Archiv für Juli 2009

Jonathan Meese – der Künstler als „Karlsson vom Dach“

„“Sehr einsamer kleiner roter Hahn, vom besten Hähnemaler der Welt gemalt“, sagte Karlsson mit zittriger Stimme. „Ach, wie ist das Bild wunderschön und traurig! Aber jetzt darf ich nicht anfangen zu weinen, sonst steigt das Fieber.““ Astrid Lindgren – Karlsson von Dach

Hitler verhindern, indem man ihn lächerlich macht – das ist nicht gelungen, wobei es im Vorfeld der ‚Machtergreifung’ viele versucht haben, die fähig und begabt waren. Hitler zu einer lächerlichen Figur erklären zu wollen, nachdem er und seine Deutschen massenmordend Europa in Schutt und Asche gelegt hatten, nach Auschwitz, ist entweder naiv (Hitler im Nachhinein oder seine Wiederkehr verhindern! Er muss nicht gar nicht ‚wiederkommen’, sein Vermächtnis wirkt als Möglichkeit im Postnazismus (Stephan Grigat) weiter), Aufmerksamkeitsbedürfnis (erfüllt im Bruch eines angenommenen Tabus, gerne auch ‚politisch inkorrekt’ genannt und somit mittlerweile meist „konformistische Rebellion“), kulturindustrielles Erfolgsversprechen, oder kalkuliert ‚unbefangene’ Entlastung von deutscher Schuld (man könnte es tatsächlich auch treffend als Holocaustrelativierung bezeichnen – vgl. Deborah E. Lipstadts Denying the Holocaust. The Growing Assault on Truth and Memory). Im Kulturbetrieb-Phänomen Jonathan Meese 1 scheinen all diese Aspekte zu kulminieren: Der aufmerksamkeitssüchtige oder ‚unreflektierte‘ ‚Kindkünstler‘, der sich lustvoll der Insignien des ‚Dritten Reiches’ bedient: ‚Dann malen wir halt Hakenkreuze, Eiserne Kreuze und Penisse irgendwohin, wenn man sowas in der Schule auf die Tische gemalt hat, gab’s ja auch jede Menge Aufmerksamkeit aka Ärger‘. Der Kunststudent, der sich einzigartig wähnt (‚Niemand in dieser Grundklasse malt Hakenkreuze, ha!‘) und in der Folge das ursprüngliche Erfolgserlebnis oder die alte Kränkung endlos mit nahe liegenden Assoziationen verbrämt (in nahezu jeder Kunstklasse gibt es übrigens einen wie Meese – nur der Phänotyp variiert ein wenig).

„Krister und Gunilla dürfen bis acht bleiben. Dann gehst du aber marsch ins Bett. Lillebror. Ich komme noch und sage dir später gute Nacht.“ […] „Sie hat nicht gesagt, wie lange ich bleiben darf“, sagte Karlsson und schob die Unterlippe vor. „Ich mach nicht mit, wenn es so ungerecht zugeht.“ „Du kannst bleiben, solange du willst“, sagte Lillebror. Karlsson ließ die Unterlippe noch mehr hängen. „Warum kann ich nicht auch um acht an die Luft gesetzt werden wie alle anderen Menschen?“ sagte Karlsson. „Ich mach nicht mit…““
Astrid Lindgren, ebd.

