Archiv für Juni 2010

„Ihr könnt nachhause gehen!“ Keep on dreaming, Münster!

Üblicherweise konzentrieren sich die deutschen Siegesparaden in Münster offenbar auf irgendeinen Kreisel in der Innenstadt. Gestern jedoch besann man sich darauf, dass ‚Feindkontakt‘ nicht nur im fernen Südafrika zu haben ist sondern auch vor der eigenen Haustür. Das Volksfest wurde nach Gremmendorf verlegt, wo ein nicht enden wollender Autokorso meiner Auskunftsperson den letzten Nerv raubte. Die nämlich wohnt nahe den York Barracks. Eigentlich ist das erfreulich, denn wo die Briten sind, gibt es generell hervorragendes Curry, ein angenehm erweitertertes Angebot im Supermarkt (die Person ist Weetabix-süchtig) und überhaupt. Nach der deutschen „Rache für Wembley“ (© by Alledeutschenmedien) allerdings nahmen sich die stolz beflaggten und überhaupt „kreativ“ (© s.o.) schwarzrotvergoldeten Münsteraner vor, die Folgen der deutschen Niederlage im 2. Weltkrieg gleich mitaufzuheben, fuhren stundenlang vor der Kaserne auf und ab und gröhlten pausenlos: „Ihr könnt nachhause gehen!“ Mit dieser Aufforderung schließen sie sich, unsurprisingly, einem Ansinnen der „Nationalen Sozialisten aus Münster“ an, denn:

Mit vielen Widrigkeiten hatten die münsterländischen Spitzenkräfte des Neonationalsozialismus seinerzeit bereits gerechnet: „Eine Stürmische Zeit liegt vor uns! Ein hindernisreicher Weg der uns große Opfer abverlangen wird.“ Und es kam, wie es kommen musste. „Bürgerliche Vertreter des Gutmenschentums“ stellten sich gegen sie, „Rotfaschisten“ gar. Hinzu kam die „Polizeirepression“ und im TV jene „Quasselsendungen“, die nur ablenken vom Kampf „gegen die Spaßgesellschaft und ihre Perversitäten“.
Das alles steckten [die] „besten Leute“ der regionalen Neonazis weg. Doch nun mussten sie die Meldung zur Kenntnis nehmen, dass es „um die 2500 (!!!) Soldaten“ gibt, die „die britische Krone nach über 65 Jahren Besatzung immer noch in Münster stationiert hat“. Und nicht genug damit: Ihr Rückzug auf die Insel verzögert sich auch noch um mindestens fünf Jahre bis frühestens 2019. Dass das nur logistische Gründe haben soll, mögen Münsters „Nationale Sozialisten“, die doch selbst in der Lage sind, ihre kompletten Truppenteile kurz entschlossen mal eben zu Neonaziaktivitäten nach Dortmund, Hamm oder Ahlen zu verlegen, nicht glauben.
Die Kämpfer für die „nationale Souveränität“ und die „biologische Existenz unseres Volkes“ ahnen, warum die Briten später abziehen: „Es drängt sich der Verdacht auf das die englischen Besatzungstruppen, für weitere 5 Jahre in Münster bleiben sollen, um in Zeiten der Wirtschaftskrise die Kolonie BRD, gegen Aufstände abzusichern.“ Der nächste Neonazi-Auflauf im Münsterland, begleitet nicht durch Bereitschafts- und Bundespolizei, sondern durch die British Army? Wir warten gespannt darauf.
“ (rr, NRW rechtsaußen – Nebenbei: British Army gegen Münsters Neonazis?)

Imagine broadly grinning graemlin now!
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Later: Noch mehr ‚Kreatives Deutschland‘ + „Kreativstes Volk der Welt

Meilensteine deutscher Vergangenheitsbewältigung VI: Die „Yrr“ und der weltweite Erfolg deutscher Ideologie II/ Vom Pays-Boche zu „the most beloved country worldwide“

Vom Pays-Boche zu „the most beloved country worldwide“

Der deutsche Kanzler schlägt vor, die Vereinigten Nationen zu ermächtigen.
Frank Schätzing – Der Schwarm

Mehrere namhafte Studios und Produzenten haben sich in den letzten beiden Jahren um den Stoff beworben. Für mich sind Uma, Ica und Michael die Idealkonstellation für einen internationalen Kinoerfolg. Wir teilen dieselbe Vision“.
Frank Schätzing, moviereporter.net

Germany is the most favourably viewed nation (an average of 59% positive), followed by Japan“.
BBC World Service Poll, worldpublicopinion

Jenseits der ihnen ‚angeborenen Tugenden’ haben die Deutschen wie im offiziellen neuen (dem ganz alten recht ähnlichen) Bild der Nation auch bei Schätzing einen gravierenden Vorteil: Sie kennen sich mit Abgründen aus. Natürlich dürfen sie das selbst nicht darlegen, das tut der seine Berufung glücklich wiedergefundenhabende Inuit Anawak: „[I]ch will dir nicht auf die Nerven gehen, aber ich habe ein paar Mal zu oft weggesehen im Leben. Es hat sich einiges geändert. So bin ich nicht mehr. Verstehst du? Ich kann das nicht ignorieren.“ (Vgl. Teil 1) Die Deutschen sehen nicht mehr weg. Ohne Hemmungen blicken sie in ihre Vernichtungslager, die von den „alliierten Bombenterroristen“ zerstörten deutschen Städte (mit denen sich zu ‚versöhnen’ haben sie auch – irgendwie – geschafft, und im Vergleich dazu sind die „Yrr“ wesentlich umgänglicher – mit ihnen ist geradezu die Wiederkehr deutscher Volkstümlichkeit garantiert); die an ihren Verbrechen moralisch gesundeten Deutschen blicken rechthaberisch, überlegen und schadenfroh auf die Missetaten der Anderen, aller anderen – nur nicht zu voreingenommen erscheinen, aber dann doch gerne auf die der Amerikaner und Israelis und, warum in die Ferne schweifen, der Briten. Wenn man nur darüber reden dürfte… Was man natürlich nicht tut, außer und ausnahmsweise, wenn’s denn unbedingt nötig zu sein scheint und sowieso, in allen möglichen Medien. Weil man dafür aber generell „verurteilt“ wird, ist man schon wieder Opfer. Und diesmal leidet der Rest der Welt offensiv mit. Armes Deutschland, denkt nun nicht mehr nur Deutschland.
Am Ende waren die Deutschen so erfolgreich in der Darstellung von Bescheidenheit, opferbereiter Selbstverleugnung, Moral und Demut, dass Deutschland 2008 aus einer weltweiten BBC-Umfrage als Land mit dem positivsten Einfluss auf die Menschheit hervorging, und das, nachdem es überhaupt zum ersten Mal zur Wahl stand. 56% der Befragten aus 34 Ländern gaben ein positives Votum ab.1 Die English News von Welt.online machten daraus „Germany is the most beloved country worldwide“, was einer Drohung gleichkommt. Trotzdem stiegen Deutschlands Popularitätswerte 2009 nochmals an, „with positive ratings rising even higher from 55% [sic] to 61% on average. Every country polled has a favourable view of Germany.“ (BBC) Um 2010 leicht zu fallen – auf 59%, was allerdings nach wie vor den Spitzenplatz bedeutet.

„[I]n my opinion the Foucaultian tendency is a form of re-importation of old fashioned Heidegger-ism to Germany. Did you read the French reactions to Victor Farias‘ study on Heidegger and Nazism? All these Lyotards and Derridas tried to make people forget Heidegger‘s profound hate of the Jews and his intention to exterminate them. This was very fascinating for left wing intellectuals – their problem is to find a form to articulate consensus disguised as opposition: Erich Fromm called this symptom the ”conformist rebellion”.
Joachim Bruhn – Who are the Anti-Germans

