Archiv für Februar 2011

Reread 6: „Stimme kommt von Kuh an Wand“

Trotz allen Stolperns ist Guttenberg im Volk beliebter als bisher. 73 Prozent der Deutschen sind mit der politischen Arbeit des CSU-Politikers zufrieden, zu Monatsbeginn waren dies nur 68 Prozent, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag für die ARD-Sendung Hart aber fair ergab. Nur 21 Prozent sind unzufrieden.Die Zeit, online

„‘Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist nach einer Umfrage in der Modebranche der am besten angezogene Politiker Deutschlands. Auf den Plätzen folgen FDP-Chef Guido Westerwelle und Bundespräsident Horst Köhler.‘
Ich gebe auf.

Hermann L. Gremliza, Konkret 10/09, 50

Dass Guttenberg zum bestangezogenen Politiker Deutschlands gekürt wurde, bedeutet allerdings noch lange nicht, dass er tatsächlich gut gekleidet ist. Deutschland gilt der Welt nicht unbedingt als Hort stilvoll gewandeter Menschen – au contraire und das zu Recht. Ebenso kann man von der deutschen „Modebranche“ kaum als einer der Beurteilung entsprechender Fragen fähigen Instanz sprechen. Wer tatsächlich haute couture (oder selbst prêt-à-porter oder überhaupt) entwerfen wollte, flüchtete so schnell wie möglich an adäquatere Orte, geblieben sind fast (!) nur Langweiler, Drittrangige und Zurückgewiesene.
Die, diesmal wirklich „abstruse“ (vgl. allg. Guttenberg, insb. Kommentar zu den Plagiatsvorwürfen, 16.02.2011), Illusion der Deutschen, wenigstens einen internationalparkettfähigen Repräsentanten vorweisen zu können, beruht allein auf ihrer mangelnden Kenntnis in dieser Hinsicht relevanter Beispiele. Abgesehen davon, dass Guttenberg ganz gewiss die seiner Kaste gemäßen Gesten beherrscht: ostentatives Knopf vom Jackett öffnen, wenn man sich setzt, ihn – nur den obersten! – wieder reinfummeln, wenn man aufsteht und sei es auch nur für ungefähr dreißig Sekunden, nicht das Öffnen beim wiederhinsetzen vergessen, all das ausschließlich, wenn man Krawatte trägt; ohne Krawatte, dürfen das Jackett und der erste Knopf des Hemdes offen getragen werden und dergleichen mehr. Abgesehen davon also: Sitzt das nicht alles ein wenig zu eng? Am ausladenden Brustkorb? Sind die Hosen nicht eine Nuance zu kurz? Spannen sie nicht oftmals über den Oberschenkeln? Ja, und was ich bei anderen unbedingt sehen will, mag ich in dem Fall ganz und gar nicht, mal wieder egal – Idiosynkrasien. Desgleichen das Haupthaar: Es spannt überm Schädel Karloffschen (1931, inklusive Pomade) Ausmaßes. Anmuten soll das royal, soll heißen: Egal, solange die Stirn völlig frei von Haar ist. Ein deutscher Friseur (derjenige übrigens, der Angela Merkel ihre ‚neue’ Frisur verpasste) bezeichnet das als: „’sehr englisch und edel’. [Udo Walz] bescheinigt dem neuen Bundeswirtschaftsminister, ‚fabelhaft’ auszusehen.Tagesspiegel – Frisurentrends: Etwas Gel, bitte
Alles an Guttenberg soll den Mann modellieren – huh, goosebumps. Das Süddeutsche Zeitung Magazin zeigte vor kurzem eine Fotostrecke, die Guttenberg als mindestens ästhetisches Vorbild betrachtende junge Menschen im Guttenberg-Look vorführte…
Es ist einer der größten Irrtümer der Deutschen, wenn sie meinen, sie beherrschten die Sprache Englisch. Wie auch ihre Interpretation des angenommenen englischen Stils meist in der sehr deutschen Exzerzierung längst überholter dress codes resultiert, und die britische Ironie, die dort nahezu allem anhaftet, nicht umsetzen kann. Außerdem: Zu den Stammkunden eines Schneiders auf der, sagen wir, Saville Row gezählt zu werden, bedeutet noch lange nicht, dass der einen auch mag („Achtung! Goose-step everybody but: Don’t mention the war!“), entsprechend fallen dann auch manchmal die Designs aus.
Ja, gemein, und bis dato ist das alles nur billige Häme, aber jetzt: Über das hinaus bilden sich Guttenberg und die Deutschen ein, er sei eloquent. Gremlizas Einschätzung der sprachlichen Fähigkeiten von Guttenberg ist uneingeschränkt zuzustimmen: „Stimme kommt von Kuh an Wand“ (ins Deutsche übertragener Neil Simon via Peter Sellers in „Murder by Death“, zitiert nach Gremliza, Konkret 09/09, 66). Was auch immer im Original von Guttenberg stammt, ist wortreicher und inhaltsleerer Jargon. Das Original kann leicht vom Plagiat unterscheiden, wer jemals die home story, die vor einiger Zeit vom Bayerischen Rundfunk produziert wurde, gesehen hat. Dort kann man Guttenberg live beim spontanen verfassen von Schwurbeleien beobachten, ganz so wie er sein Vorwort zur Dissertation selbst geschrieben hat, und die Rede (2009) zum Jahrestag des Entlastungsattentats (pdf):

