Kritik ist Kritik ist Kritik ist Kritik… und hat es zu bleiben!

Lest diese Schandschrift mit den Augen des Ideologiekritikers, der doch notwendig ein Sprachkritiker sein muss!
Aus: Redaktion Bahamas – „Als wir uns einmal zu Israel verhalten wollten… … und unversehens unsere alte Liebe zu „linken Zusammenhängen“ wiederentdeckten“, Vortragsankündigung und Aufforderung, den Aufruf des „Bündnisses gegen Hamburger Unzumutbarkeiten“ zu einer Demonstration, um die Aufführung von Claude Lanzmanns Film „Warum Israel“, die von ‚linken’ Antisemiten verhindert wurde, sicherzustellen, nicht mit einer Unterschrift zu unterstützen

Jenseits der noch zu kritisierenden Terminologie in dem Appell an „unsere Freunde“ (Bahamas) ist das natürlich richtig. Was der Aufforderung vorangeht ist allerdings in weiten Teilen weder Ideologie- noch Sprachkritik, sondern ein unangemessen pathetisch formuliertes Pamphlet. Die ‚Selbst-Positionierungen‘ der Bahamas, die man sonst mindestens wegen ihrer meist hervorragend schreiben könnenden Autoren schätzt, gehören zum sprachlich und inhaltlich Schlechtesten, was sie hervorbringt. Man möchte sie auffordern, darauf zu verzichten und sich auf das zu konzentrieren, was sie lesenswert macht.
In „Als wir uns einmal zu Israel verhalten wollten…“ bedient sich ‚die Redaktion‘ streckenweise einer Wortwahl, wie man sie üblicherweise in ganz anderen politischen ‚Strömungen‘ findet: Schande, Gesindel, im Mistloch wälzen, den Rest geben, Monument der Schande (bei Walser wird nur das „der“ durch ein „unserer“ ersetzt – sollte das der Versuch des Vergleichs des Hamburger Aufrufs mit dem Berliner Holocaust-Denkmal gewesen sein – ha, witzig, in a way – es erklärt aber immer noch nicht die Übernahme ausgerechnet der Walserschen Sprache), Schandschrift (bei den anderen, u.a. Jürgen Elsässer, sind es meist Schandverträge). Insbesondere der Schandbegriff dient aber im postnazistischen Deutschen der sich exkulpierenden konservativen Rechten vor allem als Euphemismus für Auschwitz. Auch die Adressierung „unsere Freunde“ ist bedenklich. Vor allem da es hier überhaupt nicht um individuelle Freundschaften geht sondern um Cliquenbildung. Im Text wird dann auch getuschelt und geraunt und auf ominöse Hamburger Verhältnisse hingewiesen, die so mehr oder weniger in jeder größeren deutschen Stadt vorherrschen – es variieren nur die Ausprägungen. Die wiederholte Klage, dass sich die Hamburger nicht der Staatsmacht bedient hätten (was so offenbar auch nicht ganz stimmt), macht im Kontext eines Unterschriftenverweigerungs- respektive Rückzugsappells recht wenig Sinn, wenn in dem kritisierten Aufruf dazu keine Stellungnahme des potentiell Unterschreibenden eingefordert wird.
So einfach ist das mit der Staatsmacht, im akuten Fall also der Polizei, auch nicht. Adornos Forderung: „[w]o [die Antisemiten] sich ernsthaft vorwagen bei antisemitischen Manifestationen, müssen die wirklich zur Verfügung stehenden Machtmittel ohne Sentimentalität angewandt werden, gar nicht aus Strafbedürfnis oder um sich an diesen Menschen zu rächen, sondern um ihnen zu zeigen, dass das einzige, was ihnen imponiert, nämlich wirkliche gesellschaftliche Autorität, einstweilen denn doch noch gegen sie steht“ („Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute“, Gesammelte Schriften Bd. 20.I, 364), wurde in einem konkreten Rahmen gestellt; und man kann sich streiten, ob dieser bei den ohne Frage antisemitischen Ausschreitungen vor dem B-Movie gegeben war. Zum Thema lohnt es sich, noch einmal gründlich Adornos „Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute“ zu lesen. Das Problem wird dann evident. Wobei ich persönlich auch in diesem Fall plädieren würde, die Polizei zu rufen und Anzeige zu erstatten. Aber die deutsche (!) Staatsmacht gegen die ‚linken’ Antisemiten zu rufen, die in der Polizei ostentativ nicht das „einzige, was ihnen imponiert“ (ebd.) sehen und das, was eben zunehmend sichtbar nicht „doch noch gegen sie steht“ (ebd.) oder gerade, aber aus völlig anderen Gründen, birgt einige notwendig abzuwägende Widersprüche. Die extreme Rechte (auch diejenigen, die laut ACAB schreien) weiß weite Teile des ‚Volks‘ im Prinzip hinter sich und damit auch viele Angehörige von dessen Vollzugsorganen; Räuber und Gendarm wird dort oft nur gespielt, um den Resten der postnazistischen Tabus den Anstrich