Vielleicht hat die Welt einfach dazu gelernt und möchte die Deutschen mit Streicheleinheiten ruhig stellen? Unwahrscheinlich. Denn vermutlich ist das, was sie an den positiven Einfluss Deutschlands glauben lässt, in erster Linie etwas geschuldet, das die Deutschen im ‚Dritten Reich’ zu perverser Vollkommenheit entwickelten. Und absurderweise wurde ein (seit jeher gerne missdeuteter) Vordenker deutscher Ideologie zu Deutschlands erfolgreichstem Exportartikel. Das eigentlich (!) überaus elitär-völkische (vgl. George L. Mosse – Die völkische Revolution) Gedankengut Heideggers, das bereits den deutschen Nationalsozialisten problemlos zur ‚philosophischen’ Verbrämung dienen konnte und sollte (jedoch anders als es dann zur Anwendung kam, was zur Illusion des Bruchs Heideggers mit den Nationalsozialisten führte), hat sich erfolgreich in die Philosophie und Politik der ehemaligen Kriegsgegner geraunt. Der „Jargon der Eigentlichkeit“ (Adorno) ist nicht nur widerspruchslos im „Jargon der Demokratie“ (Gerhard Scheit) aufgegangen; er ist spätestens im Verlauf seiner Immerwiederverwertung zum weltweit verständlichen Identitäts-Slang, zur Lingua Franca aller nach Initiation sich Sehnenden geworden. Im Raunen, in dem das von Beginn angelegt war, im Kreisen um Fragmente, die sich um nichts als Wortstämme drehen, im Abstammungswahn, in den durchaus alltagstauglich lavierenden Anspielungen, die Eingeweihtsein suggerieren, in der Initiation qua Überlieferung, Heimat, Natur, Wesen, Struktur, Post-Struktur findet sich das Opfer all dessen, was dem widerspricht. Am Ende steht im Jargon der Wehleidigkeit dann trotz aller angeblichen Vielfalt immer derjenige als Opfer da, der es nicht sein durfte. Wo nämlich alle Opfer sein dürfen, wollen sie es auch sein. Die Mittel zur Erringung des für deutsche Ideologie notwendigen imaginierten Opferstatus sind beliebig und erstaunlich zahlreich. Das letzte Stadium ist Opferbereitschaft – wenn das erreicht ist, ist es eigentlich schon zu spät.
Deutsche Ideologie ist nicht auf Deutschland beschränkt! Sie resultiert weder aus genetischen Prädispositionen noch aus Blutgruppen, Wasser-, Boden- oder Luftqualität und entwächst nicht der „germanischen Landschaft“. Sie ist auch keine Frage der ‚Mentalität’. Was sie wirklich ist, kann man bei beispielsweise Adorno, Horkheimer, Améry, Scheit, Claussen, Bruhn und Mosse nachlesen, aber auch aus Samuel Salzborns Grenzenlose Heimat exzerpieren. Im Deutschen jedoch ist – trotz williger Nachahmer – deutsche Ideologie nach wie vor am deutlichsten erkennbar. Umso bedenklicher ist die (empirisch konstant belegte!) weltweite Germanophilie.
Nach der ‚Zurückweisung’ aka dem ‚Widerstand’ Heideggers als offiziell berufener Ratgeber der nationalsozialistischen Führungsriege, die nichts mit dem geteilten Gedankengut zu tun hatte, außer dass sich die Nazis der Volkstümlichkeit ihres Elitedenkens bewusster und andere schneller als er waren, nach der narzisstischen Kränkung Heideggers also, die ihn jedoch nicht mit der Ideologie brechen ließ, sondern den typisch trotzigen Rückzug ins noch ‚authentischere’ Hüttendasein auslöste; nachdem Heidegger dem armen Volk noch ähnlicher geworden scheinen musste, es durch seine ostentative ‚innere Emigration’ im Nachhinein angemessener vertreten konnte, war sein weltweiter Erfolg möglich geworden. In ihm war die Idee ohne das allzu offensichtliche Verbrechen zu erahnen. Ob nun Sprache oder Kultur oder was auch immer Identität versprach, die Weltphilosophen lasen es aus seinen absichtlich diffusen Elaboraten heraus und übernahmen mit dem Geschwafel (in den meisten Fällen und abgesehen von Sartre) auch den eigentlichen Gedanken.
Wie auch immer: Heidegger war und ist seit 1927 überall. Selten hinterfragt und umso öfter verteidigt. Es gab keinen Bruch – wie es auch in Deutschland niemals einen gravierenden Bruch mit der ursprünglichen Herkunft seines Gedankenguts gab. Dass genau diese Herkunft mittlerweile so verführerisch für alle möglichen Identitätssuchenden ist, ist kein Zufall. Unter anderem finden sich in ihr die ‚einfachsten’ Antworten. Am Ende des noch lange nicht gewonnenen Kampfes um Gleichberechtigung steht da aber plötzlich das perverse Versprechen als ostentatives Opfer zu reüssieren. Und so diffus wie die Illustrationen der Unterdrückten durch ihre Unterdrücker gestaltet werden mussten, so diffus mussten deren Bestrebungen um Einheit im Kampf dagegen werden. Statt aber anzuerkennen, dass sich die grotesken Bebilderungen nur im Bestehen auf Individualität auflösen ließen, wurden immer mehr Gruppierungen geschaffen, die sich nicht mehr am eigenen Interesse sondern an der eigenen Herkunft oder einem ausufernden Kulturbegriff orientierten. Man wollte eindeutig und nicht mehr einzigartig sein. Bis zu einem gewissen Punkt war das nachvollziehbar und sinnvoll. Bis zunehmend kulturelle oder völkische Mythen und kulturelles oder völkisches Bewusstsein etc. konstruiert wurden. Und sofort war wieder der eine Feind da! Der in seiner konkreten Form selbst versuchte teilzunehmen, aber immer noch der Einzige ist, der nicht darf (außer in daran interessierten Kreisen, die daraus nichts als die Legitimation fürs deutsche Volksbewusstsein ziehen wollen – an PI-News et al. wird immer noch gearbeitet. Religiöse Fragen spielen hier erst einmal keine Rolle, vgl. dazu Hanno Loewy in ders. Gerüchte über die Juden) – weil die völkische Imagination nun einmal will, dass er diffus zu bleiben hat, ewig wandert, hinter allem steckt, alles nur vortäuscht und überhaupt. Neben primärem und sekundärem Antisemitismus, der längst keine ausschließlich deutsche Veranstaltung mehr ist, kristallisiert sich Neid (der bereits den ersten beiden Formen innewohnt) als Movens von Hass auf Juden, Israelis, Zionisten etc. pp. heraus. Und zwar perfiderweise Neid auf ihren nicht selbst gewählten Opferstatus. Im eigenen Opferwahn glaubt man ihnen nicht, dass sie gerne darauf verzichten würden.
Wie universell die Opfer-Ideologie geworden ist, hat einer der renommiertesten Vertreter von Identitätspolitik aufgedeckt. In White beschreibt Richard Dyer ein weltweites Phänomen, das zu so absurden Auswüchsen wie dem male backlash, PI-Bewegungen und dergleichen geführt hat. Darin finden sich alle wieder, die sich als Täter angeklagt wähnen, aber unbedingt den Opferstatus erringen wollen – das ist, ohne dass Dyer sie als solche benennen kann – deutsche Ideologie. Alle diese Bewegungen(!) jedoch können sich problemlos der Identitätspolitiken sozialer Minderheiten bedienen. Dyers Bezeichnung dafür lautet Me-tooism. Im Me-tooism darf jeder Opfer sein – womit jeglicher Täter-Opfer-Umkehr Tür und Tor bereitwillig geöffnet werden.
Deutschland ist das, von der BBC zertifizierte, weltweit erfolgreichste Beispiel einer tatsächlich monumentalen und epochalen Umstilisierung von Tätern zu Opfern, wozu sich die Deutschen unnachgiebig und unermüdlich aller verfügbaren Mittel bedient haben, u.a. indem man Opferidentifikation vorgab.
Es ist dann vielleicht doch möglich, Lars Quadfasels Frage „Wissen die Deutschen, was sie wollen?“ (Audio – Vom Antifa-Sommer zum Irak-Krieg) zu beantworten. Nämlich indem man das Handeln diverser deutscher Regierungen (im Krisenfall) eben als doch durch zumindest eine Sehnsucht motiviert ansieht. Was wahllos anmuten mag, entstammt der Maxime, dass das jeweilige Regierungsverhalten sich nach dem angenommenen ‚Volkswillen’ zu richten hat. Dabei gibt es fraglos Auslegungsfreiräume und Möglichkeiten der Manipulation, doch tatsächlich sind deutsche Politiker eben nicht ‚abgehoben’ und ‚dem Volk ‚entfremdet’, sondern entsprechen dessen Durchschnitt (insbesondere intellektuell und abgesehen vom Einkommen). Gewählt wird man nicht für Brillanz in welchen Bereichen auch immer, sondern dafür, dass man möglichst wenig abweicht respektive herausragt. Und was nicht passt, wird passend gemacht. Man mag das fälschlicherweise für den Grundgedanken von Demokratie halten, hierzulande jedoch hat man sich nie vom Glauben an die Volksgemeinschaft gelöst, hat sie tatsächlich erfolgreich über das ‚Dritte Reich’ hinaus retten und ihr mit der Idee von Kultur und (Volks-)Identität ein zeitgemäßes Gewand überwerfen können. Was immer auch umgesetzt werden soll, ist leicht verständlich und arbeitet dem „Schatten von Erkenntnis“ (Adorno) zu. Zwar selbst Objekt von Verschwörungstheorien schafft es deutsche Politik dennoch immer wieder, sich als Opfer ‚diffuser Mächte’ darzustellen; alles ‚Unangenehme’ ist sie in der Lage, als ihr vom internationalen Markt, der dem deutschen Wesen eigentlich widerstrebenden Globalisierung, den unangenehmen Bündnisverpflichtungen aufgrund der nur noch gerade mal peinlichen Vorfahren etc. aufgezwungen zu verkaufen. Kein Lob des Zwangs kommt ohne Verweis auf das eigentliche Wollen aus, auch nicht bei Angela Merkel, die auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag ganz in dem Sinne mitteilte, hier sei es ja nicht schlimm wie im Rest der Welt, und das „Zusammenhalten in der Bundesrepublik sei größer als anderswo“. Gleichwohl forderte sie noch mehr davon ein. Ständig raunt es, und dass Heiner Geißler vom Hausbesetzerfresser zum Attac-Anhänger mutierte, ist alles nur nicht abwegig.
Was weltweit so geschätzt wird, ist beispielsweise die angebliche Vorreiterrolle in Sachen Ökologie, die Naturverbundenheit, die Bodenständigkeit, in der man nicht mehr Blut und Boden erkennen mag. Geschätzt wird auch das ostentative deutsche Verständnis für Kulturen, der Beistand für die Völker der Welt – in deren Augen haben die Deutschen die Slowenen, Kroaten, Kosovaren etc. nicht nur aus dem „Völkergefängnis“ Jugoslawien befreit, sondern ihnen auch eine Rückkehr zu ihrem ‚eigentlichen Sein’, zu ihren ‚Wurzeln’ ermöglicht. Sie unterstützen den Dalai Lama und wollen ihn den oder ihm die Tibeter(n) zurückgeben und mit ihm seine vorgebliche „Schmunzelmonster“(Titanic)-Religion – ein neues Atlantis kann so entstehen und somit würde ein sehr deutscher Traum wahr. Trotz konstanter öffentlicher Positionierungen fürs Wurzelwerk geben sie vor, mit allen reden, alle verstehen zu können, und zwar nicht auf Basis des gemeinsamen Menschseins, sondern beruhend auf ihrem Wissen um kulturelle Abgründe usw. usf. Die Parteinahme jedoch bleibt vorwiegend deutscher Tradition verbunden. Die Linie ist klar erkennbar, die Tradition aber nicht als Gerade von a nach b nachzuvollziehen. Erst im Volkswillen, der nicht den deutschen Grenzen von 1939 gehorcht, wird sie erkennbar.

