Archiv für August 2010

„Wo man singt, da…“ IV … „ChrisMan“ räumt deutsch auf

Die dem Facebook-Wall-Design angepasst im Kanon „Wehrt euch, leistet Widerstand“ und dergleichen dem erbaulichen deutschen Nachkriegsgutlied entlehntes vor sich hin tippenden Antizionisten der Facebook-Gruppe „Stoppt den BAK Shalom!“ sind nicht nur Fans von Makss Damage (Update: 14.2.2011, Reflexion – Ein Nazi namens „Makss“), dessen jüngstes Protestlied „Fünf Finger“ sich qualitativ durchaus an seinen früheren Tiraden messen lassen kann. „Stoppt den BAK Shalom!“-Unterstützer dürfen nun auch mit gutem Gewissen beim deutschen Aufräumen folgende Zeilen singen: „Zum Kampfe steh’n/ Wir alle schon bereit!/ […] Die Knechtschaft dauert/ Nur noch kurze Zeit!“ The self-proclaimed „ChrisMan“ nämlich (by the way: sehr …? … ausdrucksstarkes neues Profilbild) hat neben einen Link zu einem der üblichen Allesvommossadbezahlt-Artikel ein Piktogramm gesetzt, das hier aus diversen Gründen (obwohl ein Screenshot vorliegt) nicht gezeigt, jedoch beschrieben wird: Das Männlein, das üblicherweise das Hakenkreuz in den Papierkorb fallen lässt, schmeißt diesmal einen Davidstern weg. (Siehe: Stoppt den BAK Shalom!)
Honestly, I don‘t give a damn about exkulpierende Erklärungsversuche wie „damitseidochnurderzionismus“ gemeint – im „Schatten von Erkenntnis“, und sich nicht einmal sekundär, geschweige denn primär wähnend, wachsen dort Paranoiker heran, denen die „dannirgendwiedochjüdische Lobby“ alltagsreligiös vermutlich noch als schuldig daran gilt, dass Ahmadinejad das Focus-Ranking der vorbildlichsten Weltpolitiker innerhalb weniger Tage nicht mehr mit 2,57, sondern nur noch mit 2,76 Punkten (30.08.2010) anführt1, die Erde unverschämterweise nicht flach ist, weswegen man seine Feinde nicht einfach über ihren Rand kippen kann, und Brot irgendwann schimmelt.

Die Gewaltphantasien, die von Mitgliedern der Gruppe (deren Anzahl wenigstens erfreulich schwankt: ‚Wir mussten schon wieder so einen Hasbara-Verdächtigen rausschmeißen.‘) öffentlich geäußert werden, und die unverkennbar einer unhaltbaren, die deutsche Geschichte dennoch bestimmenden (zunehmend international erfolgreichen) Opferimagination entspringen, lassen sich erst einmal (coming soon: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ – Projektion und Gewaltphantasie in der sehr deutschen Linken, wt) exemplarisch darstellen, in der Begeisterung, die zwei Administratoren (‚ChrisMan‘ singing along „I said I’m walking down the street with my kalashnikov, with my kalashnikov, with my kalashnikov…“ und Gudrun Pfennig „100 Punkte ! (Höchstzahl)“) für das unsägliche „Fünf Finger“ unwidersprochen kundtun können.

Makss Damage – Fünf Finger (Transkript, und, ja, es hat wehgetan! Aber dafür hab‘ ich es zensiert und kommentiert!)

Einen Finger könnt ihr brechen
Fünf Finger sind ne Faust
Wir kommen, um uns zu rächen
[What for exactly?]
Wir [Pluralis Majestatis oder multiple Persönlichkeit?] geben niemals auf
Einen Finger könnt ihr brechen
Wie stehts mit deiner Faust
[Arthrose im rechten Zeigefinger, danke der Nachfrage!]
Wir wollen euch nicht verletzen
Wir wollen euch tot im Staub

Nordkorea hat die Bombe
Jetzt gibt es Party, Party
Ich fahr mit Kim Jong Il ins Testgebiet im Maserati
[Nö, see below: im Opel GT]
Zyankali [Wie Göring? Make my day!], Kamikaze, Düsenflieger auf Pazifik
7.12.44 Amis gehen wie Ratten über Bord, die Lappen
[They did win the war in the end, or did they?]
Das war kein Mord
Das war ein fortschrittliches umweltschonendes Programm so wie Solar-Dachplatten
Ihr fangt ne Diskussion mit Moses an
Deutschland ist ein doofes Land
Wenn
[?] wir trinken, stoßen wir jedesmal neu auf Joseph an
Prost
Lauft uns übern Weg
Wir haun drauf wie nicht bei Trost
[no comment]
Kampftruppe GT [eben, s.o.]
Wannabe-Antifaschisten sehn mich an und zittern [??? – keep on dreaming…]
Als hätt’ ich auf meinem letzten take ein track mit Stahlgewitter [?… unverständlich, oder?]
Und an die Internet-Soldaten
Wie oft muss ich das noch sagen
[Meinetwegen war das das letzte Mal…]
Ich lad’ alle von euch ein
Mir endlich mal aufs Maul zu schlagen
Meine Jungs wärn überfroh
Wenn ihr endlich mal vorbeischaut
Bei uns in Gütersloh
[ Einige meiner besten Freunde kommen aus Ostwestfalen-Lippe.]
Und wir euch dann zu Brei haun

Refrain
Einen Finger…

Nordkorea hat die Bombe
Für Portugal wird’s heiß
Nach dem 7:0 hofft
[?], dass die Bombe Porto nicht erreicht
Manches ist bei mir Satire

[Ursula?] Andress ernst gemeint
Wie wenn Polit-Offiziere dir den Stern
[???] vom Hemd abreißen
Alle meine Freunde sind Araber
So wie Yassir Arafat und Aiman Abdallah – oh yeah
Intifada-Starter Nummer 1
Auch Hizbollah kommt an meinem D-Day
[Ey!] auf mein Motoroller
Mein Mofa fuhr am D-Day
[Ey, again!] am Strand lang mit Motoroller
Ich stell mich an die Flack und ziel auf Bomber Harris
F*** diese F****
[Zensiert, und zwar nur, weil ich’s kann, © by EdM!]
Muss jetzt vom Himmel runter
So wie Lech Kaczynski
Kommunisten-Disco-Krieger legen auf im Discofieber
Legen ab die Munitionsgurte
Nur für dieses Lied
Und wir f***** dich ins Koma rein
Die neue DDR-Elite
[naff!] kommt und macht sich einfach so auf deinem Sofa breit
Deine Mama will uns glücklich machen
Aber, ey,
[Ey!] wen wundert’s schon
Jeder weiß Bescheid du bist
Ein antideutscher Hurensohn
[Das stimmt ganz am Ende weder noch…]
Refrain
Einen Finger…
I said I’m walking down the street with my kalashnikov
– repeat [ad nauseam]
Refrain
Einen Finger…


Francisco de Goya – El sueño de la razón produce monstruos

  1. 1.9.2010: 2,68 Punkte für Ahmadinejad auf Platz 1, gefolgt von Fidel Castro (2,87), Hugo Chávez (2,89), Wladimir Putin (2,92) und Evo Morales (3,03) – honi soit qui mal y pense. [zurück]

