Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Valued qualities and their exemplary aesthetic realization IV: Intelligence

Erika Mann * 9. November 1905, München; † 27. August 1969, Zürich



Female war correspondents during World War II (Left to right): Ruth Cowan, Associated Press; Sonia Tomara, New York Herald Tribune; Rosette Hargrove, Newspaper Enterprise Association; Betty Knox, London Evening Standard; Iris Carpenter, Boston Globe; Erika Mann, Liberty magazine

„Lieben konnte sie, aber beliebt war sie nicht. Und sie konnte hassen wie nur wenige. Als sie 1933 Deutschland verlassen hatte, wagte sie es, im April in aller Heimlichkeit nach München zu fahren: Sie war mutig genug, Manuskripte und verschiedene andere wichtige Papiere ihres Vaters zu retten. Wo in späteren Jahren gekämpft wurde und wo es gefährlich war, da war sie als Berichterstatterin an Ort und Stelle: im Spanischen Bürgerkrieg, 1940 bei den Bombenangriffen in London, 1943 am Persischen Golf, 1944 in Frankreich, Belgien und Holland. Als sie gegen Ende des Krieges in amerikanischer Uniform nach Deutschland kam, soll sie, damals noch nicht vierzig Jahre alt, schön wie eine Kriegsgöttin gewesen sein und herrisch wie eine Amazonenkönigin. […] Von Gnade und Barmherzigkeit wollte Erika Mann nichts wissen, Sündern zu vergeben, war sie nicht imstande. Was immer geschah und wem immer sie begegnete, sie blieb so unduldsam wie unversöhnlich. […] Auf die wichtigen Entscheidungen ihres Vaters hat Erika Mann einen unmittelbaren Einfluss ausgeübt – und es war alles in allem ein kluger, ein segensreicher Einfluss. Ihr haben wir es zu verdanken, dass Thomas Mann 1933 nicht nach Deutschland zurückgekehrt ist und sich in aller Öffentlichkeit vom Dritten Reich distanziert hat.“
Marcel Reich-Ranicki, FAZ

9/11


Michel de Certeau – Walking in the city (1999): „To be lifted to the summit of the WTC is to be lifted out of the city’s grasp. One’s body is no longer clasped by the streets that turn and return it according to an anonymous law; nor is it possessed, whether as player or played, by the rumble of so many differences and by the nervousness of New York traffic. When one goes up there, he leaves behind the mass that carries off and mixes up in itself any identity of authors or spectators. An Icarus flying above these waters, he can ignore the devices of Daedalus in mobile and endless labyrinths far below. His elevation transfigures him into a voyeur. It puts him in a distance. It transforms the bewitching world by which one was „possessed“ into a text that lies before one’s eyes. It allows one to read it, to be a solar Eye, looking down like a god.“

John Steinbeck – East of Eden: „‚Thou mayest‘! Why, that makes a man great, that gives him stature with the gods, for in his weakness and his filth and his murder of his brother he still has the great choice.“
_______________________________
Recommended reading:
Gerhard Scheit – Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt
Tjark Kunstreich – Nach dem Westen
John Steinbeck – East of Eden

9/11

BBC-Bericht: Mavi Marmara „Death in the Med“

Eine ausgesprochen aufschlussreiche und sehenswerte Reportage von Jane Corbin (!) für das BBC-Nachrichtenmagazin Panorama:

via Z Word Blog

Recommended reading:
Johann Jacoby und Daniel Steinmaier – Bloß nicht zurückrudern, Jungle World
Feindbild Israel – der ewige Sündenbock, Vortrag von Tilman Tarach (via Lizas Logbuch)

_______________________________________________
Later: Wenn man via Google „BBC Death in the Med“ recherchiert, kann man erfahren, wie treffend Eamonn McDonaghs hellsichtiger Kommentar im Z Word Blog (s.o.) ist: „Now that the substance of the IDF’s account of events has been confirmed by a source not known for its sympathy towards Israel […], I’m sure we can expect a wave of apologies from all the commentators who were so quick to condemn the IDF’s ‚brutality‘ […]. Or maybe not…
Deutscher Bundestag? Anyone?

+ „BBC Panorama Shocker: Balanced Review of Gaza Flotilla Incident “, HonestReporting

Zweite ernste Warnung an Verschwörungstheoretiker: Wer ist Jürgen Elsässer wirklich wirklich?

Liebe Verschwörungstheoretiker,
erneut wende ich mich an Euch und bitte Euch dieses Mal, – ganz anders als noch vor wenigen Monaten – ungeachtet Eurer jeweiligen Überzeugungen nicht zu verzagen!
Die Heuschrecken-Gläubigen unter Jürgen Elsässers Anhängern jubeln, er ist doch einer der ihren. Nur kurz hielt der Schrecken vor, als sie befürchten mussten, er habe sie verlassen („Akte X ist längst Wirklichkeit: Außerirdische haben die Macht auf der Erde übernommen. Höchste Regierungskreise der westlichen Großmächte stecken mit den Aliens unter einer Decke.Jürgen Elsässer Blog – Die Aliens sind unter uns) und sei zum Alien-Gläubigen konvertiert. Aber – zu früh gefreut – ein Hinweis auf die wirklich wirkliche Wahrheit ist im Kommentar von „Ketzer“ zum ersten Teil nachzulesen:
Die Aliens fangen die Funksignale der „öffentlich-rechtlichen“ und privaten Sendeanstalten ab, verändern und verfälschen diese im All „on the fly“ undsenden sie mit dem Ziel der Menschheit das Gehirn zu waschen, alle zu verblöden, zur EErde zurück. Und zwar seit es „Volxempfänger“ gibt!!
Die Verblödung ist bereits irreversibel weit fortgeschritten!
Wegen der Aussage wollte man mich in die Psychiatrie einweisen!!

(„Ketzer“ in den – moderierten! – Kommentaren zu „Die Aliens sind unter uns“)
Eben!
Einen zweiten Hinweis liefert Elsässer selbst im Sequel:
Die „Aliens“ in dieser Serie sind „nur“ ein metaphorischer Begriff für „Heuschrecken“ und andere neoliberale Ausbeuter, die nicht über stoffliche Mehrwertproduktion, sondern über entstofflichte Spekulation und Derivat-Abzocke ihren Profit machen.“ (Ebd. Die Matrix der Aliens)
Der beim ersten Lesen nur das Unvermögen mit Metaphern umzugehen zu illustrieren scheinende Satz („Aliens“ sind eine bildliche Umschreibung von „Heuschrecken„… yay!), erweist sich bei näherer Betrachtung als Matrjoschka-artiger Ansatz und Aufforderung, die Puppe jetzt mal bitte komplett auseinanderzunehmen. Denn: Auch ein Jürgen Elsässer darf nicht so einfach mal hinsagen, was er wirklich glaubt; das wissen seine Alienkornkreismatrix-gläubigen Freunde ganz genau. (Selbst Nena durfte sich nicht frei äußern!) Nur andeuten kann er, sonst… siehe „Ketzer“.
Dementsprechend also der Rückgriff auf die Matrjoschka-Figur – here we go:


Fanghong

Ein leider ziemlich hohles, jedoch noch lieblich anmutendes Holzmädchen – man muss ein wenig an ihr drehen und ziehen, um ihr Geheimnis zu entdecken. Dann kommt das zweite hohle Mädchen zum Vorschein, mit weniger Liebe zum Detail gestaltet und nicht ganz so reizend, dann das dritte usw. usf., bis man am Ende die kleine, grob bepinselte, erschrocken blickende und ganz und gar nicht hohle, jedoch nach wie vor hölzerne Wahrheit in den Händen hält – aber das dauert. Mephisto war bei Goethe des Pudels Kern, Elsässer mag seinen offenbar noch nicht wirklich preisgeben.
Allerdings gibt es wie bereits von seiner Ankunft (s.u.) auch eine schockierende Dokumentation über einen nicht unwichtigen Aspekt seines Wirkens auf Erden1:

Yours sincerely,
Immernochspaltungsopfer, denn vielleicht ist alles doch ganz anders – huh, spooky, cp. „Ernste Warnung an Verschwörungstheoretiker! Wer ist Jürgen Elsässer wirklich?

  1. Please excuse the abuse, Sir Richard – I will always admire you! [zurück]

Walter Benjamin * 15. Juli 1892, Berlin; † 26. September 1940, Portbou


„Es ist niemals ein Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein. Und wie es nicht frei ist von Barbarei, so ist es auch der Prozess der Überlieferung nicht, in der es von dem einen an den anderen gefallen ist.“
Walter Benjamin – Über den Begriff der Geschichte


Walter Benjamin-Denkmal, Portbou

Walter Benjamin in Portbou
„Passagen“ Dani Karavan

„Ihr könnt nachhause gehen!“ Keep on dreaming, Münster!

Üblicherweise konzentrieren sich die deutschen Siegesparaden in Münster offenbar auf irgendeinen Kreisel in der Innenstadt. Gestern jedoch besann man sich darauf, dass ‚Feindkontakt‘ nicht nur im fernen Südafrika zu haben ist sondern auch vor der eigenen Haustür. Das Volksfest wurde nach Gremmendorf verlegt, wo ein nicht enden wollender Autokorso meiner Auskunftsperson den letzten Nerv raubte. Die nämlich wohnt nahe den York Barracks. Eigentlich ist das erfreulich, denn wo die Briten sind, gibt es generell hervorragendes Curry, ein angenehm erweitertertes Angebot im Supermarkt (die Person ist Weetabix-süchtig) und überhaupt. Nach der deutschen „Rache für Wembley“ (© by Alledeutschenmedien) allerdings nahmen sich die stolz beflaggten und überhaupt „kreativ“ (© s.o.) schwarzrotvergoldeten Münsteraner vor, die Folgen der deutschen Niederlage im 2. Weltkrieg gleich mitaufzuheben, fuhren stundenlang vor der Kaserne auf und ab und gröhlten pausenlos: „Ihr könnt nachhause gehen!“ Mit dieser Aufforderung schließen sie sich, unsurprisingly, einem Ansinnen der „Nationalen Sozialisten aus Münster“ an, denn:

Mit vielen Widrigkeiten hatten die münsterländischen Spitzenkräfte des Neonationalsozialismus seinerzeit bereits gerechnet: „Eine Stürmische Zeit liegt vor uns! Ein hindernisreicher Weg der uns große Opfer abverlangen wird.“ Und es kam, wie es kommen musste. „Bürgerliche Vertreter des Gutmenschentums“ stellten sich gegen sie, „Rotfaschisten“ gar. Hinzu kam die „Polizeirepression“ und im TV jene „Quasselsendungen“, die nur ablenken vom Kampf „gegen die Spaßgesellschaft und ihre Perversitäten“.
Das alles steckten [die] „besten Leute“ der regionalen Neonazis weg. Doch nun mussten sie die Meldung zur Kenntnis nehmen, dass es „um die 2500 (!!!) Soldaten“ gibt, die „die britische Krone nach über 65 Jahren Besatzung immer noch in Münster stationiert hat“. Und nicht genug damit: Ihr Rückzug auf die Insel verzögert sich auch noch um mindestens fünf Jahre bis frühestens 2019. Dass das nur logistische Gründe haben soll, mögen Münsters „Nationale Sozialisten“, die doch selbst in der Lage sind, ihre kompletten Truppenteile kurz entschlossen mal eben zu Neonaziaktivitäten nach Dortmund, Hamm oder Ahlen zu verlegen, nicht glauben.
Die Kämpfer für die „nationale Souveränität“ und die „biologische Existenz unseres Volkes“ ahnen, warum die Briten später abziehen: „Es drängt sich der Verdacht auf das die englischen Besatzungstruppen, für weitere 5 Jahre in Münster bleiben sollen, um in Zeiten der Wirtschaftskrise die Kolonie BRD, gegen Aufstände abzusichern.“ Der nächste Neonazi-Auflauf im Münsterland, begleitet nicht durch Bereitschafts- und Bundespolizei, sondern durch die British Army? Wir warten gespannt darauf.
“ (rr, NRW rechtsaußen – Nebenbei: British Army gegen Münsters Neonazis?)

Imagine broadly grinning graemlin now!
____________________________

Later: Noch mehr ‚Kreatives Deutschland‘ + „Kreativstes Volk der Welt

„Verhältnismäßigkeit der Mittel“ II: „Der Jude unter den Staaten“ (w/ updates)

Petitioners demand Israel to be stripped of its UN membership:
We, the undersigned citizens of the world, call on the United Nations General Assembly to rescind Israel’s membership in the UN, as a step toward ending Zionist apartheid.

A reminder of what the UN represent these days:

+
Leon de Winter – Only Wake the EU and UN if Jews Did It

___________________________________________________________
HH, Kennedybrücke, Alster (Außenalster), Sonntag, den 6. Juni um 15 Uhr: SOLIDARITÄT MIT ISRAEL

Solidarität mit Israel! Kundgebung vor dem Karl-Liebknecht-Haus, Samstag, 12. Juni 2010, 13 Uhr, Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin-Mitte
+ kotzboy.com – israelsoli I
+ Redebeiträge

Sonntag 13. Juni, Berlin: Kundgebung „Solidarität mit dem legitimen Verteidigungskampf Israels-Free Gaza from Hamas“, 14 Uhr, Breitscheidplatz