Die bei den Deutschen beliebtesten Politiker der letzten hundert Jahre – Wilhelm von Preußen, Paul von Hindenburg, Adolf Hitler, Ludwig Erhard, Helmut Schmidt und Joseph Fischer – haben in den letzten Wochen Nachwuchs bekommen: Karl-Theodor zu Guttenberg. Lesen Sie, was dieser jüngste Liebling der Nation zum 65. Jahrestag des Aufstands der Nazioffiziere gegen ihren Führer am 20. Juli aufgesagt hat:
Ein Gefängnishof verliert in der Regel nie seine Kälte. Eine Kälte, die sich über Insassen wie spätere Besucher zu legen weiß und die jedes Ausmaß an Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung reflektiert, wenn man gleichzeitig an den Mauern einer Hinrichtungsstätte steht.
Wir halten einen Moment inne und repetieren: Eine Kälte, die Verzweiflung reflektiert, wenn man gleichzeitig an den Mauern einer Hinrichtungsstätte steht, weiß sich über Insassen und Besucher zu legen. Peter Sellers, der Inspektor Sidney Wang in »Eine Leiche zum Dessert«, hätte gefragt: »Was Bedeutung von dieses?«
[…]
Zudem ringt dieser Gedenktag so lange mit der Gegenwart, wie die Begriffe Ehre, Stolz oder Vorbild Ausdruck einer verklemmten Schüchternheit bleiben.
Wie? Was? Der Gedenktag ringt so lange mit der Gegenwart, wie die Begriffe Ehre, Stolz oder Vorbild Ausdruck einer verklemmten Schüchternheit bleiben? »Stimme kommt von Kuh an Wand«, möchte man mit Peter Sellers sprechen, der so die Worte des hinter einer Elchtrophäe versteckten Gastgebers Lionel Twain (gespielt von Truman Capote) kommentiert.
[…]
Darf man nun das Wort »Ehre« mit der Prinzipientrias »Freiheit, Rechtsstaat und Menschenwürde« verbinden? Meines Erachtens bedingen sie einander. Beides, die benannten Maximen und ein damit verwobenes, wohlgesetztes Ehrverständnis, widerspiegeln grundlegende Werte, ja ein Erbe des christlich-jüdischen Abendlandes.
Ob Verwobenes etwas spiegeln kann, bleibe dahingestellt, doch ihr Abendland ein christlich-jüdisches genannt und ihre Ehre mit irgendwelchem Judenkram infiziert zu sehen, hätten die Stauffenbergs sich strengstens verbeten.
(Hermann L. Gremliza, Konkret 09/09, 66)