________________________________
Update 3.9.2010:
Ein Gruppenmitglied teilt mit: „Das Logo ist antisemitisch und nicht hinzunehmen.“ Es ist aber immer noch zu sehen und a.O. wird nicht kommentiert. Allerdings gibt es neben einem anderen Link nunmehr ein überarbeitetes Bild: Das Männlein schmeißt den Schriftzug BAKs in den Papierkorb – auch unvorstellbar gelungen. Und da wird dann doch ein wenig und wie erwartet ‚diskutiert‘ – Auszug:
Gudrun Pfennig: „Stimmt, meine Bildänderung war eher zu kurz gefasst und hat nicht die Tiefe, die ich – nicht immer, aber oft – mir abverlange…. Ich mache einen deutlichen Unterschied zwischen Juden und einer zionistischen Politik. … Deshalb wehre [!] ich mich auch dagegen, als unwerte Deutsche angesehen zu werden, nur weil wir eine wie-auch-immer (reaktionäre?!?) Regierung haben… Jedem Deutschen – Antisemitismus zu unterstellen, ist Schwachsinn….. Um diese Antideutsche Beurteilung nicht zu bedienen, habe ich – durchaus verkürzt – das Bild geändert… :-)“ […] Gudrun Pfennig: „Ja, das Für-Sich-Sprechen-Lassen habe ich zuvor auch propagiert…Längst bin ich aber der Meinung, dass das Antideutschtum systematisch vorangetrieben wird.. Der „Pauschl-Hammer“ mit dem agiert und auch auf mich eingeschlagen wird, ist nicht nur lästig – ich halte ihn für hoch-gefährlich… … Genau deshalb sind wir ja beide bei STOPPT BAK :-)“ (Stoppt den BAK Shalom! bei Facebook)
Ja, alles ganz schlimm, da kann man dann natürlich nicht anders, als Makss Damages oben dokumentierten und vor allem ungeheuer tiefsinnigen, differenzierten, anspruchsvollen, feinsinnigen und fürsorglichen Text zu bejubeln.
Update 9.9.2010:
Die Terminologie wird immer anspruchsvoller und zartfühlender: “ Dieses Lied widme ich den Schweinen Broder und Hangst vom SPIEGEL“, ein wenig später „Ich meine natürlich Broder und hEngst“ („ChrisMan“). Das gewidmete Lied ist „Spieglein, Spieglein“ von der Bandbreite, der als nachdenklich, grüblerisch und fein analysierend bekannten … wie auch immer. Im Focus-Ranking liegt Fidel Castro nunmehr nur noch 0,10 Punkte hinter Ahmadinejad, was in Anbetracht seiner jüngsten Äußerungen sogar ein wenig Spaß macht.
Update 12.9.2010:
Metaphernkonstant, immerhin: nach den „Schweinen“ die „Wildsäue“ – ausgesprochen niveauvoll. Die Eiche des Kaisers Wilhelm, des Ersten zwar, aber auch sehr schön – hätte doch dessen Enkel bloß gewusst, dass sein Anspruch auf einen „Platz an der Sonne“ für die Deutschen so leicht zu erfüllen gewesen wäre.

Zum Verständnis der Personenkonstellation empfehle ich diesmal die Lektüre diverser Dramen von Tennessee Williams.
Update 28.9.2010:
Deutsche Putzwut mit eisernem Besen…

Update 14.02.2011:
Reflexion – Ein Nazi namens „Makss“:
+ classless Kulla – Erfolg im Aussteigerprogramm für Linke
+ 15.02. Bauhaustapete – Damage-Kommentare

__________________________________________________
Jetzt habe ich aber tatsächlich erstmal etwas anderes zu tun – à bientôt.

Sperrt den Kommentar-Bereich zu, die „ethnisch Mobilen“ kommen!

Entfernt. Bitte achten Sie auf einen sachlichen Ton und verzichten Sie auf beleidigende Pauschalisierungen. Die Redaktion/cs
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Provokationen und kehren Sie zu einer sachlichen Diskussion zurück. Die Redaktion/cs
Durch meine Freundin die jedes Jahr nach Rumänien reist, weiß ich das die Roma auf der Busfahrt dorthin zwei Mitreisende bei Hütchenspielen schon um 700 Euro abgezogen haben.
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Die Redaktion/cs
Ich bin Deutscher, ich will sie nicht, raus. Fertig. Es ist unser Recht als Volk, über unser Land zu bestimmen. Wenn sie etwas anzubieten haben, dann können wir ja einen Vertrag mit Ihnen machen, wie mit anderen Völkern (Sudetendeutsche usw.) Es hat schon seine Gründe, warum keiner die Zigeuner haben will. Bitte führen Sie Ihre Ansichten mit Argumenten aus, sodass eine sachliche Diskussion möglich wird. Die Redaktion/cs“
Entfernt. Bitte achten Sie auf einen sachlichen Ton und verzichten Sie auf beleidigende Pauschalisierungen. Die Redaktion/cs
Warum können eigentlich rumänische Zigeuner nicht in Rumänien bleiben?
In der Tat hat Deutschland seinen Wohlstand nach dem Krieg weder ererbt noch gestohlen noch ertrickst, sondern ihn sich durch harte Arbeit geschaffen. Und zwar bereits zu einer Zeit, als von Masseneinwanderung weit und breit nichts zu sehen war.
Es ist sicher ungerecht, alle Menschen einer Gruppe über einen Kamm zu scheren, aber…
Aus den Kommentaren zu „Roma – in Europa abgestempelt und abgeschoben“, Zeit online, August 20101

In einem von sieben Aufgängen eines elfstöckigen Wohnblocks der Rostocker Trabantenstadt Lichtenhagen war Ende 1990 die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber des Landes Mecklenburg-Vorpommern eingerichtet worden. Die Nummer 18 der Mecklenburger Allee, in der die Flüchtlinge ein mehrtägiges Registrierungsverfahren über sich ergehen lassen müssen, ist bald überbelegt. Die Flüchtlinge müssen auf der Wiese vor dem Haus campieren; statt Abhilfe zu schaffen, schieben sich die Stadt Rostock und die Landesregierung in Schwerin die Verantwortung gegenseitig zu. Der Rostocker SPD-Innensenator Peter Magdanz weigert sich standhaft, auch nur Toiletten aufzustellen. Im Sommer 1991 stellt ein Vertreter des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen fest, die Zustände in der Lichtenhagener Aufnahmestelle seien »nicht haltbar« – für die Flüchtlinge. Er ist der einzige, der sich für sie interessiert. Landesregierung, Stadt und Medien beklagen ebenso lauthals wie ausschließlich die »Zumutung« für die Anwohner.
Florian Sendtner – Hemd aus zum Pogrom. Rostock-Lichtenhagen zehn Jahre danach: Rekonstruktion einer Menschenjagd, Konkret 09/02

Auf die Woche genau 18 Jahre nach den pogromartigen Angriffen in Rostock-Lichtenhagen, die sich ursprünglich am Hass anständiger deutscher Bürger auf die dort anwesenden Sinti und Roma entzündeten, liest man in den Kommentaren z.B. auf Spiegel, Zeit oder FAZ online (besonders einfallsreich: zwei Leser, die die Roma als „ethnisch Mobile“ respektive „rotations Europäer“ bezeichnen, auf Welt online wurden die Kommentarbereiche zum Thema komplett zugesperrt) nahezu die gleichen Sätze (dem Medium nur notdürftig angepasst), die damals Deutsche als Rechtfertigung ihres rassistischen Wahnsinns präsentierten (siehe u.a. Jochen Schmidt – Politische Brandstiftung, S. 61ff; ich mag die Zitate nicht abtippen, mir wird schon beim Lesen schlecht!). Diesmal jedoch vordergründig, um die Abschiebungen der Roma aus Frankreich zu verteidigen (die nur schlecht und mit einem unübersehbaren Augenzwinkern als großzügig entlohnte, freiwillige Rückkehr in ‚die Heimat‘ kaschiert werden2). Passiv-aggressiv wird immer wieder darauf verwiesen, dass man sowas ja eigentlich nicht sagen dürfe, aber… Was in den vielen Kommentaren stand, die gelöscht wurden, mag man sich dann kaum ausmalen. Und was 1991/92 in den Artikeln der professionellen Journalisten stattfand, wird heute (meist!) in den Appendix „Kommentare“ ausgelagert, im Text wird der Verdacht noch nur angedeutet – man weiß, wie mans zu deuten hat: Schrecklich, das alles, aber… Dabei hatte man doch bereits 1992 mit vereinten Kräften ‚aufgeräumt‘, Presse, Politiker, deutscher Mob und anständige deutsche Bürger. Den Deutschen jedoch offenbar immer noch nicht gründlich genug. Es scheint, als sei man ein wenig erschrocken darüber, dass man sich damals einschüchtern, geradezu drangsalieren ließ, von der Auslandsjournaille und denen, die sich Sorgen um den Standort machten. Ein wenig peinlich ist das nun schon wieder vielen, das mit den Kerzen die Straßen säumen und sich ernst blickend an den Händen halten. Womöglich hatte man es ‚die Kinder‘ zuvor in Rostock ein wenig zu wild treiben lassen, aber…