Am Bild, das man sich von den fanatisierten Muslimen macht, fasziniert vielmehr, dass sie nicht so sind wie ‚wir‘: nicht so dekadent, so angepasst und feige: dass sie noch wissen, wofür es sich zu sterben lohnt. Wie das Konservendosengelächter in der Comedy dem Zuschauer die Last abnimmt, selber Spaß haben zu müssen, so entlastet der islamische Terror den westlichen Betrachter von dem Zwang, aus seinen eigenen Ressentiments die praktischen Konsequenzen zu ziehen. Er delegiert seine Sehnsucht nach Macht und Unterwerfung, nach Überhöhung der Tat und Entwertung des Geistes, kurz: nach einem Leben zum Tode an die, deren mörderischen Eifer er im Fernsehen vorgeführt bekommt; er lässt die Gotteskrieger jene antisemitischen, antiamerikanischen und antizivilisatorischen Affekte austragen, die zur Gänze selber auszuschöpfen dem Wunsch nach reibungslosem Fortkommen im Wege stehen könnten.
Lars Quadfasel – Gottes Spektakel. Zur Metakritik von Religion und Religionskritik 1, Extrablatt online

Frischer Fisch lässt sich nicht lange lagern. Daher sind Fischkonserven praktisch, um schnell eine leckere Fischmahlzeit zubereiten zu können. Beliebt sind konservierte Sardellenfilets, Makrelenfilets, Thunfisch, Sardinen, Bückling, Brathering u.v.m.Paradisi-Fischkonserven

Was wollen die Deutschen eigentlich von den Islamisten? Das ist wirklich ein Rätsel“, sagte Lars Quadfasel ein wenig später und gab dennoch selbst die treffende Antwort: „Die Islamisten sind der Konservendosenhass der Deutschen, die hassen dann für einen. Das muss man nicht mehr selber machen.“ (Audio, ebd.) Der Hass-Stellvertreter wird benötigt, um der Welt endlich einmal zeigen zu lassen(!), wie unverantwortlich undeutsch sie geworden ist. Die Deutschen dürfen sich zurücklehnen, zusehen und mitteilen, wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte es soweit nicht kommen müssen, aber auf sie höre ja keiner, weil sie von der Welt „immer noch“ so verabscheut würden und man ja sowieso nichts sagen dürfe. In diese raunende Besserwisserei fügt sich Frank Schätzing nahtlos ein. Alles Deutsche ist bei ihm von Grund auf gut und darf es nicht einmal zugeben. Das Stellvertreter-Opfer wird wiederholt angedeutet, indem es pausenlos auf der Agenda der CIA steht – zu Unrecht natürlich – und dann auf einmal steigt der Rächer aller wahrhaftigen Völker, Kulturen und Delfine aus den Tiefen des Meeres empor. Die sich mal wieder nur wehrenden Bewohner des deutschen Nazi-Ersatzparadieses Atlantis, der Heimstatt aller im Meeresboden, noch tiefer also als in den kontinentalen Ebenen wurzelnden Lebensraumwesen geraten dem deutschen Schriftsteller zu Bückling und Makrele in Öl, diversen Fischfilets in Tomatensauce, Bismarck-Hering und Trockenfisch. „Wir werden auf archaische Weise angegriffen“, wird aufgeschrieen, und was als unterschiedslos zu gelten hat, löst sich dennoch auf in einer geradezu begeisterten Schilderung der gnadenlosen Zerstörung von Dekadenz, Luxus und allem, was nicht Hütte ist. Wer Hummer zubereitet, hat selber Schuld, wenn er qualvoll daran zugrunde geht, und wer reich ist und/ oder Metropolenbewohner, hat besonders drastisch und ‚würdelos’ zu sterben. Die Herrscher des Meeres nämlich haben keinerlei materielle Bedürfnisse und finden Befriedigung ausschließlich darin, sich von Zeit zu Zeit in einem Über-Ting zu vereinigen, um zu überprüfen, wer vom Kollektiv abweicht und vernichtet zu werden hat. Wenn sie richtig wütend werden jedoch, schrecken sie nicht davor zurück, ihren ‚Lebensraum’ noch effektiver zu vernichten (all die explodierten Bohrinseln, Chemiefabriken und Atomkraftwerke in Küstennähe, was das aus dem Meer macht, kann man z.B. in Alan Weismans The World Without Us nachlesen), als die Menschen das bisher getan hatten. Kennt man: „verbrannte Erde“! Die wird hier als sinnvolle Maßnahme verkauft.


via „Hässliche Plastiktiere und Zeugs“

Hinter der Verbitterung des Antisemiten verbirgt sich der optimistische Glauben, nach der Vertreibung des Bösen werde sich die Harmonie von selbst wieder einstellen.
Jean Paul Sartre – Überlegungen zur Judenfrage (zitiert nach Samuel Salzborn – Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne, S. 71, A.a.O.)