Um den reaktionären Kern herum nichts als stumpfe statt schillernder Blasen (Guttenberg und Gattin als Glamour-Paar zu bezeichnen, kann auch nur den Deutschen passieren. Außerdem, liebe Brigitte-Redaktion, die Farbe heißt nun eindeutig nicht „Mango“ sondern „Lachs“ …, egal!) Die Sprache des Verteidigungsministers ist eben die, die den einfachen Stammtischbruder zum Stammtisch-Präsidenten aufsteigen lässt: Er gibt allen ein wenig recht und das mit Formulierungen, die jeden auf einmal die ungeheuerliche Relevanz der zuvor bloß besoffen in den Raum trompeteten Platituden, Pöbeleien und Protzereien erkennen lassen. ‚Das hätte ich so nicht sagen können, aber du bist ja auch Doktor irgendwas.’ Dem Stammtisch taugt der akademische Grad bloß zum Ziselieren des grobdeutschen Imperativs. Jovial hat sich der (im weitesten Sinne) Landjunker zur sprachlichen Veredelung des deutschen Nichts herabgelassen. Die Begeisterung ob dieser Herablassung lässt sich auch damit erklären, dass es z.B. in der deutschen Literatur keine umfassende Tradition der Ridikülisierung des Landadels gibt, wie beispielsweise in England, Russland oder Frankreich. Der Typus käme einem sonst irgendwie bekannt vor, und man könnte seine Attitüden und Manierismen leicht identifizieren. So aber glaubt Deutschland an ein einzigartiges Phänomen. Und es soll glauben, will glauben, glaubt. Pausenlos und ohne Sinn und Verstand. Es ist kaum erstaunlich, dass sie ihm Dasmitderdoktorarbeit verzeihen. Denn erstens erinnert sich fast jeder an die Demütigung, die man beim ersten Mal mit den Fingern in der Keksdose, in Mamis Portemonnaie oder dergleichen erwischt werden, erlebt hat – das kann also nur Identifikation stiften. Vor allem aber hat jeder schon einmal gehofft, mit einer blöden Ausrede durchzukommen, dem, der das schafft, ist Anerkennung sicher. Und zweitens wähnt man perfide Mächte am zersetzenden Werk: Intellektuelle! Kritiker! (Endlich kann man’s denen mal zeigen!) Und drittens: Egal, denn es ist die vollkommen leere Fläche, die der Minister darstellt, die zur Projektion eigener Wasauchimmers einlädt. Die Argumente seiner Verteidiger sind dann auch seltsam monoton und unverhohlen und im Wortsinne defensiv. Lustigerweise warf Hans-Peter Friedrich (CSU) der SPD und Den Grünen vor, sie hätten erst in die USA fahren müssen, um Guttenberg (der als ‚Atlantiker’ gilt) mit aus den USA in den bis dato harmlosen Deutschen Bundestag importiertem „negative campaigning“ fertigzumachen – und Jürgen Trittin erklärte er zu einer Art Antideutschem – teehee! Beliebt ist ebenfalls eine neue ‚Dolchstoßlegende’: Der von den Soldaten geliebte Minister soll ihnen entrissen werden, woraufhin sie jeglichen Rückhalt usw. usf. Auf Seiten der Plagiatsfahnderunterstützer wird auch viel Blödsinn gefaselt, beispielsweise dass Guttenbergs Nichtdiss den Wissenschaftsstandort Deutschland gefährde, ja, schrecklich! Außerdem täuschen sich diejenigen, die glauben, er habe diesmal niemanden und nichts, worauf er die Schuld schieben könne: Er hat bereits seine „blöde“ Doktorarbeit für alles verantwortlich gemacht und sie in a way entlassen.
In den Olymp der deutschen Opferdarsteller ist Guttenberg allerdings von … tadaaa… Jürgen Elsässer aufgenommen worden. Wir erinnern uns: Elsässer hat sich bereits selbst ein für alle Male gegen jeglichen Homophobie-Vorwurf immunisiert, ist sich aber nicht zu schade den Beweis erneut anzutreten:

Juergenelsaesser in den Kommentaren zu „Guttenberg – Richtig falsch. Mit schlechten Argumenten gegen einen schlechten Mann“:
neeso: Sie missverstehen den Absatz. Es steht da: „Das Image des Barons“, gerade nicht steht da „die Realität“. Ich habe referiert, was die Spin-Doktoren mit Guttenberg transportieren, wie sie ihn vermarkten wollen, etwa auch was das Geschlchterverhältnis angeht etc. – Dass ich im übrigen kein Freund von Leuten bin, die über Schwul-Sein oder Frau-Sein Karriere machen wollen, verheimliche ich nicht. Deswegen bin ich aber noch lange nicht gegen Schwule oder Frauen, das würde ich ganz gerne auseinander halten.
Der Text zum Kommentar in Auszügen:
Das Image des Barons: Guttenberg ist ein Politiker für deutsche Interessen. Endlich wieder ein Mann an der Spitze und keine Weiberherrschaft mit Schwuchtel-Anhang. Ein Mann, der schon mit seinem Familienstammbaum für Tradition und Tugenden steht, gut angezogen und mit tadellosen Manieren. Ein schneidiger Typ, der mit Splitterweste und Ray Ban so militärisch aussieht wie Tom Cruise in Top Gun. Ein Mann, der zu seinen Soldaten steht, ob am Hindukusch oder anderswo.
Die Realität des Barons: Guttenberg ist der Mann der Amerikaner. Aufgebaut von der Atlantik-Brücke. PR-Arbeit abgestimmt mit der Bild-Zeitung. Seine Mission: Abschaffung der Bundeswehr durch Abschaffung der Wehrpflicht bzw. Umwandlung der Bundeswehr in eine Fremdenlegion unter US-Kommando. Einsatz dieser Truppe, aufgefüttert mit gewaltbereiten Ausländern, auch im Innern. Zerstörung der Moral der Truppe durch Absetzung von Kommandeuren wie zuletzt dem Kapitän der Gorch Fock. […] Wenn Guttenberg fällt, fällt ein charismatischer Gefolgsmann der US-Politik. Aber dass die Rot-Grünen diesen Erfolg für sich verbuchen könnten und mit dem Baron auch die von ihm (fälschlich) genährte Erwartung eines selbstbewußten (!) deutschen (!) Mannes (!) an der Spitze der Politik kaputtgegemacht werden könnte, stimmt mich nicht gerade heiter.
“ Jürgen Elsässer, ebd.

Und schon wieder den Homophobie-Vorwurf erfolgreich abgewehrt, wie auch den der Misogynie, den der Xenophobie und überhaupt alle anderen…
Meanwhile in some parallel universe – da Deutschland Platz für Projektionsflächen braucht, darf sowieso niemand mehr rein: „Frontex startet Mission „Hermes 2011″“. (ARD)

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Earlier: SonntagsGesellschaft – Brei ist nicht immer nahrhaft

„Follow the yellow brick road…“

Doch allein wenn man sich die Fotos der beiden ungleichen Brüder anschaut, fragt man sich rasch, ob die gefärbten Haare, die getönte Brille und der rosa Anzug von Elton John ästhetisch nicht weitaus verkommener sind als der selbstbewusst aus seiner chaotischen Prekariatshütte lächelnde Geoff Dwight.
Florian Illies – Über ungleiche Brüder, Zeit online

