Reposting aus gegebenem Anlass: „Freuen dürfen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten“

Mit wem sich Deutschlands neuer Repräsentant sonst so austauscht, kann man bei esowatch nachlesen: „Christian Wulff – wer schützt uns vor einem evangelikalen Bundespräsidenten?“ + „Christian Wulff und seine Liebe zu den Religionen – von Anthroposophie bis Buddhismus“. Und weil er außerdem vorgestern so innig mit Erika Steinbach1 schmuste, wird der hier auf den Tag genau ein Jahr vor seiner Wahl zum Staatsoberhaupt eingestellte Beitrag zu den wunderbaren Fähigkeiten Christian Wulffs aus der Versenkung geholt:

30.6.2009: „„Don‘t stop till you get enough“: Schlesien, Winnetou, Michael Jackson – alles ‚unser‘!“

Der Papst ist Deutscher, Gott wohnt mit seiner Frau Simone am Starnberger See und sein Sohn ist Niedersachse. Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, wusste bereits 2007 von den Wundern (Lukas7, 11 – 17), die er vollbringt, zu berichten: „Es ist gut und richtig, dass Ministerpräsident Christian Wulff in Verantwortung vor der Patenschaft des Landes Niedersachsen für die Schlesier beim Schlesiertreffen am Wochenende in Hannover sprechen will. Damit erfüllt er diese Patenschaft, die unter der rot/grünen Landesregierung eingeschläfert wurde, endlich wieder mit Leben.“ (Hervorhebung, J6ON)
Im Jahre des Herren 2009 sprach er wieder zu ihnen und ihrem Bundesvorsitzenden Rudi Pawelka, ehemals Vorstandsvorsitzender der „Preußischen Treuhand“, CDU-Mitglied etc. pp.
Noch 2007 wollte Wulff seinen schlesischen Patenkindern nur dann seinen Segen spenden, wenn sie zeigten, dass sie mit rechtsex-tremistischem „Gedankengut gar nichts zu tun haben“. (Aka: Was ich nicht sehen will, gibt es nicht.) Pawelka nahm sich das damals so zu Herzen, dass er beklagte, die Vertreibung der Deutschen aus den ‚Ostgebieten’ würde immer wieder damit begründet, dass sie Adolf Hitler gewählt hätten – dem sei aber nicht so, weil eigentlich Ilja Ehrenburg die Rote Armee aufgehetzt habe – offenbar dermaßen, dass sie glauben musste, die Deutschen hätten so etwas wie den Kommissarbefehl erlassen, vergewaltigt, gefoltert, Vernichtungslager errichtet und Millionen von Menschen ermordet. Natürlich, wenn man so aufs Glatteis geführt wird…
Erika Steinbach begrüßte damals die Entscheidung Wulffs, „für die Schlesier“ zu sprechen und: Die „Tatsache, dass der jetzige Vorsitzende dieser Landsmannschaft daneben eine Organisation betreibt, die auch vom BdV abgelehnt wird, kann alleine kein Grund sein, dem Schlesiertreffen […] fernzubleiben und alle Schlesier damit auszugrenzen“. Schließlich, da ist sich Steinbach mit Pawelka trotz der manchmal unterschiedlichen Wahl der Waffen einig, darf man Deutsche keinesfalls für ihre irgendwie gewählten Repräsentanten bestrafen – so was passiert schon mal und „anständig“ (Heinrich Himmler) sind sie dann doch immer geblieben. Außerdem hätte eine „Bevölkerungsgruppe wie die Schlesier, die Opfer völkerrechtswidriger Vertreibung wurden, die ihres gesamten Hab und Gutes [sic] beraubt wurden, […] auch mehr als 60 Jahre nach dem Vorgang die Solidarität aller Deutschen verdient.“ Das Hab und Gut, dessen sie ‚beraubt’ wurden, haben sie zwar zu einem nicht unerheblichen Teil anderen geraubt und es wird ihnen seit 60 Jahren ausgiebig erstattet, aber… wie auch immer.
2009 begab es sich nun also, dass Michael Pietsch, der Präsident der schlesischen Landesvertretung, Wulff als „guten Freund der Schlesier“ bezeichnete und konstatierte: „Sie passen gut zu uns.“ Der Ministerpräsident von Niedersachsen wollte den Schlesiern daraufhin „immer wieder nur Danke sagen“ und versprach, alles zu tun, „um das Schicksal der Heimatvertriebenen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“. Denn: „Für uns alle sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir uns unserer Heimat erinnern. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Ihnen dieses Grundrecht verweigern wollen.“ Die brutale Unterdrückung des Rechts auf Heimaterinnerung hat dazu geführt, dass seit 1947 (älteste dokumentierte Gedenkstätte) in Deutschland und zunehmend in ehemals heimgesuchten Ländern nur „über 1.400“ „Mahnmale und Gedenkstätten der Vertriebenen und Flüchtlinge“ (hierbei handelt es sich ausschließlich um die vom BdV registrierten, der dazu auffordert, weitere aufzufinden und ihm zu melden(!)) errichtet werden konnten. Laut BdV hat bis dato allein Deutschland „eine vielgestaltige und beeindruckende Gedenkstättenlandschaft für diesen Teil deutscher Geschichte aufzuweisen“ – das muss natürlich geändert werden! Wenn nur der schreckliche Gegenwind nicht wäre, man fühlt sich geradezu in das zugefrorene Haff zurückversetzt… Vermutlich sind die Polen, Tschechen, Serben etc. etc. immer noch so verblendet durch die Propaganda Ehrenburgs, dass sie tatsächlich glauben, die Deutschen hätten ihnen im 2. Weltkrieg ein mörderisches System aufoktroyiert.
Egal, die Schlesier, Pommern, Ostpreußen und wie sie auch immer heißen mögen, haben laut Spiegel online Konkurrenz bekommen: „Der „King of Pop“ [Michael Jackson] hat in Deutschland mehr Spuren hinterlassen, als in den meisten anderen Winkeln der Welt. Jetzt ist es an seinen Fans, sie zu bewahren und zu pflegen“. Das nächste Großprojekt des ZDF oder von RTL wird sich also voraussichtlich mit der Vertreibung Jacksons aus den USA auseinandersetzen, wo man die Verschleierung seiner Kinder laut Spon nicht ganz so gelassen sah wie hier „im Land von Loreley, Schwarzwald und Neuschwanstein“, wo „man ihm noch durchgehen [ließ], dass er seine Kinder fast komplett in Tücher eingehüllt spazieren führte“. Aber deutsche Identitätspolitik setzt sich ja zunehmend durch… Letzten Endes werden sich auch die Amerikaner überwinden müssen und ihre ‚Verbrechen‘ an den Deutschen (oder was von den Deutschen als zu ihnen gehörend identifiziert wurde: ‚Indianer’, Michael Jackson, Wieheißt-dasgegenteilvonprüderie? – irgendwann kommt noch was zu 3sats Kulturzeitschaffenden, die es hingekriegt haben, in einem Beitrag über hurricane Katrina unterzubringen, dass die Amis prüde seien – usw. usf.) mithilfe einer „vielgestaltige[n] und beeindruckende[n] Gedenkstätten-landschaft“ zu dokumentieren.

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+ Later: Warum Gauck womöglich der noch passendere Präsident gewesen wäre, Clemens Heni – Geistige Gesundung

  1. Steinbach trat aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau aus, weil sie neben anderen theologischen Inhalten mit deren Haltung zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften nicht einverstanden war, und wechselte in die altkonfessionelle Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche.“ (wikipedia) [zurück]