„Mein rechter, rechter Platz ist frei…“

Gesetzt den Fall, es käme einer, der die Deutschen zu lieben verspricht: Würde er bei ihnen auf Gegenliebe stoßen?
Wolfgang Pohrt – Der Weg zur inneren Einheit

…und die Deutschen wünschen sich schon wieder einen Tabubrecher herbei – lieben muss er sie nicht, das käme ihnen dann doch unglaubwürdig vor.
Sie wollen bloß einen, der erneut ausspricht, was man im Land der Opfer von so ziemlich allem nicht sagen darf, der das außerdem auf „gut deutsch“ tut. Und der überhaupt beweist, dass man nach wie vor Opfer ist. Dass auf höchster volksvertretender und vertretenwollender Ebene vergleichsweise schnell abwehrend reagiert wurde (auch von Angela Merkel, die üblicherweise, bevor sie eine Meinung äußert, abwartet, was die RTL-Telefonumfragen zum Thema mitteilen und dann die von Sat1, Pro7, Kabel1, und dann noch die von der ARD, dem ZDF und allen Dritten Programmen), verwundert kaum. Denn Schuld daran haben, dass sich „Deutschland“ „abschafft“, will man tatsächlich nicht. Es ist eben dieser auch noch titelgebende Vorwurf Thilo Sarrazins, der die heftigsten und Volkes Stimme erst einmal zu widersprechen scheinenden Reaktionen überhaupt ermöglichte. „Rechts von den Volksparteien“ sei noch Platz, verkünden die staatstragenden Medien. Womöglich, aber in Deutschland versteht sich jede Partei als Volkspartei, wie sich auch nahezu alle von Parteien vertretenen deutschen Interessengruppen inklusive jene der Partei der Nichtwähler als das wahre Volk gerieren. Nachdem man sich allerdings „scharf“ von Sarrazin distanziert und Konsequenzen angedroht hatte, nachdem also bewiesen war, dass man selbst ganz und gar nicht rassistisch, fremdenfeindlich, volksverhetzend, böse, gemein und antisemitisch (nach offizieller Diktion also deutschlandabschaffend) ist, geschah das, was jeder mit Deutschen und ihren Politikern auch nur halbwegs vertraute bereits zu Beginn der Debatte erwartet hatte: Die Mehrheit des Volkes als mutige Avantgarde gibt ihm sowieso recht – in Umfragen, in Foren, in Briefen an Sarrazin (von denen er stolz wie Walser berichtet), in der Bild-Zeitung, der NPD, bei PI, einfach überall, wo die Deutschen sich nonkonformistisch fühlen dürfen. Nonkonformismus jedoch bedeutet hierzulande, die von allen, die man im Dorf so kennt, zigmal bestätigte Meinung endlich mal richtig öffentlich zu machen. Die sich selbst immunisierthabenden Repräsentanten zogen kaum später nach. Graduell abweichend und pädagogisch vermittelnder im Tonfall sicherlich und unterschiedlich motiviert ganz gewiss. Die vorgeblich beschwichtigenden Reaktionen der „anständig gebliebenen“ Politiker kamen viel zu schnell, um sie als bloßes demvolknachdemmundreden klassifizieren zu können. Regierung und Volk haben, wenn Letzteres sich bedroht wähnt, denselben Lösungsansatz zu bieten. Die wichtigste Botschaft allerdings, die so schnell wie möglich unters Volk gebracht werden musste, war: „Auch wir wollen trotzalledem keine Tabus.“ Die Chance durfte man sich nicht entgehen lassen. Die große deutsche Bürger-Initiative hat einen einzigen Slogan: „Kein Tabu nirgendwo.“ Einer der intelligenteren Sätze von Roger Willemsen lautete, es gebe doch in den deutschen Medien gar keine Tabu-Themen, außer dem Spätwerk Adalbert Stifters. (Oder war’s Heimito Doderer? Ausnahmsweise egal…). Eben.

Thilo ist die Kurzform von Namen, welche mit Diet, insbesondere Dietrich, gebildet sind. Altfränkisch thiuda (althochdeutsch: diot das Volk) und rihhi reich und mächtig, rihhan beherrschen). Das bedeutet „Der Reiche (Mächtige) im Volke“ oder auch „Der Herrscher des Volkes“.
Wikipedia