Wogegen also sollten sich die Wunderkerzenhalter von München und die nachfolgend bis nach Hamburg reichenden Leuchtgemeinschaften eigentlich wehren? Doch nicht etwa gegen den heimlichen Wunsch, auch mal zuzulangen gegen Fremde? Denn anders läßt sich die allerorts illuminierte Wiederholung der regierungsamtlichen Demonstration von Berlin kaum verstehen.
Eike Geisel – Triumph des guten Willens

Die Begehrlichkeiten, die das Vorgehen der französischen Regierung hierzulande auslöst, sind unübersehbar. Das deutsche Opfer sehnt sich danach, endlich Teil der großen (europäischen) Abschiebegemeinschaft zu sein, wohlweislich und lustvoll leidend ignorierend, dass man längst dazu gehört – in führender Position. Ausgewiesen wird aus Deutschland schon lange ohne Rücksicht auf Verluste – z.B. in den Kosovo, wo die Roma „in den späten 1990`ern von nationalistischen UÇK-Milizen in die Flucht gezwungen wurden. Diejenigen, die im Kosovo ausharrten, wurden in Notlagern der UNHCR auf mit Blei, Cadmium und Quecksilber verseuchten Industriehalden einquartiert. Bis heute leben sie in ständiger Angst vor Pogromen in solchen von der albanischen Bevölkerung abgegrenzten Elendslagern.“ (Cosmoproletarian Solidarity)
Aus Baden-Würtemberg beispielsweise sollen in den nächsten Monaten 5000 Kinder aus Roma-Familien an den Kosovo ausgeliefert werden, obwohl sie weder Albanisch noch Serbisch sprechen. Aus (ganz und gar überflüssiger!) Angst davor, dass die anständigen Deutschen sich mal wieder dazu aufgerufen wähnen, ihr Volk vor der Welt als ‚tolerant‘ und ‚fremdenfreundlich‘ auszustellen, geschieht das derzeit alles eher unauffällig. Mit Frankreich als ‚leuchtendem‘ Beispiel für eine sich bloß wehrende Nation, worauf die Deutschen eigentlich einen Alleinanspruch angemeldet haben, vor Augen allerdings, mögen die Abschieber erneut versucht sein, sich (natürlich ungeheuer mutig!) als veritable Vaterlandsretter zu präsentieren. Und wozu das führt, hat man in aller Drastik 1992 beobachten dürfen!


Trotz des konstruierten happy ends weitgehend (!) sinnvoller kurzer Beitrag des MDR zum Thema
+
The Truth Lies in Rostock

+
Presseerklärung Förderverein Roma
Frankreich schiebt Roma ab und die Bundesrepublik zieht nach (20.08.2010)
Bereits vor drei Wochen hat der Förderverein Roma darauf hingewiesen, dass in Frankreich aufgrund der Erschießung eines jungen Mannes durch die Polizei und Demonstrationen der Roma-Gemeinde breitflächig und in ausdrücklich rassistischer Manier Roma abgeschoben werden.
Ein gesamte Gruppe, deren Geschichte bekannter Weise seit Jahrhunderten von Verfolgung und Diskriminierung geprägt ist und die im Nationalsozialismus der vollständigen Vernichtung ausgesetzt war, wird erneut als Sündenbock für Verfehlungen des Staatspräsidenten Sarkozy und als Möglichkeit, den rechten Rand für die kommenden Wahlen abzuschöpfen, instrumentalisiert. Jedes Mittel ist gerade recht, im Sprachduktus von „platt machen“ und „Krieg erklären“ offenbart sich nicht nur die Geisteshaltung des Präsidenten und Innenministers.
Jenseits etlicher Proteste darf nicht vergessen werden, dass die Regierung gegen EU-Bürger vorgeht, die von ihrem Recht auf Freizügigkeit – einem essentiell verbrieften Grundrecht – Gebrauch machen. Jeder reaktionäre Ordnungsfanatiker sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Abgeschobenen wegen der sozialen und ökonomischen Perspektivlosigkeit, wegen der Bedrohung an Leib und Leben erneut ihr Reiserecht nutzen und in die Länder zurückkehren werden, die sie, ob mit oder ohne Geld, zuvor ausgewiesen haben. Auch die menschenverachtenden Vorgehensweisen wie Fingerabdrücke, Kriminalisierung und Hetze werden daran nichts ändern.
Vor dem beschriebenen Hintergrund bleibt zu erwähnen, dass auch in Deutschland Roma-Flüchtlinge systematisch vertrieben und ausgewiesen werden. Insbesondere die vor 15 Jahren aus dem Kosovo geflohenen Roma werden seit letztem Jahr massiv, ungeachtet ihrer gesundheitlichen, schulischen und beruflichen Situation ins nackte Elend abgeschoben.
Die scheinheilige Diskussion über die Wahrung von Menschenrechten wird am Umgang mit Roma, der größten europäischen Minderheit, exemplarisch vorgeführt.

  1. Later – 26 Kommentar-Seiten am 23.8. um 22:41; 32 am 24.8. um 14:23 [zurück]
  2. Later – natürlich – Jürgen Elsässer: „Sarkozy setzt die Roma – auf Kosten des französischen Steuerzahlers – in ein Flugzeug, sozusagen ein kostenloser Heimflug für die Leute. […] Aber warum soll ein Staat nicht gegen Ausländer vorgehen, die illegale Siedlungen errichten, von denen aus kriminelle Raubzüge aus unternommen und Polizisten mit Waffen werden? Das ist sein gutes Recht, so wird die inländische Bevölkerung – in Frankreich aus gutem Grund nicht völkisch definiert – vor Übergriffen geschützt. […] Wirkliche Remedur verspricht nur die Aufhebung der EU-Freizügigkeit, am besten durch einseitige Kündigung der Nationalstaaten, und die Rückabwicklung der EU-Osterweiterung.Sarkozy und die Roma[zurück]

BBC-Bericht: Mavi Marmara „Death in the Med“

Eine ausgesprochen aufschlussreiche und sehenswerte Reportage von Jane Corbin (!) für das BBC-Nachrichtenmagazin Panorama:

via Z Word Blog

Recommended reading:
Johann Jacoby und Daniel Steinmaier – Bloß nicht zurückrudern, Jungle World
Feindbild Israel – der ewige Sündenbock, Vortrag von Tilman Tarach (via Lizas Logbuch)

_______________________________________________
Later: Wenn man via Google „BBC Death in the Med“ recherchiert, kann man erfahren, wie treffend Eamonn McDonaghs hellsichtiger Kommentar im Z Word Blog (s.o.) ist: „Now that the substance of the IDF’s account of events has been confirmed by a source not known for its sympathy towards Israel […], I’m sure we can expect a wave of apologies from all the commentators who were so quick to condemn the IDF’s ‚brutality‘ […]. Or maybe not…
Deutscher Bundestag? Anyone?