Nein, fragt man sich überhaupt nicht und schon mal gar nicht rasch. Und man muss Elton Johns Œuvre nicht mal toll finden, um es nicht zu tun. Dessen Halbbruder Geoff Dwight (der „wärmstens an den verrückten englischen Zauberer Catweazle“ erinnert, ebd.) nämlich, den Illies am Ende bloß mag, weil er diesmal weiß, dass er jemanden um tatsächlich überhaupt nichts beneiden muss, schwafelt ausschließlich vom Glück des Verzichts. Und denunziert dabei den älteren und fast unvorstellbar reicheren Bruder mit entsagungsvollem Pathos als geizig und unsolidarisch, obwohl er ja explizit nicht mal was von ihm haben will. Das gilt dann dem sich als dekadenzphobisch outenden deutschen Zeitgeist-Analytiker als „wahre Gesellschaftskritik“ (ebd.). Der er das passende Vorurteil hinterherschiebt: Mann in „rosa Anzug“ = „verkommener“ als irgendwas. Dann doch lieber ‚authentisch‘ und ‚natürlich‘ in einer Hütte vor sich hinprekarisieren. But… beware! Es gilt, sich sofort mit Elton John zu versöhnen, denn den hat bloß die bösartig sich selbst karikierende Musikindustrie (es führt kein Weg an Adorno vorbei!) zum ‚unechten‘ Outfit und desgleichen gezwungen, wie er in „Goodbye Yellow Brick Road“ (prominently featured on „Life on Mars“, season 2, episode 2) zu beklagen hatte:

So goodbye yellow brick road
Where the dogs of society howl
You can‘t plant me in your penthouse
I‘m going back to my plough

Überdimensionierte Brillen zu Pflugscharen? Ironie kann Elton John besser!

Dritte ernste Warnung an Verschwörungstheoretiker: Wer ist Jürgen Elsässer wirklich wirklich wirklich?


youtube

Liebe Verschwörungstheoretiker!
Nachdem hier bereits auf die aufregende Vergangenheit Jürgen Elsässers verwiesen wurde: Ernste Warnung und Zweite ernste Warnung, geht es diesmal um seine nicht minder spannende Zukunft.
Doch zunächst: Rejoice! Die Welt wird im Jahre 2012 nicht untergehen!
Denn am 4. Juli 2200 wird Jürgen Elsässer definitiv etwas vortragen, und zwar …huh! thrilling!… in Fulda. Laut den clair voyants und Diezukunftsogaraufmedienprojizierenkönnenden von NuoVisoProductions allerdings leider bloß (sollte man seiner etwa bereits nach ungefähr 190 Jahren ein wenig überdrüssig geworden sein?) über „nichts Neues für Diejenigen, die bereits mit Elsässers Bücher vertraut sind.“ Die Botschaft wird folgende sein: „Die Dunkelmächte proben [schon wieder!] die Rückkehr in das dunkle Mittelalter! Deutschland ist [wie üblich] in Gefahr. […] Die privaten Großbanken erwürgen [zum wiederholten Male] die Industrie. […] Es handelt sich [kennt man ja] um die Gier des Finanzsystems. Um eine [erneut] künstliche Krise, hervorgerufen von den Banken. Auch er [wie whatsitsname?] sparte nicht mit Namen, wer den das alles verursacht. Und beim Fall von Arcandor wird er [oh no, not again!] ganz detailiert, denn dafür gebe es [wie in den letzten Dekaden unermüdlich repetiert] eine einfachste Lösung. „Arcandor wurde [wieder einmal] durch Wuchermieten kaputt gemacht. Eigentum verpflichtet! Die Lösung wäre also die [again!] Übernehme der Immobilien [durch whatsitsname?] , und anschließende faire Mietpreise. Ja, manchmal wäre die Lösung unserer Probleme ganz einfach!“ (Ebd.) Und natürlich: Rechtschreib- und Grammatik-Korrekturprogramme werden im Jahre 2200 immer noch nicht zuverlässig funktionieren – au contraire!
Meanwhile in the presence sucht Elsässer in seiner Erscheinungsform als Chefredakteur des Querfront-Magazins „Compact“ verzweifelt nach Vorschlägen fürs Design der 2. Ausgabe, deren Arbeitstitel „Das besetzte Land – US-Truppen in Deutschland“ lautet: „Nun will ich die Kreativität meiner lieben Leser etwas [!] in die Vorbereitung der Nummer 2 einbeziehen. Beginnen wir bei der Titelseite. Zum Foto: Ich könnte man vorstellen, man orientiert sich am beiliegenden Cover von Robert Harris „Fatherland“. Aber die zwei Flaggen auf der Quadriga sollen natürlich die der Besatzungsmächte sein: EU-Sternenbanner und US-Sternenbanner. Gibt es bessere Ideen?“ (Ebd.) Jenseits davon, dass das nur Beschäftigungstherapie ist, weil er ja eigentlich (s.o.) weiß, dass sich eh bis ins Jahr 2200 nichts ändert, gibts bis dato nur die üblich verdächtigen Vorschläge wie beispielsweise den von Pablo – „Das mit den Fahnen ist ne gute Idee.Ich würde noch die israelische dazupacken(„deutsche Staatsräson“laut Merckel)“ und fatimaoezoguz – „Das wollte ich schon vorschlagen, verwarf es dann als doch allzu „unkorrekt“.“ (Ebd., in den Kommentaren)
Damit wären die Weichen für die unvermeidbar folgenden 2273 Editionen des monatlich erscheinen werdenden Heftes unverrückbar gestellt. Denn Elsässer scheint nach all seinen aufreibenden Reinkarnationen* endlich im Deutschenopfernirwana angekommen sein…
Still yours sincerely,
Unverbesserliches Spaltungsopfer, das diesmal nur vor grenzenloser Langeweile warnen möchte!