Ist Sarrazin also nur ein hilfloses Opfer, rituell gemeuchelt auf dem Altar vorgeblicher Political Correctness? Ganz gewiss nicht. Er ist jetzt genau das, was er sein wollte: Er ist deutscher Prophet. In Deutschland wird niemand des Volkes unermüdliches Raunen zum begeisterten Kanon anschwellen lassen („Wehrt euch, leistet Widerstand…“), der sich nicht als Opfer (Märtyrer trifft es nicht – denen sind alle Gesten der Empörung fremd, und Sarrazin gibt sich dauerempört) ausstellen kann. Walser musste scheitern, weil ihm zu früh offiziell zugestimmt wurde (Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen!), Hohmann hielt seinen Vortrag in Neuhof bei Fulda, Schill war dicht dran, aber Kokain die falsche Droge für Berufene und er zu moralisierend für die Droge, Stoiber und Rüttgers wars nur rausgerutscht usw. usf. Ganz zu schweigen von den vielen, die nicht einmal wahrgenommen oder unter den Teppich gekehrt wurden, bei denen es egal war beziehungsweise niemand verstand oder merken wollte, was sie da gerade gesagt hatten, weil es eh im Konsens oder alle besoffen waren etc.pp. Ob Sarrazin darauf hinarbeitete, ob es Intuition war, ob deutsche Erziehung, Bildung, kulturelle Identität, seine mühsam gezüchtete Intelligenz, seine Gene, was auch immer, man wird es wohl nicht herausfinden (wobei eine Autobiographie unvermeidlich scheint: „Mein Opfer für Deutschland. Wie ich verhinderte, dass wir abgeschafft wurden“ oder so). Sicher ist eins: Es hat seit langem keinen erfolgreichen deutschen Demagogen mit Schnurrbart mehr gegeben. Nicht einmal einen westeuropäischen – von den Pim Fortuyns, Geert Wildersens, Jörg Haiders, und wie sie alle heißen mögen, unterscheidet er sich allein dadurch schon, dass er eben einen Schnurrbart trägt und keine polierte Glatze hat oder erstaunlich fülliges, erstaunlich blondes Haar oder luxuriös gebräunte Haut. Natürlich tun die ihn demokratisch legitimiert nachahmenden Politiker trotzdem so, als ginge es ihnen darum, ihr Volk vor einem grotesken Demagogen zu retten, es davor zu bewahren, sich selbst so (neidvoll) verächtlich mustern zu müssen wie all die Jahre die Niederländer, Österreicher, Italiener etc. Nur erscheint Sarrazin den Deutschen überhaupt nicht verdächtig verführerisch oder fragwürdig faszinierend. Der Volkswirt und Dr. rer. pol. Sarrazin braucht das nicht, will es nicht, darf es nicht haben; er gleicht auffällig vielen der SPD sich verbunden fühlenden Akademiker seiner Generation.
Seine betonte Schlichtheit richtet er mit ein paar Attitüden ein, mit etwas z.B., das schnoddrig-preußisch daherkommt. Man wartet die ganze Zeit darauf, dass er jemanden ungeduldig herbeiwinkt und runterputzt: „Komm er mal her, Kerl. Seine Schuhe haben wohl lange keine Bürste mehr gesehen.“ Die Durchschnittlichkeit, die sich solcher Distinktionsmerkmale zu bedienen hat, prädestiniert ihn zum Propheten eines Volkes zu werden, das zu seinen Wortführern immer nur die seinem phänotypischen und intellektuellen Durchschnitt entsprechenden erkoren hat.
Wer immer noch glaubt, die Herren Hitler und Goebbels, Himmler und Göring hätten die Deutschen mittels ihrer sensationellen rhetorischen Fähigkeiten, ihrer umwerfenden Ausstrahlung, ihrer einzigartigen Überredungsgabe, ihres Charismas, womöglich sogar ihrer den ganzen Polit-Kram vergessen machenden Schönheit wegen etc. pp. in Bann gezogen, also glaubt, das Volk habe eine ganz besondere Persönlichkeit gebraucht, um sich dem Wahn zu ergeben, liegt schlicht und einfach falsch. Hitler reüssierte als Darsteller des Kleinen Mannes (vgl. Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger et al.), der aus nichts schöpfte als dessen Opferimagination, und dessen Größenwahn sich nur aus dieser speisen konnte. Hitler versprach den Deutschen nichts, als dass sie sich endlich würden wehren dürfen. Und nichts anderes wollten sie.
Einer der Gründe dafür, dass selbst ein durchschnittlich Begabter wie Sarrazin derzeit nicht zum Führer – welcher Ausprägung auch immer – aller Deutschen werden kann, ist die Tatsache, dass man sich im Moment halbwegs zuhause fühlt, gemütlich ins bequeme Pseudo-Tabu-Nest gekuschelt. Noch ruht sich das Volk außerdem aus, die „friedliche Revolution“ verdauend und verkatert, wie nach jeder lausigen Party, die man sich um jeden Preis schöntrinken wollte. Bedenklich ist dennoch, dass Deutschland ihm etwas nicht übel nehmen mag, das üblicherweise seinen Abscheu hervorruft. Er habe sich bereichert, auf Kosten der Steuerzahler! ruft Gabriel ins Land, und unverschämte Pensionsansprüche mit der Bundesbank ausgehandelt. Und der Ruf verhallt.
Als Berufener hingegen darf sich Sarrazin fühlen, denn: Er habe eigentlich zurücktreten wollen und täte es nur deswegen erstmal nicht, weil ihn die überwältigende Zustimmung des Volkes davon abgehalten habe (im Volksbildungs- und Volkserziehungsverein SPD will er passenderweise nach wie vor bleiben; aus dem Vorstand der Bundesbank hat er sich zurückgezogen, auch um den tatsächlich beliebten Bundespräsidenten zu retten). Wenn Deutschland befiehlt, folgt sein in Umfragen erwählter Repräsentant. („Führer wird, wer sich keinen Zwang antun muß, wenn er der Masse gehorcht.“ Wolfgang Pohrt, ebd.)
Fröhlich droht der sich notwendig als verfolgt Darstellende und Autor eines Buches über die Deutschen als Opfer nun gleich selbst mit einem „politischen Schauprozess“, dem er ausgesetzt sein und, er ist sich sicher – seltsam bei einem Schauprozess, außer eben man ist der Ankläger –, gewinnen wird. Auch der Landesausländerbeirat Hessen hat Anzeige gegen Sarrazin erstattet, wegen des Tatbestands der Volksverhetzung – das ist nicht die erste einschlägige Klage gegen Sarrazin, und so sehr man jede Klage gegen ihn unterstützen sollte, im verzweifelten Versuch, den deutschen Tabubrechern und deutschen Mauereinreißern doch noch irgendwie Einhalt zu gebieten. Es bleibt die Frage:

Wer kann dieses Volk überhaupt noch verhetzen? Dieses friedliche Lichterkettenvolk? Dieses Tee- und Grablichter-, dieses Fackeln-Volk? Dem Taschenlampen zu banal zivilisiert oder zu umweltfeindlich (dabei gibt es schon welche mit Kurbeln…) und eh zu unromantisch für seine Anlässe erscheinen. Irgendetwas muss hier immer glimmen, glühen, leuchten, brennen, züngeln, lodern, um Deutschland vor sich selbst schöner aussehen zu lassen. Die liebevoll gehegte narzisstische Kränkung kann nur im sanften Licht der „Flamme empor“ ertragen werden. Jeder, auch noch der pointierteste Kritiker Deutschlands irrt sich, wenn er glaubt, irgendetwas sei vorbei. Das „eine Volk“ ist über alle Parteien hinweg mehrheitlich rassistisch oder ethnopluralistisch oder völkerverstehend oder kulturbewusst oder als was es sich gerade exkulpierend bezeichnen will. Und es stellt sich auch deswegen nicht mit batteriebetriebenen Lichtlein an den Straßenrand, weil man mit denen nicht nachher doch noch vielleicht ein kleines bisschen rumzündeln könnte. Wenn es seine einstigen bzw. zukünftigen Opfer zwischendurch mal ein wenig in Ruhe lässt, sie gar ein wenig lieb haben mag, dann bloß, weil es zum Beispiel glauben darf, dass man gemeinsame Feinde hat, sie eine taugliche Illustration des eigenen Leidens (an diesen) hergeben oder weil man Angst hat, ihr Opferstatus könne den eigenen übertreffen und dergleichen mehr. Nach 1993 wollte man ihnen daher nicht mal mehr gönnen, dass Rechtsradikale ihre Häuser anzündeten. Denn unter ihren Rechtsradikalen haben die Deutschen gefälligst selbst am meisten zu leiden, wie man auch nicht aufhören möchte, mitzuteilen, die ersten Opfer der Nazis seien schließlich ‚die Deutschen’ gewesen.
Die Deutschen wollen nichts teilen und befürchten doch, dass man etwas geben muss, um Ruhe zu haben. Man verteilte also großzügig das Wertvollste, was man sich vorstellen kann: kulturelle Identität, völkische Identität, deutsch verstandene Identität, die von vorneherein ausschließt, dass derjenige, dem sie gewährt wird, jemals mit den Deutschen verwechselt wird, und die festschreibt, dass er auf ewig fremd sein muss, weil er irgendwo anders noch wurzelt – wohin er bei Nicht-Bedarf zu verschwinden hat.


Neozoon Wildkaninchen: Deutsche Kulturlandschaften bedrohender Immigrant aus Südeuropa

