Archiv für Februar 2010

„Volk ohne Wohnraum“ – Warum niemand Gisela Elsners „Fliegeralarm“ lesen wollte

Plötzlich donnerte die erste Bombe. Heute Nacht, um halb Acht, wenn die Fliegerbombe kracht und der Bauch explodiert, kommt ein Blindgänger herausspaziert, Heil Luftschutz, sang ich, während ich ohne jegliche Eile, gefolgt von meiner mich immer zur Eile drängenden Mutter, hinter meinem Bruder, der wie ich keine Eile an den Tag legte, die Treppe zum Erdgeschoss der Siedlungshaushälfte, die meinen Eltern gehörte, hinunterstieg.“ (Gisela Elsner – Fliegeralarm, Ausgabe von 1989)

Spiegel online „Eines Tages“, der Wühltisch für deutsche Geschichten, dessen Lay-Out sich ganz gewiss nicht aus Versehen an dem einschlägiger Sensationsliteraturversender (Sittengeschichte, „Drittes Reich“, Panzer oder Flugzeugs, ‚Aufklärungsliteratur’, Sternzeichenküche, „Drittes Reich“ etc. pp. blabla) oder des 2001-Versands (auch noch Drogen, huh!) orientiert, gibt die Leiden der Deutschen im „Bombenkrieg“ (© by die leidenden Deutschen) in Tortendiagrammen wieder. Unter der Überschrift „Karte des Grauens: Alles über den Bombenkrieg“ findet man einen Ausschnitt des beige-gelben (?) Deutschland in den Grenzen von 1937, unschön bestückt mit grau-roten Kreisen – feldgrau bedeutet unversehrte, rot kaputte Häuser (deutsche Opferfarben according to SponET: grau, rot, beige-gelb; sehr unaufdringlich!). In Dresden waren prozentual (laut Tortendiagramm) nicht so viele Häuser kaputt wie in Köln oder Düsseldorf. Und trotzdem: Wenn man die Städtenamen anklickt, findet man die von SponET eingeforderten Geschichten zum „Bombenterror“, bei Dresden gibt es (derzeit) fünf mehr oder weniger home stories, bei Köln eine und Düsseldorf meldet sich gar nicht. Kassel war wohl am kaputtesten, aber das kümmert niemanden, auch die Kassler offenbar nicht. Wie auch immer: Besonders beeindruckend sind naturgemäß die Geschichten der ‚ganz kleinen Deutschen’ (damals), der niedlichen blondgelockten Unschuldsengel, die jetzt endlich mit dem rausrücken dürfen, was die Kinder und Enkel nicht zum hundertsten Male mehr hören wollten und das vor den Augen der ganzen Nation. Es leidet gerne im Präsens, das ehemalige deutsche Kind, wie ein Retraumatisierter, soviel hat es im Deutschunterricht und in der Gesprächstherapie gelernt. Und es bedient sich gerne kindlicher Devotionalien, der Liebe zum großen Bruder beispielsweise und des zerfetzten Teddies. Ja, traurig, aber die Reinfantilisierung enthebt die „Deutschen Opfer“ praktischerweise der Reflexion des Geschehens, das eben nicht sinnlos und vollkommen ungerechtfertigt daherkam. Unschuldig wie die Kinder wähnten sich die Deutschen an den Verbrechen des durch sie erst konstituierten Volkes seit der ominösen ‚Stunde Null’. In den reflexionslosen Erzählungen derer, die es damals waren, schließt sich der Kreis endlich. Und nun greift er, der ersehnte deutsche Zirkelschluss: Sobald nur noch die Kinder berichten können, hat es auch nur unschuldige Kinder gegeben. Aus der Perspektive des verängstigten Kindes werden auch die Tätereltern für unschuldig erklärt; sie sind Helden oder Retter oder wenigstens Tröster – nicht mehr verhasste Naziväter und -mütter wie im Idealfall bei Niklas Frank oder schon problematischer bei Malte Ludin („Zwei oder drei Dinge, die ich über ihn weiß“).
Kein Wunder also, dass man das kindliche Zeitgenossenerzählen so schätzt, nur das von Gisela Elsner (1937 – 1992) nicht, die die notwendige Reflexion vorsorglich ins Kind projizierte und den tragic relief klarsichtig zu verhindern versuchte. Das Desinteresse am Roman resultierte mit Sicherheit nicht aus der „schlampig redigiert[en]“ (Der Tagesspiegel) Ausgabe des Romans „Fliegeralarm“ beim Zsolnay Verlag (1989, die vorliegt und trotz allem ausgesprochen lesbar ist). Was Gisela Elsner verfasst hat, kann man auch nicht als Avantgarde des deutschen Bombenerzählungs- oder Luftkriegsromans betrachten (vgl. ebd.) – es ist das Gegenteil – nicht von Avantgarde, sondern vom nunmehr Genre. Wie es richtig im Ankündigungstext der überarbeiteten Neuauflage beim Verbrecher Verlag beschrieben wird, ist das Buch eine „rabenschwarze Satire“ in der „Elsner eine Gruppe von Kindern vor[führt], die in den Trümmerlandschaften, die die Bombenangriffe in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges hinterlassen haben, regelrecht aufblühen. Im Gegensatz zu den Erwachsenen begrüßen die Kinder die Bombenangriffe, verschaffen diese ihnen doch immer neue Abenteuerspielplätze. In ihren Spielen imitieren die Kinder auf makabere Weise die Prinzipien und Strukturen des NS-Staates. Sie bezichtigen ihre Eltern der Feigheit, wobei sie selbst „hart wie Leder, zäh wie Kruppstahl“ sein wollen. Doch bald bemerken die Kinder, dass ihnen für das authentische Nachstellen der NS-Zeit noch etwas Entscheidendes fehlt: ein KZ und ein „Jude“…“
Wer will sowas schon lesen?