Meeses ‚Kampf gegen die Wiederkehr’ gerät dann auch entsprechend trotzig: Der extremste Menschenherrscher Adolf Hitler war doch da! Wieso wieder? Wieso wollen wir es wieder? Er war doch da! Wir haben ihn gehabt. Fertig. Ende. Nostalgisch. Eben, alles schon da gewesen – boring – next please! Das haben sich offenbar auch die Galeristen gesagt, die schon lange erkannt haben, in welchen Formen sich das Spiel (!) mit ‚der deutschen Vergangenheit’ gut ‚verkaufen’ lässt, bei Norbert Bisky war es beispielsweise die Riefenstahl-artige ‚Unbefangenheit’ in der Inszenierung des Körpers (‚Sind doch nur spielende Jungs und außerdem ist es eh camp, was wir ja nicht wirklich verstehen müssen, sagt zumindest Susan Sontag!‘); bei Meese ist es der Spieltrieb an und für sich, den er in Interviews unermüdlich repetitiv zum Besten gibt. Meese beherrscht den Diminutiv oder umgekehrt! Alles gerät ihm verniedlicht: Babyinflation, das Ei des Columbussy, HaiBabyPropagandist (in An’spielung‘ auf Damien Hirsts The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living?), Babysavonarola, Babypropaganda, das totale Spiel, Mary Poppins, Erzhumpty Dumpty, Tierbabyparty, die Mumins etc. etc. etc. Selbst in Bayreuth, wo er das Bühnenbild zu Castorfs „Meistersinger“-Inszenierung lieferte, wartete er mit den ewiggleichen auf Puppenstubengröße zurechtgebastelten Assoziationen auf und wurde dafür gelobt:Geboten wird ein Festival der Einfälle und Sinneneindrücke. Und dafür ist in erster Linie Bühnenbildner Jonathan Meese verantwortlich. Seine Bühne und die Ausstattung sind so fantasievoll, verspielt und voller ironischer Brechungen, dass der einzige Vorwurf lauten kann, dass sie zu sehr von der Handlung ablenken.“
Aber es ist eben diese „Ablenkung“, die ihn in Deutschland zu einem beispiellos erfolgreichen bildenden Künstler machen konnte: Wer es hierzulande schafft, fürs Ablenken von der Handlung der „Meistersinger“ tatsächlich erwähnt zu werden, hat sich ums ‚Volk’, das sich bis dato einen Dreck darum scherte, offiziell verdient gemacht. Eine Analyse der antisemitischen Motive der Oper ist in Gerhard Scheits Verborgener Staat, lebendiges Geld. Zur Dramaturgie des Antisemitismus nachzulesen.
Meese: „Aber ich bin halt auch Bayreuth selber. Das steckt in mir. […] Es geht mehr um Atmung oder um Lebensrhythmus. Richard Wagner ist keine Musik von gestern, sondern eine Musik von morgen. Bestimmte Sachen sind zwar irgendwann entstanden, vor 1000 Jahren, die gelten aber immer noch und sie werden auch in 10 000 Jahren gelten. Viel stärker sogar. Sie werden verstärkt durch Verstärker.“ (Eine der schrecklichsten Vorstellungen überhaupt!)
Noch deutlicher wird die Entlastung, die Meese verschaffen kann in Daniel Richters Kommentar zu Meeses „TOTALADLER Baby-CHEF der Kunst (das Ei des Columbussy)“ (2007). Richter findet „Meese amüsant, weil er eigentlich alle großen deutschen Themen, die unappetitlich [!] sind – Ernst Jünger, Adolf Hitler, Stefan George, den Adler, Richard Wagner, das Hakenkreuz – weil er diesen ganzen Kram genommen hat und durch seine Performance komplett entwertet hat. Er hat all diese hehren Zeichen des deutschen Konservatismus durchzelebriert, ohne dass man sagen könnte, das sei platt kritisch gemeint. Das ist ja das Irritierende. Im Grunde werden all diese vermeintlich dämonischen Figuren zu Darth Vader. Das ist alles nur Wichtigtuerei. Dicke Eier. Adolf Hitler ist „Pimmel-Johnny“. Das ist das Faszinierende daran: die Lust an der Vernichtung und die Lust an dieser Allmachtsmaske, die der Infantile verspürt.“ Dagegen ist Adornos ‚Bilderverbot’ natürlich todlangweilig und so schafft man es auch in DIE große deutsche Jubiläumsausstellung: „60 Jahre, 60 Werke“.