von hauptsächlich dem Standort, aber auch dem Selbstbild geschuldeter Wirkung zu geben – das zeigt sich spätestens im Prozess. Die Staatsmacht prämiert sich als Aufrechterhalter eines deutschen Normalzustandes, in dem deutsch gemeinte proisraelische oder philosemitische Gesten als fortwährende Existenzberechtigung des Deutschen in Deutschland verwendet werden dürfen und den weiterhin existierenden Antisemitismus des deutschen Mainstream erfolgreich verschleiern. Im Falle sich links wähnender so genannter Antizionisten jedoch entstehen andere Komplikationen. Hier ist keine staatliche Autorität in der Lage, sie auf den ‚richtigen Weg’ zurückzuführen – sie trägt ausschließlich dazu bei, ihnen zu ermöglichen, sich in ihrer Opferrolle weiter einzurichten, was in Deutschland nur fatale Folgen haben kann.
Dies zu berücksichtigen ist unerlässlich, vor allem, wenn die Hitze des Gefechts erst einmal vorbei ist, in der jedes Individuum das Recht hatte, sich der Polizei zu bedienen, um (wenn es gut läuft – jeder kennt die Probleme, wenn ‚Linke’ die Polizei rufen; man wird auch schonmal gerne mit einem Achselzucken den Nazis zum Fraß vorgeworfen) u.a. die eigene Unverletztheit und die der anderen zu gewährleisten – und von anderen dabei unterstützt zu werden, mit allen Mitteln, natürlich auch durch Anzeigen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich auch um ein Exempel zu statuieren und dergleichen mehr! Auf die weitergehenden Forderungen ‚der Redaktion‘ „gegen den Infoladen B 5 vorzugehen wie gegen jedes andere Nazi-Zentrum“ kann hier nicht eingegangen werden, entsprechende Entwicklungen sind jetzt einfach noch nicht vorhersehbar.
(Later: Erste Entwicklungen)
Der zweite Kritikpunkt der Bahamas – und wesentlich elaborierter auf nature morte – bezieht sich auf den sprachlichen Umgang mit Lanzmanns Film im Bündnisaufruf. Im Bahamas-Text wird nur ein Beipiel herangezogen: „[D]ie Präsentation von „Warum Israel“ wird plötzlich zu einer „missliebigen Veranstaltung zu Israel“ kleingeredet, dabei gibt es wohl keinen flammenderen Appell für Israel als eben diesen Film von Claude Lanzmann“, das sei „ein Satz unter vielen, die so unerträglich sind, dass sie als Text gewordenes Monument der Schande von eben auch israelsolidarischen Gruppen so leicht nicht vergessen zu machen sind.“ Nun mag man „missliebige Veranstaltung“ in dem Kontext (auch sinnverdrehend) als Euphemismus lesen, als Baustein eines „Monuments der Schande“ ganz gewiss nicht. Und ausgerechnet Martin Walser zu beschwören resultiert notwendig in einem Dysphemismus. Darauf muss man nicht weiter eingehen.
Fundierter ist die Kritik auf nature morte – „Warum Hamburg“ – , wo dem „Bündnis“ vorgeworfen wird, sie meinten, den „Vorwurf […] es handle sich bei „Warum Israel“ um „zionistische Propaganda“, wie jene roten Nazis, die den Film angegriffen haben, behaupteten“ dementieren zu müssen, indem sie sich „rechtfertigten“: „Warum Israel‘ (1973) zeigt nicht bloß die verschiedenen Facetten der israelischen Gesellschaft. Es geht darin, aus der Perspektive eines Diasporajuden, um die Bedeutung des jüdischen Staates als Konsequenz aus der Shoah“. Tatsächlich ist daraus noch keine Rechtfertigung zu lesen, die findet dann aber im Interview von Welt online mit Daniel Richter statt, das ungerechtfertigter Weise herbeigezogen wird, um die Anklage zu untermauern. Der Meese-Freund Richter allerdings schwafelt dann wirklich: „der Film sei „ja noch nicht einmal ein Propagandafilm, sondern ein diskursives und sehr komplexes Werk. Ein jüdischer Regisseur hat sich entschlossen, Israel zu verteidigen, aufgrund einer Erfahrung, die Juden mit Deutschland machen mussten.“ Richter nicht die Bündnisautoren! Und in dieselbe ‚Falle’ sind bereits Intelligentere, die es ganz gewiss anders gemeint haben (s.u.), getappt.