Grundlegendes 17: Und wenn der Antisemit wie üblich tatsächlich meint, was er sagt?

„“Israel muss von der Landkarte getilgt werden“, rief Ahmadinedschad auf Persisch und erhielt Applaus von rund 4000 Studenten.“ (Ulrich W. Sahm – Die Juden ins Meer treiben. Israel von der Landkarte tilgen, haGalil.com)

„Hitler hat der Menschheit eine wichtige Lektion erteilt: Wenn du einen Nazi siehst, einen Faschisten oder einen Antisemiten, dann mußt du sagen, was du siehst. Wenn du etwas rechtfertigen oder entschuldigen willst, dann beschreibe genau, was du damit herunterspielst. […] Wenn die Anschläge auf die Zwillingstürme in New York durch antisemitische Motive begründet waren, dann sollte man es sagen. Wenn ein malaysischer Präsident antisemitische Ansichten äußert, darf man nicht versuchen, das Unentschuldbare zu entschuldigen. Wenn eine selbsternannte Befreiungsorganisation die Vernichtung des jüdischen Staats verlangt, darf man nicht so tun, als verlange sie etwas anderes. Wo die Klarheit aufhört, da beginnt die Mittäterschaft.“ (Doron Rabinovici et al. – Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte, Einleitung)

„Was der Antisemit wünscht und vorbereitet ist der Tod des Juden.“ (Jean Paul Sartre – Überlegungen zur Judenfrage)

IAEA besorgt über möglichen Bau der Atombombe: Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde halten es für möglich, dass Iran bereits an der Entwicklung eines atomaren Raketensprengkopfes arbeite. Yukiya Amano, der neue IAEA-Generaldirektor, sprach von „in sich schlüssigen und glaubhaften“ Informationen zu möglichen Aktivitäten, die im Zusammenhang mit Nuklearwaffen stehen könnten.“ (Zeit online)

Grundlegendes 16: Dresden 2011

Am Abend wird hier der Opfer der Bombenangriffe und des Naziterrors gedacht. Das ist man, sagen viele Dresdner, den 25.000 Toten des 13. Februar schuldig.“ (n-tv)

Nachdem es in diesem Jahr, ganz offiziell und von allen einschlägigen deutschen Medien bejubelt, die Händchen haltenden („Ich find‘ des cool, weil es ist so … eins…“ 2:00) und mit Blumen verzierten Menschenkettendeutschen um die Dresdner Bürgermeisterin Orosz geschafft haben (Later: Ja, ich weiß!), dass „die Nazis“ (© Ausosten-tativemabgrenzungsbedürfnis by „Die echt trauernden Deutschen“) vorm Bahnhof rumzulungern hatten (was vielen von ihnen aus den Kleinstädten, denen sie stolz entstammen, bekannt sein dürfte – am Bahnhof zumindest besteht ja eventuell die Möglichkeit, mal was „Artfremdes“ mindestens anzuglotzen)… Nachdem auch „No Pasaran“ über die zum Anlass eingerichtete Twitter-Seite verkündete „Das ist ein Riesenerfolg für Dresden!“ und auf de.indymedia.org trotzdem rumgejammert wurde, der eigene Anteil an der Blockade (an die Adresse der Jammernden: Ein paar Tausend Nazis zum Anhalten zu zwingen, schafft jeder durchschnittliche deutsche Sommerstau.) werde von den deutschen Medien nicht entsprechend gewürdigt… Nachdem also in Dresden alles wie eh und je, nur noch viel selbstzufriedener betrauert werden kann, wäre es vielleicht dann doch endlich an der Zeit, sich Jan Gerbers nahezu drei Jahre alten aber nach wie vor aktuellen Artikel zum Thema zu Herzen zu nehmen und die Konsequenzen1 daraus für Dresden 2011 zu ziehen.