___________________________________________________________
Updates:
Instant Coffee – Unnützer Idiot. Henning Mankells Abrechnung mit Israel
Henryk M. Broder – Laudatio auf Marcel Reich-Ranicki, Dokumentation auf Spiegel online, mit mindestens einer Auslassung: „Verehrter Marcel Reich-Ranicki, droga Pani Teofila, verzeihen Sie mir, dass ich der Versuchung nicht widerstehen konnte, über ein Thema zu sprechen, das mir wie kein anderes am Herzen liegt. Zwischen Ihren Erfahrungen in der Vergangenheit und der Zukunft Israels gibt es eine Verbindung: Es wäre Ihnen einiges erspart geblieben, wenn es diesen Staat schon vor 70 Jahren gegeben hätte. Ihr Leben wäre weniger ereignisreich verlaufen, Ihre Erinnerungen wären unter dem Titel ‚Mein Leben im Kibbuz‘ [Auslassung, in der gehaltenen Rede folgte: „oder ‚Mein Leben als Tsahal-General‘“] erschienen, es wäre alles nicht so spektakulär, dafür aber bekömmlicher gewesen.
Video in der ZDF-Mediathek
Was die Pixies können, kann ich auch: Deleted from friends! „And you‘ll ask yourself/ Where is my mind/ Way out in the water/ See it swimmin‘“ Obviously!
+ Adäquater Kommentar in der comment section der Pixies Myspace-Seite: „hey pixies – if you really want to accomplish your goals, i suggest you stop working with all jewish producers and musicians, and have someone at the door to all of your shows who will deny entry to jews. you can never be sure who supports israel…“ (Jon Madof)
+ Krawalla: „hello picnic festival. if you want to book us to replace the boring bands pixies, gorillaz, klaxons or from me out also santana… we would come. no problem!!! ♥
Elder of Ziyon – Reuters tries to minimize photo deceptions (updated) via Offensive Selbstverteidigung – Pressefreiheiten
Original-Fotostrecke, Hürriyet
Lizas Welt: Stefan Frank – Im Dialog mit „Pax Christi“
Vgl. dazu: „Organizer of ‚Freedom Flotilla,‘ Bülent Yıldırım, in a Hamas Rally in Gaza: ‚All the Muslims of the World Will March to Gaza‘ (Archival)“, Februar 2009, MemriTVVideos
Vgl. dazu auch: Georg Meggles ‚philosophische‘ Ausführungen bei Telepolis: Militärische Macht oder Internationales Recht? : „Ich wusste also, was ich tat, als ich mich nach diesem Gaza-Krieg auf die Freiwilligenlisten der Free-Gaza-Movement setzen ließ. Und ich nehme an, dass auch alle andern auf der Liste wussten, worum es dabei geht: Im worstcase um Leben oder Tod. Das muss man sich vor Augen halten, wenn wir jetzt an unsere GAZA-Movement-Toten denken. Sie sind, auch wenn sie das Leben noch so sehr lieben mochten, nicht blind, sondern letztlich freiwillig in den Tod gegangen, in einen Tod durch Israel.
+ I demand all European countries (including Turkey) to be stripped of their UN membership: Aufgrund der maßgeblich von den Deutschen geprägten Flüchtlingspolitik der EU-Staaten starben allein von 1988 bis 2006 mindestens 15.000 Menschen an europäischen Grenzen oder auf dem Weg nach Europa. Von ihnen wurden „217 [von Grenzpolizisten] erschossen […], davon 37 in den spanischen Enklaven in Marokko Ceuta und Melilla, 28 im Van Distrikt in der Osttürkei nahe der iranischen Grenze, einige von deutschen, französischen, spanischen und schweizer Polizisten.“ (Quelle: migration.ekbo.de, PDF) Und das obwohl die Lage Europas mit der Israels nicht einmal ansatzweise vergleichbar ist, und es sich bei den getöteten Flüchtlingen vermutlich höchstens im Promillebereich um Unterstützer von Terror mindestens exkulpierenden Organisationen gehandelt haben dürfte usw. usf.
Spirit of Entebbe – Gysi nach Gizeh

Die syrische Diplomatin Rania Al Rifaiy bei der UNO: „Let me quote a song that a group of children on a school bus in Israel sing merrily as they go to school: ‚With my teeth I will rip your flesh, with my mouth I will suck your blood.‘“ „While Syria’s statement went unchallenged Tuesday, the council president interjected when Canada used the word „regime“ in a statement condemning of human rights abuses in Canada’s version of an „axis of evil:“ Iran, Myanmar and North Korea.Steven Edwards – Syrian envoy’s attack on Israel threatens to foil U.S. diplomatic drive, via UN Watch

Report Mainz – Fragwürdige Friedensmission via Torsun
A delegation of gay residents of Tel Aviv has been banned from joining a gay pride march in Madrid because authorities in the Israeli city have not condemned the recent attack on the Gaza flotilla.“ (The Guardian online) via WADIblog

normblog – Israel, human decency, common humanity (by Eve Garrard) via Yaacov Lozowick’s Ruminations

Spirit of Entebbe (zum Interview der Zeit mit Daniel Barenboim) – Einfach denken
Hamburger Studienbibliothek – Kriegstreiber in Hochstimmung, oder: Aus dem Paechschen Paralleluniversum
Khatchig Mouradian – Mouradian: ‘Missing Hitler’s Spirit’: The Problematic Post-Flotilla Discourse in Turkey (Armenian Weekly), via Z-Word Blog

Bernard-Henri Lévy – It’s time to stop demonizing Israel (Haaretz.com)

18.06.2010: WADIBlog – We are sailing…
20.06.2010: Nichtidentisches – Israelische Verteidigung

D-Day

June 6, 1944

„Verhältnismäßigkeit der Mittel“* (w/ updates)

Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Brutalität [der IDF, J6ON].“ (Norman Paech, 1.6.2010, Spiegel online)

Oder der außenpolitische Sprecher der Linkspartei, Norman Paech […]: Die Juden, pardon, die Israelis haben »ein Massaker unter der Bevölkerung des Gazastreifens angerichtet«, ein »furchtbares Gemetzel«, ihre Politik »ist kriminell«, sie begehen »eindeutige Kriegsverbrechen«, sie sind »zynisch«, »barbarisch«, treiben »Exzeß«, »Strangulierung und Entwürdigung«, »Schande«. “ (Herman L. Gremliza, Konkret 02/09, Hervorhebung d. Zitate J6ON)

If the ships reach Gaza, it’s a victory for Gaza,“ Haniyeh told some 400 supporters […]. „If they are intercepted and terrorized by the Zionists, it will be a victory for Gaza, too, and they will move again in new ships to break the siege of Gaza.“ (Haniyeh: Gaza flotilla a triumph, Jerusalem Post)

Right now we face one of two happy endings: either Martyrdom or reaching Gaza.“ (Teilnehmerin der „Free Gaza-Flottille“)