Der Computer hat festgehalten, wann Karen die Abdeckung öffnete, um Rubins Leichnam in die Tiefsee zu entlassen, und wenig später stoppte der Terror.
Frank Schätzing – Der Schwarm, Epilog: aus den Chroniken von Samantha Rowe, S. 983

Das böse Monster ist erledigt (vgl. Teil 1). Noch herrscht Chaos auf den vom großen Gott (Buddhismus, Hinduismus, esoterische Zirkel und Naturreligionen hingegen prosperieren) verlassenen Kontinenten (die Toten zählt Schätzing nicht), aber die Grundvoraussetzungen sind geschaffen, denn „erste Anzeichen für ein Umdenken“ (ebd. S. 986) sind erkennbar. Die UNO hat den „Vereinigten Staaten von Amerika das Führungsmandat entzogen“ (ebd.). Und die Menschheit kann endlich wie die Yrr werden, denn was erst einmal dystopisch anmutet im Epilog der uneingeschränkten Deutungsmacht Jill/Ellie/Jodie/Samantha, ist die einmalige Chance, den Planeten nach der großen Reinigungsaktion deutsch einzurichten: „Vielleicht ist eine weitere Menschheitsrevolution fällig, um unser archaisches Erbe endlich mit der Entwicklung unserer Intelligenz unter einen Hut zu bringen. Wenn wir uns des Geschenks, das die Erde immer noch ist, als würdig erweisen wollen, sollten wir nicht die Yrr erforschen sondern endlich uns selber. Erst die Erkenntnis unserer Herkunft, die wir zwischen Wolkenkratzern und Computern zu leugnen gelernt haben, wird uns den Weg in eine bessere Zukunft weisen. Nein, die Yrr haben die Welt nicht verändert. Sie haben uns die Welt gezeigt, wie sie ist.“ (Ebd. S. 987) Ähnlich klangen die Erklärungen einschlägiger Kreise nach dem 11. September 2001 – wenn nicht gerade vom „größten Kunstwerk aller Zeiten“ (Stockhausen) die Rede war. In der Vernichtung deren Ästhetik als kreativen Superlativ auszustellen, erklärt den Opfer-Täter zum Schöpfer von erkenntnisrelevanten Darstellungen und krönt den mörderischen Erfolg der Selbstmordattentäter, denn deren Bilderverbot „trägt nur noch dazu bei, die Aufklärung zu denunzieren; die Bilder vom Opfertod der Märtyrer hingegen werden millionenfach verbreitet.“ (GerhardScheit – Suicide Attack. Zur Kritik politischer Gewalt, S. 528) Aufgehoben wird dadurch Adornos grundlegende Kritik des Opfers. (Vgl. ebd., S. 500ff)
Laut Slavoj Žižek (2002, Welcome to the Desert of the Real. Five Essays on September 11 and Related Dates) war 9/11 kein „Ereignis“ im Heideggerschen Sinne („Aussetzung einer etablierten Seinsordnung“, „geschichtsphilosophische Zäsur“), tatsächlich seien nur Medienbilder wirklich geworden und ein mediales Phantasma habe sich realisiert. Während uns also laut Schätzing die Yrr die Welt gezeigt haben, wie sie wirklich ist, hält uns Al Quaida unsere Albträume vor Augen? Womöglich. (Wobei es meines Wissens vor 2001 nur einen Film gab, in dem ein Flugzeug bewusst gesteuert in ein Hochhaus fliegt, und der kommt nicht aus Hollywood, sondern ist eine europäische Co-Produktion.) Die Albträume der einen sind die Träume anderer. Und derartige Träume hat Walter Abish als das bezeichnet, was sie wirklich sind: „[A] dream to end all dreams?“ (How German Is It / Wie deutsch ist es, 1979)
Warum aber konnten die Attentäter zu denjenigen werden, in deren Folge sich endgültig nahezu alle anderen weltweit gelten zu habenden Träume auflösen sollten? Der empörte Zwischenruf eines Teilnehmers an einer Tagung zu Queer Representations in Media nach 9/11, dass es doch nicht darum gehen könne, „who’s fucking whom – because there’s people dying“ (UdG) verkennt die Tatsache, dass Menschen regelmäßig gequält, gefoltert und umgebracht werden, weil sie eben dieses und andere unabdingbare Rechte des Individuums einfordern. Umgebracht werden sie vor allem, offiziell und inoffiziell, von denjenigen, vor welchen derzeit ‚Identitätspolitik‘ jeglicher Couleur ihren Knicks oder Diener zu machen bereit ist. Im- oder explizit wähnten diverse ‚Opfervertretungsgruppen‘ sich immer in Konkurrenz zum ‚größten Leidenskollektiv’, das die Welt je gesehen hatte – die Chance, sich dieses (mal wieder) selbstgewählten ‚Rivalen’ entledigen zu können, wird von vielen bereitwillig ergriffen. Irgendwann lassen sich weibliche Abgeordnete einer Partei, die auf Gleichberechtigung pocht, dann protestlos auf ein Frauendeck verfrachten und deren männliche Parteifreunde sehen ungerührt dabei zu.
9/11 war eine geschichtliche Zäsur – das steht außer Frage. Auf das Fanal, dessen Initiatoren damit rechneten, dass es den Märtyrerkult weltweit befördern würde, folgte eine Umkehr, und eine Opferideologie breitet sich aus, die nicht nach der Verbesserung der Situation des Individuums strebt. Nicht nur als Opfer fühlen darf oder soll man sich, sondern auch Opfer bringen – und wenn man es selbst ist, umso besser. Schätzing erzählt fast dieselbe Geschichte. Deutlich herablassend lässt er seine fundamental-christlichen US- amerikanischen Charaktere über Armageddon schwafeln – nur um am Ende selbst die einzige Chance der Menschheit zu präsentieren, die aus dem Untergang der westlichen Welt und der Vernichtung des ’schuldig gewordenen‘ Individuums resultiert. Das ist Schätzings völkisches Armageddon, nach dem niemand mehr neidisch auf’s angenommene ‚Glück’ der Anderen (und wenn es nur deren für sich selbst ersehnter Opferstatus ist) zu sein braucht. Nach der Auslese darf die ganze Welt das „eine Volk“ sein.

In Germany nationalism, racism and anti-Semitism are the very essence of the state, the ”Wesen” of political sovereignty. This state is the ”positive” result of mass murder, and it incorporates this in all its structures – see Gerhard Scheit, Die Meister der Krise, ca ira 2001 and also my book, Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation. This state is not to be de-nationalized or democratised, but abolished.
Joachim Bruhn, ebd.

Ohne Krise, ohne den Ausnahmezustand ist das alles nicht haben, denn „[d]ie Antisemit(innen) sehnten sich […] nach Krisenperioden, in denen gemeinschaftliche Urformen plötzlich wieder auftauchen und ihre Fusionstemperatur erreichen – um dann dem Wunsch nachgeben zu können, in der Gruppe zu verschmelzen und vom kollektiven Strom fortgerissen zu werden. Es sei [laut Sartre, J6ON] die antisemitische Sehnsucht nach der ‚athmosphère de progrome’ [Sartre].“ (Samuel Salzborn, ebd. S. 69f)
Die Sehnsucht, den Ausnahmezustand voranzutreiben, scheint deutsche Regierungen immer mal wieder zu beflügeln, wie auch wieder derzeit: „Jedes gesellschaftliche Privileg verlangt seine eigene Aufhebung im Namen der Menschheit, dem einzig legitimen Privileg. Der gegenwärtig virulente Gerechtigkeitswahn strebt dagegen einen apokalyptischen Zustand der Privilegienlosigkeit an, wie er von gewissen Endzeitfilmen in sozialreformerischem Größenwahn halluziniert wird: eine Welt, in der alle Menschen gleich im Angesicht des Todes und der Sinnlosigkeit sind. »Generationen¬gerechtigkeit« bezeichnet in diesem Zusammenhang nichts anderes als die Liquidation jeder Hoffnung auf das Neue im Namen einer Totenstarre, die Großeltern und Enkel zum Kollektiv der Hoffnungslosen zusammenschweißt.Magnus Klaue – Luxus für keinen, Ohnmacht für alle, Jungle World

Die grundlegende Frage allerdings lautet nach wie vor: Warum wollen die Deutschen immer noch und stündlich zunehmend Deutsche sein? More later…