Excerpt Jan Gerber – Der linke Dresden-Schwindel. Wieso eine Kritik der deutschen Erinnerungskultur (Phase 2, 23/2007 und aad): „Als eine Dresdner Antifa-Gruppe am 13. Februar 2000 kritisch in das Gedenken intervenieren wollte und an den Zugängen zur Frauenkirche Leinwände aufbaute, auf denen ein Film über Auschwitz gezeigt wurde, blieb der erhoffte Effekt aus. Bereits diese Aktion, die in eine Zeit fiel, als die Erinnerung neuen Typs in Dresden noch keine ernsthafte Konkurrenz zum Gedenken alter Schule darzustellen schien, wurde von den PassantInnen weniger als Provokation, sondern vor allem als Bereicherung des Gedenkereignisses »13. Februar« wahrgenommen. […] Gerade diese Abgrenzung zu den Neonazis ist mittlerweile zu einem der wichtigsten Symbole des neuen 13. Februars geworden. Wurde der Neonaziaufmarsch lange Zeit aus gutem Grund ignoriert – eine kritische Auseinandersetzung mit ihm hätte gezeigt, dass das offizielle Gedenken kaum von den Ritualen der Neonazis zu unterscheiden war –, trat 2004 erstmals eine breite zivilgesellschaftliche Initiative gegen die Demonstration auf den Plan. Im letzten Jahr organisierte schließlich bereits ein Bündnis aus mehr als 20 Organisationen eine »Demokratiemeile« gegen den Aufmarsch; vor der Frauenkirche gab es eine Kerzeninstallation, die die Worte »Diese Stadt hat Nazis satt« zeigte; Ordnungsbürgermeister Sittel (CDU) rief die Bürger dazu auf, Naziaufmärsche gemeinsam und »konsequent« zu verhindern; ein Repräsentant der DGB-Jugend erklärte, dass dem »braunen Mob« nicht die Straße überlassen werden dürfe; und VertreterInnen der Kirchen, der PDS, der SPD und der Grünen beteiligten sich an einer Straßenblockade. Nur zwei Wochen nach dem 13. Februar stellte die Staatsanwaltschaft schließlich die Ermittlungsverfahren gegen TeilnehmerInnen dieser Blockade ein. Die Begründung: Es bestehe kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung.“ (Hervorhebungen J6ON, mal wieder zu Recht!)

  1. Noch mehr zum Thema: „Kritik der Dresdner Zustände – Gegen Geschichtsrevisionismus, Opferkult und inhaltlich verflachten Aktionismus“ [zurück]

In view of the occasion: A tribute to Leslie Howard

„Never in the field of human conflict was so much owed by so many to so few.“ (Winston Churchill)

Leslie Howard (Leslie Howard Steiner, Sohn einer britischen Jüdin und eines ungarischen Juden) wurde im April 1893 in London geboren. Der erfolgreiche Schauspieler arbeitete im Zweiten Weltkrieg für den britischen Geheimdienst und spielte 1942 die Hauptrolle in „The First of the Few“ (Regie: Leslie Howard) – der Titel ist eine Anspielung auf Winston Churchills Dank an die britische Luftwaffe in der Battle of Britain. 1943 wurde das Flugzeug, in dem Howard sich befand von den Deutschen abgeschossen. Es wurde kolportiert, die Deutschen hätten Churchill in der Maschine vermutet. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass sie es tatsächlich auf Howard abgesehen hatten, der zu einer der wichtigsten öffentlichen Figuren im Kampf gegen die Nazis geworden war und auf seinen Mitpassagier Wilfrid Israel. Israel floh 1939 vor den Nazis nach England, nachdem er sich zuvor auf die Hilfe für jüdische Emigranten konzentriert hatte. In London fungierte er als „Verbindung zwischen Regierungsstellen und jüdischen Flüchtlingsorganisationen“ und „war als Berater für das Royal Institute of International Affairs tätig. 1943 organisierte er die Ausreise jüdischer Flüchtlinge aus Spanien und Portugal nach Palästina.“ (wikipedia)

„The First of the Few“ (full length)

Hidden meaning of Nena’s Germany song revealed

Was will Nena ‚uns‘ eigentlich damit sagen?

Jeder durchschnittlich begabte Verschwörungtheoretiker wird bestätigen, dass ein Autor oder Interpret alles Mögliche mitteilen will, nur niemals das, was er offen sagt, schreibt oder singt. Die echte Botschaft, DIE WAHRHEIT liegt immer im Subtext verborgen und muss von den Initiierten mühselig aber mutig entschlüsselt werden.
Ms Wagemut (© by NdG) hat sich Nenas angebliche Deutschlandhymne „Made in Germany“ vorgenommen und Schreckliches enthüllt:
Nena hat ihre anrührenden Zeilen: „Hier bin ich geboren [© by Peter Fox] - Hier ist mein zu Hause – Hier sind meine Leute – Hier gehöre ich hin – Weil ich hier am liebsten bin – Und hier will ich bleiben – Und manchmal muss ich reisen – Und immer wieder kommen – Und dir schöne Briefe schreiben“ ganz gewiss nicht aus Versehen mit dem Rhythmus von Talking Heads‘ „Road to Nowhere“ unterlegt (1. verschwörungstheoretisches Axiom: Es gibt keine Zufälle!).