* „Weltweit hat im Vorfeld etwaiger Auseinandersetzungen künftig angerufen und gefragt zu werden, welche Waffen ‚Friedens- und andere Aktivisten‘ einzusetzen gedenken – worauf sie nur noch ehrlich antworten müssen. Die Einsatzkräfte werden dann identisch ausgestattet!“ Anweisung der deutschen Bundeskanzlerin, des deutschen Regierungssprechers, des außenpolitischen Sprechers der FDP usw. usf.
* Die mit „unseren deutschen Teilnehmern“ solidarischen Freiburger trafen sich gestern, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Mittel im deutschen Verhältnis zum Anlass gewählt zu werden haben, zur Mahnwache auf dem „Platz der Alten Synagoge“: „Die Wettbe-werbsauslobung gab den Teilnehmern des Wettbewerbs als Ziel vor, den Platz einerseits als einen lebendigen Platz der Bürgerschaft und als Ort der Kommunikation zu entwickeln, andererseits aber auch die Interessen der Universität an einem möglichst störungsfreien Lehr- und Lernbetrieb zu berücksichtigen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Erinnerung an die frühere, in der Reichpogromnacht zerstörten [sic] jüdische Synagoge und ihre damalige Bedeutung als Zentrum des jüdischen Lebens in Freiburg. Zu den Wettbewerbsvorgaben gehört darüber hinaus die Berücksichtigung und gestalterische Integration der geplanten Stadtbahnstrecke sowie der erforderlichen Verkehrsflächen für Lieferverkehr, Fahrradverkehr usw. im Rahmen der geplanten Fußgängerzone. Eingeflossen sind zudem die Ergebnisse einer Planungswerkstatt mit ca. 40 Bürgerinnen und Bürgern, die die Verwaltung im Dezember 2004 zur Vorbereitung des Wettbewerbs durchgeführt hatte.“ (Stadt Freiburg im Breisgrau – Wettbewerb Platz der Alten Synagoge)

Recommended reading:
Arnon Ben-Dror – Wer steht hinter der Flottille nach Gaza?
Lizas Welt – Aufgebrachte Narrenschiffe
Yaacov Lozovick – Gaza Flotilla in Context/ see also comments section
Vgl. dazu auch: „Israelischer Soldat beschreibt den gewalttätigen Mob an Bord der Mavi Marmara
dissonanz – Von angriffslustigen „Friedensaktivisten“ und ihrem Erfolg
Hinweise auf weitere Texte in den Links der genannten Beiträge
Zum allgemein in den deutschen Medien ‚beklagten‘ Verlust des „einzigen verlässlichen Verbündeten in der Region“ (Spiegel online): „Erdogan ve Shimon Peres „Davos“ Eklat

___________________________________________________________

Updates:
aa:b – Stoppt das Massaker in Gaza – Über Linke und ihre Freunde
PMW Bulletins – More documentation of flotilla planning violence against Israel (via WADIblog)
MEMRI – Arab Media Reports on Flotilla
Nichtidentisches – Der Gaza-Gambit
Instant Coffee – Ein Schiff wird kommen
Ulrich W. Sahm – Propagandaschlacht auf hoher See
Yaacov Lozowick – Diplomatic Entebbe
Leon de Winter im Interview – «Bei der Abfahrt des Schiffes wurde gesungen: ‹Tod den Juden›»

+ Am Ende der Emanzipation steht Segregation?
Annette Groth im ZDF-Interview: „Also, Sie wissen ja, wir Frauen waren im Unterdeck, also im Frauendeck. Männer und Frauen waren getrennt untergebracht auf diesem Schiff“.

Henning Mankell will nicht gehört haben, dass „Tod den Juden!“ gerufen wurde. Und ein Antisemit sei er „natürlich“ auch nicht. Wäre jedoch alles mit rechten Dingen und verhältnismäßig und überhaupt zugegangen, hätte sich wohl der eine oder andere totschlagen lassen müssen, denn „[z]war habe er ‚nicht viel gesehen‘, aber die Tatsache, dass unter den Toten keine Israelis seien, spreche doch für sich.“ (Reinhard Mohr – „Die Israelis hätten auf die Schiffsschrauben zielen können“, Spiegel online, 3.6.2010)

Lizas Welt – Die Banalität des Guten
Instant Coffee – Antisemiten außer Rand und Band
Cosmoproletarian Solidarity – Free Gaza from Hamas
ADL – The Gaza Flotilla Affair
WADIblog – Die Türkei hat längst die Seiten gewechselt

18.06.2010: „Millions of martyrs marching to Gaza“, Bulent Yildirim (IHH) an Bord der Mavi Marmara, YouTube, via nexusrerum

VE Day


moritzvd

Later: To whom it may concern – die Deutscheanmaßungsundopfer-Party findet auf Zeit.de u.a. in den Kommentaren statt…

Grundlegendes 18: Das Erbe Richard Wagners

Paul Lawrence Rose – German Question/ Jewish Question. Revolutionary Antisemitism from Kant to Wagner
In February 1848, at the funeral of Wagner’s mother, [Heinrich] Laube commiserated with his friend [Richard Wagner], conflating the sadness of the hour with their general resentment and despair at the state of German art: ‚On the way to the station, we discussed the unbearable burden that seemed to us to lie like a dead weight on every noble effort made to resist the tendency of the time to sink into utter worthlessness.’ And as the Struensee preface made clear, this ‚worthlessness’ consisted in the flowering of ‚Jewish’ values.’“

Theodor W. Adorno/ Thomas Mann – Briefwechsel, 1943 – 1955, Theodor W. Adorno an Thomas Mann, 01.08.1950
Wissen Sie übrigens, daß Bestrebungen im Gange sind, Bayreuth wieder aufzusperren, und haben Sie erwogen, etwas dagen zu unternehmen? […] Es will mir scheinen, daß Bayreuth, neben der Wiederzulassung Heideggers, zu den bedenklichsten Symptomen hier gehört, wofern man nicht auf die darin sich abzeichnenden primären Momente unmittelbar eingehen will.

Zeit online, 22.03.2010, Reaktionen auf den Tod Wolfgang Wagners
Er hat das Erbe Richard Wagners in herausragender Weise über Jahrzehnte mit Leidenschaft gepflegt und fortgeführt. Sein trockener Humor, seine Gabe zur Selbstironie und seine unverwechselbare Bodenständigkeit haben ihm dabei geholfen. Er hat sich um das kulturelle Ansehen unseres Landes verdient gemacht.“
Horst Köhler, Bundespräsident
Wolfgang Wagner hat versucht, die Welt mit den Augen seines Großvaters zu sehen – und nicht, wie die Welt seinen Großvater sah. Ich werde ihn vermissen.
Daniel Barenboim, langjähriger Festspieldirigent
Ihm war es gelungen, die Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg in einem politisch wie künstlerisch schwierigen Umfeld zusammen mit seinem Bruder Wieland neu aufzubauen und (ihnen) wieder zu weltweitem Ansehen zu verhelfen.
Norbert Lammert, Bundestagspräsident

Und so weiter und so fort…

Meet the next German Außenminister!