+ „BBC Panorama Shocker: Balanced Review of Gaza Flotilla Incident “, HonestReporting

Deutsche Denkmäler I: Ein Denkmal für Adorno – den Spaßverderber!

Mit der Ausführung des Denkmals hatte das städtische Hochbauamt das Frankfurter Büro INDEX Architekten beauftragt. Es galt, eine möglichst atmosphärische Umsetzung des künstlerischen Themas bei Beachtung der sicherheitstechnischen Bestimmungen im öffentlichen Raum und den bautechnischen und physikalischen Ansprüchen zu erreichen. Konstruktiv wird das Denkmal wie ein Gebäude bewertet. Es verfügt über einen Wartungstunnel mit einem Einstieg außerhalb des Objektes als einzigem Zugang zum Glaskubus. Dieser ist komplett abgedichtet, weist in seinem Inneren eine konstante Luftfeuchtigkeit auf und wird weder beheizt noch belüftet. Sämtliche Einbauten wurden auf Dauer angelegt und verformungsresistent konstruiert.
Wikipedia


Foto: dontworry

Das Falsche der Sinngebung, das Nichts als Etwas, erzeugt die sprachliche Verlogenheit.
Theodor W. Adorno – Jargon der Eigentlichkeit. Zur deutschen Ideologie

Als ich 15 wurde, habe ich ein Geburtstagsgeschenk bekommen von einem zum Zeitpunkt 16jährigen, in den ich seit Monaten hoffnungslos und an Wahnsinn grenzend (ask my mom!) verliebt war: eine 0,5l Cola-Flasche gefüllt mit Wasser, einem orangefarbenem Buntstift und einem Pfennig. Bei der Übergabe wurde mir mitgeteilt, der Buntstift stünde für „deine Kunst und der Pfennig dafür, dass du damit erfolgreich sein wirst“… Ich war also 15, definitiv wahnsinnig (ask me now!) und entsprechend begeistert: Er hatte sich Gedanken über mich gemacht, überhaupt zwischendurch mal an mich gedacht und mir ein ungeheuer bedeutungsvolles Etwas gewidmet, und ‚was basteln’ ist eh viel toller als ‚was kaufen’ or so the saying goes.
Das Adorno-Denkmal in Frankfurt funktioniert ähnlich, nur ohne Wasser.1 Alles in ihm steht stellvertretend für. (Das ist wirklich das Satzende.) In einem Kubus aus Sicherheitsglas stehen auf einem Parkettboden ein Schreibtisch und ein Stuhl, die dem Schreibtisch und dem Stuhl, die sich in Adornos Arbeitszimmer befanden, absichtsvoll nicht einmal ähneln. Nach Einbruch der Dunkelheit leuchtet eine Lampe auf dem Schreibtisch und soll Adornos nächtliches Schreiben symbolisieren. Das ebenfalls auf dem Tisch sich befindende Metronom tickt ohne Unterlass und repräsentiert sein musikalisches, die aufgeschlagene Ausgabe der Negativen Dialektik sein …ha!… philosophisches Werk. (Es handelt sich offenbar tatsächlich um die Negative Dialektik und nicht um absichtsvoll und beispielsweise Heideggers Sein und Zeit, Ganghofers Schweigen im Walde oder den Schwarm von Schätzing, um den Realitäts- respektive Authen-tizitätsbegriff noch ein klein wenig und ungeheuer originell herumzuschieben, s.u.) Dann gibt es noch ein getipptes Manuskript mit handschriftlichen Korrekturen und ein Notenblatt, die stehen für Adornos Schwerpunkte. Um den Kubus herum ließ Vadim Zakharov, der zum Zeitpunkt der Einweihung (2003) 44-jährige (!) Schöpfer des Denkmals, ein Labyrinth aus weißem Marmor und schwarzem Granit basteln, und darin Zitate aus der Ästhetischen Theorie und den Minima Moralia einmeißeln.

Jahre später als jene Stelle geschrieben ward, hat Auschwitz das Mißlingen der Kultur unwiderleglich bewiesen. Daß es geschehen konnte inmitten aller Tradition der Philosophie, der Kunst und der aufklärenden Wissenschaften, sagt mehr als nur, daß diese, der Geist, es nicht vermochte, die Menschen zu ergreifen und zu verändern. In jenen Sparten selber, im emphatischen Anspruch ihrer Autarkie, haust die Unwahrheit. Alle Kultur nach Auschwitz, samt der dringlichen Kritik daran, ist Müll. Indem sie sich restaurierte nach dem, was in ihrer Landschaft ohne Widerstand sich zutrug, ist sie gänzlich zu der Ideologie geworden, die sie potentiell war, seitdem sie, in Opposition zur materiellen Existenz, dieser das Licht einzuhauchen sich anmaßte, das die Trennung des Geistes von körperlicher Arbeit ihr vorenthielt. Wer für Erhaltung der radikal schuldigen und schäbigen Kultur plädiert, macht sich zum Helfershelfer, während, wer der Kultur sich verweigert, unmittelbar die Barbarei befördert, als welche die Kultur sich enthüllte. Nicht einmal Schweigen kommt aus dem Zirkel heraus; es rationalisiert einzig die eigene subjektive Unfähigkeit mit dem Stand der objektiven Wahrheit und entwürdigt dadurch diese abermals zur Lüge.
Theodor W. Adorno – Negative Dialektik

Der in Köln lebende Zakharov konnte sich mit seinem Entwurf für das Denkmal gegen fünf weitere Entwürfe durchsetzen. Er entschied sich für eine haptische [?] Inszenierung beziehungsweise eine narrative Installation“.
Wikipedia

Adorno ist tot, aber wenn er noch lebte, hielte sich seine Begeisterung darüber, dass Zakharov zwischendurch mal an ihn gedacht hat, vermutlich in engen Grenzen. „Freilich entbindet das nicht objektiv von der Interpretation, so als ob es nichts zu interpretieren gäbe“ (Theodor W. Adorno – Ästhetische Theorie) – auch wenn das Kunstwerk nichts ist als eine anschauliche Interpretationshilfe seiner selbst. Wenn es bloß die sowieso allgemein anerkannten Leistungen des honorierten Frankfurter Bürgers, dem es offenbar gewidmet wurde, abhakt und mit einer Pointe schließt, wie in einer schlechten Kurzgeschichte: Adornos Schreibumgebung jedoch sah in der Wirklichkeit ganz anders aus. Das Labyrinth ist dann ein bedeutungsschwangerer Kitschumschlag für eine esoterische Derwegistdasziel-Erzählung, in der nichtallesoistwieesauf-denerstenblickscheint. Zakharov möchte das Ganze als „’Monument für das schöpferische Denken’, als Bild des Augenblicks, in dem der Denker verschwindet und nur der Gedanke bleibt“, verstanden wissen. Und „Udo Kittelmann, Direktor des Museums für Moderne Kunst (MMK) und Jury-Mitglied, hält das Denkmal für ‚intelligent und sensibel genug [!], um neugierig auf Adorno zu machen’. Ein Abbild der Person sei nicht zeitgemäß und werde Adorno nicht gerecht.Spiegel online