Recommended reading: the usual suspects…
+ Later: nexusrerum – Marx in Gaza

  1. 41% der von der BBC befragten Welt scheinen (!) halbwegs zurechnungsfähig zu sein. Womöglich sind davon aber auch einige deutscher als die Deutschen selbst und hätten es gerne noch authentischer. Womöglich glauben sie auch den deutschen Versöhnungsjeremiaden usw., und es gefällt ihnen nicht. Die 41%, die Deutschland nicht so berauschend finden, stimmen nicht notwendigerweise hoffnungsfroh. Was man hierzulande entlang der Traditionsline lieber nicht wissen möchte: Die Briten, auf die jahrzehntelang Verlass zu sein schien, gehören dem eher germanophilen Teil der Weltbevölkerung an. Schlechte Nachrichten für z.B. den unermüdlich am angeblichen britischen antideutschen Ressentiment leidenden Matthias „Don’t mention the war!“ Matussek and the like. Matussek wird in seiner typisch deutschen Paranoia derart deutsch, dass er schon wieder Stürme heraufbeschwören will - kennt man ja hierzulande: Volkssturm. Wenn man mich fragte, wem ich eher vertraue, dem Autor so herausragender Romane wie Black Dogs, The Cement Garden, The Comfort of Strangers, Saturday etc. oder der Personifikation wehleidigen Deutschtums par excellence – Matthias Matussek – würde ich natürlich, ohne zu Zögern und immer wieder Ian McEwan sagen. Matussek interviewte McEwan 2006 und behauptete, sie seien in einem Londoner Restaurant auf einen nicht genannten britischen Regisseur getroffen, der ‚den Hitlergruß’ gezeigt habe – woraufhin sich Matussek zutiefst beleidigt gefühlt, wenn auch erstmal darüber gelacht habe: “What else can you do?” (Matussek, Times Online). Ian McEwan jedoch „denied it. He said the truth was rather less interesting, and that Matussek should put his imagination to better use and become a novelist [bad idea!]. “I didn’t make it up,” says Matussek. “Nor did my wife … [it] was very telling – McEwan would rather trust an Englishman he happened to bump into than a German he’d been with all evening.“ So would I! Der arme verfolgte Deutsche aber muss wie üblich verallgemeinern, statt zu akzeptieren, dass man ihn persönlich eventuell einfach nicht mag, auch (oder gerade deswegen) nach einem gemeinsam verbrachten Abend nicht, und schlussfolgert: „Is it any wonder my fellow countrymen think there’s a deep well of anti-German resentment in Britain?” (Times online) [zurück]

Grundlegendes 20: German „countdown to extinction“?

„‚Es ist für Israel fünf Minuten vor Zwölf‘, sagte Niebel. Israel sollte jetzt jede Chance nutzen, ‚um die Uhr noch anzuhalten‘.Spiegel online

Während seiner ersten Afrika-Tournee als Entwicklungshilfeminister ließ er sich gern mit seinem Landserkäppchen aus glorreichen Bundeswehrtagen ablichten; Kritikern seines Auftritts hielt er trotzig entgegen, daß er seine Mütze ’seit 25 Jahren‘ trage und gedenke dies auch weiterhin zu tun, sofern er sich ‚in unwirtlichen Gebieten außerhalb von Gebäuden aufhalte‘.“
Peer Heinelt – „Erhebliche Umsätze“, konkret 4/2010

Der Vize-Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, „Landser-käppchen„-Träger und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel bringt mit zwei Sätzen zum Ausdruck, mit was man es bei der gnadenlosen Israelfreundschaft qua deutscher Staatsraison eigentlich zu tun hat. Einem nicht unerheblichen Teil der ‚liberalen‘, konservativen und rechten Deutschen, die sich für eine deutsch-israelische „Völkerfreundschaft“ engagieren, gilt Israel unausgesprochen als Staat von Deutschlands Gnaden. Dort projiziert man nichts als Deutsches in Israel hinein. Seit 1967, als die Israelis sich ihrer zynischen Meinung nach im „Blitzkrieg“ als begabte Eleven, die durch eine ‚harte deutsche Schule‘ hatten gehen müssen, erwiesen haben sollten. Mit Israel verteidigte man im deutschen Projektionswahn immer nur sich selbst. So wie sich der Großteil der Linken 1967 narzisstisch gekränkt aber gerne von seiner Solidarität mit „dem kleinen mutigen“ Land verabschiedete, so leicht wird die deutsche Rechte Israel fallen lassen. Noch erfüllt es sie mit Genugtuung, mit den israelischen Fahnen als moralischer Bestätigung auch ihr Schwarzrotgold schwenken zu dürfen, aber angesichts des sich abzeichnenden Ausstiegs der amerikanischen Regierung und der immer lauter werdenden Rufe des krisengestählten deutschen Volkes, des Fahnenmeers, in dem es begeistert, vorbehaltlos und ohne jegliches Feigenblatt badet, leitet der narzisstisch gekränkte deutsche Hundebesitzer schonmal den countdown ein…

Recommended reading:
Was bisher geschah – Die FDP braucht Ablenkung
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Later: Zum Thema gibt es ja viel absurdes zu lesen – der immer beliebte Südafrika-Vergleich bei Spon: „Für Niebel selbst aber führt vorerst kein Weg nach Gaza. Dafür aber ist bereits die nächste Reise des FDP-Mannes gesichert. Für die Bundesregierung wird er nach Informationen der ARD zum entscheidenden WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Auswahl aus Ghana reisen. Die Südafrikaner werden ihn ins Land lassen. So viel scheint sicher“ oder der Kommentar in der Süddeutschen („Ein Minister wie eine Rakete“), wo man dramatisch zwischen „imperial“ und „imperialistisch“ laviert. Am beeindruckendsten allerdings erscheinen mir die truth seekers, die sich bei Elsässers todesmutig daran wagen, die Dinge endlich mal auf den Punkt zu bringen: Niebel darf nicht nach Gaza. Die zionistischen Anführer hoffen sicherlich, sich mit der öffentlichen Demütigung eines FDP-Ministers wieder in Deutschland beliebt zu machen.“ Chris Sedlmair in den Kommentaren… Aber sicher doch!
More useful reading: Lizas Welt – Um zwölfe wird zurückgeniebelt

Lost in the sequel!

Die Nacht der lebenden Idioten“ (2006), via Reflexion

„Die Rückkehr der lebenden Idioten“ (2010), they‘re faster now and … naked!, via Reflexion

Exclusive test screening shot from the forthcoming second sequel: „Fritz – The Scary Living Idiot Rag Doll“ (wt, 2014)

via Hässliche Plastikfähnchen und Zeugs

  1. Later: Postmodernes Spin-off im Dogma-Musical-Stil, mit popkulturellen Referenzen – „Tanz der lebenden Idioten“ (2010):

Gaza-Flotilla-Triptychon: ‚Auschwitz – Hiroshima – Mavi Marmara‘ (w/ updates)

One of the most powerful integrative myths of the 1950s emphasized not German well-being but German suffering; it stressed that Germany was a nation of victims“.
Robert G. Moeller – War Stories. The Search for a Usable Past in the Federal Republic of Germany

Documenting the Testimonies of the Survivors of Israeli Massacre of Gaza Flotilla.
gazaflotillasurvivors.com

