Grund, der sich schon zeigen wird. Diesmal war das Luis Alberto Suárez Díaz, und zwar u.a. wegen des Hüpfens über die Bande:

Later: Recommended reading
Clems Heni – Freilich für Israel

Lost in the sequel!

Die Nacht der lebenden Idioten“ (2006), via Reflexion

„Die Rückkehr der lebenden Idioten“ (2010), they‘re faster now and … naked!, via Reflexion

Exclusive test screening shot from the forthcoming second sequel: „Fritz – The Scary Living Idiot Rag Doll“ (wt, 2014)

via Hässliche Plastikfähnchen und Zeugs

  1. Later: Postmodernes Spin-off im Dogma-Musical-Stil, mit popkulturellen Referenzen – „Tanz der lebenden Idioten“ (2010):

Deutsches Kunsthandwerk im öffentlichen Raum I: „Du bist Mauerfall“ revisited

Die Nachwehen der Dominoaktion zum Mauerfall-Jubiläum sind am Berliner Hauptbahnhof zu … ? … dafür gibt es keinen passenden Begriff! Hier nur zwei Beispiele des nun auch noch offiziell vom ehemaligen deutschen Deportationsunternehmen zur Aufstellung genehmigten Gesamtkunst-handwerks glücklicher Deutscher.


Seitenansicht, Detail; mehr Ansichten und noch viel mehr zum Thema Ganzschnellumkippenoderlieberalswarnungstehenlassen? bei „Hässliche Plastiktiere und Zeugs“


Seitenansicht, ebd.


Rückansicht, ebd.

Obiger Styroporstein gehörte zu denen, die am 9. November 2009 in Berlin feierlich umgekippt wurden. Der ‚Künstler‘ dokumentiert auf seiner homepage ausführlich dessen Vorder- und Rückseite, auf der die „Berliner Mauer in Palästina“ in der mittlerweile üblichen Manier illustriert wird und überhaupt!. Und natürlich hält auch er – als mutiger Mauerstürmer – sich für ein ‚Opfer diverser Keulen‘.
Mindestens am 9. November nämlich wähnt sich das eigentlich-vorfreudestrahlenwollende Volk von einschlägigen Lobbys für immer und ewig zu reuevoller Demut verdammt.
Aber sicher doch…

dito