Foto: Frank Behnsen

Man mag einwenden, dass in diesem Fall eine Büste mit zumindest individuellen Zügen nicht soviel schrecklicher sein könne – gebe es nicht die Bronzetafel an Adornos Wohnhaus. Gestiftet wurde sie vom Suhrkamp-Verlag und gestaltet von Günter Maniewski, dessen Modell nicht Adorno gewesen sein kann, sondern irgendein vom Bildhauer verabscheuter Nachbar ohne Ohren. Die Inschrift ist ähnlich gelungen: „Theodor W. Adorno, * 11. September 1903 in Frankfurt am Main, † 6. August 1969, lebte von 1949 bis zu seinem Tode gemeinsam mit seiner Frau Gretel in diesem Haus. Der Soziologe, Philosoph, Mitbegründer der Frankfurter Schule, Direktor des Instituts für Sozialforschung, Komponist und Musikwissenschaftler erhielt 1933 Lehrverbot und musste von 1934 bis 1949 in englischer und amerikanischer Emigration leben. »Es gibt kein richtiges Leben im Falschen« – Minima Moralia –“ (Later – see also: Kommentar von Cyrano. Ich teile den Eindruck!)
Auch diesmal: Alles fürs angemessen erscheinende Gedenken Notwendige abgehakt und noch den einzigen Satz aus Adornos Œuvre angehängt, den selbst jeder Nazi so unterschreiben könnte, weswegen allein er sich ins deutsche Gedächtnis einprägen ließ.2

Sterben bestätigt bloß noch die absolute Irrelevanz des natürlichen Lebewesens gegenüber dem gesellschaftlich Absoluten. Wenn irgend die Kulturindustrie Zeugnis ablegt von den Veränderungen in der organischen Zusammensetzung der Gesellschaft, dann durchs kaum verhüllte Eingeständnis dieser Sachverhalte. Unter ihrer Linse beginnt der Tod komisch zu werden.
Theodor W. Adorno – Minima Moralia

An den Satz hängt sich auch Georg Bussmann, Eröffnungsredner einer Kunstaktion an, der sich bereits seines Alters wegen als (wie originell im Land, in dem sich wahrscheinlich 70% der Lesefähigen als von Adorno am Spaß gehindert wähnen) „adornogeschädigt“ bezeichnet und meint, mit dem Zakharov-Denkmal könne man ruhig etwas machen, das irgendwie so lustig sei wie Robert Gernhardts tatsächlich witziges „Es gibt kein richtiges Leben im valschen.“ Aber Adorno ist tot, und „[i]rgendwann ist mir klar geworden, dass ich es bei diesem Satz mit einem Idealismus zu tun habe, einem Idealismus der Negativität[4]. Und Idealismen versuche ich immer zu entkommen, indem ich so reagiere wie Diogenes auf Plato, d. h. kynisch. Da stelle ich mir dann vor, dass beim Hinschreiben des berühmt-berüchtigten Satzes vielleicht eine gute Flasche Rotwein, ein kalifornischer, mit im Spiel war. Darf man das? Natürlich nicht, es ist politisch nicht korrekt.“ (Georg Bussmann, pdf)
Aber sicher doch… Deutsche Opfer Adornos über seinen Tod3 hinaus. Die Kunstaktion, um die es eigentlich ging, ist eher unlustig und bedient sich desselben, diesmal auch noch schlecht übersetzten Satzes. Den würden womöglich auch die unterschreiben, die zum Entsetzen der Denkmalhinsteller dieses regelmäßig mit Bierflaschen und dergleichen bewerfen. Woraufhin diverse honorige Frankfurter Bürger sich zur Nachtwache bereit erklärten. Man kann zumindest mit dem, was seinem Schreibtisch nicht einmal ähnelt, den guten Ruf des ‚adornogeschädigten‘ Volkes bewahren helfen. Dabei ist eines sicher, die Bierflaschen flögen sowieso, ganz gleich, wem das Denkmal gewidmet ist. Ein Glaskubus mit was drin! Adorno kann sich selbst nicht mehr schützen, vor den Deutschen, die sich schreckenerregend gerne als seine Opfer imaginieren und ihm möglichst anspruchslose Denkmäler setzen.
Als ich 16 wurde, hat mir der mittlerweile 17jährige und immer noch unsinnig angebetete ein selbstgeklautes Buch geschenkt, „weil du doch gerne liest.“ Er hatte sich für mich in Gefahr begeben, und ‚was selbstgeklautes’ ist viel toller als ‚was gekauftes’ oder so. Ich erinnere mich nicht mal mehr an den Titel und habe das Buch nie gelesen. Etwas später fand er mich endlich genauso umwerfend wie ich ihn, und nach wenigen Wochen habe ich herausgefunden, dass er vor allem eins war: unglaublich geizig. Es gibt keine befriedigenden Pointen für enttäuschende Geschichten.

  1. Sehr sinnvoll: Der Buntstift in der Cola-Flasche fing recht schnell an eklig rumzusuppen! [zurück]
  2. Im Text, der mit dem Satz schließt, geht es übrigens im weitesten Sinne ums Wohnen und darin stehen auch so pointierte Formulierungen wie: „Mittlerweile haben die Kurven der reinen Zweckform gegen ihre Funktion sich verselbständigt und gehen ebenso ins Ornament über wie die kubistischen Grundgestalten.“ Theodor W. Adorno – Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben: Asyl für Obdachlose. [zurück]
  3. Wie manche niedere Organismen nicht im selben Sinne sterben wie die höheren, individuierten, so ist angesichts des Potentials der Verfügung über organische Prozesse, das Umriss gewinnt, der Gedanke einer Abschaffung des Todes nicht a fortiori abzutun. Sie mag sehr unwahrscheinlich sein; denken jedoch läßt sich, was existentialontologisch nicht einmal sich denken lassen dürfte. Die Beteuerung der ontologischen Dignität des Todes aber wird nichtig bereits angesichts der Möglichkeit, daß an ihm, nach Heideggers Sprache ontisch, etwas sich änderte. Indem Heidegger derlei Hoffnungen, wie Inquisitoren wohl es nennen, im Keim erstickt, spricht das Eigentliche für all die, welche, sobald sie auch nur von jenem Potential hören, den Sprechchor anstimmen, nichts sei schlimmer, als wenn kein Tod mehr wäre.“ Theodor W. Adorno – Jargon der Eigentlichkeit. Zur deutschen ideologie [zurück]
  4. Wenn mir etwas […] in Fleisch und Blut übergegangen ist, dann ist es die Askese gegen die unvermittelte Aussage des Positiven; wahrhaft eine Askese, glauben Sie mir, denn meiner Natur läge das Andere, der fessellose Ausdruck der Hoffnung, viel näher. Aber ich habe immer wieder das Gefühl, daß man, wenn man nicht im Negativen aushält oder zu früh ins Positive übergeht, dem Unwahren in die Hände arbeitet.“ Theodor W. Adorno in Theodor W. Adorno, Thomas Mann. Briefwechsel 1943 – 1955 [zurück]

Zweite ernste Warnung an Verschwörungstheoretiker: Wer ist Jürgen Elsässer wirklich wirklich?

Liebe Verschwörungstheoretiker,
erneut wende ich mich an Euch und bitte Euch dieses Mal, – ganz anders als noch vor wenigen Monaten – ungeachtet Eurer jeweiligen Überzeugungen nicht zu verzagen!
Die Heuschrecken-Gläubigen unter Jürgen Elsässers Anhängern jubeln, er ist doch einer der ihren. Nur kurz hielt der Schrecken vor, als sie befürchten mussten, er habe sie verlassen („Akte X ist längst Wirklichkeit: Außerirdische haben die Macht auf der Erde übernommen. Höchste Regierungskreise der westlichen Großmächte stecken mit den Aliens unter einer Decke.Jürgen Elsässer Blog – Die Aliens sind unter uns) und sei zum Alien-Gläubigen konvertiert. Aber – zu früh gefreut – ein Hinweis auf die wirklich wirkliche Wahrheit ist im Kommentar von „Ketzer“ zum ersten Teil nachzulesen:
Die Aliens fangen die Funksignale der „öffentlich-rechtlichen“ und privaten Sendeanstalten ab, verändern und verfälschen diese im All „on the fly“ undsenden sie mit dem Ziel der Menschheit das Gehirn zu waschen, alle zu verblöden, zur EErde zurück. Und zwar seit es „Volxempfänger“ gibt!!
Die Verblödung ist bereits irreversibel weit fortgeschritten!
Wegen der Aussage wollte man mich in die Psychiatrie einweisen!!