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* Coming soon: „Reread 7: Warum es den Deutschen völlig egal ist, dass man „hochqualifizierte MigrantInnen“ hervorragend ausbeuten könnte und was das mit der anhaltenden Notwendigkeit ‚antideutscher‘ oderwieauchimmermansienennenmag Kritik zu tun hat“

Auszug :

The Cure – Jumping Someone Else’s Train („Everyone’s happy/ They‘re finally all the same“)

In jüngster Zeit haben zwei prominente Vertreter der Antideutschen (Wolfgang Pohrt und, verschmerzbarer, Jürgen Elsässer) die antideutsche Position verlassen und sind in Richtung Traditionskommunismus (Elsässer) oder politisches Nirwana (Pohrt) abgewandert.
Volker Radke – Zur Debatte um antideutsche Positionen

Die Zeiten, in denen Rechtbehalten Spaß gemacht hat, sind mittlerweile vorbei.
Wolfgang Pohrt – Brothers in Crime

2010, seinem Empfinden gemäß passenderweise zum Jahrestag der Deutschen Einheit, meinte Jürgen Elsässer mit einem Interview, das er 2003 mit Wolfgang Pohrt für die junge Welt führte, auftrumpfen zu können: „Abschied von den Anti-Deutschen. Interview mit Wolfgang Pohrt, dem Urvater der Antideutschen“ (Elsässers verwirrende Bindestrich-Setzung ermangelt einer sinnvollen Begründung…)
Der „Impulsgeber“ der „Antideutschen, noch bevor es diesen Ausdruck gab“, sei Pohrt gewesen. Pohrt wie Elsässer geben seit einigen Jahren nur noch Pseudo-Provokationen von sich. Dass Elsässer sich zum schicksalhaften Datum mit Pohrt verbunden wissen will allerdings, kann nur der Tatsache geschuldet sein, dass der anschwellende Sarrazin-Fan irgendwie um seine Unoriginalität weiß und darum, dass er erkennen musste, dass er immer erst auf einen Zug aufsprang, nachdem der bereits reichlich gefüllt war. Pohrt hingegen wollte am liebsten die Schienen verlegen und dann sofort selbst Schaffner sein, was in seinem Fall dazu führte, dass er tatsächlich bahnbrechende […] Analysen vorzunehmen in der Lage war; bis er entdeckte, dass es einen Rückwärtsgang gibt, mithilfe dessen man auch ganz schön Unordnung im Abteil erzeugen kann. Von Pohrt gibt es im Gegensatz zu Elsässer umfangreiche Bücher, anhand derer sich beweisen lässt, dass er früher Recht und Spaß daran hatte.