Um den jüdischen Charakter des Staates zu verteidigen, könnte sich die israelische Regierung, so Ex-Präsident Jimmy Carter, gezwungen sehen, eine Apartheid-Politik gegenüber den Palästinensern zu betreiben. Allein das zeigt, dass es sich lohnt, über Israels Siedlungspolitik zu streiten.Niels Annen – Die Krise zwischen den USA und Israel war überfällig, Die Zeit online

Jenseits davon, dass Jimmy Carter einer der herausragendsten Protagonisten im Sinne des Beförderns einer Krise zwischen den USA und Israel ist, projiziert er das Bild Israels als Apartheid ausübenden Staat mitnichten in die Zukunft. Seit spätestens 2006 steht für ihn fest, dass Israel Apartheid praktiziert. In einem Interview sprach er von „even worse instances of apartness, or apartheid, than we witnessed even in South Africa.“ Außerdem hoffe er, dass sein Buch „Palestine. Peace not Apartheid“ in den USA eine Diskussion über Israel auslösen würde und „that my book will at least stimulate a debate, which has not existed in this country. There’s never been any debate on this issue, of any significance.“ (Haaretz.com) (Das lässt sich ganz einfach mit „Die Juden kontrollieren – hierzulande denkt man: mindestens – die amerikanischen Medien“ übersetzen und ist wie üblich eine groteske Fehlinformation. Auch in den USA wird ‚die Situation der Palästinenser‘ ausführlich in allen Medien behandelt.) Tatsächlich taucht der Begriff Apartheid zwar im Titel auf, wird im gesamten Buch aber nur dreimal erwähnt und dort weder definiert noch für Israel belegt. In den USA wird „Apartheid“ zudem nicht wie in Deutschland ausschließlich mit Südafrika assoziiert, sondern wurde im Ersten Weltkrieg für den Genozid an den Armeniern geprägt und im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten zur Beschreibung der rassistischen Politik der Nationalsozialisten verwendet. (Vgl. Dershowitz, 2008) Dershowitz wirft Carter zu Recht vor, dass er den Apartheid-Begriff exklusiv auf Israel anwende und sich weigere, ihn zu benutzen, wenn es um Staaten gehe, in denen wirklich rassistisch motivierte Regime Hunderttausende Menschen umbringen ließen, wie beispielsweise im Sudan. Carter vergleicht Israels Politik nicht nur mit der Rassentrennung in Südafrika: „When he was asked […] whether he believed that Israel’s ‚persecution‘ of Palestinians was ‚ even worse … than a place like Rwanda', Carter answered, ‚Yes. I think – yes.‘“ (ebd.) Und dergleichen mehr…
Carter hat den Apartheid-Vorwurf seitdem mehrfach wiederholt und vehement gegen Kritik verteidigt. Ihn als Kronzeugen für eine akute Bedrohung des Friedensprozesses im Nahen Osten durch Wohnungsbau aufzurufen, ist somit hinfällig. Er befürchtet keine Krise; auf der einen Seite treibt er sie voran und auf der anderen gilt ihm jeder Schritt Israels (in welche Richtung auch immer) als friedensgefährdend.

Nicht nur radikale Palästinenser diskutieren heute darüber, ob es nicht langfristig gesehen besser sei, sich von der Zwei-Staaten-Lösung zu verabschieden und nur noch auf einen Staat zu setzen. Denn die Zeit und die demografische Entwicklung sprechen für die Palästinenser und gegen Israel.“ Niels Annen, ebd.

Als ob diese „Diskussion“ jemals eine „radikale“ Position dargestellt hätte. Wen auch immer Annen als gemäßigt bezeichnen möchte, auch in Erwartung dieser „Entwicklung“ werden durch Vertreter der Palästinenser seit Jahrzehnten Friedensverhandlungen hintertrieben und jegliche Zugeständnisse Israels (und derer gab es unzählige) früher oder später als unzureichend abgelehnt. (Vgl. Lozowick, 2006; Tarach, 2009; Dershowitz, 2003)

Die üblicherweise Amerika-liebende „muslimische Welt“ (General Petraeus, zitiert nach Niels Annen) aber sieht Annen durch die „Unnachgiebigkeit“ Israels zu USA-Hassern mutieren und zitiert Joe Biden ohne echte Quelle: „Aufgrund der engen Verbindung zu den USA gefährde die israelische Unnachgiebigkeit das Ansehen Amerikas in der muslimischen Welt. Glaubt man der israelischen Zeitung Jedioth Ahronoth dann hat Joe Biden eben dieses Argument in einer Unterredung gegenüber Benjamin Netanjahu vorgebracht ‚Das Ganze fängt an, gefährlich für uns zu werden, was ihr macht, gefährdet die Sicherheit unserer Soldaten im Irak und in Afghanistan‘, wird Biden zitiert. Ein Dementi Bidens ist ebenso wenig überliefert wie eine Antwort Netanjahus.“
Es fängt also an (! Annen will es offenbar glauben), im Irak und in Afghanistan gefährlich zu werden… weil die Israelis 1600 Wohnungen bauen wollen, in Jerusalem, ihrer Hauptstadt. Sie wollen Wohnungen bauen (!). Kein Staat der Welt wird öffentlich des Wohnungsbaus bezichtigt, bis auf Israel. Und sollten Palästinenser wo auch immer in Israel Wohnungen bauen wollen, würde das ‚die restliche Welt‘ als ihr gutes Recht bezeichnen, dem steht ja angeblich nur entgegen, dass Israel ein „Apartheidstaat“ ist – mit ca. 18% arabischer Bevölkerung im Kernland, mit Vertretern in der Knesset etc. pp. Aber Palästina hat ganz den Palästinensern zu gehören. In deren zukünftigem Reich sind Juden unerwünscht. So will es die Welt. (Leider ist der entsprechende Artikel auf Lizas Welt nicht mehr auffindbar – dort wurde eigentlich alles zum Thema gesagt. Later, wieder da: Alles zum Thema, danke!)
Niels Annen jedoch meint, die Krise zwischen den USA und Israel sei „längst überfällig“ gewesen und spricht damit Israel seinen einzigen (halbwegs, vgl. Tarach, 2009, und zunehmend weniger) verlässlichen ‚Verteidiger‘ ab – auf Deutschland sollte man sich nicht verlassen (nun schon gar nicht mehr, wenn die letzte als mahnend empfundene Instanz entfallen soll). Er geht davon aus, dass die „Führung der Palästinenser genau weiß, dass es am Ende kein Rückkehrrecht für die Flüchtlinge geben wird“ und dass „jeder israelische Politiker wissen“ könne, „dass die Grundbedingung für einen Frieden die Auflösung eines großen Teils der heutigen Siedlungen sein wird.“ Die Mehrheit der israelischen Politiker allerdings weiß, dass es eben darum nicht geht. Und selbst wenn alle „Siedlungen“ abgerissen würden, bestünde die Mehrheit der „Führung der Palästinenser“ und mit ihr ‚die Welt‘ as represented by the United Nations noch auf dem Rückkehrrecht.

Warum also diese zentrale Frage weiter vertagen? Die Zeit für einen Frieden läuft den Beteiligten davon.“ Niels Annen, ebd.