(„Ketzer“ in den – moderierten! – Kommentaren zu „Die Aliens sind unter uns“)
Eben!
Einen zweiten Hinweis liefert Elsässer selbst im Sequel:
Die „Aliens“ in dieser Serie sind „nur“ ein metaphorischer Begriff für „Heuschrecken“ und andere neoliberale Ausbeuter, die nicht über stoffliche Mehrwertproduktion, sondern über entstofflichte Spekulation und Derivat-Abzocke ihren Profit machen.“ (Ebd. Die Matrix der Aliens)
Der beim ersten Lesen nur das Unvermögen mit Metaphern umzugehen zu illustrieren scheinende Satz („Aliens“ sind eine bildliche Umschreibung von „Heuschrecken„… yay!), erweist sich bei näherer Betrachtung als Matrjoschka-artiger Ansatz und Aufforderung, die Puppe jetzt mal bitte komplett auseinanderzunehmen. Denn: Auch ein Jürgen Elsässer darf nicht so einfach mal hinsagen, was er wirklich glaubt; das wissen seine Alienkornkreismatrix-gläubigen Freunde ganz genau. (Selbst Nena durfte sich nicht frei äußern!) Nur andeuten kann er, sonst… siehe „Ketzer“.
Dementsprechend also der Rückgriff auf die Matrjoschka-Figur – here we go:


Fanghong

Ein leider ziemlich hohles, jedoch noch lieblich anmutendes Holzmädchen – man muss ein wenig an ihr drehen und ziehen, um ihr Geheimnis zu entdecken. Dann kommt das zweite hohle Mädchen zum Vorschein, mit weniger Liebe zum Detail gestaltet und nicht ganz so reizend, dann das dritte usw. usf., bis man am Ende die kleine, grob bepinselte, erschrocken blickende und ganz und gar nicht hohle, jedoch nach wie vor hölzerne Wahrheit in den Händen hält – aber das dauert. Mephisto war bei Goethe des Pudels Kern, Elsässer mag seinen offenbar noch nicht wirklich preisgeben.
Allerdings gibt es wie bereits von seiner Ankunft (s.u.) auch eine schockierende Dokumentation über einen nicht unwichtigen Aspekt seines Wirkens auf Erden1:

Yours sincerely,
Immernochspaltungsopfer, denn vielleicht ist alles doch ganz anders – huh, spooky, cp. „Ernste Warnung an Verschwörungstheoretiker! Wer ist Jürgen Elsässer wirklich?

  1. Please excuse the abuse, Sir Richard – I will always admire you! [zurück]

Applied (extended) „Jew-baiter’s Lexicon“ 2: „Sayan“/ „Sayanim“

Wenn man „Sayanim“ via Google recherchiert (135.000 Ergebnisse (0,25 Sekunden)), werden einem u.a. folgende Überschriften angeboten:
Deutsche Medien von Mossad- Helfern unterwandert
Den Spieß umdrehen, das ist eine talmudische LÜGENART
Occupied America – Part I – Sayanim
A Sayanim (The secret Jewish network) – David Icke’s Official Forums
The Information Underground • View topic – One Million Sayanim
Sayanim…American Jewish Traitors operating under our noses…
Conspiracy Planet – Israel/ Zionism – Sayanim: Global Spy Network
This is zionism: Churchill And The Sayanim Network
Bestimmt Israel die Geschicke der Deutschen?
Mossad mordet weltweit | Neue Ordnung
Forum: Deutsche Medien vom Mossad unterwandert?
Jew-Demons of Mossad: Katsa, kidon, Misgerot, Sayanim, Vaudat
Der Heilige Krieg, die Illuminati, die Zionisten und die Sayanim
Mossad’s One Million Helpers World-Wide | The Total Collapse
Gaza ,israel Palestine France : attention aux sayanim ou barbouzes
Sooner or later the SAYANIM expose themselves
Culture Wars: Treason
Usw. usf…
Ungeachtet der Tatsache, dass jeder international tätige Geheimdienst von Zeit zu Zeit „Helfer“ (hebräisch: Sayan (Singular)/ Sayanim (Plural)) vor Ort, ergo im Ausland, rekrutieren und sie sicherlich in der internen Kommunikation muttersprachlich bezeichnen wird, konnte ausschließlich das in Israel gebräuchliche Wort derart prominent werden.
Einzigartig sind die „Sayanim“ nicht nur in der Hinsicht, dass man ihre Pendants weder auf Russisch, Chinesisch, Portugiesisch, Holländisch, Polnisch, Persisch, Englisch, Dänisch, Schwedisch, Japanisch, Koreanisch, Swahili, Urdu, Hindi, Türkisch noch auf Kirgisisch, Spanisch, Arabisch, Griechisch benennen könnte – geschweige denn wollen würde. Fragte man in einschlägigen (oder auch nicht) Kreisen nach, wie hoch die Anzahl der Helfer, Unterstützer oderwasauchimmer der die genannten Sprachen verwendenden Dienste wohl sein mag, lautete die Antwort vermutlich: pro Geheimdienst über die Nationen verteilt vielleicht einige Hundert, womöglich ein paar Tausend, vielleicht sogar Zehntausende (dann aber wohl den Amerikanern helfende – ‚ZOG‘ und überhaupt!). Die „Sayanim“ sind auch einzigartig, weil davon ausgegangen wird, es gebe von ihnen mindestens eine Million, eher noch Millionen! Und die hätten ein weltweites ‚Netz‘ gesponnen. Sounds familiar? Mais oui! Einigen gelten sie als Juden, die, wenn sie sich als solche zu erkennen geben, bloße „Opferdarsteller“ sein sollen, anderen als Juden, die so tun, als seien sie konvertiert oder gar säkular etc. pp.; eigentlich aber sind im außerisraelischen Sprachgebrauch „Sayanim“(-verdächtig) bereits alle, die Kritik an Antisemitismus über die üblichen Lippenbekenntnisse hinaus, an so genanntem Antizionismus, Israel-Verleumdung und dergleichen von der unglaublichmächtigenjüdischisraelischzionistischen Lobby sowieso nicht erlaubten Äußerungen zu üben wagen. Ursprünglich galt die Annahme, dass die „Sayanim“ nicht über ihre Ausgaben hinaus bezahlt werden, aber in den initiierten Zirkeln ist man informiert: „Alle geldgierig!“ (S.u.) Und eigentlich sollten sie auch nicht über das, was gerade so ansteht, informiert sein, damit sie nichts verraten können; da es jedoch um nichts anderes als „Die Weltherrschaft“ gehen kann, wissen sie eh alles…
Der Begriff, der fraglos der Aufnahme in das „Jew-baiter’s Lexicon“ würdig ist, wird unter ähnlichen Vorzeichen wie „Hasbara“ verwendet und gehört mittlerweile zum gängigen Vokabular rechter wie ‚linker‘ Verschwörungstheoretiker – es war also nur eine Frage der Zeit, bis er bei Elsässers auftauchen musste.
Im Anschluss an Jürgen Elsässers Freude darüber, dass Ahmadinejad einen Vielleichtanschlag überlebt hat, die natürlich in die paranoide Ahnung („Schatten von Erkenntnis“, Adorno) mündete, auf irgendeine Weise müsse das alles mit den Israelis zu tun haben, die gerade (mal wieder!) eine konzertierte Aktion eingeleitet hätten, um endlich (mal wieder!) den Iran angreifen zu können, weshalb sie auch rücksichtslos die Grenze zum Libanon überschritten hätten, um ein Feuergefecht zu provozieren („UNIFIL has established, however, that the trees being cut by the Israeli army are located south of the Blue Line on the Israeli side.“ Noon briefing, U.N. Headquarters, N.Y., Wednesday, August 4, 2010) und sowieso… daraufhin jedenfalls ergab sich eine Art Diskussion in den Kommentaren, an der diesmal auch Personen teilnahmen, die das zurecht alles für kompletten Humbug hielten. Humbug für Humbug zu halten allerdings, ist äußerst verdächtig – Auschnitte aus den Kommentaren zu „Attentat? Ahmadinedschad lebt! Aber Krieg liegt in der Luft!“:

juergenelsaesser
August 4, 2010 at 13:46
Conny: Wollen Sie uns verscheißern? Israel war jenseits des Grenzzauns, das sah man auf dem Video gestern in der Tagesschau. Jetzt behaupten die Israelis, der Grenzzaun entspräche NICHT dem Grenzverlauf – und Sie kolportieren das fröhlich. Wahrscheinlich sind die 3/4 libanesischen Toten auch nicht echt? Gibt’s für solche Desinformation 10 Euro pro Posting?
[…]
juergenelsaesser
August 4, 2010 at 19:57
Patrizia, Schätzchen, für diesen Kommentar bekommst Du vielleicht mehr als 10 Euro von Deinen Auftraggebern.
[…]
balu
August 4, 2010 at 20:11
Die einzige Frage die sich stellt ist, wieviel bekommt Elsässer aus Teheran überwiesen?
[…]
juergenelsaesser
August 4, 2010 at 20:17
balu: Das ist so lustig, das lasse ich stehen!
[…]
juergenelsaesser
August 5, 2010 at 12:12
Patrizia: Na, schon wieder am Geld verdienen? Working for the Yankee-Dollar? Dafür gibt’s aber nicht mehr als 10 Bucks, das war schmale Kost.
[…]
Freiwirtschaft
August 4, 2010 at 17:06
Werter Herr Elsässer, lassen sie sich nicht von den prosemitischen Postern und Sayanim beeindrucken. Sie haben die Vorgänge ein Stück weit schon durchschaut. Machen sie weiter. Die Geldmedien und Presseseuche kann nicht anders, denn wem gehört diese? Messianistische Sekten streben auf den „Endkampf“ (Armageddon) zu. Israel ist im orthodoxen Judentum als Staat nicht vorgesehen! Der Zionismus und Staat Israel ist aber der auslösende Schmelzpunkt für diese „letzte Schlacht“. Die Israelis sind nur Werkzeug und können einem schon fast leid tun. Bleiben sie streitbar!“ (Hervorhebungen J6ON; von Elsässer bisher unkommentiert)
[…]
Cananefate
August 4, 2010 at 21:40
IS – RA – EL Wird hier eine alte, urwüchsig sephardisch stämmige Religion, von Herätikern an die Wand gefahren? Seit wann sind die vor 1200 Jahren zum Judentum konvertierten Aschkenasim, alias Hunnen, Semiten? Die ganze Welt verzweifelt an diesem inszenierten Zinober.“ (Von Elsässer bisher unkommentiert)

_____________________________
Basis for discussion:
Ivo Bozic – Die Entstehung der Mavi-Marmara-Linken, Jungle World

Later – Recommended reading:
Lizas Welt – Mein Freund der Baum

Later – die Bildersuche ist noch aufschlussreicher!

20. Juli 2010: Die Zeugen des Verteidigungsministers – eine Materialsammlung

Sieht man sich aber die Dokumente und vorbereiteten Proklamationen derer an, die in den Kreis der Verschwörer vom 20. Juli gehörten und im Falle des Erfolgs das ‚andere Deutschland’ in der Welt und der deutschen Öffentlichkeit vertreten hätten, so kann man sich schwer des Eindrucks erwehren, daß das, was man gemeinhin unter Gewissen versteht, in Deutschland so gut wie verlorengegangen war, ja daß man sich kaum noch bewußt war, wie sehr man bereits im Bann der von den Nazis gepredigten neuen Wertskala stand und wie groß der Abgrund war, der auch dieses ‚andere Deutschland’ von der übrigen Welt trennte.
Hannah Arendt – Eichmann in Jerusalem

Wir verneigen uns vor ihnen.
Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg – Zeugnis ablegen und Handeln mit der Vollmacht des Gewissens, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Rede am 20. Juli 2010, pdf