Das Lieblingswort der Feuilletonisten etc. pp. im Zusammenhang mit Meese ist „umstritten“ – der Begriff hat offensichtlich eine Komplettumdeutung verpasst bekommen (‚pimp my term’), denn „umstritten“ bedeutet nunmehr „irgendwiefindensalletotaleinwenig-kicherigweileinbisschenbähundhuhabercool“. Z.B. empfinden das Bernhard Nellessen (SWR-Fernsehdirektor) und Thomas Baumann (ARD-Chefredakteur) so, die in ihrer Reihe „Deutschland, Deine Künstler“ – „[d]ie Schwierigkeit liegt darin, Kunst und Kultur so darzustellen, wie sie es verdienen: nicht elitär, kompetent und seriös. Selbstverständlich gehört auch das Attribut „unterhaltsam“ dazu“ (Baumann) – Meese als den „Besten [seines] Fachs“ präsentierten, neben dem besten grauhaarigen Schauspieler, der Armin heißt: Armin Mueller-Stahl, dem Dirigenten, der Beethovens 9. mittels völlig unangemessener Geschwindigkeit am besten verhunzte: Kurt Masur, dem Komiker, der am besten zwei Männer sich in einer Wanne um eine Plastikente streiten ließ: Loriot, der Autorin, die in ihren Titeln das Wort „Tinte“ am besten zur Geltung brachte: Cornelia Funke, Campino, „Deutschrocker“ Herbert Grönemeyer („Es tut gleichmäßig weh…“), Christoph Schlingensief (no comment), Reinhard in Vechta kommt mein Frühstücksei zur Welt Mey und dergleichen mehr. Meese also, der beste bildende Künstler, den Deutschland zu bieten hat – auf jeden Fall ein Künstler, der Deutschland derzeit ‚am Besten tut’.
Er und seine so genannten „Young German Art“-Kollegen (unter ihnen Neo Rauch, Daniel Richter und Norbert Bisky), deren Werke wohl nicht grundlos „als rundum deutsch, als vordringlich deutsche Themen, Mythen, Stimmungen und Geschichte verhandelnde Kunst rezipiert“ werden (Max Hollein in der „Welt“). Zufrieden wird konstatiert, daß die Künstler „nicht mehr hinter dem Berg [halten], daß sie Deutsche sind und hier auch ihr künstlerischer Nährboden ist. Dabei ist es kaum vorstellbar, daß das Label „Deutsch“ vor einigen Jahren international als trendiges Markenzeichen zu etablieren gewesen wäre. Künstler aus Deutschland hätten sich gehütet, sich primär als deutsch zu bezeichnen. Der motivschweren, figurativen Formensprache wäre man um so mehr mit Skepsis, wenn nicht mit Ablehnung gegenübergetreten, hätte sie wahrscheinlich als unzulässigen reaktionären Chauvinismus abgetan [Kann man ja immer noch machen!]. […] Jetzt hat das Pathos sein Kleid gewechselt. Es ist figurativer, verspielter und dabei verschlüsselter, allgemeingültiger geworden und hat die dunklen, düsteren Farben gegen pastellige Töne eingetauscht und sie mit einem Schuß nostalgischem Realismus gemischt. Besonders die aktuelle „Leipziger Schule“ trifft […] einen Nerv, der in der Zeit der Verunsicherung und dem Versagen politischer Systeme eine Sehnsucht nach einer heilen, wenn auch abgründigen Welt erkennen läßt.“ (ebd.) The next big German Abgrund thing!
Als hätten ‚die deutschen Künstler’ jemals zwanghaft versucht, ihren „Nährboden“ zu negieren. Fast alles, was im Postnazismus reüssieren konnte, bediente sich (jenseits der „Sommermärchen“-Ideologie „Vernunftpatriotismus“ – dazu irgendwann einmal mehr) des raunenden „Jargons“, nur der Tonfall variierte entsprechend der zeitgemäßen Vorzeichen: Joseph Beuys, Rainer Werner Fassbinder (siehe Thomas (!) Elsaesser – Rainer Werner Fassbinder), Hans Jürgen Syberberg, Anselm Kiefer oder die Literaten der Gruppe 47 (unter ihnen Hans Werner Richter, Günter Grass und Martin Walser). Die Tonarten reichten von Denunziation über Ignoranz, larmoyanter Ignoranz gegenüber dem differenten Leiden der Holocaust-Überlebenden, Schuldabwehr und Schuldzuweisung an ‚die Anderen’, Mystifizierung von Stimmungen und (NS-)Symbolen, Opferidentifikation, Triumph, Weichzeichnerei etc. pp. bis