Saul K. Padover, Robert G. Moeller, Frank Stern und später Harald Welzer haben das Bedürfnis der Deutschen beschrieben, sich in ihren Opfer-Imaginationen der Bilder des von ihnen begangenen Verbrechens zu bedienen. Obwohl die entsprechenden Erzählungen bereits in den ersten Tagen nach dem Krieg einsetzten, wurde mit den aus unterschiedlichen Gründen vergleichsweise spät anlaufenden kulturindustriellen Produkten zum ‚Thema’ Holocaust/ Shoah (vgl. allg. Detlev Claussen – Grenzen der Aufklärung und ISF – Schindlerdeutsche) eine Bildsprache bereitgestellt, welcher sich die ‚deutschen Opfer’ noch leichter bedienen konnten als derer, die ihren Beobachtungen oder den Erzählungen ihrer am Verbrechen beteiligten Verwandten, Freunde und Bekannten entstammten. Diese medial präformierten Bilder stehen nun weltweit zum Abruf bereit und werden zunehmend unreflektiert (oder eben nicht) genutzt.
Der in Interviews und Berichten in den letzten Tagen mehrfach geäußerte Anspruch, wenn es tatsächlich einen ‚gerechten Kampf’ an Bord der Mavi Marmara gegeben hätte, müssten doch wenigstens ein paar tote Israelis zu sehen sein, führt auch zurück auf die narzisstische Kränkung u.a. einer Linken, die es seit 1967 nicht verwinden konnte, dass sie froh war glauben zu wollen (und es ist so konfus, wie es sich hier liest!), die Israelis hätten ihnen die Solidarität in der Opfer-Imagination ‚aufgekündigt’.
Wer vorher um der Teilhabe am ‚größten Opfernarrativ’ willen sich mit ‚den Juden’ identifizieren mochte, glaubte sich betrogen um die Möglichkeit, deutsches Opferdasein auf diesem Wege fortsetzen zu dürfen. Die deutschjubelnden Rechten, die zuvor Auschwitz meist so schnell wie möglich zu verdrängen versucht hatten, standen den Enttäuschten, die sich oft selbst wie Überlebende gerierten, näher, als beide Seiten es wahr haben wollten. Während sich die eine Seite der deutschen Opfer-Identifikation mit ‚den Juden’ endlich entledigen konnte (und das steht nicht im Widerspruch zur ostentativen Enttäuschung!), um einfach ein weiteres deutsches Opferkapitel zu schreiben, begann die andere, nun unermüdlich Deutsches („Blitzkrieg!“) in die Israelis zu projizieren und musste ‚die Juden’ endlich nicht mehr als (konkurrierende) Opfer betrachten.1
Unbestritten ist, dass es Antisemitismus nicht nur in Deutschland gab und gibt; das deutsche Verbrechen jedoch steht nicht nur in seiner ungeheuerlichen Konsequenz, sondern auch in der Selbststilisierung der Deutschen als sich nur wehrendes Opfer als nie wieder ‚gut zu machendes’ ‚Vorbild’ da. Die ausgebliebene Bestrafung ist ein unheimliches Versprechen an alle, die gewillt sind, auf ihren Pfaden zu wandeln. In den jährlichen weltweiten BBC-Umfragen zum Thema, welches Land den positivsten Einfluss auf die Welt habe, wurde Deutschland dreimal in Folge zum Sieger gekürt. Das liegt nicht daran, dass die Deutschen irgendetwas zum wieauchimmer Positiven wenden würden. Es ist evident, dass sich die deutsche(n) Opfergeschichte(n) weltweit durchsetzen konnte(n). Und der „Jargon der Eigentlichkeit“ (Adorno) ist nicht nur widerspruchslos im „Jargon der Demokratie“ (Gerhard Scheit) aufgegangen; er ist spätestens im Verlauf seiner Immerwiederverwertung zum weltweit verständlichen Identitäts-Slang, zur Lingua Franca aller nach Initiation sich Sehnenden geworden. Im Raunen, in dem das von Beginn angelegt war, im Kreisen um Fragmente, die sich um nichts als Wortstämme drehen, im Abstammungswahn, in den durchaus alltagstauglich lavierenden Anspielungen, die Eingeweihtsein suggerieren, in der Initiation qua Überlieferung, Heimat, Natur, Wesen, Struktur, Post-Struktur findet sich das Opfer all dessen, was dem widerspricht. Am Ende steht im Jargon der Wehleidigkeit dann trotz aller angeblichen Vielfalt immer derjenige als Opfer da, der es vor allem ist, weil er es nicht sein ‚durfte‘. Wo alle Opfer sein dürfen, wollen sie es auch sein. Die Mittel zur Erringung des für deutsche Ideologie notwendigen imaginierten Opferstatus sind beliebig und erstaunlich zahlreich. Das letzte Stadium ist Opferbereitschaft – wenn das erreicht ist, ist es eigentlich schon zu spät. (Dazu später mehr in „Die „Yrr“ und der weltweite Erfolg deutscher Ideologie. Vom Pays-Boche zu „the most beloved country worldwide““)
Das (mal mehr mal weniger explizite) sich Bedienen an den (unzureichenden) Bildern der Vernichtung und den Erzählungen der Holocaust-Überlebenden, die Andeutungen, mit denen suggeriert wird, man dürfe ja eigentlich nicht, aber das Gegenüber wisse schon, was gemeint sei, die ein- und zweideutigen Formulierungen etc. sind entsprechend auch nicht mehr den ‚deutschen Opfern’ vorbehalten. Im Umfeld der Berichte über die Ereignisse auf der Mavi Marmara nimmt das alles erschreckend viel Raum ein. Wenn in der englischen Übersetzung von Henning Mankells schwedisch geschriebenem Flottillen-Tagebuch die Rede ist von „I am to be deported“, ist das noch weitgehend unproblematisch, da deported im Englischen (zum schwedischen Begriff kann ich nichts sagen) ein durchaus üblicher Terminus für jede Form von Ausweisung/ Abschiebung ist. An anderer Stelle jedoch greift er, bewusst oder unbewusst, in einer kruden Mischung aus Holocaust-Opfer-Berichten und der Exodus-Verfilmung, Bilder auf, derer sich diejenigen immer wieder bedienen, die mit einer Art perversem Opferneid (vgl. zum Beispiel in einem anderen Kontext Richard Dyer zum me-tooism in White) agitieren und zugleich relativieren wollen:
As instructed, I’ve limited my luggage to a rucksack weighing no more than 10 kilos.“ Wer das angeordnet hat, ist gleichgültig. Er geht auf eine Reise, deren Ziel ihm unbekannt ist und auf der man ihm nur das Nötigste gelassen hat. „But it seems most likely to us that we’ll be challenged at the border with Israeli territorial waters by threatening voices from loudspeakers on naval vessels.“ Das ist etwas, das seiner Meinung nach vermutlich (!) geschehen wird. „Barbed wire is to be strung all around the ship’s rail.“ Es ist egal, wer den Stacheldraht angebracht hat, die Israelis zwingen die Passagiere dazu, hinter Stacheldraht zu vegetieren „Out on deck I see that the big passenger ferry is floodlit. Suddenly there is the sound of gunfire.“ + „The soldiers are impatient and want us down on deck. Someone who is going too slowly immediately gets a stun device fired into his arm. He falls. Another man who is not moving fast enough is shot with a rubber bullet. I think: I am seeing this happen right beside me. It is an absolute reality. People who have done nothing being driven like animals, being punished for their slowness.“ + „Agitation and chaos reign in this “asylum-seekers’ reception center.” Every so often, someone is knocked to the ground, tied up, and handcuffed.“ + „I think several times that no one will believe me when I tell them about this.“ + „There are a lot of us who can bear witness.“ + „They drag him off. I don’t know where. What word can I use? Loathsome? Inhuman? There are plenty to choose from.“ + „The day after, the second of June, I listen to the blackbird. A song for those who died.“ (U.a. zu lesen auf The Daily Beast: Henning Mankell – My Gaza Flotilla Diary). Die Stellen im Bericht, aus denen das reine Ressentiment hervorbricht, werden von Florian Markl beschrieben: „Unnützer Idiot. Henning Mankells Abrechnung mit Israel
In den Presse-Konferenzen zum Thema ist von Mankell noch mehr dergleichen zu hören. Und Mankell ist nur einer der vielen, die derart verfahren. (So z.B. auch Inge Höger im WDR-Interview: „Ja, ich habe gehört, dass es gezielte Kopfschüsse gegeben haben soll. Aber da ich nicht dabei war, kann ich Ihnen das nicht bestätigen.“ Außerdem wie nicht anders zu erwarten bei Elsässers usw. usf. Es lohnt sich nicht, das hier alles zu dokumentieren, da permanent Nachschub kommt.)
An Deutlichkeit tatsächlich noch übertroffen wird diese Strategie auf einem Blog, der in eindeutiger Anspielung „Gaza Flotilla Survivors“ benannt wurde. In der Unterzeile heißt es: „Documenting the Testimonies of the Survivors of Israeli Massacre of Gaza Flotilla.“ Eine Beitragsüberschrift lautet z.B. „Gaza activist [sic] ’shot every minute‘“. Auf der Mavi Marmara, so wird nahe gelegt, ging es zu wie in den Vernichtungsfabriken der Nazis.
Die apokalyptischen Visionen derer, die in den Juden/ in Israel den Endgegner sahen und sehen, werden auf Telepolis repetiert: „Macht versus Recht. Wie werden wir uns in diesem weltweiten Konflikt entscheiden? Das geht nicht nur die so genannten Großen dieser Welt etwas an. Auch Sie auf diesem Platz sind jetzt gefragt.“ Auch deren Opferbereitschaft: „Ich wusste also, was ich tat, als ich mich nach diesem Gaza-Krieg auf die Freiwilligenlisten der Free-Gaza-Movement setzen ließ. Und ich nehme an, dass auch alle andern auf der Liste wussten, worum es dabei geht: Im worstcase [sic] um Leben oder Tod.“ Am Ende werden die Toten der Bewegung beschworen: „Das muss man sich vor Augen halten, wenn wir jetzt an unsere GAZA-Movement-Toten denken. Sie sind, auch wenn sie das Leben noch so sehr lieben mochten [!], nicht blind, sondern letztlich freiwillig in den Tod gegangen, in einen Tod durch Israel. Das mindert unsre Trauer nicht; es erhöht nur den Respekt, den wir nunmehr diesen Toten schulden. Sie sind für eine Sache gestorben, die ihnen in letzter Konsequenz wichtiger war als ihr eigenes Leben“. (Georg Meggle – Militärische Macht oder Internationales Recht?)