Mit „Und manchmal muss ich reisen“ betont sie nochmals die Anspielung. Die Talking Heads jedoch singen in „Road to Nowhere“: „And you know – We‘re on the road to paradise – Here we go, here we go“. Das ist fast schon deutlich genug, bekommt aber erst richtige Konturen, wenn man berücksichtigt, dass die einzigen anderen Hits, die die Talking Heads landen konnten (wie man in der Chart-Sprache, die natürlich auch verschlüsselt ist, so schön sagt) „Psycho Killer“ („Don’t touch me I’m a real live wire“) und „Burning Down the House“ („Here’s your ticket pack your bag, time for jumpin‘ overboard“) waren. Wir operieren nun also mit den Begriffen „reisen müssen“, „road to paradise“, „here we go“, „psycho killer“, „real live wire“, „burning down“ und „jump overboard“. Recht aufschlussreich! Den Schlüssel zum Ganzen aber liefert die Tatsache, dass Nena Werbung für Otto macht: „Otto“ heißt der von Emilio Estevez verkörperte car repossessor in der Punk-Science-Fiction-Groteske „Repo Man“ von Alex Cox.

Mindestens eine der wichtigsten Szenen des Films (Anfang des Trailers, hier auch zu beachten: Los Alamos! Manhattan Project… huh!) enthält einen deutlichen Verweis auf Robert Aldrichs großartigen film noir „Kiss Me Deadly“. Und in „Kiss Me Deadly“ geht es um eine ganz furchtbare atomare Waffe, die in die falschen Hände gerät.

Kiss Me Deadly – Closing Scene

So! Von wegen Deutschlandhymne, Nena will uns warnen! Danke, Nena, vor allem für’s Ergreifen solch drastischer Maßnahmen. Wo doch jeder weiß, dass sich hierzulande niemand jemals trauen würde, Deutschland echt voll toll zu finden. Und wenn es einer trotzdem und auch nur ansatzweise wagt, darf keiner mehr mit ihm spielen, und er wird in die rechte Ecke verbannt und muss da mit den Händen auf dem Rücken warten, bis ‚man‘ in Deutschland endlich wieder (!) sagen kann, was man denkt!

Update 3.3.10: Und demnächst finden wir heraus, was uns die überaus mutigen Menschen der HFF Potsdam, der brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung, Fanartikel-Shop.de etc. etc. mit ihrem ans Herz rührenden Filmchen aka Social Spot (Selbstbeschreibung auf Youtube) eigentlich mitteilen wollen!
(video via Im Kopf Lokalisation)

Meilensteine deutscher Vergangenheitsbewältigung III: Dresden im Februar

With deepest respect to KWS – thank you!

Die deutsche Volksgemeinschaft fand in der Vernichtung der Juden zu sich selbst. Ohne das totale Feindbild der ‚Weltverschwörung des Judentums’, das – in den Vernichtungslagern realisiert – die Volksgemeinschaft bis zuletzt zusammenschweißen konnte, wäre dieser Krieg auch nicht zum ‚totalen Krieg’ geworden, nicht bis zur letzten Konsequenz vom Dritten Reich führbar gewesen – bis zu jener Konsequenz, die für die erfolgreiche Nachkriegsentwicklung die Voraussetzung war.“
Gerhard Scheit – Die Meister der Krise. Über den Zusammenhang von Vernichtung und Volkswohlstand

Prolog

Die ersten Meilensteine der ‚Vergangenheitsbewältigung’ für die Deutschen im Postnazismus wurden lange vor 1933 gesetzt: Mit den Geschichten der Deutschen als Opfer aller, die nicht deutsch waren oder nicht deutscher Vorstellung vom ‚Anständigsein’ entsprachen oder die Deutschen nicht ausführlich genug liebten, lobten und bewunderten, vor allem aber der Juden, bei denen es gleichgültig war, ob sie liebten, lobten, bewunderten und entsprachen oder nicht und in die man alles hineinprojizierte, was man selbst nicht sein durfte oder konnte.
Daran hat sich nichts geändert. Die Geschichte der Deutschen, die sie sich selbst gegeben haben, ist eine endlose Aneinanderreihung opferneidischer Imaginationen. Selbst der erste Sieg des Siegfriedar-miniushermann schon beraubte sie der Möglichkeit, an für die Zeit und die Umstände relativem Luxus zu partizipieren. Da sie die Meister des Wollens waren, wollten sie das also offensichtlich nicht und was man um den Preis des besseren, leichteren oder schöneren Lebens für alle nicht will, ist offiziell verwerflich. Der Verzicht jedoch erfordert eine Begründung, einen Grund, Wurzeln, Stimmung, Blut und Boden, Schicksal, Bestimmung, Träume. Zumindest verlangt das die geschichtliche Projektion, denn was man im Verzicht gewann, war nicht mehr als die Begründung. Und da liegt der Grundstein der Exkulpationsgeschichte der Deutschen. Als sie ihn, gefüllt mit nichts außer den blauen Blumen der Romantik, legten, bereiteten sie ein durch und durch organisch sein sollendes und wollendes ‚Wesen’ vor. Ein Volk, wie von Wilhelm Hauff und den Gebrüdern Grimm ersonnen, wie es die Welt noch nicht gesehen haben sollte, das Volk, das eine und einige Volk, völkischer gab es niemals eines. Ein Volk, das ständig von Glasmännlein bedroht zu sein hatte, weil sie den Verzicht bewiesen und die Kargheit des Gewonnenen betonten. Anständig und pflichtbewusst sollte es sein und das wurde es auch – bis in die Vernichtungslager hinein. Selbst da sah es sich noch als Opfer und wurde träumend zum Albtraum der Menschheit: „[A] dream to end all dreams“ (Walter Abish).