zum, endlich (!), comic relief – der ‚lachenden‘ Versöhnung mit deutscher Vergangenheit. Die Meese-artige kalkulierte „Naivität“ konstatierte Thomas Mann bereits bei Hans Werner Richter: „Auch er hat wenig Skrupel (dagegen viel ‚Naivität’)“ (siehe: Klaus Briegleb – Mißachtung und Tabu). Für den weitaus politisch berechnenderen Richter wie für das sich vermutlich tatsächlich banal ‚auslebende’ Werk Meeses („Vaterraum“), das neben Hitler-Bildern (beschriftet mit „Goldtier“) und Nazi-Symbolik Penisse, Brüste und Abbildungen Trotzkis oder Stalins usw. einbindet, gilt Thomas Manns Einschätzung von Richters Roman „Sie fielen aus Gottes Hand“: „Eher sogar noch widerstand mir oft der Hang zur moralischen Gleichwerterei von allem, – wie sie den Deutschen so paßt“ (zitiert nach Briegleb ebd.). (Meese: „Diese Gegenstände sind unabhängig. Ein Foto von Stalin oder ein Foto Adolf Hitler beinhaltet diese Personen nicht mehr. Das ist versachlicht. Hier können wir spielen – und vor allen Dingen können die Sachen miteinander spielen. Es geht hier gar nicht um den Menschen. […] Wir sind alle Spielzeug der Kunst, und im Grunde genommen ist dieser Raum Teil einer riesigen Propaganda-Maschine für die Diktatur der Kunst“.) Bei Meese heißt das „neutralisieren“ oder „domestizieren“ – also für den deutschen Gebrauch zurichten. Der „Kunst-Samurai“ (artnet), der „Leere“ und „Unwissenheit“ propagierende, der „pflichterfüllende“ und „regelbejahende“, der „naturgründige“ Meese findet alles gleich cool und fuhrwerkt während des Interviews mit Andrea Meier von Kulturzeit mit einer goldenen Schusswaffe (doch nicht Dr No, sondern The Man With the Golden Gun?) herum wie einst Hans-Jürgen Rösner während des Geiseldramas von Gladbeck oder Antonio Tejero im Parlament beim gescheiterten Militärputsch in Spanien 1981.
Eigentlich egal! Alles neutralisiert, gleichgewertet, nostalgisch! Und sowieso überschätzt, wenn auch nicht so überschätzt wie Selbstverwirklichung, Kreativität, Individualität [!] und die lächerliche Privatsuppe zum Gesetz machen“ und „bitte, bitte kein Talent, Talent ist Ritual, Ritual ist Zombie, Zombie ist stinkende Ohnmacht.
Der ganze Kosmos ist viel leichter zu durchschauen, als man es publizieren möchte, zu einfach ist das enfant terrible zu handhaben, zu benutzen, um die imaginierten Tabus zu durchbrechen. Man muss es nicht selber tun, der beinahe selbsterklärte Hofnarr tut es für einen. Kulturindustrie funktioniert eben immer noch und hier insbesondere hervorragend und ideologietragend, gerade in ihren vorgeblich widerspenstigen Formen. Meese selbst hat sich ‚unangreifbar’ gemacht: Er ist das, was er ist, und das ist sein gutes Recht. Er benötigt nicht einmal mehr Tarantinoeske Ironie, um die, die ihn gernekritisierenwollenwürden, als übereifrig und überreagierend dastehen zu lassen. Es wäre also eigentlich müßig, sich über Meese herzumachen, wenn er hierzulande nicht so willkommen wäre – als Künstler, zu dem man gerne geht.
Im deutschen Workinprogressuniversum kann sich dann tatsächlich alles gegenseitig aufheben und eine Diktatur des propagierten Mittelmaßes von Kunst und der Deklarierung von ernst zu nehmender Kritik daran als überreagierend (hysterisch) ausgerufen werden, da jegliche Vorstellung vom Individuum (vom „quälbaren Leib“!) verschwinden gemacht wird. Und wer nicht mitspielen will, muss eben draußen bleiben: „Mit dem ‚Vaterraum‘ gibt es in unserem Kosmos nun einen Ort, wo [der Mensch] sich vergessen darf, wo er hemmungslos spielen darf zwischen all den Welt-Revolutionen, den Herrschern und Mutterbusen – wenn er das will. Alle anderen bleiben vor der Tür und schauen in den Vaterraum hinein als wäre es ein Blick in ein Kinderzimmer.“ (Andrea Meier)