Es herrscht genau so lange Ruhe, wie von oben nachdrücklich bedeutet wird, sich allzu öffentlich zu wehren, sei gerade so gar nicht opportun – Standort, Export etc. – und vor allem schade es dem deutschen Opferstatus. Weshalb auch jeder im Dorf brav die Fenster schließt, wenn die Abwehrschlacht der ach! so bemitleidenswert perspektivlosen deutschen Jugend gegen die fremden Invasoren allzu viel Krach erzeugt. Im Wollen sind die entnazifiziert sich wähnenden Deutschen unübertroffen, für jede Handlung allerdings hätten sie trotz aller demonstrativen Unkonventionalität gerne einen Legitimationsschein. Als solcher gilt ihnen mitunter bereits ein Wort, ein Satz, eine Rede, ein Buch. Weil aber fünfzig zum Preis von einem-Wochen sind, werden dem Volk die Ermächtigungslizenzen hinterher geschmissen. Express Köln: „Wir brauchen keine Populisten, aber gestandene Demokraten, die auch mal gegen [?] den Strom schwimmen.“ Neue Westfälische, Bielefeld: Sarrazin „hat den Empörungsdemokraten [mit seinen Verallgemeinerungen] das Holz für seinen eigenen Scheiterhaufen [!] übergeben.“ Merkel will keine rechtsfreien Räume zulassen und nicht vor gewaltbereiten Jugendbanden kapitulieren. Sie teilte der Bild am Sonntag außerdem mit, die Gewaltbereitschaft junger Muslime solle nicht tabuisiert werden. „Das ist ein großes Problem, und wir können offen darüber reden, ohne dass der Verdacht der Fremdenfeindlichkeit aufkommt.“ Gewalt junger Menschen sei aber nicht mit einer bestimmten Religion zu verbinden und oft ein Zeichen dafür, dass sie keine Perspektive für sich sähen: „Und da hilft nur Bildung.“ Die SPD will „Integrationsmuffel abschieben“ (Sigmar Gabriel), ein Integrationsministerium und … Bildung. Klaus von Dohnanyi, der bereits Walser beistand und 1998 behauptete, wenn die Nazis die Juden nur hätten mitmachen lassen, würde sich herausgestellt haben, dass die auch Nazis seien (Broders Vergewaltigungs-Metapher war recht treffend), meint 2010, dass „[n]iemand mit Sachkenntnis“ heute noch bestreiten könne, dass es „besondere kulturelle Eigenschaften von Volksgruppen“ gebe. Und so weiter und so fort.
Sarrazin hat die große deutsche Pressure Group zwar nicht von der Leine gelassen, aber die Leine ein Stück weit abgerollt. Merkel spüre, dass etwas „schwer zu beherrschendes aufgebrochen sei“, sagt er und deshalb komme es zum „Kesseltreiben“. „Man traut meinen Gedanken einige Sprengkraft zu.“

Wenn demnach dieses sozialspezifische Problem zu einer allgemeinen Degenerationsthese und der mit ihr erzeugten Furcht verallgemeinert wurde, ist dafür die biologische Interpretation sozialer Bedingungen verantwortlich zu machen. Sie wurde getragen von einer bürgerlich-akademischen Schicht, die ihren Lebensraum, die Großstädte, durch ebendiese Entwicklung bedroht sah und dieser Bedrohung auch nicht entkommen konnte. Erst unter Berücksichtigung dieser Bedingungen wird die spezifische, kontrafaktische Wahrnehmung der gesellschaftlichen Strukturveränderungen der allgemeinen Degeneration verständlich, die im übrigen kurze Zeit später im Pendant in der genauso motivierten Generalisierung der ‚differentiellen Geburtenraten’ erhalten sollte, wo aus der – kurzfristig – höheren Kinderzahl der ‚minderwertigen’ Familien eine Bedrohung der höherwertigen Schichten wurde.
(Weingart, Kroll, Bayertz – Rasse, Blut und Gene. Geschichte der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland)