Dresden 1945

Die Vereinigung der zwei Staaten zur heutigen Berliner Republik ging einher mit einem Übergang vom Totschweigen zum Totreden der Verantwortung für die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands. Beide Staaten, die sich der Zerschlagung des nationalsozialistischen Regimes durch die Alliierten verdanken, partizipierten an den von Goebbels ursprünglich geprägten Dresden-Mythos, der schon vor Ende des Weltkriegs auch im Ausland verbreitet wurde.“
Martin Blumentritt – Die Hartnäckigkeit der Dresdenlegenden (pdf)

Der Mythos „Dresden“ entstammt der wahnsinnigen Vorstellungswelt oder der berechnenden Propaganda (der Unterschied ist kleiner, als man ihn denken will) Joseph Goebbels und jener, die ihm noch über 1945 hinaus vertrauen mochten. Die bis heute kursierenden Opferzahlen (selbst die als ‚moderat’ geltenden) sind hinlänglich widerlegt, ebenso die angeblich von den Alliierten eingesetzten Mittel und Methoden und die Legende, Dresden sei ein unangemessenes, weil ausschließlich von netten Deutschen und verzweifelten Flüchtlingen bevölkertes Ziel gewesen. Und trotzdem ist Dresdens Strahlkraft 65 Jahre nach Ende des Krieges stärker als die anderer angegriffener Städte, deutscher wie alliierter, selbst als die Rotterdams, Coventrys und Guernicas, Warschaus und Belgrads – nur Hiroshima und Nagasaki dürfen hierzulande noch gleichziehen, was aus deutscher Sicht natürlich sinnvoll erscheint: Sie sind eine unschätzbare Referenz für die ‚Verbrechen’ der Alliierten.
Was die Briten und Amerikaner in Dresden laut ‚Zeugenaussagen’ generell und vor allem im Detail angerichtet haben sollten, ist aussagekräftig nur als Bericht über die Verfasstheit der Volksgenossen während des ‚Dritten Reiches’ und darüber hinaus. Es geht in den Erzählungen der Betroffenen oder derer, die später „endlich mal“ deren Leiden der Welt kundtun wollten, nicht nur darum, die Weltbefreier in Täter zu verwandeln, es geht darum, sie zu genau solchen Verbrechern zu erklären, wie es die Deutschen waren. In ihrem Wahn machten sie immer weiter und konnten nicht aufhören mit dem Massenmorden, zu groß war der Vernichtungswille und am Ende die Angst vor einer gerechten Strafe, zu wichtig der Status als ewiges Opfer. Unschuldig und hilflos wollten sie der „Flächenbombardierung“, dem „Feuersturm“, „Bombenterror“, „Bombenholocaust“, einem „sinnlosen Beschuss“ und „Deutschenhass der Alliierten“ ausgeliefert gewesen sein: „Daß die ach so unschuldigen Deutschen gestorben sind, weil sie Deutsche sind, so wie die Juden, weil sie Juden sind, ist dann wohl die dreisteste der Projektionen. Ähnlich wie Täter und Opfer in Bitburg geehrt werden sollten, so werden die Opfer der Deutschen mit den Toten der Luftangriffe gleichgesetzt.“ (Blumentritt, ebd.). Tatsächlich ist nicht einmal das die „dreisteste Projektion“, die offenbarte sich im Detail der Schilderungen, denn es waren nicht die Briten oder Amerikaner (vgl. ebenda zur vollständigen Widerlegung entsprechender Gerüchte), die aus Tieffliegern heraus noch in die Leichenberge schossen oder die Deutschen noch aus den Lazaretten und von den Bahren trieben, die bereits Toten zu Rauch und Asche zermahlen wollten.
Die Bilder, die die ‚Zeugen’ zeichneten und ausmalten hatten ihr Vorbild auch weniger in deutschen Propagandafilmen (vgl. ebd.) – was die ‚deutschen Opfer‘ hier schilderten, war das, wovon sie eigentlich nichts gewusst haben wollten: Die wahnsinnige Vernichtungswut der Deutschen im Krieg, die nämlich und nicht die Briten oder Amerikaner hatten im „»Rausche des Mordens« ihre eigenen Ziele gesucht“ (ebd.), nicht einmal aus Flugzeugen heraus, noch in jeden Leichenberg geschossen, um sicherzugehen, dass niemand überlebte, die Juden und Kommunisten aus den Lazaretten gezerrt und hingerichtet und die Leichen ihrer Feinde verbrannt. Sinnlos und brutal, ganz im Gegensatz zum „strategic bombing“ der Alliierten, die angesichts des ihnen von den Deutschen aufgezwungenen „totalen Krieges“ der Prämisse gehorchen mussten: »Wenn man sich also nicht länger gegenseitig etwas vormachen wollte, mußten die großen Flächen die Ziele sein, das heißt Stadtzentren. In einem entwickelten und hochindustrialisierten Land wie Deutschland, dessen Städte mit Fabriken, Werkstätten, Eisenbahnanlagen, Kasernen, politischen und wirtschaftlichen Verwaltungsbauten gespickt waren, würden Bomben, die irgendwo im Ballungsgebiet niedergingen, außer Wohnhäusern zwangsläufig kriegswichtige Einrichtungen zerstören; ebenso zwangsläufig aber auch Krankenhäuser, Schulen, Kirchen und kulturhistorisch wertvolle Bauwerke“ (Götz Bergander, zitiert nach ebd.).
Die Details des unermüdlichen, rastlosen, rücksichtslosen, grausam pflichtbewussten Vorgehens kannten die Deutschen aus den Erzählungen ihrer Soldaten-, SD-, SS- und Aufseherbrüder, ihrer Krankenschwester- und Aufseherinnenschwestern, ihrer Väter, Mütter, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins, ihrer Neffen und Nichten, Freunde, Freundinnen und Kinder. Sie alle hatten gesehen, gehört und weitererzählt und im Bewusstsein, dass niemals etwas Schrecklicheres geschehen konnte als das, was die Ihren getan hatten, bedienten sie sich im Fundus der deutschen Kriegsgeschichten. Wie sie sich zuvor der Wohnungen, Wertgegenstände und Kleider der deportierten Juden bemächtigt hatten, so richteten sie sich jetzt in deren Vernichtungsgeschichte ein. Und zwar so erfolgreich, dass die Methode bis heute funktioniert. Jörg Friedrich z.B. operiert in „Der Brand“ mit den gleichen Mitteln, bei ihm mutieren „Luftschutzkeller zu »Krematorien«, Bombenopfer zu »Ausgerotteten«, die fünfte Gruppe des Bomberkommandos zur »Einsatzgruppe«“ (ebd.). Und so weiter und so fort…