Annen ist ja nur besorgt ums „Existenzrecht Israels“ (© bei denen, die es schon in Frage stellen). Er will auf keinen Fall, dass eine israelische Regierung zu irgendetwas gezwungen wird, was er (!, leaving Carter out) sich vorstellen kann. Und zeigt sich geeignet fürs Amt… als nächster deutscher Außenminister, indem er nicht verstehen will, dass das, was Israel zu erwarten hätte, wenn es die „Siedlungen“aufgäbe, ganz gewiss nicht Frieden wäre. Um das zu verstehen, sollte er beispielsweise folgende Bücher lesen:
Yaacov Lozowick – Israels Existenzrecht. Eine moralische Verteidigung seiner Kriege (Konkret Literatur Verlag!)
Tilman Tarach – Der ewige Sündenbock. Heiliger Krieg, die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt
Leon de Winter – Das Recht auf Rückkehr
Alan Dershowitz – The Case for Israel, ders. (insbesondere zu Jimmy Carter) The Case Against Israel’s Enemies
Leon Poliakov – Vom Antizionismus zum Antisemitismus
Stephan Grigat (Hg.) – Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus
Jean Améry – Jenseits von Schuld und Sühne: Bewältigungsversuche eines Überwältigten
Matthias Küntzel – Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg
und alles, was unter „basics“ und „recommended reading“ gelistet ist!

+ Later: Zeitung für Schland – Über die Krise zwischen der Obama-Regierung und Israel
Instant Coffee – Eine Synagoge am Tempelberg? (2) & Eine Synagoge am Tempelberg? (3)

Update 30.3.10: Yaacov Lozowick’s Ruminations – Petraeus Clarifies
Update 22.4.10: Zeitung für Schland – Wer Lügen nicht aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben

Update 27.4.10: Yaacov Lozowick – Don‘t Divide Jerusalem: Context via Spirit of Entebbe

Grundlegendes 17: Und wenn der Antisemit wie üblich tatsächlich meint, was er sagt?

„“Israel muss von der Landkarte getilgt werden“, rief Ahmadinedschad auf Persisch und erhielt Applaus von rund 4000 Studenten.“ (Ulrich W. Sahm – Die Juden ins Meer treiben. Israel von der Landkarte tilgen, haGalil.com)

„Hitler hat der Menschheit eine wichtige Lektion erteilt: Wenn du einen Nazi siehst, einen Faschisten oder einen Antisemiten, dann mußt du sagen, was du siehst. Wenn du etwas rechtfertigen oder entschuldigen willst, dann beschreibe genau, was du damit herunterspielst. […] Wenn die Anschläge auf die Zwillingstürme in New York durch antisemitische Motive begründet waren, dann sollte man es sagen. Wenn ein malaysischer Präsident antisemitische Ansichten äußert, darf man nicht versuchen, das Unentschuldbare zu entschuldigen. Wenn eine selbsternannte Befreiungsorganisation die Vernichtung des jüdischen Staats verlangt, darf man nicht so tun, als verlange sie etwas anderes. Wo die Klarheit aufhört, da beginnt die Mittäterschaft.“ (Doron Rabinovici et al. – Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte, Einleitung)

„Was der Antisemit wünscht und vorbereitet ist der Tod des Juden.“ (Jean Paul Sartre – Überlegungen zur Judenfrage)

IAEA besorgt über möglichen Bau der Atombombe: Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde halten es für möglich, dass Iran bereits an der Entwicklung eines atomaren Raketensprengkopfes arbeite. Yukiya Amano, der neue IAEA-Generaldirektor, sprach von „in sich schlüssigen und glaubhaften“ Informationen zu möglichen Aktivitäten, die im Zusammenhang mit Nuklearwaffen stehen könnten.“ (Zeit online)

In view of the occasion: A tribute to Leslie Howard

„Never in the field of human conflict was so much owed by so many to so few.“ (Winston Churchill)

Leslie Howard (Leslie Howard Steiner, Sohn einer britischen Jüdin und eines ungarischen Juden) wurde im April 1893 in London geboren. Der erfolgreiche Schauspieler arbeitete im Zweiten Weltkrieg für den britischen Geheimdienst und spielte 1942 die Hauptrolle in „The First of the Few“ (Regie: Leslie Howard) – der Titel ist eine Anspielung auf Winston Churchills Dank an die britische Luftwaffe in der Battle of Britain. 1943 wurde das Flugzeug, in dem Howard sich befand von den Deutschen abgeschossen. Es wurde kolportiert, die Deutschen hätten Churchill in der Maschine vermutet. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass sie es tatsächlich auf Howard abgesehen hatten, der zu einer der wichtigsten öffentlichen Figuren im Kampf gegen die Nazis geworden war und auf seinen Mitpassagier Wilfrid Israel. Israel floh 1939 vor den Nazis nach England, nachdem er sich zuvor auf die Hilfe für jüdische Emigranten konzentriert hatte. In London fungierte er als „Verbindung zwischen Regierungsstellen und jüdischen Flüchtlingsorganisationen“ und „war als Berater für das Royal Institute of International Affairs tätig. 1943 organisierte er die Ausreise jüdischer Flüchtlinge aus Spanien und Portugal nach Palästina.“ (wikipedia)

„The First of the Few“ (full length)

‚Schockierende Enthüllungen über den Hintermann (Singular – huh, unheimlich!) mindestens des Minarett-Verbots’

Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“
Theodor W. Adorno – Minima Moralia

Was auch immer Juden tun, sie liefern den Antisemiten stets nur neues Material zur Illustration ihres Wahns. Passt ein Verhalten einmal nicht in die projektive Bilderwelt des Antisemiten, wird es gerade dadurch integriert, dass in solch einem unerwarteten Agieren eine besondere Perfidie zwecks Verschleierung der wahren Absichten vermutet wird.“
Stephan Grigat – Israel als Jude unter den Staaten