Auch der Vorwurf auf nature morte, „[e]s spricht für sich, welches Verständnis vom jüdischen Staat sich hier artikuliert: Israel ist diesen Linken der Staat der Opfer der Shoah, und nur als solchem sind sie ihm solidarisch verbunden. „Zionistische Propaganda“ ist ihnen, wie ihren Gegnern, ein Gräuel. Dabei ist „Warum Israel“ ein Film für Israel über Israel: Es geht um die Träume und Hoffnungen und um die Schwierigkeiten, eine neue Gesellschaft aufzubauen. „Warum Israel“ ist in dem Sinne zionistisch, als dass er die Juden nicht als Opfer, sondern als Subjekte ihrer Geschichte vorkommen lässt, es ist die Geschichte des Kampfes um einen Staat, der in Palästina schon lange vor 1948 begann“, trifft in dem Sinne nicht auf den Bündnistext zu, in dem nur richtig gesagt wird, Claude Lanzmann sei „französischer Jude, Résistancekämpfer und Regisseur von ‚Shoah‘, der bedeutendsten Dokumentation über die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden“. An keiner Stelle wird gesagt, dass er ‚nur’ das sei. Und im Land der Täter auch heutige Zustände anklagend auf die Tat zu verweisen, ist eben nicht verdammenswert. Die Kritik in „Warum Hamburg“ ist überwiegend richtig und angebracht, nur dass sie den Gegenstand der Kritik weitestgehend in den Bündnistext hineinprojiziert. Auch das mag legitim sein, muss aber am entsprechenden Ort wesentlich deutlicher gekennzeichnet werden.
Warum das zu geschehen hat, zeigt sich auch an der Reaktion des eigentlich mit eher klugen Personen besetzten Göttinger [a:ka], der den „Aufruf zu dieser Demo […] spontan unterzeichnet“ hat. In der Begründung der (wie gefordert öffentlichen) Rücknahme seiner Unterschrift – „Rückzugserklärung“ – bezieht sich der [a:ka] explizit auf „den dringenden Appell an unsere Freunde“ und im Weiteren auf Unkenntnis der „Hamburger Verhältnisse“, den bereits bekannten Vorwurf, das Hinzuziehen von Polizei sei verweigert worden und andere im Bahamas-Text und auf nature morte erhobene Vorwürfe und trägt nichts wesentlich Neues zur Diskussion bei – was wünschenswert und den Autoren zuzutrauen gewesen wäre. Der Rückzug endet mit den Worten: „Es macht nichts besser, taugt aber vielleicht zum Amüsement, dass wir uns nunmehr selbst in einer peinlichen Situation befinden. Auf einen wichtigen Hinweis zu reagieren, war uns nur möglich, indem wir über ein Stöckchen springen, welches von freundschaftlich verbundener [?] Seite hoch gehalten wird. [a:ka] göttingen, im Dezember 2009“. Nein, das taugt eben nicht zum Amüsement, nicht einmal die Ankündigung der vom [a:ka] mitinitiierten Vorführung von „Warum Israel“ im Oktober 2008 als Reaktion auf eine indiskutable Israel-Filmreihe im Lumière: „Das Bündnis für Israel lädt am 21.10. herzlichst zur Filmvorführung „Warum Israel“ ein. […] Kurzbeschreibung Claude Lanzmanns Filmdebüt, entstanden 1971/72 und uraufgeführt 1973 in New York am Tage des Ausbruchs des Jom-Kippur-Krieges ist fraglos eines der bemerkenswertesten Zeitdokumente über [!] den Staat Israel und sein Selbstverständnis, seine religiösen und politischen Fundamente und vor allem: seine Bürger. Sie sind es, die im Film zu Wort kommen: Arbeiter, Intellektuelle, Angehörige der ersten Siedlergeneration, junge Israelis, Neueinwanderer aus der Sowjetunion. Ohne belehrenden Kommentar [!], ohne jede propagandistische Geste [! siehe oben und unten] und Schwarzweiß-Malerei [!], dafür mit großer persönlicher Anteilnahme und viel Humor wird den Errungenschaften und Widersprüchen einer entstehenden israelischen Nation nachgespürt.“.“
Und in seinem Offenen Brief zu Israel-Filmreihe erklärt der [a:ka]: „Wer Adornos kategorischen Imperativ ernstnimmt, wonach heute alles zu unternehmen sei, dass Auschwitz sich nicht wiederhole, der muss sich mit Israel solidarisch erklären“. Laut nature morte allerdings verweist diese Aufforderung bereits auf ein ‚gestörtes Verhältnis’ zu Israel, denn: „Es spricht für sich, welches Verständnis vom jüdischen Staat sich hier [im Bündnisaufruf] artikuliert: Israel ist diesen Linken der Staat der Opfer der Shoah, und nur als solchem sind sie ihm solidarisch verbunden. „Zionistische Propaganda“ ist ihnen, wie ihren Gegnern, ein Gräuel. Dabei ist „Warum Israel“ ein Film für Israel über Israel.“ Hier gilt es dann doch noch einmal zu diskutieren, wie Israelsolidarität zu verstehen ist; den bloßen Verweis auf Auschwitz (die Shoah, den Holocaust) sofort als Tendenz, Israel vornehmlich oder ausschließlich als ‚Opferstaat’ postulieren zu wollen, zu deuten, ist gelinde gesagt voreilig.