Dresden 2010

Erst in den neunziger Jahren hat ein Haufen Versprengter – heftig angefeindet von einem Spektrum, das sich selbst als links versteht – die Bombardements mit all ihren Widersprüchen als das bezeichnet, was sie in der Hauptsache waren: praktizierter Antifaschsimus, zu welchem es leider keine Alternative gab.“
Gunnar Schubert – Die kollektive Unschuld. Wie der Dresden-Schwindel zum nationalen Opfermythos wurde

Warum das Abfeiern des antifaschistischen Krieges gerade dort, wo er sich an Scheußlichkeit kaum noch von dem Vorgehen des Gegners unterschied?“ gibt Jürgen Elsässer vor zu fragen und antwortet mit einem zeitgeschichtlichen twist: „Mit “Dresden” macht die amerikanisierte Linke deutlich, dass sie durchaus mit Kriegsverbrechen der Angloamerikaner einverstanden ist, wenn sich diese Verbrechen gegen “Untermenschen” wie Deutsche und Moslems richten. In diesem Sinne ist “Dresden” für die amerikanisierte Linke weniger Geschichtsdiskurs als aktuelle Politik – die Werbung für den Angriff auf Iran.1
Jürgen Elsässer Blog – Dresden und Stalingrad
Ausgerechnet Jürgen Elsässer will der „amerikanisierten Linken“ ein Denken in Kategorien wie „Untermenschen“ vorwerfen. Elsässer, der ein sehr ausgeprägtes Bild von Menschen hat, die er gefoltert und erniedrigt sehen will: „Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.Jürgen Elsässer – Glückwunsch, Ahmadinedschad!
Mag sein, dass er sich für seine Gewaltphantasien schämt – es wäre zumindest angebracht – doch selbst die ‚Entschuldigung’ („Entschuldigung von Elsässer – das gibt‘s doch nicht? Das gibt es wohl!“, ebd. Gibt es eben doch nicht, J6ON) missrät ihm und macht die Projektion unabdingbar. Unnötig ist sie trotzdem, denn sein Publikum klatscht unermüdlich Beifall und versucht, vom Beispiel ermuntert, ihn sogar noch zu übertreffen.