Auszüge aus: „Gehorchen Schweizer Faschisten Scharon?“1 von Yavuz Özoguz (via I.R.I.B. – Das deutsche (!) Programm, http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=frontpage&Itemid=1)
Ariel Scharon bezeichnete im November 2003 die wachsende Zahl von Muslimen innerhalb der EU als Gefahr ‚für das Leben der Juden‘. Wird das jetzt ‚umgesetzt‘ [? J6ON]? […] [I]n Europa gibt es eine Gruppe von Menschen (wenn auch eine sehr kleine), die sich religiösbedingt und ohne eingeschüchtert werden zu können, beständig gegen das Unrecht verbal auflehnt! Das hatte bereits Ariel Scharon – damals Zionistenanführer – im November 2003 festegestellt und die wachsende Zahl von Muslimen innerhalb der EU als Gefahr „für das Leben der Juden“ bezeichnet. Und was ist mit solch einer „Gefahr“ zu tun? Einstmals [Wie in diesem Text bewiesen wird, ist das heutzutage überhaupt nicht mehr der Fall…] wurden „Juden“ als „Gefahr“ bezeichnet. Die Argumente von damals und heute sind kaum voneinander zu unterscheiden! [?] Daher [?] darf man auch nicht den Fehler machen, Scharon und Broder als Vertreter des Judentums zu betrachten. Beide haben mit der Religion des Judentums kaum etwas zu tun. Sie missbrauchen das Judentum, wie einstmals Fürsten das Christentum missbraucht haben, um ihre Herrschaft sicher zu stellen, die Herrschaft des Kapitals [!], der Macht [!]. […] Jetzt haben also die Schweizer so abgestimmt, wie der im Koma liegende Scharon es sich wohl gewünscht hätte […]. Die Banken treiben ihr böses Spiel gegen [! Nicht mal mehr mitspielen darf man?] die gesamte Bevölkerung weiter, ohne dass ihnen jemand Schranken aufzeigt. Und US[!]-Konzerne ‚zocken‘ die deutsche Wirtschaft gerade ganz offensichtlich ab (anders kann man das nicht nennen [Kann man schon!]). GM will Milliarden von Deutschen [ich auch, außer es sind Milliarden von Deutschen gemeint!], und Daimler verlagert [Rejoice, Michael Moore!] Arbeitsplätze in die USA und lässt Deutsche [oder nicht doch DEUTSCHE?] Fachkräfte im Trockenen sitzen.
Ja, merkt denn wirklich niemand, dass in solch einer Atmosphäre, in der Deutschland von seinem größten und wichtigsten Verbündeten wirtschaftlich
[alles andere käme wohl nicht in Frage? Ja, okay… Schade!] die Hosen ausgezogen werden, während Deutschlands Staatsräson [?] deutsche [Deutsche?] Kriegsschiffe mit deutschen Steuergeldern verlangt – das Geschenk einfach nur verlangt [und doch nicht bekommt – warum eigentlich nicht?] - eine bis an die Haarspitzen gereizte [no comment!] Bevölkerung normalerweise explodieren würde! Aber sie tut es nicht, denn die Explosion wird frühzeitig künstlich [!] erzeugt [Explodieren sie nun also oder nicht?] gegen den Islam, gegen Muslime, von den lautesten Hasspredigern der USA und Israels zusammen mit der nahezu gesamten deutschen Hofberichterstattung [Hierzulande gibt’s also keine Hassprediger… fein!]. […] Dieses Land ist so weit gekommen, dass man diese für jeden leicht nachprüfbare Wahrheit offen aufschreiben und verbreiten kann, ohne dass es die Spur einer Chance hätte, gegen die nackten [whoah?] Frauen auf den Blättern [Super Illu?], die jedes Verbrechen der USA und Israels unterstützen, auch auf Kosten des deutschen Steuerzahlers! […]
Bliebe noch die Frage, wer denn in der Überschrift des Artikels „Gehorchen Schweizer Faschisten Scharon?“ mit Faschist gemeint ist, Scharon oder die Schweizer, die jene Volksabstimmung angeführt haben. Die Antwort sei dem Leser überlassen.“ (Muslim Markt)

Die Frage bleibt eben nicht, weil mindestens der fehlende Artikel eine Alternative verunmöglicht und wäre er vorhanden, ginge es andersrum nicht. Selbst schuld, so! Derselbe Autor stellte am 10. Januar eine ähnlich ausweglose Frage: „Warum verstehen Zionisten die Unmenschlichkeit nicht?“ (Muslim Markt: http://www.muslim-markt.de/forum/messages/332.htm) Und beantwortet sie nach einigem Hin und Her dann irgendwie im PS: „Es ist nicht die Absicht des Artikels, die Begriffe, Zionisten, Juden, Israelis gleich zu setzten!“ Da hat sich der Artikel aber mal so richtig Mühe gegeben und wenigstens „Begriffe“ sind absolut nicht gleichgesetzt worden…

‚Komatöser Sharon verfügt immer noch über unerklärliche Kräfte! – Die Protokolle der Organsammler von Haiti’

Und trotzdem: Es gibt natürlich absolut zwingende und überhaupt ganz und gar nicht widerlegbare Beweise für die … spooky!… Fähigkeiten einiger whateveryoumaycallthem und dafür, dass sie in der Lage sind, ihre übersinnlichen Kräfte selbst noch im Koma liegend auszuüben:

Hoffnungslos eindeutig bewiesen ist damit natürlich auch, dass nicht eine geheime (niemand, wirklich niemand ahnt auch nur, dass es sie gibt, bis auf die Erleuchteten, die der Matrix entkommenen, Hugo Chavez, Alles Schall und Rauch … in a way… etc. pp. blabla) „US-Erdbebenmaschine“ das Beben in Haiti ausgelöst hat, sondern der unheimlich mächtige Sharon mit seinen tödlichen Gehirnwellen, damit die IDF hemmungslos Organe sammeln und der „unmenschliche“ ‚zionistisch-US-imperialistische Komplex’ seine Gier nach Öl befriedigen kann!
Und ganz gewiss könnte man DIE WAHRHEIT über das Attentat auf das World Trade Center herausfinden, wenn man nur wüsste, welcher ‚nichtreligionsvertretende Zionistenanführer‘ damals gerade im Koma lag.
Und da das alles so furchtbar beängstigend ist, lässt sich der „sagenhafte“ Jürgen Elsässer schonmal eigenes Geld drucken, natürlich beim Rheingold-Projekt. Er nennt es „Zufall“ – aber seine den Himmel und die Felder absuchenden Freunde wissen, dass es keinen Zufall gibt! Das ist so sicher wie von Außerirdischen in Kornkreisen versteckte Botschaften, Chemtrails, Atlantis, Aids aus dem Labor, Nazi-Ufos, die Pyramiden-Lüge und dergleichen mehr Unserweltbildeinfürallemalum-werfendenganzsicherundvollechtentatsachen!

Sinnvollere Lektüre zum Thema:
Basisbanalität – Wir basteln uns eine Verschwörungstheorie – Heute: Haiti
Cosmoproletarian Solidarity – Haiti, Kapitalismus, „eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft“
Alan Dershowitz – For bigots, Israel can do no right
Spirit of Entebbe – Zionistische Besatzer landen auf Haiti!
+
The report highlights a relatively new phenomenon – the „modern blood libel“ – the dissemination of unverified or deliberately false reports tying Israel, Israelis or world Jewry to occurrences such as organ theft or kidnapping non-Jewish infants in order to give them to adoptive Jewish parents.“ JPost – ‚Anti-Semitism highest since WWII‘

+ Audioarchiv – Tag-Archiv für ‚zinskritik‘

Later:
Reflexion – Die Insel
UN Watch – U.N. rights council’s Haiti parley is harmful diversion (scroll down)

Update 15.02.10: WADIblog – Mit Innsbruck in die Vormoderne
Frau von Werlhof, Professorin für Frauenforschung an der Uni Innsbruck, hat dem Standard außerdem noch mitzuteilen, sie glaube „gar nichts, aber Fakt ist, dass es die Technologie für künstliche Erdbeben gibt. Und von meiner Theorie her entspricht das genau der These von der patriarchalen Schöpfung aus Zerstörung. Außerdem: Öffentlich wird so etwas überhaupt nicht diskutiert.“
?… ??? … ???? … ????? ad infinitum!