Die Intention allerdings ist das Gegenteil von die deutsche Gesellschaft aufsprengenden Analysen. Das Volk soll geeint werden im alle verbindenden Anspruch: „Keine Tabus mehr!“ Der Plural selbst ist schon gelogen, gemeint ist: „Kein Tabu mehr!“ Als Tabu gilt der Volksgemeinschaft am Ende einzig ihr Wille, sich mal wieder zu wehren. Natürlich handelt es sich um ein imaginiertes Tabu, das nichts anderem dient, als permanent rumjammern zu können, man dürfe ja als Deutscher so gar nichts. Was wiederum zum ungeheuer mutig sich wehren aufruft. So kreist die deutsche Volksseele ewig weiter um sich selbst und lässt Zentrifugalkräfte die Drecksarbeit für sich erledigen.
Sarrazin vertritt uneingeschränkt eugenische Forderungen. Die Furcht vor der Degeneration des deutschen Volkes treibt ihn um. Und er findet nichts als die alten Antworten, die er als Neuigkeiten ausgeben muss, um ihre Rolle als Wegbereiter zum deutschen Verbrechen zu vertuschen. (Denjenigen, die mitteilen, unter den Eugenikern hätten sich im 19./20. Jahrhundert auch Linke befunden, ist Recht zu geben – das sagt allerdings mehr über die Linke als über die Eugenik aus.) Das kostet ihn nicht einmal Mühe, denn die deutsche Bildung, auf die er nicht zuletzt deswegen pocht, hat ihm nichts gegeben, außer dem absurden Stolz darauf, dass ‚diese zwölf Jahre’ eben nicht alles waren. Genau das aber waren sie für Millionen Menschen: Das Ende von allem! Und das perverse Versprechen, das darin nicht allzu verborgen liegt, wirkt nach. Da er aber gerade das nicht wissen will, fürchtet er nichts mehr als die ‚Entartung’ und den Niedergang der Deutschen. Und verwendet umso unbefangener und Trotz bloß vortäuschend die kontaminierte und kontaminierende Terminologie.
Wer sich in Deutschland ‚unbefangen’ des Begriffs Kultur bedient, ignoriert, dass die Nationalsozialisten durchaus keine erklärten Anhänger Darwins waren. Die Exkulpierung Heideggers vom nationalsozialistischen Rassismus trieben die Nachkriegsdeutschen auch mit Hilfe seiner vordergründigen Kritik an der Biologie voran – Heideggers Kritik jedoch galt wie die vieler deutscher Wissenschaftler nicht der rassischen Diskriminierung, sondern einer Wissenschaft, „die nicht deutschen Ursprungs ist, da sie auf der darwinistischen Lehre vom Leben beruht und damit auf dem, was Heidegger ‚die liberale Auffassung des Menschen und der menschlichen Gesellschaft’ nennt, die im englischen Positivismus des 19. Jahrhunderts zu Anwendung gelangte.“ (Emmanuel Faye – Heidegger. Die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie) In diesem Rahmen spielte deutsche Kultur eine zentrale Rolle. Sarrazin lagert nachkriegspolitisch alles aus, was mit den Begriffen Gene, Ethnien und ‚Rassen’ zu tun hat: Britische oder US-amerikanische oder kanadische oder gar israelische Forschende haben womöglich irgendetwas zum Thema gesagt, und ganz „Deutsches Opfer“ beugt er sich ihrem Sieger-Diktum. Weil die Deutschen ja im Gegensatz zu den darum beneideten moralischen Siegern nichts zum Thema und sowieso sagen dürfen! Deutsche Kultur jedoch ist das immer bloß gewollte ‚andere Deutschland’.
Wer annimmt, Sarrazins rassistische Thesen seien eigentlich classism oder religionskritisch täuscht sich ebenfalls. Sarrazin leidet weder an klassenbedingtem Bildungsdünkel (wobei natürlich wie immer alles hier aus der Mitte entspringt…), noch ist er islamophob. Der Islamismus kümmert ihn so wenig wie der Islam, solange sie sich nur nicht ins Deutsche einzumischen wagen. Und natürlich gilt ihm das „Kopftuchmädchen“ nicht als Bedrohung. In seiner Imagination nämlich hat es hinten in der Klasse zu sitzen und die Klappe zu halten. Erst wenn es teilhaben will, am Leben seiner Mitschüler wird das Problem offensichtlich – man hat ihm keinen anderen Platz zuweisen wollen, als in der Bankreihe noch hinter denen, die man sich in Deutschland so unter Hartz IV-Empfänger-Nachkömmlingen vorstellt. Wie deren Eltern auszusehen haben, wird einem regelmäßig in Talk-Shows, in der Bild-Zeitung, überall sichtbar vorgeführt. Und nur diesen wenigen vorgeführten Personen ist Sarrazins Verachtung gewidmet. Das schmälert sein herausforderndes Deutschtum ebensowenig wie der Hass der Nazis auf ‚die Asozialen’. Die Nazis übrigens, die ebenso wie er ihre ‚Vorzeige-Ausländer’ vorweisen konnten.