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Die Initiatoren des diesjährigen offiziellen Dresdengedenkens machen den Deutschen auch alles recht und schaffen es somit, alle ihnen nicht zur Verfügung stehenden Gesten und Symbole mit einem Schlag endgültig zu ‚devaluieren‘. Mit „weißen Rosen“ am Wintermantel soll man sich zum deutschen Trauern treffen. Die Anleitungsaufnahme gibt vor, wo sie tragen ist, „sichtbar und nicht verdeckt auf der linken Brustseite“, bezahlen müssen die Dresdener sie auch selbst. Ganz Dresden soll die Briten um den 11. November herum kopieren, die den weißen Mohn nicht wollten, weil sie niemals sicher sein können, wann die Deutschen, nach 1914 und 1939, mal wieder durchdrehen. Das symbolische Dresdener Tryptichon: „Judenstern“, „Weiße Rose“, „Mohnblume“. „Dreist“ ist nicht der angemessene Ausdruck! Gegen die linken Proteste (Totalitarismustheorie), die Nazis, die den „Mythos“ erst schufen und die Neonazis, die ihn geerbt haben und gegen die alliierten Bomber, die die siebtgrößte Stadt des Deutschen Reiches natürlich nur mal so angreifen wollten, soll die Innenstadt mit… ha!… einer Menschenkette geschützt werden. Das soll wie auf diesem Foto aussehen. Die Dresdener Bürgermeisterin, Heidegger – neuerdings mit Vollbart (hinterste Reihe, Dritter von links), ein Fahrkartenkontrolleur (zweite Reihe, Zweiter von rechts) und was man sich sonst noch so unter demographischer Ausgewogenheit vorstellt fassen sich an den Händen und ringelpietzen trotz Karnevalssaison mal (irgendwie) ohne Humtata – vom Altmarkt bis zur Synagoge (natürlich!). Im „gemeinsamen Aufruf zum 13. Februar“ mögen das Erinnern, das sich Wehren und das Wollen gar kein Ende mehr nehmen:
Wir erinnern an die Zerstörung des Dresdner Stadtzentrums zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 durch alliierte Luftangriffe, an den Tod mehrerer [? Combien?] Zehntausend Menschen und das Leid der Überlebenden.
Wir erinnern an die Vorgeschichte dieser Ereignisse, insbesondere
[?] an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und das Verbrechen des von Deutschland ausgegangenen [Gehe aus, mein Licht, aber nur meine liebe Laterne nicht?] Krieges.
Wir erinnern an den Anteil, den Menschen und Einrichtungen in Dresden an Kriegsführung, nationalsozialistischer Unterdrückung und deren Verbrechen – etwa [???… ??? … !!!] an den jüdischen Bürgern der Stadt – hatten.
Wir erinnern an den Umgang mit der Geschichte der Zerstörung Dresdens, die weltweit
[pffft…] symbolische Bedeutung erhalten hat und für unterschiedliche politische Zwecke genutzt wurde.[…]
Warum wir erinnern
Wir erinnern, weil die Betroffenen das Recht haben, ihrer Erinnerung und Trauer Raum
[Für’s Volk, das ohne ist?] zu geben.
Wir erinnern, weil die Generationen der Zeitzeugen wertvolle Erfahrungen weitergeben können, so ihre Friedenssehnsucht
[Wer zu spät kommt…], die Hoffnung und die Lebenskraft [?] des Wiederaufbaus. […]
Wir erinnern, weil die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte in Nationalsozialismus und Krieg uns die eigene Verantwortung für die Gestaltung einer menschenwürdigen, demokratischen und friedlichen Gesellschaft zeigt.
[Hatte der deutsche Dichter also doch Recht: „Jetzt endlich wissen wir…“]
Was wir ablehnen
Wir wehren uns gegen den Missbrauch der Erinnerung zur Verharmlosung von Verbrechen der nationalsozialistischen deutschen Gesellschaft zwischen 1933 und 1945.
Wir wehren uns gegen den Missbrauch der Opfer der Zerstörung Dresdens zum Aufrechnen von Schuld
[Wer fängt an?].
Wir wehren uns gegen jede [!] Form von Werbung [!] für demokratiefeindliche und menschenverachtende Ideologien, Haltungen und Aktionen, die sich der Erinnerung an die Zerstörung Dresdens bedient.
Wir wehren uns gegen Revanchismus, Völkerverhetzung
[huh, Plural!] und Gewaltpropaganda.
Wir wehren uns gegen jede
[!] Verhöhnung der Opfer [!].
Was wir wollen […]
Wir wollen kritisch und selbstkritisch an die jahrzehntelange [65-jährige?] Erinnerungs- und Gedenktradition [!] anknüpfen [!].
Wir wollen die friedliche Gemeinschaft mit den Völkern [!] der ehemaligen Kriegsgegner bewahren und weitere Annäherung fördern. [„Und willst du nicht mein Bruder sein…“]
Wir wollen uns bei aller [?] inhaltlichen [?] Vielfalt [?] unseres [!] Erinnerns an die oben genannten Grundsätze binden [???].“
Dresden – Gemeinsamer Aufruf zum 13. Februar 2010. Erinnern und handeln. Für mein Dresden

Alles gleich gemacht, erinnert, abgewehrt und gewollt.