Und weiter bei nature morte: „Es geht um die Träume und Hoffnungen und um die Schwierigkeiten, eine neue Gesellschaft aufzubauen. „Warum Israel“ ist in dem Sinne zionistisch, als dass er die Juden nicht als Opfer, sondern als Subjekte ihrer Geschichte vorkommen lässt, es ist die Geschichte des Kampfes um einen Staat, der in Palästina schon lange vor 1948 begann.“ Das ist richtig und trotzdem machte auch die mörderische (bereits vor dem Nationalsozialismus) Verfolgung der europäischen Juden den Zionismus notwendig. Die Deutschen im Nationalsozialismus jedoch dachten nicht nur die endgültige Vernichtung, sondern traten auch an, sie in die Tat umzusetzen – ‚deutsche Ideologie’, die ‚beispielgebend’ in Europa, zurzeit vor allem aber in den arabischen Staaten und dem Iran weiterwirkt. Dass der Blick auf einen zionistischen Staat aufgrund von Auschwitz sich notwendigerweise, insbesondere im Land der Täter, grundlegend verändern musste, steht außer Frage und das dem so ist, verweigert niemandem den Subjektstatus. Da Auschwitz war, gilt Adornos Diktum in jedem Zusammenhang und diejenigen, welche angetreten sind, „antideutsche Kritik“ zu üben (auch die, welche sie – oft nachvollziehbar – nicht (mehr) so nennen mögen) haben die Konsequenzen daraus zu ziehen, wie u.a. Gerhard Scheit sie formulierte:
Wenn aber das verselbständigte pathologisch handelnde Subjekt Staat im empirischen Staatsbürger existiert, dann kann auch nicht mehr einfach davon abgesehen werden, welcher Nation im einzelnen dieser Bürger angehört; dann vermag vielmehr das Wort, das diese Nation markiert, zum Begriff zu werden, der jene Einheit von empirischem Bürger und verselbständigtem Staatssubjekt überhaupt erst sichtbar macht. Das ist auch der Grund, warum antideutsche Kritik innerhalb der Linken, die sich alles vom Staat erwartet und das Volk hofiert, so mißfällt: die Kritik nämlich beharrt darauf, daß der verbrecherische Staat von seinen Bürgern nicht abstrahiert werden kann – ohne darum über den Verbrechen der Bürger vom Staat zu schweigen.“ (Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt, 253)
Die ebenfalls geschätzte ag no tears for krauts hat zu Recht eine Kritik an deutschen Demonstrationen gegen Antisemitismus verfasst: „Die Gemeinschaft der Guten demonstriert für die Freiheit der Kunst – „in Hamburg“! –; der antisemitische Kleinkunstklüngel liefert dazu das entsprechende Straßentheater.“
Jede – jede! – Demonstration gegen Antisemitismus in Deutschland trägt zum Selbstbild der Deutschen als ‚die Guten’ bei. Daher darf die Teilnahme an jeder entsprechenden Demonstration nur sehr wohlüberlegt erfolgen und muss entsprechende Distanzierungen beinhalten. Auch auf den israelsolidarischen Demonstrationen im Januar des Jahres befand man sich häufig mit Personen und Gruppierungen auf engstem (realem oder virtuellem) Raum, denen nichts mehr am Herzen liegt als die Exkulpation der Deutschen und denen Israel nur als Projektionsfläche des Deutschen dient (zu Pi-News etc. pp. irgendwann mal mehr). Hier wurde im besten Falle darauf verwiesen, dass sie sich zu entfernen hätten oder wurden gravierende Differenzen explizit und für jedermann hör- oder lesbar geäußert. In diesem Sinne „koaliert“ also die Gruppe Morgenthau auch nicht mit Micha Brumlik – auf die völlige Unmöglichkeit zu „koalieren“ wurde bereits lange zuvor hingewiesen.
Die Bedenken gelten natürlich auch, wenn es um die Demonstration des Hamburger Bündnisses geht. Was aber letztlich den Ausschlag geben sollte, es kritisch zu betrachten, jedoch nicht polemisch zu verdammen, ist, wozu aufgerufen wird:
Weil wir wissen, dass es ebenso verantwortungslos wie gemeingefährlich wäre, Antisemitinnen und Antisemiten gewähren zu lassen; weil wir wissen, dass die Schlägerinnen und Schläger mit jedem Erfolg nur stärker werden – daher halten wir es für unabdingbar, dass am 13.12., bei der Neuansetzung von »Warum Israel« im b-movie, der Film auf jeden Fall gezeigt wird. Um die Angreiferinnen und Angreifer vom 25.10. politisch zu isolieren und eine Wiederholung ihres antisemitischen Gewaltspektakels zu verunmöglichen, rufen wir für diesen Tag zu einer Demonstration zum b-movie auf.“
Das Ziel, den Film „auf jeden Fall“ zu zeigen, ist zu unterstützen. Dafür wurde er gemacht!
(Later: vgl. auch nochmal: Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten – „500 Menschen demonstrieren gegen Antisemitismus – Spießrutenlauf für Kinogäste unter den Augen der Polizei“)
Es geht keinesfalls darum, einen Minimalkonsens herzustellen, dem sich möglichst viele anschließen können. Widersprüche müssen aufgezeigt werden und sind zu diskutieren, mit angemessener Terminologie und Mitteln. Ein quasi-Boykottaufruf gehört nicht dazu.