Sarrazin schreibt nicht einmal für Leute, die Bücher lesen – der Abdruck von Auszügen genügt ihm, seinen Lesern (und mir sowieso! Der permanente Hinweis, sein Buch zu kaufen, ist unverkennbar ironisch gemeint und zielt nicht auf sich selbst, sondern ist als Entblößung der nur Gierigen gedacht. Wobei Sarrazin – ganz deutsches Opfer – auch verschämt andeutet, er würde aufgrund seines Mutes demnächst womöglich verhungern müssen, vgl. Walser und Henscheid). Den Abdruck gibt es unter anderem in der Bild-Zeitung (online ausschließlich für Nicht-Hartz IV-Empfänger, denen will man nicht mal einen Computer gönnen! Later: Jetzt doch Computer, dafür aber nicht merh rauchen oder trinken…). Und wer glaubt, alle Hartz IV-Empfänger fühlten sich angesprochen, wenn man ihnen vorwirft, sie trügen zur Abschaffung der Deutschen bei, täuscht sich noch einmal. Wer das ist, hat man sich im Volksfernsehen (das man empfangen darf, weil es laut Gerichtsurteil zur Teilhabe an ausschließlich Deutschem genügt) anschauen können – Deutsche sind das den Deutschen nicht. Derart stereotyp imaginierte Hartz IV-Empfänger sind innerhalb erschreckend kurzer Zeit zu etwas die deutsche Kultur verderbenden geronnen – das war nicht möglich ohne das ungebrochene Ressentiment. Sie sind faule parasitäre Existenzen, gerne in Florida oder sonstwo in der Sonne! Schön wär’s und ihnen eindeutig zu gönnen; die Missgunst aber hat noch jeden Traum (außer den, der alle anderen beendet!) als schädlich diskreditiert. Es gibt keinen tatsächlich gravierenden ideologischen Unterschied in Deutschland zwischen Mob, Kleinbürgertum und Elite. Alle – oben wie unten, links wie rechts – finden sich im angeblichen Nichtssagendürfen, Nichtkönnen, Nichterlaubtsein. Daran ostentativ zu leiden und dem Rest der Welt alles Mögliche zu neiden, ist deutsche Identitätsstiftung in Reinkultur. Entlang dieser Identifikation werden Bündnisse geschmiedet, avisiert oder imaginiert, die nur über den deutsch verstandenen Opferstatus hergestellt werden können.
Wer auch immer behauptet, den Deutschen genüge es, sich vor der Welt als tolerantestes aller Völker auszustellen und dass sie zu irgendetwas nicht in der Lage seien, hat seine eigenen Texte nicht gelesen. Wozu die Deutschen nicht in der Lage sind, kann man 65 Jahre nach Kriegsende überhaupt nicht wissen. Und nicht umsonst geht es Sarrazin auch darum, das Kulturvolk mittels Gebärprämie zu verjüngen. Es gilt immer noch Churchills Warnung „The hun is always either at your feet or at your throat.“ Und wenn – zugespitzt formuliert – der ausgerechnet im Gebirgsjägerbataillon 233 militärisch ausgebildete Verteidigungsminister die Abschaffung der Wehrpflicht anzustreben vorgibt (wohl wissend, dass höchstens eine Aussetzung drin ist) und betont, man müsse dann auch Bewerber ablehnen dürfen, weil sie „nicht zu uns passen“, ist die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, ihm läge vor allem daran, eine deutschlandtreue und der internationalen Kontrolle weitgehend entzogene Armee zu formen (wie die „Atlantiker“ in der Union deren völkischem Flügel zu Recht noch nie als Opposition galten). Im Ernstfall wird wieder eingezogen und Schießenwollen hat das Fußvolk nach spätestens einer Woche gelernt. Es steht nichts an und geplant wird auch nichts, aber es raunt und ahnt mal wieder. Und jedesmal, wenn es nicht zum ‚großen Knall’ gekommen ist, lehnt sich jemand zurück und will demnächst Recht gehabt haben. Dass aber jede dieser ‚Verpuffungen’ Menschenleben gekostet hat und einen weiteren Schritt der Deutschen zur erneuten offensiven Volkswerdung, ihr crawling from the feet to the throat bedeuten könnte, geht in alberner Erleichterung oder dem kindischen Bedürfnis zu den cool gebliebenen zu gehören unter. Erleichterung ist unangemessen, und das Fatale an der Story vom „Boy Who Cried Wolf“ ist, dass der Wolf immer kommt, wenn keiner mehr daran glauben mag. Die alle anderen exkulpierende Moral der Geschichte weist allein dem Warner die Schuld zu, weil niemand mehr wachsam sein will, wegen des penetranten Alarmismus. Trugschluss!