In dem Sinne – ein wenig angemessenes Pathos zur Standortbe-stimmung:
Edward Elgar – Pomp and Circumstance, March No. 1

Recommended Reading:
Martin Blumentritt – Die Hartnäckigkeit der Dresdenlegenden (pdf)
Gunnar Schubert – Die kollektive Unschuld. Wie der Dresden-Schwindel zum nationalen Opfermythos wurde
Magnus Klaue – Moral Bombing. Mit Schweiß, Blut und Tinte kämpft Deutschland dafür, als »Opfer des Bombenkriegs« anerkannt zu werden. Jörg Friedrich ficht an vorderster Front, Dieter Forte in der Etappe, Konkret 01/03
Magnus Klaue – Deutsche Mattscheibe. Guido Knopp bringt die Legende der Deutschen als »Opfer des Bombenkriegs« dorthin zurück, woher sie stammt – in die Wohnzimmer, Konkret 03/03
Thomas Uwer, Thomas von der Osten-Sacken – … muß weg! Wie die deutsche Friedensbewegung in Bomben auf Bagdad Bomben auf Dresden wiederkennt, Konkret 01/03
Antonia Schmid – Der „Feuersturm“ als Vollwaschprogramm. Zur Universalisierung des Opfers im Fernsehzweiteiler Dresden, in kittkritik (Hg.) – Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur
Gerhard Scheit – Die Meister der Krise. Über den Zusammenhang von Vernichtung und Volkswohlstand
Saul K. Padover – Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45
Sigmund Freud – Massenpsychologie und Ich-Analyse. Die Zukunft einer Illusion
Victor Klemperer – Tagebücher 1942-1945 (auch weil man das Zitat nicht einfach so stehen lassen darf)
Lion Feuchtwanger – Die Geschwister Oppermann

+ More „wir wehren uns gegen…“
Ivo Bozic – Die Dresdener Passionsspiele
Michael Bergmann und Frank Carstens – Kein Protest ohne Bratwurst

Update 05.02.10 and ongoing: Reflexion – Mythenbildung à la Elsässer
Cosmoproletarian Solidarity – Hamburger Querfront am 22. Bahman
Anja Worm und Jan Gerber – „Hymnen des Hasses. Über die bleibenden Verdienste von Bomber-Harris, den »Vansittartismus«, deutsche Linke im britischen Exil und die Illusion vom »anderen Deutschland«.“ (Jungle World)
Unsurprisingly – Elsässer-Blog, 09.02.10: „Im Prinzip verfolgte die SED eine richtige Erinnerungspolitik: Es wurde des barbarischen Bombardements der Alliierten gedacht, es wurde die Verantwortung Nazi-Deutschlands für den 2. Weltkrieg glasklar benannt – und es wurde davor gewarnt, dass USA und Großbritannien nach 1945 eine völkermörderische Politik fortgesetzt haben, die in der Tradition von “Dresden 1945″ UND in der Tradition des nazideutschen Vernichtungskrieges gegen Städte wie Guernica, Coventry, Leningrad usw. war.“ Außerdem im selben Text: Hiroshima als Referenz für die ‚Verbrechen der Alliierten‘ und als Exkulpierung der Deutschen ‚Opfer‘.

  1. Elsässer-Kommentator chrissedlmair liefert am Ort noch eine entlarvend ausführliche Analyse des „Dritten Reiches“: „Dann kam der SChickelgruber mit seiner deutlich suboptimalen Politik un ihren bekannten Folgen.“ [zurück]

Update 14.02.10: Volker Radke – „Vorspiel zu Dresden“

Update 19.02.10: Es sieht in der Tat so aus, als sei Dresden 2010 für’s Volk ein mehr als vollwertiger Ersatz für die ein wenig ins Wasser gefallene Einheitsfeier geworden: „An der Frauenkirche empfängt mich das untrügliche Zeichen öffentlicher deutscher Geselligkeit: der Geruch von Bratwurst. In Sichtweite der Fressstände befindet sich eine Reihe händchenhaltender Menschen, die sich quer über den Platz neben der Frauenkirche zieht. Es ist die erste große Veranstaltung im Rahmen der offiziellen Gedenkfeierlichkeiten zum 65. Jahrestag der Bombardierung Dresdens: die »Menschenkette für Frieden, Demokratie und Menschenrechte«. Ein begeisterter Teilnehmer fasst den Zweck des Ganzen mit den treffenden Worten zusammen: »Es geht um ein stilles Gar-nichts-Tun.« […] Hier, kilometerweit entfernt von der Naziroute, ist also alles möglich: Engagement gegen Nazis zeigen, der deutschen Opfer gedenken und gleichzeitig ein Volksfest feiern.“ (Tanja Röckemann – Ein Herz für Dresden. Die Bürger in Jungle World – Ziel erreicht)
+ Karwan Baschi – Fetisch Banalität