Recommended reading:
Theodor W. Adorno – GS Band 20: Vermischte Schriften I/II: Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute. S. 360 – 382
Jean Améry – Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuche eines Überwältigten
Unkultur – Kurze Synopsis “Als wir uns einmal zu Israel verhalten wollten…”

Gruppe Morgenthau – Hitler hat gewonnen. An das Fritz Bauer-Institut und die Frankfurter Anti-Israel-Lobby
Volker Radke – Zur Debatte um antideutsche Positionen
Stephan Grigat – Mit Wimpel und Mützchen!
Gerhard Scheit – Eliminierung der Widersprüche
Beispielhaft: Café Critique – „Antirassismus“ als ehrbarer Antisemitismus. Zweite Erklärung zur Sprengung unserer Veranstaltung „Der Iran und die Bombe“ am 9. März 2005

+ Later:
Exemplary: Redebeitrag der Hamburger Studienbibliothek – „Psychopathologie des Antizionismus“ !!!
Grußadresse von Claude Lanzmann
Demo-Bericht bei Cosmoproletarian Solidarity
Demo-Bericht von Posiputt bei classless Kulla
Demo-Bericht bei redok
USELESS – Nie wieder Hamburg!
Antideutsche Gruppe Hamburg – Liebe Bahamas-Redaktion, …
Ergänzung des [a:ka] – „Zum Rückzug“