Wessen da alljährlich am 20. Juli gedacht wird, muss nicht mehr erklärt werden. Aufgeklärt wird Deutschland dieses Jahr aber darüber, dass es sich bei Goerdeler, Stauffenberg et al. nicht um „Übermenschen“ handelte, denn – so der Verteidigungsminister – „[e]s waren Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, mit ihren Ängsten und Hoffnungen. Menschen, die Menschen aus Fleisch und Blut waren, eben keine Übermenschen, auch nicht im Moralischen. Diejenigen, die heute [?] gerne [?] aus der Sekurität ihrer Redaktions- und Gelehrtenstuben ihre Urteile mit der Feder [?] fällen, sollten sich daran bisweilen erinnern. Und sie sollten sich die Frage vorlegen, die auch zu den ganz wesentlichen, zu den bohrenden Fragen dieses 20. Juli gehört, gewissermaßen zum Erbe der Verschwörer gegen Hitler an die Gegenwart gehört: Wie hätten wir gehandelt? Hätten wir geschwiegen?“ (Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, ebd.)
Wenn man bedenkt, dass die Achsomenschlichen nicht erst seit „heute“ für ihren Antisemitismus, ihren Rassismus, ihre Verbrechen für Deutschland „verurteilt“ wurden, stellt sich nur die Frage, ob der Minister tatsächlich meint, man müsse ein Übermensch (gewesen) sein, um Ansichten wie: „Wir dürfen nicht bemänteln wollen, was geschehen ist, müssen aber auch die große Schuld der Juden betonen, die in unser öffentliches Leben eingebrochen waren in Formen, die jeder gebotenen Zurückhaltung entbehrten“ (Carl Friedrich Goerdeler – Gedanken eines zum Tode Verurteilten über die deutsche Zukunft) und „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt“ (Stauffenberg aus Polen an seine Frau) ganz einfach nicht zu haben!
Ganz und gar nicht aus der „Sekurität“ irgendeiner Stube heraus schrieb bereits 1944 Friedrich Reck-Malleczewen (auf den der CSU-Politiker sich auch gut und gerne hätte berufen können) kurz vor seiner Ermordung in einem deutschen KZ und in unmittelbarer Reaktion auf die Nachricht vom Attentat:
Ein wenig spät, Ihr Herren, die Ihr diesen Erzzerstörer Deutschlands gemacht habt, die Ihr ihm nachliefet, solange alles gut zu gehen schien, die Ihr … unbedenklich jeden von von Euch gerade verlangten Treueid schworet, die Ihr Euch zu armseligen Mamelucken des mit hunderttausend Morden, mit dem Jammer und dem Fluch der Welt belasteten Verbrechers erniedrigt habt und ihn jetzt verratet […] [Sie] verraten jetzt, wo der Bankerott nicht mehr verheimlicht werden kann, die pleite gehende Firma, um sich ein politisches Alibi zu verschaffen – sie, die als platteste Machiavellisten noch alles verraten habe, was ihren Machtanspruch belastete.
„Tagebuch eines Verzweifelten“, zitiert nach Hannah Arendt – Eichmann in Jerusalem
Guttenberg jedoch benennt die passenden Zeugen für seine Auffassung, „[d]enn der 20. Juli 1944 war zuallererst eine symbolische Tat. Der Publizist Joachim Fest und, lange davor, der Historiker Hans Rothfels haben dies auf bleibende Weise festgehalten, als sie vom Lohn der Vergeblichkeit gesprochen haben.
Hans Rothfels, der 1938 trotz seiner Konversion zum Protestantismus vor den Deutschen flüchten musste, weil er ihnen als Jude und als nichts anderes galt, notierte in seinen „Aufzeichnungen über meine Englandreise 24. Nov. – 12. Dez. 1936“ über das emigirierte Warburg-Institut in London „Ein scheussliches Völkergemisch in Studenten wie Dozenten und die ganze Atmosphäre mir sehr antipathisch.“ (Zitiert nach Nicolas Berg – Der Holocaust und die westdeutschen Historiker, dort auch ein Kapitel zu Hans Rothfels)
Über Rothfels’ wissenschaftliche Arbeiten im Nachkriegsdeutschland schrieb außerdem Robert G. Moeller:
The work of the Institute for Contemporary History – headed by Rothfels and home to such talented co-workers as Broszat – included some of the earliest systematic analyses of the Nazi state and Nazi occupation policies in eastern Europe. However, even in these works, individual voices of the victims of Germans were arely heard; suffering seldom had a face, name or specific location. Following a spate of survivor memoirs published in the western zones of occupation in the late 1940s, West Germans showed little interest in reading accounts of the victims of Germany. By the 1950s, the war stories that most interested them were those of German victims who were not also Jewish.
Rothfels offered vivid images of the atrocities committed against Germans by partisans and the Red Army, citing a death toll of 1.6 million Germans in ‚areas of the Reich east of the Oder and Neisse,’ while referring only once to those ‚whose families may have been gassed at Auschwitz,’ a fate that Rothfels escaped only because he left Germany in 1938.
And like Hillgruber, Rothfels had used a palette of vivid colors to depict Germans, while those ‚gassed at Auschwitz’ appeared in black and white.
War Stories: The Search for a Usable Past in the Federal Republic of Germany
Und Frank Stern:
’Es entsprach ebenso dem poltisch nationalen wie dem pädagogischen Legitimationsbedürfnis, einen ganz anderen Themenbereich in den Mittelpunkt der sich herausbildenden Zeitgeschichtsforschung zu stellen: die Würdigung des bürgerlich-konservativen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.’ [Konrad Kwiet/ Helmut Eschwege – Selbstbehauptung und Widerstand] Das wurde auch dadurch erleichtert, daß Hans Rothfels, jüdischer Remigrant und ehemaliger konservativer Königsberger Ordinarius, die in diesem Zusammenhang maßgebende Studie 1948 veröffentlichte. Rothfels kehrte 1950 nach Deutschland zurück und wurde ‚zur Legitimationsfigur der westdeutschen Zeitgeschichtsforschung’. [Kwiet – Die NS-Zeit in der westdeutschen Forschung] Hinzu kam, daß vorwiegend konservative Historiker […] den Ton in der Geschichtswissenschaft angaben. Wichtige Veröffentlichungen in der Nachkriegszeit bagatellisierten oder übergingen ‚zu dem Problem der deutschen Wurzel des Nationalsozialismus die Bedeutung des Antisemitismus innerhalb der deutschen Vergangenheit.’ [Saul Friedländer – Vom Antisemitismus zur Judenvernichtung]“
Im Anfang war Auschwitz. Antisemitismus und Philosemitismus im deutschen Nachkrieg
Joachim Fest, der am Drehbuch zu „Der Untergang“ mitgearbeitet hatte, der in der FAZ vom 29.8.1986 hervorhob, „daß unter denen, die der schon bald in Chaos und Schrecken auslaufenden Münchner Räterepublik vorgestanden haben, nicht wenige Juden gewesen waren“, der den Historikerstreit mitinszenierte, indem er beispielsweise Ernst Nolte dabei half, sich zum Opfer von (nicht stattgefunden habender!) Zensur zu stilisieren und dessen „Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte“ drucken ließ, widmete Marcel Reich-Ranicki ein Kapitel in „Mein Leben“. Er verwies darauf, dass „[d]ie antisemitschen Akzente in [Noltes] Artikel […] zwar mehr oder weniger getarnt [waren], […] jedoch schwerlich übersehen werden“ konnten. „Die der ‚Frankfurter Allgemeinen’ zugeschickten, gegen den skandalösen Artikel gerichteten Beiträge wurden von Fest allesamt ohne Begründung abgelehnt. […] Die längst fällige und immer wieder bei Fest angemahnte Antwort auf Noltes Thesen gab es schließlich auch in der ‚Frankfurter Allgemeinen’, aber erst nach zwölf Wochen; Fest schrieb sie selbst. Er hat, wir trauten unseren Augen nicht, Nolte mit Nachdruck verteidigt, er hat sich mit dessen Argumenten – mit beinahe allen – solidarisiert, er hat die wenigen Einwände, auf die er doch nicht verzichten wollte, nur zögernd und offenbar mit großer Überwindung vorgebracht.[…] Auch die ärgsten und ruchlosesten Behauptungen Noltes konnten [Fest] nicht veranlassen, sich von ihm zu distanzieren.
Der deutsche Minister jedoch ist mit „Sekurität“ auch im nächsten Jahr wieder glücklich darüber, dass „nach der politischen und moralischen Katastrophe [!] des Zweiten Weltkriegs“ die Deutschen „[a]ls Nation […] eine Gemeinschaft [bilden] mit denjenigen, die vor uns waren, und denjenigen, die nach uns kommen“ (Guttenberg, ebd.) – „coûte que coûte“ (zu Guttenberg, von Tresckow zitierend, ebd.).

Applied „Jew-baiter’s Lexicon“ 1: „Hasbara“

Jenseits davon, dass die Facebook-Gruppe „Stoppt den BAK-Shalom!“ sich selbst pausenlos erklärt (Administrator Chris Sedlmair gab bereits bei Elsässers bekannt, dass er nunmehr dort nicht mehr so oft kommentieren könne, weil seine neue Aufgabe so zeitaufwendig sei – je nun…), ist der Jargon, dessen man sich a.O. bedient, eine nähere Betrachtung wert. Hier nur ein typisches Beispiel:
„Es geht in dieser Gruppe nicht um Diskussion, sondern um Information über den BAK und seine Machenschaften und einen anderen Blickwinkel auf den Nahost-Konflikt. Wir bitten das zu berücksichtigen, Hasbara führt zum unmittelbaren Ausschluss.“ („Stoppt den BAK Shalom! ist bei Facebook.“ Hervorhebung J6ON)

Cp. Lee Smith – The Jew-baiter’s Lexicon (Playing With Fire, Tablet Magazine)
Ad 6: „Hasbara”
„Here’s another new entry in the lexicon, perhaps related to the fact that given the capricious nature of its one-time allies around the world, its virtual isolation from the international community and, of course, the anti-Israel press, Israel has of late devoted more of its human and financial resources to public relations. While it is true that all states engage in a range of activities to make its case to the rest of the world—from public diplomacy to propaganda—and some Middle Eastern countries are famous for spending hundreds of millions of dollars on such efforts, the use of the Hebrew word hasbara (meaning “explanation”) indicates that the Jewish state is engaging in a dark conspiracy to pull the wool over the eyes of the public in order to justify its crimes.” (Hervorhebung J6ON)

+ More info on the topic
_____________________________________
+ Later: Noch mehr zum Thema und darüber hinaus: Nichtidentisches – Daniel Bax’ „Wir Israelversteher“ – ein Paradebeispiel des linken Antisemitismus
+ nexusrerum – Unser Holocaust – Der Juden Knacks und der Judenknacks