Das 19. Jahrhundert war keineswegs nur die Epoche eines ungebrochenen Fortschrittsglaubens. Neben dem ‚offiziellen’ Geschichtsoptimismus dieses Jahrhunderts existiert ein sich aus kulturkritischen, pessimistischen, irrationalistischen und bisweilen einfach skurillen Ideen. Lehren und Theorien speisendes Niedergangsbewußtsein, dessen Einfluß auf die weltanschauliche und ideologische Orientierung von Teilen des ‚gebildeten’ und kulturell interessierten Bürgertums kaum zu unterschätzen ist.
(Weingart et al. ebd.)

Die Erwähnung von Genen erfolgte nicht aus Versehen im Zusammenhang mit Juden und Israel, und ganz bewusst als vergiftetes Lob. Sarrazin hat bis dato keine seiner Aussagen zurückgenommen, keine einzige. Auf jeder besteht er wiederholt und nachdrücklich, nur „das mit den Juden“ hätte er „vielleicht nicht sagen sollen“, betont er wie mit einem Augenzwinkern und weiß sich verstanden. Denn was immer der Leser diesem singulären Rückzug entnehmen mag, ist intendiert.
Das den Deutschen verbotene Wort ist in die Diskussion eingeführt und zielt im philosemitischen Deutschland in seiner Anwendbarkeit auf jeden, nur nicht auf die Juden. Von denen wird erwartet, dass sie im Idealfall gleich selbst leugnen, überhaupt Gene zu haben und ergo unangreifbar weil unmenschlich mächtig sind. Ganz anders nämlich sind sie als die „Basken“ oder „Isländer“, von denen man das mit den Genen unwidersprochen hätte behaupten dürfen. Wobei die es gar nicht nötig hätten, irgendetwas von ihren Genen zu erzählen – weil sie ungeheuer verwurzelte Kulturvölker sind, die müssen ihr ‚Existenzrecht’ nicht mal beweisen. Sarrazin lobt dann auch die Fähigkeit der Juden, in den europäischen Nationen aufzugehen, zu deren Wohlstand und Reichtum sie beitragen durften. So gut sind sie dort seiner Meinung nach integriert, dass man ihr Dasein nicht mal mehr wirklich mitbekommt. Dass das auch daran liegen könnte, dass der Deutschen Verständnis vom Aufgehen der Juden nur das in Rauch bedeutete, und zwar nicht bloß in ihrem Reich sondern in ganz Europa, kommt ihm nicht in den Sinn. Und so teilt er mit: „Erklärt wird die durchschnittlich höhere Intelligenz der Juden mit dem außerordentlichen Selektionsdruck, dem sie sich im christlichen Abendland ausgesetzt sahen. Der Rabbi hatte hohe Fortpflanzungschancen, weil er die reiche jüdische Kaufmannstochter heiraten konnte. Eine über Jahrhunderte betriebene Familien- und Heiratspolitik, die dem intellektuellen Element überdurchschnittliche Fortpflanzungschancen gab, führte allmählich zur Ausbildung der überdurchschnittlichen Intelligenz. “ (Sarrazin – Deutschland schafft sich ab, zitiert nach Ramona Ambs – Neo-Sarrazismus: Rassismus ohne Rassisten)
Ganz unbefangen einen zu Rate ziehend, der ja unverdächtig erscheinen muss, weil er Amerikaner ist. Ramona Ambs verweist darauf, dass Sarrazin sich hier auf Kevin MacDonald bezieht. Den Kevin MacDonald, der im Prozess, den der Holocaust-Leugner David Irving gegen Deborah Lipstadt anstrengte, weil sie ihn als das bezeichnet hatte, was er ist, als Zeuge für den Kläger aussagte. Hinsichtlich der Aussagen MacDonalds zu jüdischer Intelligenz ist zu beachten, dass er „shares at least three core beliefs with hardcore Holocaust deniers. […] The Jew in MacDonald’s universe is the pollutant of the Body Politic. Jews are therefore partially, and sometimes even fully, responsible for the violence and discrimination they have suffered down the centuries. […] He is not simply riding on the coat-tails of the Bell Curve racists but is also tapping into a repertoire of libels that depict Jews as a pollutant, a spoiler race, and a conspiratorial menace. Whereas racists such as Jensen frame their discussions around the supposed ‘passivity and low IQ’ of blacks, MacDonald accuses Jews of the opposite offences: over-activity and hyper-intelligence.
Holocaust Controversies – Kevin MacDonald: Old whine in new bottles
Nebenbei enthüllt Sarrazin den deutschen Philosemitismus à la PI-News als das, was er wirklich ist: der alte und der neue deutsche Neid, die ungebrochene Projektion deutscher mal mehr mal weniger geheimer Wünsche und Ängste. Ewig da seien sie und intelligenter, weil sie ungehemmt ‚Gen-Selektion‘ hätten treiben können. Als Opfer und unter Druck nämlich darf man das alles. PI-News-Vertreter beispielsweise treten als begeisterte Sarrazin-Fans auf, auch weil er Rassismus genauso als Islam-Kritik tarnt wie sie, vor allem aber weil er die zurzeit erfolgsversprechendste Gallionsfigur für deutsche Opferverbände ist. Und: Wer Antisemit ist, bestimmen wir! Über die Juden hätte er ja in ihrem Sinne eigentlich nur Gutes zu sagen…
Überhaupt sammelt sich um Sarrazin eine illustre Schar von opfertümelnden Apologeten. Laut Matthias Matussek beispielsweise steht Sarrazin „am Pranger, aber eines begreifen seine Kritiker offenbar nicht. Der Provokateur verkörpert etwas, das sich nicht ausgrenzen lässt: die Wut von Leuten, die es satt haben, für ihre Integrationsangebote beschimpft zu werden. Nichts ist mehr wie es war. Es ist die Saison des Volkszorns, längst wächst der Fall Sarrazin über Sarrazin hinaus. Er ist viel größer als der Mann oder das Buch. […] Sarrazin ist zur Chiffre geworden für die Empörung darüber, wie das Justemilieu der Konsensgesellschaft den Saalschutz losschickt, um einen verstörenden Zwischenrufer nach draußen zu eskortieren. Und ihm auf dem Weg nach draußen zuzischelt: ‚Wir werden dir Toleranz schon noch einbimsen.’“ (Matthias Matussek – Die Gegenwut, Spiegel online) Am Ende konzediert Matussek den Deutschen Lernfähigkeit – das zornige Volk lernt sich zu wehren, natürlich.
Und Jürgen Elsässer, soeben im Begriff mal wieder eine neue Stufe der Erleuchtung zu erklimmen: Gewiss sei vieles von dem, was Sarrazin sage ganz falsch, aber… Und überhaupt, sei das einzige Ziel der EU, Frankreich mittels der Roma-Schwemme abzuschaffen oder so ähnlich. Alles egal, so lange nur die nationale Komponente nicht vernachlässigt wird. Der Erfolgreiche hat viele Freunde und das erfolgreiche ‚deutsche Opfer’ viele deutsche Freunde.
Wer noch stolz auf sein deutsches Abitur ist, steht nun hinter Sarrazin, denn der verspricht, dass die Halbbildung als Krone der deutschen Erziehung zu gelten haben wird. Als Meister von was auch immer darf man hierzulande mit der Farce, die Sarrazin als Erkenntnis verkaufen will, glänzen: „Der entscheidende Unterschied zwischen Sloterdijk und Sarrazin liegt in der Rhetorik und im Denken. Sloterdijk ist ein Meister des analytischen Denkens. Sarrazin ist ein meisterhafter Analytiker.
Süddeutsche – Debatte um Sarrazin.
Eugeniker unter sich.
Als Intellektueller wird Sarrazin hierzulande lobend bezeichnet, was weniger über Intellektuelle aussagt als übers Land, in dem Intellektueller sonst als Schimpfwort gilt.