  1. http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=article&id=30643:yavuz-oezoguz-gehorchen-schweizer-faschisten-scharon&catid=100:minarettverbot&Itemid=44 – ohne Veränderungen im Text bis auf die Anmerkungen und Auslassungen in eckigen Klammern[zurück]

27. Januar


via


via

Grundlegendes 15: Warning! May cause headache or nausea

Das diesmal unwiderstehliche Bedürfnis, im Elsässer-Blog zu kommentieren (Asche auf’s Haupt!), hat zwar am Ort zu schroffer Zurückweisung (sigh…) geführt, jedoch darüber hinaus zwei wichtige Erkentnisse gezeitigt:
1. Thomas Haurys sehr sinnvolles Nachwort zu Léon Poliakovs „Vom Antizionismus zum Antisemitismus“ – „Zur Logik des bundesdeutschen Antizionismus“ – löst bei zumindest zwei Elsässer-Kommentatoren Abwehrreaktionen auf z.B. Fremd(!)wörter(!) aber auch wahlweise Kopfschmerzen oder Übelkeit aus. Das zu wissen, könnte sich eines Tages womöglich als sehr hilfreich herausstellen, und
2. ist der Text (hier und hier) online verfügbar.

Exzerpt: „Das antiimperialistische Weltbild macht keine Fehler, es ist der Fehler: Es tendiert notwendig dazu, die gesellschaftlichen Verhältnisse zu simplifizieren, zu verdinglichen und zu personifizieren, sie verschwörungstheoretisch zu mißdeuten und damit eine auch moralisch binäre Weltsicht zu entwickeln. Weil diese unreflektierten Bedürfnisse nach Veränderung, kämpferischer Gemeinschaft, eindeutigem Feind und einfach zu durchschauenden Verhältnissen hierzulande nicht erfüllt werden können, werden sie in die Fernen des Trikont projiziert. Die unkritische Identifikation mit den nationalen Befreiungsbewegungen muß zwangsläufig zur Unterscheidung von guten und schlechten Staaten, zur Verwechslung von sozialer Revolution mit nationaler Befreiung und schließlich zur Entdeckung guter Völker führen, die gegen das als ‚Imperialismus‘ bezeichnete Böse kämpfen.“ (Ebd.)

Grundlegendes 14

„Da sich der größte Teil dieser revolutionären Gruppierungen in der Dritten Welt als nationale Befreiungsbewegungen begriff, wurde soziale Emanzipation auch von den Solidaritätsbewegungen der Industrieländer zunächst mit der Erlangung nationaler Souveränität gleichgesetzt. Bei der unkritischen Übernahme der trikontinentalen Revolutionsrhetorik wurde allerdings übersehen, daß der Sieg der verschiedenen Guerillagruppen in der Regel nicht das Geringste mit sozialer Befreiung, der Abschaffung von Unterdrückung oder dem Ende des Patriarchats zu tun hatte. […] [I]m Normalfall entstanden offen terroristische Diktaturen, deren Führungseliten sich bereits kurz nach der Übernahme der Regierungsgewalt von den zuvor zumindest noch zaghaft vertetenen emanzipatorischen Forderungen verabschiedet hatten. Herrschaft wurde im Rahmen des antiimperialistischen Weltbildes in erster Linie als Fremdherrschaft imperialistischer Mächte über „unterdrückte Völker “ wahrgenommen, Ausbeutung als fremde Machenschaft begriffen.“
Jan Gerber – „Schalom und Napalm“. Die Stadtguerilla als Avantgarde des Antizionismus in Joachim Bruhn/ Gerber (Hg.) – Rote Armee Fiktion

„Wer von Israel spricht, thematisiert, ob er will oder nicht, die Massenvernichtung der europäischen Juden. Das Wort ‚Antizionismus‘ sollte diesen Zusammenhang suspendieren. Der gegenteilige Effekt stellte sich ein. Seit 1968 erwirbt man sich durch ein antizionistisches Selbstverständnis die Berechtigung, auch einmal die Juden zu verfogen – und sei es auch nur mit Kritik. Die rhetorische Frage, ob denn Israel außerhalb jeder Kritik stünde, wird als salvatorische Klausel benutzt wie „Some of my best friends are Jews, but…“. […] Eine Linke, die ihren Untergang kommen sieht, wenn sie ihr moralisches Überlegenheitsgefühl verliert, muß vielleicht so reagieren, aber sie verliert ihre moralische Existenzberechtigung, wenn sie sich von der Machtpolitik des Status quo nur durch den Status der Ohnmacht und nicht durch ein anderes Reflexionsniveau unterscheidet.“
Detlev Claussen – Versuch über den Antizionismus. Ein Rückblick, Vorwort zu Léon Poliakov – Vom Antizionismus zum Antisemitismus

„Some of my best friends are Germans“.
Eike Geisel – Die Banalität der Guten. Deutsche Seelenwanderungen

Happy birthday, Walter Abish!

„Five days ago a section of the pavement near the school caved in, and three days later, as they were fixing the broken sewage pipe, someone who deserves a medal discovered a mass grave, Helmuth announced to Egon and Rita. It’s a real mess. For all we know, there may be a hundred, perhaps even a thousand bodies buried in that spot. For all anyone knows, all of Brumholdstein is sitting on one mass grave. Anyhow, as you can imagine, with our tradition of thoroughness, we have to inspect the grave before we can repair the pavement. Everyone is complaining. The storekeepers are losing their customers. The street is still closed to traffic. Well, what more is there to say.“
Walter Abish – How German Is It / Wie deutsch ist es (1979/ 1980), 139

„Call from Bavarian Radio. They‘re planning an interview with me and would love to include a reading from How German Is It. The lady at the other end spoke with a hoarse voice I had difficulty understanding. It couldn‘t be a secretary, I decided, as I explained in my best German that I‘d mull it over. Did they have any particular section in mind? ‚Pages 136 to 139? The discovery of the mass grave in the town center?‘ Why wasn‘t I surprised?“
Walter Abish – Double Vision. A Self-Portrait (2004)

„Distrust—a dubiety of commitment and avowal—is his ground note. His most admired work, the novel “How German Is It” (1980), harnesses postmodern verbal foolery to a thriller plot and a passionately distrustful concern with modern Germany. Written before his actual return to the German-speaking lands that his immediate family (but not all his relatives) escaped in the late thirties, the novel imagines an Americanized, prospering, democratic Germany sealed over the Nazi past like a deceptively smooth scab. The clean, chic, well-planned new community of Brumholdstein, named after a Heidegger-like philosopher called Ernst Brumhold, has been erected on the bulldozed site of a concentration camp in the town, formerly known as Durst. At one point, symbolically enough, a broken sewage pipe uncovers a mass grave, which emits a terrible stench and is finally cleared away by the government agency that deals with such remnants of the unsavory past.“
John Updike – Sentimental Re-Education. The cerebral experimentalist gets personal (The New Yorker, 2004)