Deutschland im November 2011 II/ Forwarded: haGalil – „Antisemitische Sprüche im Frankfurter Römer: “Die Gunst der Stunde genutzt“…“

Auszüge:
„Jutta Ditfurth sitzt für ÖkoLinX-ARL als Stadtverordnete im Frankfurter Römer. Hier wurde sie Zeuge, als nur einen Tag nach den üblichen Reden zur Reichspogromnacht eine plumpe antisemitische Äußerung in der Sitzung des Stadtparlaments ohne Folgen blieb, und stattdessen jene, die darauf aufmerksam machen wollte, zum Ziel von Spott und Rüge wurde…
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In einer Pressemeldung berichtet Jutta Ditfurth:
Diskutiert wurde (am 10-11-2011) der Antrag NR 97 von CDU und Grünen über die dauerhafte kulturelle Nutzung des Hauses Gutleutstr. 8-12. In der Debatte machte der FDP-Stadtverordnete Stefan von Wangenheim Anmerkungen zur Geschichte des Hauses. Er sagte, das Haus habe früher einem Juden gehört, der dann »die Gunst der Stunde genutzt« und das Haus verkauft habe, um seine Flucht aus Deutschland zu bezahlen.
Meine empörten Zwischenrufe, das sei schierer Antisemitismus, was denn an jener Stunde »günstig« gewesen sei, ob er das antisemitische Klischee des geschäftstüchtigen Juden bedienen wolle, dass er aufhören und die Sache erklären und sich entschuldigen solle, {…} usw., blieben unbeantwortet.
Ich rief in einen toten Raum. {…} Kein CDUler, kein Grüner rührte sich. Die antisemitische Aussage ging im Römer glatt und unbeanstandet durch, nur eine SPD-Stadtverordnete sprach in ihrem Redebeitrag von »Entgleisung«.
Ich wurde vom Präsidium gerügt.
Aber es kam lautes Gegröhle und Stammtischgejohle bei FDP, CDU und Teilen der Grünen auf, als Wangenheim, statt sich zu erklären, im weiteren Verlauf seiner Rede abfällige Bemerkungen über mich machte.
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Der Zigarettenfabrikant Adam Becker war Eigentümer des Hauses Gutleutstr. 8-12. Er verkaufte sein Haus 1933 an die NSDAP Gauleitung Hessen-Nassau (das Haus hieß fortan Adolf-Hitler-Haus) und bezahlte davon seine Flucht aus Deutschland. Er nutzte also, wie Stefan von Wangenheim (Mitglied einer Partei, die so vielen NS-Faschisten nach 1945 ein wohliges politisches Zuhause bot) meint, die ungeheure »Gunst der Stunde«, den angeblichen Vorteil der Situation.
{…} Am 1. April 1933 gab es in ganz Deutschland gewalttätige Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte, Büros, Arztpraxen. Die Botschaft war klar. Viele Juden begannen, ihre Flucht zu organisieren. Auch Adam Becker.
»Günstig« war die Stunde nur für ihre späteren Mörder.“
Quelle: HaGalil – Antisemitische Sprüche im Frankfurter Römer: “Die Gunst der Stunde genutzt“…

Mehr: Martin Krauss – »Gunst der Stunde 1933«. Frankfurter FDP-Politiker sorgt für Eklat im Römer (Jüdische Allgemeine.de)