Am Ende deutscher Ideologie … ist der „Tod durch Israel“ ein Anlass für Respekt! Und ein intendiertes Fanal für die sich immer nur deutsch Wehrenden:
Mankell said he would take part in the campaign again. He said: „Of course – in a year’s time there is a plan to return. And then there could be hundreds of boats. And what will the Israelis do then? Release a nuclear bomb to stop us?“ (Henning Mankell on Gaza flotilla attack: ‚I think they went out to murder‘, The Guardian online).

Recommended reading:
Saul Friedländer – Kitsch und Tod
Herbert Marcuse – Feindanalysen. Über die Deutschen
Gerhard Scheit – Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt
Joachim Bruhn/ Jan Gerber – Rote Armee Fiktion
Leon Poliakov – Vom Antizionismus zum Antisemitismus
ISF – Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten. Über Israel und die linksdeutsche Ideologie
und so ziemlich alles, was hier jemals unter recommended reading gelistet wurde…

  1. Zu den gefährlichen Implikationen rechter so genannter Israel-Solidarität von beispielsweise PI-News ist ein längerer Artikel in Arbeit. [zurück]

Later – mehr zum Thema:
normblog – Voice of restraint , via Yaacov Lozowick’s Ruminations
Z Word Blog – Israel = Nazi Germany Says Top Irish Writer, via normblog, s.o.
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Solidarität mit Israel! Demonstration in Frankfurt, Sonntag, 20. 06. 2010, 13 Uhr, Bornheim Mitte/Am Uhrtürmchen, (Haltestelle der Linie U4 – vom HBF zu erreichen: Bornheim Mitte)
Aufruf der Gruppe Morgenthau – Antisemitismus ist keine Abenteuer-Kreuzfahrt
Für die Antizionisten und Antizionistinnen stand der Erfolg der Aktion von Anfang an fest: würden sie Gaza erreichen, hätten sie einen Präzedenzfall geschaffen; würden sie gestoppt, würde Israel von allen Seiten dafür verurteilt werden, gegen friedliche Demonstranten militärisch vorzugehen. „Hitler hat Konzentrationslager in Europa errichtet. Jetzt errichtet der Zionismus Konzentrationslager in Palästina. Daher wende ich mich an Israel: bedenkt, wie ihr diese Krise richtig löst. Wenn ihr unsere Kampagne zu stoppen versucht, werdet ihr von der ganzen Welt isoliert. Ihr werdet euch nur selbst Schaden zufügen. Das sind humanitäre Hilfsschiffe. Wir haben nicht ein einziges Klappmesser an Bord”, erläuterte der Chef der IHH, Bülent Yildirim, im Hafen von Istanbul die Taktik. Auch der Hamasführer Ismail Hanyieh wusste um die vorteilhafte Situation: „Wenn die Schiffe Gaza erreichen, ist das ein Sieg – und wenn sie von den Zionisten terrorisiert werden, ist das ebenfalls ein Sieg.“

Vgl. zu „Wir haben nicht ein einziges Klappmesser an Bord…die Selbst-Dokumentation (Cultures[!]OfResistance.org) von der Mavi Marmara, more details via Eamonn McDonagh – Mavi Marmara: A Whole Lot of Praying…, Z-Word Blog*

Transkript ab 16:46, not sure who they‘re talking about: „So what are you guys… what’s, what’s happening?“ … „They get … off, they get dropped off.“ „Would it be like landing helicopters?“ … „These guys, these guys, these guys, they’re not like us. … They’re like, they’re ready to … these … things.“ „Yeah.“ … „So, they’re ready to fight. Whatever, whatever happens.“

18.06.2010: „Kein Zufall daher, dass die an Bord der »Mavi Marmara« festgenommenen Bundestagsabgeordneten ihre Abschiebung zurück nach Deutschland als »Deportation« bezeichneten. Und erst recht kein Zufall, dass Norman Paech, auf der oben zitierten Veranstaltung, für den nächsten »Free Gaza«-Konvoi von Begleitschutz durch die deutsche Marine träumte. Mit deutschen Kanonenbooten den zionistischen Völkerrechtsverächter in die Knie zwingen: Das wäre der ultimative Entlastungsangriff für Auschwitz.Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten – Frieden ist Krieg
nexusrerum – ARD: Monitor und die davor

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* Die Deklaration des Filmmaterials als „Raw Footage“ bedeutet hier erkennbar nicht, dass die Kamera ununterbrochen gelaufen ist bzw. dass die Reihenfolge der Aufnahmen dem tatsächlichen zeitlichen Ablauf entspricht oder mit den Bildern alle relevanten Ereignisse belegt werden können. Der Terminus „Raw Footage“ dient entsprechend auch als Gegenbegriff zur wiederholt als gefälschtes Material bezeichneten (vgl. Paech etc.) Dokumentation der Angriffe der Passagiere auf die Israelis.

„Verhältnismäßigkeit der Mittel“ II: „Der Jude unter den Staaten“ (w/ updates)

Petitioners demand Israel to be stripped of its UN membership:
We, the undersigned citizens of the world, call on the United Nations General Assembly to rescind Israel’s membership in the UN, as a step toward ending Zionist apartheid.

A reminder of what the UN represent these days:

+
Leon de Winter – Only Wake the EU and UN if Jews Did It

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HH, Kennedybrücke, Alster (Außenalster), Sonntag, den 6. Juni um 15 Uhr: SOLIDARITÄT MIT ISRAEL

Solidarität mit Israel! Kundgebung vor dem Karl-Liebknecht-Haus, Samstag, 12. Juni 2010, 13 Uhr, Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin-Mitte
+ kotzboy.com – israelsoli I
+ Redebeiträge

Sonntag 13. Juni, Berlin: Kundgebung „Solidarität mit dem legitimen Verteidigungskampf Israels-Free Gaza from Hamas“, 14 Uhr, Breitscheidplatz

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Updates:
Instant Coffee – Unnützer Idiot. Henning Mankells Abrechnung mit Israel
Henryk M. Broder – Laudatio auf Marcel Reich-Ranicki, Dokumentation auf Spiegel online, mit mindestens einer Auslassung: „Verehrter Marcel Reich-Ranicki, droga Pani Teofila, verzeihen Sie mir, dass ich der Versuchung nicht widerstehen konnte, über ein Thema zu sprechen, das mir wie kein anderes am Herzen liegt. Zwischen Ihren Erfahrungen in der Vergangenheit und der Zukunft Israels gibt es eine Verbindung: Es wäre Ihnen einiges erspart geblieben, wenn es diesen Staat schon vor 70 Jahren gegeben hätte. Ihr Leben wäre weniger ereignisreich verlaufen, Ihre Erinnerungen wären unter dem Titel ‚Mein Leben im Kibbuz‘ [Auslassung, in der gehaltenen Rede folgte: „oder ‚Mein Leben als Tsahal-General‘“] erschienen, es wäre alles nicht so spektakulär, dafür aber bekömmlicher gewesen.
Video in der ZDF-Mediathek
Was die Pixies können, kann ich auch: Deleted from friends! „And you‘ll ask yourself/ Where is my mind/ Way out in the water/ See it swimmin‘“ Obviously!
+ Adäquater Kommentar in der comment section der Pixies Myspace-Seite: „hey pixies – if you really want to accomplish your goals, i suggest you stop working with all jewish producers and musicians, and have someone at the door to all of your shows who will deny entry to jews. you can never be sure who supports israel…“ (Jon Madof)
+ Krawalla: „hello picnic festival. if you want to book us to replace the boring bands pixies, gorillaz, klaxons or from me out also santana… we would come. no problem!!! ♥
Elder of Ziyon – Reuters tries to minimize photo deceptions (updated) via Offensive Selbstverteidigung – Pressefreiheiten
Original-Fotostrecke, Hürriyet
Lizas Welt: Stefan Frank – Im Dialog mit „Pax Christi“
Vgl. dazu: „Organizer of ‚Freedom Flotilla,‘ Bülent Yıldırım, in a Hamas Rally in Gaza: ‚All the Muslims of the World Will March to Gaza‘ (Archival)“, Februar 2009, MemriTVVideos
Vgl. dazu auch: Georg Meggles ‚philosophische‘ Ausführungen bei Telepolis: Militärische Macht oder Internationales Recht? : „Ich wusste also, was ich tat, als ich mich nach diesem Gaza-Krieg auf die Freiwilligenlisten der Free-Gaza-Movement setzen ließ. Und ich nehme an, dass auch alle andern auf der Liste wussten, worum es dabei geht: Im worstcase um Leben oder Tod. Das muss man sich vor Augen halten, wenn wir jetzt an unsere GAZA-Movement-Toten denken. Sie sind, auch wenn sie das Leben noch so sehr lieben mochten, nicht blind, sondern letztlich freiwillig in den Tod gegangen, in einen Tod durch Israel.
+ I demand all European countries (including Turkey) to be stripped of their UN membership: Aufgrund der maßgeblich von den Deutschen geprägten Flüchtlingspolitik der EU-Staaten starben allein von 1988 bis 2006 mindestens 15.000 Menschen an europäischen Grenzen oder auf dem Weg nach Europa. Von ihnen wurden „217 [von Grenzpolizisten] erschossen […], davon 37 in den spanischen Enklaven in Marokko Ceuta und Melilla, 28 im Van Distrikt in der Osttürkei nahe der iranischen Grenze, einige von deutschen, französischen, spanischen und schweizer Polizisten.“ (Quelle: migration.ekbo.de, PDF) Und das obwohl die Lage Europas mit der Israels nicht einmal ansatzweise vergleichbar ist, und es sich bei den getöteten Flüchtlingen vermutlich höchstens im Promillebereich um Unterstützer von Terror mindestens exkulpierenden Organisationen gehandelt haben dürfte usw. usf.
Spirit of Entebbe – Gysi nach Gizeh