Recommended reading:
Renate Göllner – Gemeinschaftsgefühl als Ende der Psychoanalyse, in Göllner, Ljiljana Radonich – Mit Freud. Gesellschaftskritik und Psychoanalyse
Stephan Grigat – Kampfbegriff ‚Islamophobie‘
Lizas Welt – Das Dilemma der Islamkritik
exsuperabilis – Zur Kritik des linken Antirassismus
Kritik der instrumentellen Vernunft – Die Fehler des Etienne Balibar

Richard Gebhardt – Die Chiffre Sarrazin
Richard J. Evans – Der Geschichtsfälscher. Holocaust und historische Wahrheit im David-Irving-Prozess
Emmanuel Faye – Heidegger. Die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie
Frank Stern – Im Anfang war Auschwitz. Antisemitismus und Philosemitismus im deutschen Nachkrieg
Theodor W. Adorno – Theorie der Halbbildung
Theodor W. Adorno – Jargon der Eigentlichkeit. Zur deutschen Ideologie
+ Sinnvolle Zusammenfassung!
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Later: Sinnvolle Link-Sammlung
+ Die Süddeutsche hat irgendwen losgeschickt, um Blogs zu googeln, in denen man sich „ernsthaft“ mit dem Thema Sarrazin beschäftigt. Herausgekommen sind dabei u.a. Jürgen Elsässer und Arne Hoffmann. File under funny reading…
+ Angemessenes ranting: Nichtidentisches – Deutsche Klotüren
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Update 27.10.10: Hate to say I told you so – Jürgen Elsässer – Sarrazin hat im Kern Recht!


6 Antworten auf „„Mein rechter, rechter Platz ist frei…““


  1. 1 bigmouth 22. September 2010 um 13:04 Uhr

    so eindeutig ist die nähe zu kevin macdonald nicht. http://en.wikipedia.org/wiki/Ashkenazi_intelligence

  2. 2 junesixon 22. September 2010 um 18:34 Uhr

    Der ostentative und doppelbödige Rückzug alleine stellt schon Nähe her. Eine ausführliche (!) Diskussion über die Herleitung etc. von Sarrazins Äußerungen ist sicherlich sinnvoll, muss aber an einem anderen Ort stattfinden. Mir geht es hier nur um die (Selbst-)Darstellung des Autors (et al.) als Opfer und wie sie sich ganz einfach produzieren lässt – auch da gibt es Übereinstimmungen zwischen MacDonald und Sarrazin.

  3. 3 bigmouth 23. September 2010 um 0:43 Uhr

    Der ostentative und doppelbödige Rückzug alleine stellt schon Nähe her.

    nö. die these ist schlicht US-Mainstream, siehe etwa http://pinker.wjh.harvard.edu/articles/media/2006_06_17_thenewrepublic.html

  4. 4 junesixon 23. September 2010 um 14:02 Uhr

    Auch nö. Das wird in den USA – unter Berücksichtigung aller Implikationen – äußerst kontrovers diskutiert.

  5. 5 bigmouth 23. September 2010 um 15:21 Uhr

    aber es ist halt kein neo-nazi-spezifikum. und daher sehe ich nicht, wie man Sarrazin in die nähe von macDonald rücken kann

  6. 6 junesixon 23. September 2010 um 15:59 Uhr

    Wie oben bereits erwähnt, geht es darum, in welcher Form beide die Thesen verwenden, und Sarrazin hat sich mit der Art und Weise seines ‚Rückzugs‘ als Opfer einer übermächtigen Lobby ausgestellt, die (unter anderem) – und zwar als aus seiner Sicht offensichtlich einzige (!) – in der Lage ist, die freie Meinungsäußerung effektiv und endgültig zu unterbinden. Dieses Vorgehen allerdings ist tatsächlich weit verbreitet und nicht bloß Kennzeichen bekennender Neo-Nazis. MacDonald unterscheidet sich von Sarrazin gewiss auch insofern, als er den ausdrücklichen Vorwurf bereits in seine Texte einbaut, während Sarrazin ihn implizit nachlagert. Ob das intendiert war, wird man ihm kaum noch nachweisen können. Da er aber mittlerweile genügend Erfahrungen mit Reaktionen auf seine Aussagen (und die der vielen anderen, die nichts sagen dürfen) sammeln konnte, ist es erlaubt zu vermuten.

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