Zwei sehr deutsche Schriftsteller machen sich Gedanken über den Tod…

… und haben denselben geradezu unvorstellbar (ha!) lustigen Gedanken. Sowas fällt einem aber auch nur auf, wenn man seit ‚frühester Jugend‘ mal mehr, meist weniger begeisterte Bachmann-Wettbewerb-Zuschauerin und mit einem Gedächtnis verflucht ist, das immer nur das Vernachlässigenswerteste speichert (oder denen, die unbedingt Bücher von Thor Kunkel UND Frank Schätzing lesen wollen…?…??… Nope! One of them is more than you can bear!).

1999 jedenfalls las Thor Kunkel einen Ausschnitt aus seinem Roman „Das Schwarzlicht-Terrarium“ und gewann damit, nicht den Ingeborg Bachmann-, zumindest aber den Ernst Willner-Preis. An Folgendes erinnerte ich mich unsinnigerweise noch 11 Jahre später:
Während er vor sich hin löffelt, betrachtet er den Becher, nicht weil ihm die Aufmachung gefällt, sondern um zu verstehen, was er ißt: Pfirsich-Maracuja , na, gibt’s denn so was… Das Verfallsdatum ignoriert er, so gut es geht. Er ist nicht abergläubisch, aber ihn plagt seit langem die Vorstellung, irgendeine dieser profan ausgedruckten Stempelziffern würde den Zeitpunkt seines Exitus festsetzen… Er würde quasi sein eigenes Verfallsdatum lesen… Und ist es nicht höchst wahrscheinlich, daß alle Menschen ihrem Todesdatum zum ersten Mal im Supermarkt begegnen? Bei einem unschuldigen Einkauf? Einem Griff ins Kühlregal?“ (Thor Kunkel – Das Schwarzlicht-Terrarium)

Und zwar während meiner unfreiwillig ausführlich geratenen Lektüre des „Schwarms“ von Frank Schätzing, wo es Nachstehendes zu lesen gibt:
Auch ich werde irgendwann tot sein, dachte er. Seit Lund in der Welle umgekommen war, dachte er oft an den Tod. Nie hatte er sich alt gefühlt. Jetzt war es mitunter, als habe ihm die Vorsehung einen Prägestempel aufgedruckt wie einem Joghurtbecher, und jemand schien ihn zu betrachten und zurück ins Regal zu stellen, weil er kurz davor stand abzulaufen.“ (Frank Schätzing – Der Schwarm, 2005, S. 513)

Thor Kunkel schrieb später einen Roman, den Rowohlt nicht so richtig veröffentlichen wollte, dafür Eichborn (wo bereits zuvor das Büchernörgeli verbrochen wurde). In „Endstufe“ geht es u.a. um Porno-Produktionen im „Dritten Reich“, und was es weiter dazu zu sagen gibt, hat Jörg Sundermeier schon 2004 aufgeschrieben: „Nationalsozialismus: Kein Licht im Kunkel. »Endstufe« von Thor Kunkel gilt als Skandalroman. Es ist erbarmungslos schlechter Nazi-Pulp…“ (haGalil.com)

Zu Schätzing gibt’s, wie erwähnt, später mehr…


3 Antworten auf „Zwei sehr deutsche Schriftsteller machen sich Gedanken über den Tod…“


  1. 1 Cyrano 08. Mai 2010 um 18:51 Uhr

    Also wirklich… Das ist jetzt schon der zweite Schätzing-Teaser… nu ma her mit dem Artikel ;-)
    Was mich an den zitierten Stellen (außer, dass man mit grauen sich ausmalen könnte, was passieren würde, wenn irgend ein Blogger deren Ähnlichkeit Aufzeigt, Feullieton-Plagiatsdebatten, Talkrunden bei Harald Schmitt, Intertextualitätstheorien und „maschinisiere Avantgarde“ zu besten Sendezeit … aber halt, gabs das nicht schonmal? Und braucht das als Bindeglied nicht „a Wunderkind? puh…), besonders beeindruckt, ist die vollkommen willkürliche, gleichzeitig zwanghafte Assoziation.
    Da tut man, um der Modernität willen, dem assoziativen Schreiben solche Gewalt an, dass das Ergebnis zugleich willkürlich (also im weitesten Sinne frei), und doch so unsinnig ausgedacht wirkt, dass keinerlei Glaubwürdigkeit aufkommt. Dies vorausgesetzt, ein Autor hat vom andren abgeschrieben. Ansonsten scheint der Wahrenfetisch tiefer ins kollektive Geächtnis eingeschrieben, als auch ich es mir bis jetzt vorstellen konnte: Da wird die Macht, die der Natur zugeschrieben wurde, über unsre Zukunft zu weissagen, dem Vogelflug, den Sternenbahnen, etc…, also in die massenproduzierte Wahre projeziert. Wollen Schätzing und Kunkel das ausdrücken? Sind sie vielleicht, (sich und dem Leser) unbewusst, durchaus große Literaten? Dringen den Dingen auf den Grund? Kommt die Bedrohung im „Schwarm“ nicht aus der Tiefe?
    Bevor mehr zu Schätzing kommt, muss ich mir den Typen wohl mal geben ;-)

  2. 2 junesixon 08. Mai 2010 um 20:07 Uhr

    Ja! Shoot me!
    Das Assoziieren (ums eklektische ‚Werk‘ herum) und das Drüberbügeln ziehen sich und den Text in erbarmungslose Länge…
    + Imagine broadly grinning object now!
    + „Kommt die Bedrohung im „Schwarm“ nicht aus der Tiefe?“ – Ganz und gar nicht! Q.e.d.
    + „muss ich mir den Typen wohl mal geben“ – Für den Fall, dass das tatsächlich geschehen sollte, ein nett gemeinter Ratschlag: Mindestens zwei Bleistifte (eher weiche, 2B Minimum, s.u.) bereithalten. Die verbraucht man im Verlauf des ‚Lesens‘. Beim ersten erleidet die Mine recht schnell mehrfache Brüche … Mit dem zweiten wurden bis dato ungeahnte Formen von Frage- und Ausrufezeichen geschaffen. Es ist außerdem angeraten, nicht übermäßig anzuspitzen, Papier ist schnell mal duchstoßen und zerfetzt… Otherwise: Enjoy!

  3. 3 junesixon 23. Mai 2010 um 23:33 Uhr

    An dieser (please explain!) Stelle hätte secret.tv gerne Werbung für Glücklicheslebennachdemmayakalender gemacht. Für derart unspektakuläre Mitteilungen ist der Platz nicht zu haben. Sobald allerdings mitgeteilt wird, dass secret.tv kundzutun wünscht, man sei in sich gegangen und halte nunmehr alles, was man bis dahin verzapft hat für absoluten Blödsinn, wird der Raum gerne gewährt.
    Looking forward
    J6ON

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