Die syrische Diplomatin Rania Al Rifaiy bei der UNO: „Let me quote a song that a group of children on a school bus in Israel sing merrily as they go to school: ‚With my teeth I will rip your flesh, with my mouth I will suck your blood.‘“ „While Syria’s statement went unchallenged Tuesday, the council president interjected when Canada used the word „regime“ in a statement condemning of human rights abuses in Canada’s version of an „axis of evil:“ Iran, Myanmar and North Korea.Steven Edwards – Syrian envoy’s attack on Israel threatens to foil U.S. diplomatic drive, via UN Watch

Report Mainz – Fragwürdige Friedensmission via Torsun
A delegation of gay residents of Tel Aviv has been banned from joining a gay pride march in Madrid because authorities in the Israeli city have not condemned the recent attack on the Gaza flotilla.“ (The Guardian online) via WADIblog

normblog – Israel, human decency, common humanity (by Eve Garrard) via Yaacov Lozowick’s Ruminations

Spirit of Entebbe (zum Interview der Zeit mit Daniel Barenboim) – Einfach denken
Hamburger Studienbibliothek – Kriegstreiber in Hochstimmung, oder: Aus dem Paechschen Paralleluniversum
Khatchig Mouradian – Mouradian: ‘Missing Hitler’s Spirit’: The Problematic Post-Flotilla Discourse in Turkey (Armenian Weekly), via Z-Word Blog

Bernard-Henri Lévy – It’s time to stop demonizing Israel (Haaretz.com)

18.06.2010: WADIBlog – We are sailing…
20.06.2010: Nichtidentisches – Israelische Verteidigung

D-Day

June 6, 1944

„Verhältnismäßigkeit der Mittel“* (w/ updates)

Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Brutalität [der IDF, J6ON].“ (Norman Paech, 1.6.2010, Spiegel online)

Oder der außenpolitische Sprecher der Linkspartei, Norman Paech […]: Die Juden, pardon, die Israelis haben »ein Massaker unter der Bevölkerung des Gazastreifens angerichtet«, ein »furchtbares Gemetzel«, ihre Politik »ist kriminell«, sie begehen »eindeutige Kriegsverbrechen«, sie sind »zynisch«, »barbarisch«, treiben »Exzeß«, »Strangulierung und Entwürdigung«, »Schande«. “ (Herman L. Gremliza, Konkret 02/09, Hervorhebung d. Zitate J6ON)

If the ships reach Gaza, it’s a victory for Gaza,“ Haniyeh told some 400 supporters […]. „If they are intercepted and terrorized by the Zionists, it will be a victory for Gaza, too, and they will move again in new ships to break the siege of Gaza.“ (Haniyeh: Gaza flotilla a triumph, Jerusalem Post)

Right now we face one of two happy endings: either Martyrdom or reaching Gaza.“ (Teilnehmerin der „Free Gaza-Flottille“)

* „Weltweit hat im Vorfeld etwaiger Auseinandersetzungen künftig angerufen und gefragt zu werden, welche Waffen ‚Friedens- und andere Aktivisten‘ einzusetzen gedenken – worauf sie nur noch ehrlich antworten müssen. Die Einsatzkräfte werden dann identisch ausgestattet!“ Anweisung der deutschen Bundeskanzlerin, des deutschen Regierungssprechers, des außenpolitischen Sprechers der FDP usw. usf.
* Die mit „unseren deutschen Teilnehmern“ solidarischen Freiburger trafen sich gestern, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Mittel im deutschen Verhältnis zum Anlass gewählt zu werden haben, zur Mahnwache auf dem „Platz der Alten Synagoge“: „Die Wettbe-werbsauslobung gab den Teilnehmern des Wettbewerbs als Ziel vor, den Platz einerseits als einen lebendigen Platz der Bürgerschaft und als Ort der Kommunikation zu entwickeln, andererseits aber auch die Interessen der Universität an einem möglichst störungsfreien Lehr- und Lernbetrieb zu berücksichtigen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Erinnerung an die frühere, in der Reichpogromnacht zerstörten [sic] jüdische Synagoge und ihre damalige Bedeutung als Zentrum des jüdischen Lebens in Freiburg. Zu den Wettbewerbsvorgaben gehört darüber hinaus die Berücksichtigung und gestalterische Integration der geplanten Stadtbahnstrecke sowie der erforderlichen Verkehrsflächen für Lieferverkehr, Fahrradverkehr usw. im Rahmen der geplanten Fußgängerzone. Eingeflossen sind zudem die Ergebnisse einer Planungswerkstatt mit ca. 40 Bürgerinnen und Bürgern, die die Verwaltung im Dezember 2004 zur Vorbereitung des Wettbewerbs durchgeführt hatte.“ (Stadt Freiburg im Breisgrau – Wettbewerb Platz der Alten Synagoge)

Recommended reading:
Arnon Ben-Dror – Wer steht hinter der Flottille nach Gaza?
Lizas Welt – Aufgebrachte Narrenschiffe
Yaacov Lozovick – Gaza Flotilla in Context/ see also comments section
Vgl. dazu auch: „Israelischer Soldat beschreibt den gewalttätigen Mob an Bord der Mavi Marmara
dissonanz – Von angriffslustigen „Friedensaktivisten“ und ihrem Erfolg
Hinweise auf weitere Texte in den Links der genannten Beiträge
Zum allgemein in den deutschen Medien ‚beklagten‘ Verlust des „einzigen verlässlichen Verbündeten in der Region“ (Spiegel online): „Erdogan ve Shimon Peres „Davos“ Eklat

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Updates:
aa:b – Stoppt das Massaker in Gaza – Über Linke und ihre Freunde
PMW Bulletins – More documentation of flotilla planning violence against Israel (via WADIblog)
MEMRI – Arab Media Reports on Flotilla
Nichtidentisches – Der Gaza-Gambit
Instant Coffee – Ein Schiff wird kommen
Ulrich W. Sahm – Propagandaschlacht auf hoher See
Yaacov Lozowick – Diplomatic Entebbe
Leon de Winter im Interview – «Bei der Abfahrt des Schiffes wurde gesungen: ‹Tod den Juden›»

+ Am Ende der Emanzipation steht Segregation?
Annette Groth im ZDF-Interview: „Also, Sie wissen ja, wir Frauen waren im Unterdeck, also im Frauendeck. Männer und Frauen waren getrennt untergebracht auf diesem Schiff“.

Henning Mankell will nicht gehört haben, dass „Tod den Juden!“ gerufen wurde. Und ein Antisemit sei er „natürlich“ auch nicht. Wäre jedoch alles mit rechten Dingen und verhältnismäßig und überhaupt zugegangen, hätte sich wohl der eine oder andere totschlagen lassen müssen, denn „[z]war habe er ‚nicht viel gesehen‘, aber die Tatsache, dass unter den Toten keine Israelis seien, spreche doch für sich.“ (Reinhard Mohr – „Die Israelis hätten auf die Schiffsschrauben zielen können“, Spiegel online, 3.6.2010)

Lizas Welt – Die Banalität des Guten
Instant Coffee – Antisemiten außer Rand und Band
Cosmoproletarian Solidarity – Free Gaza from Hamas
ADL – The Gaza Flotilla Affair
WADIblog – Die Türkei hat längst die Seiten gewechselt

18.06.2010: „Millions of martyrs marching to Gaza“, Bulent Yildirim (IHH) an Bord der Mavi Marmara, YouTube, via nexusrerum

Deutsches Fräuleinwunder