Update 20.01.10: Lanzmann, Dax, Theweleit, Gremliza. Der Autor hofft lebendig heimzukehren. Theweleit opfert den Autor auf dem Altar der Interaktion. Der Autor holt sich die Autorenschaft wieder zurück, indem er sagt, er dreht das, was er drehen kann oder will. Gremliza bringt alles durcheinander. Theweleit bringt alles andere durcheinander und will schon wieder den Autor bevormunden, indem er ihn u.a. zu einer Stellungnahme drängen möchte, die eben so gar nicht zum Thema gehört – was ihm zuvor mitgeteilt wurde. Der Autor ist zu Recht genervt, weil es so gut wie gar nicht um den Anlass geht, der ihn in diese absurde Situation gezwungen hat. Audio-Dokumentation eines völlig grotesken Waseigentlich.
+ Eine hervorragende Zusammenfassung von Günther Jacob auf WADIblog: „Ein Ende DIESER Zensur“

Update 31.01.10: Tjark Kunstreich – „Mit „Israelkritik“ gegen Antizionismus. Über den Stand der antisemitischen Dinge “ (Vortragsankündigung für den 27.01., Bahamas)

Update 06.02.10: »Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten« – „Erneuter Überfall von B5-Aktivisten auf Antisemitismusgegner“: „In der Nacht zum Sonntag, den 31. Januar 2010, überfielen Aktivisten des »Internationalen Zentrums B5« zwei israelsolidarische Antifaschisten. Die beiden Antifaschisten, die unter anderem im »Bündnis gegen Hamburger Unzumutbarkeiten« gegen Antisemitismus aktiv sind, wurden nach dem Verlassen einer Diskothek von drei Schlägern empfangen. Die Angreifer brüllten antiisraelische Parolen, gingen mit Faustschlägen auf ihre Opfer los und traten, als diese am Boden lagen, weiter auf sie ein. Erst als es den Angegriffenen gelang, die Polizei zu rufen, flohen die Angreifer…
Gruppe Sur l‘eau – [sinnvollere!] Stellungnahme: „Warum wir nicht länger Teil des „Bündnis(ses) gegen Hamburger Unzumutbarkeiten“ sein wollen“

Update 12.02.10: McGuffin Foundation/ JustIn Monday – „Ein lautschweigender Konsens. Spekulationen dazu, warum es der Linken so schwer fällt, die Gegenwart des Antisemitismus im Bewusstsein zu halten.“
Ein ambitioniert anmutender Versuch, der allerdings hinsichtlich diverser Aussagen kritisch hinterfragt werden muss, beispielsweise: „Der linke Antisemitismus, und das macht seine Problematik aus, ist nicht einfach eine Übernahme des Antisemitismus, der im Rest der Gesellschaft herrscht, vielleicht verwässert von sonstigem guten Willen, sondern durchaus eine Eigenproduktion, entstanden aus der Unfähigkeit, angemessen mit der eigenen Marginalität und Ohnmacht umzugehen.


2 Antworten auf „Kritik ist Kritik ist Kritik ist Kritik… und hat es zu bleiben!“


  1. 1 m 17. Dezember 2009 um 11:40 Uhr

    Danke.

  1. 1 Nie wieder Hamburg! « USELESS Pingback am 15. Dezember 2009 um 23:17 Uhr
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