„Der Kleinste kommt zuletzt“, sagte Mama. „Im übrigen ist das mein Platz. Ihr beide könnt auf dem Fußboden vor dem Apparat sitzen, du und Lillebror, dann gebe ich euch die Torte dorthin.“ Karlsson drehte sich zu Lillebror um. „Hast du das gehört? Springt sie immer so mit dir um, armes Kind?“ Dann schmunzelte er zufrieden. „Es ist schön, daß sie auch mit mir so umspringt, denn gerecht muss es zugehen, sonst mache ich nicht mit.“
Astrid Lindgren, ebd.

Und diejenigen, die mitspielen wollen, müssen sich halt an die Tonart gewöhnen (press the red ‚F‘ at the top)!

  1. Die womöglich spannenderen Seiten Meeses beschreibt Ludwig Seyfarth in Konkret 06/06, wobei man bezweifeln könnte, dass Meese „den eleganten Maler zart-erotischer Szenerien, Balthus“ nur deswegen „zur zentralen Leitfigur für sein malerisches Werk erkor“, sondern vermutlich auch weil in der öffentlichen Rezeption von Balthus schon immer die Faszination am verspielt Kindlichen in Verbindung mit Tabubruch das Medieninteresse beherrscht hat usw. usf. [zurück]

Grundlegendes 5

„“Unter Zionismus versteht die Linke ungefähr das, was man so vor rund dreißig Jahren in Deutschland das „Weltjudentum“ genannt hat“, heißt es in dem politisch noch exponierteren Aufsatz „Die Linke und der ‚Zionismus‘“ [Améry Werke, Bd 7, 142], den Améry im selben Jahr [1969] für die Zeitschrift Tribüne verfaßt hat. Mit einem erhellenden Ausdruck spricht er hier von den „arabischen Freikorps“ der El Fatah, dem die ganzen Sympathien dieser Linken gelten, und fragt sich, ohne eine Antwort zu finden, wie es geschehen konnte, „daß marxistisch-dialektisches Denken sich dazu hergibt, den Genozid vorzubereiten“ (142), und die „Junglinke“ das „Quentchen gesunden Menschenverstandes“, das sie noch besessen hatte, eintauschte gegen „Werwolfromantik“ (150).“
Gerhard Scheit – Jargon der Demokratie. Über den neuen Behemoth (2007)

„Verfolgende Unschuld“

Alle Personen dieses Buches stellen Typen dar, nicht Portraits“.
Klaus Mann – Mephisto, letzter Satz

Es waren Minuten vergangen, als er sich langsam aufrichtete. In den Augenwimpern hingen noch Tränen, und Tränen waren es noch, die seine Wangen befeuchteten, seine sieghaft geschwungenen Lippen, von denen so viele verführt worden waren, und das edle Kinn, das er stolz zu recken wußte in den Stunden des Triumphes und das jetzt jämmerlich bebte. Während sein erschöpftes, tränennasses Antlitz ein wenig nach hinten sank, rief er, die Arme mit schöner, klagender, hilflos-hilfesuchender Geste gebreitet: „Was wollen die Menschen von mir? Warum verfolgen sie mich? Weshalb sind sie so hart? Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler!“ (Klaus Mann – Mephisto, „kein Schlüsselroman“ – vgl. Einleitung zur Ausgabe von 1980/81, 44 Jahre nach Fertigstellung des Manuskripts – über Gustaf Gründgens, Typ ‚verfolgte deutsche Unschuld‘; 1971 – „Mephisto-Entscheidung“ – durch das Bundesverfassungsgericht verboten, begründet mit ‚Verletzung‘ der ‚Ehre‘ des vermeintlich Dargestellten).

Mein Schmerz, mein Zorn, meine Entrüstung haben größere Gegenstände, als ein bestimmter Schauspieler es sein könnte und sei er selbst zum Intendanten aufgestiegen“.
Aus einem Brief Klaus Manns an das Pariser Tageblatt, Juni 1936

Glück gehabt „besseres Deutschland“: 65 Jahre Entlastungsattentatsversuch!

Jeder Nation die Helden, mit denen sie sich identifizieren kann und so wird ab 9:00 das alljährliche identitätskonstituierende Gedenken unter anderem zu Ehren Carl Friedrich Goerdelers (angedachter Reichskanzler nach erfolgreichem Attentat) zelebriert werden – mit ökumenischem Gottesdienst, Kranzniederlegung der Bundesregierung (CDU/ SPD), Totengedenken (nur für geladene Gäste!), öffentlichen Führungen und Gedenkansprache von Dr. Karl-Theodor etc. Freiherr pp. zu Guttenberg (Bundesminister für Wirtschaft und Technologie [!]). Goerdeler bietet sich neben Stauffenberg und den anderen Sichdereinstumsvolkverdient-gemachthabenden natürlich insofern an, als er noch in der Todeszelle Gedanken formulierte, die so manchem sich heutzutage in einschlägigen Talkshows äußernden Politiker und dergleichen als willkommene Vorlage gedient haben mag: „Wir dürfen nicht bemänteln wollen, was geschehen ist, müssen aber auch die große Schuld der Juden betonen, die in unser öffentliches Leben eingebrochen waren in Formen, die jeder gebotenen Zurückhaltung entbehrten“ (Carl Friedrich Goerdeler – Gedanken eines zum Tode Verurteilten über die deutsche Zukunft, zitiert im ausgesprochen lesenswerten: Fragwürdige Traditionslinien (pdf) von nevergoinghome).
Und wofür es das Bundesverdienstkreuz gibt, ist auf Lizas Welt nachzulesen.

Update 31.08.09 Guttenbergs komplett irrsinnig formulierte Rede (pdf) – „„Stimme kommt von Kuh an Wand“, möchte man mit Peter Sellers sprechen“ (Gremlizas Express, Konkret 9/2009). Worauf es letzendlich hinauslaufen soll, ist trotz allem ersichtlich, dafür hätte es nicht des ganzen „tirritierenden“ (Karlsson) Wortballasts bedurft.

„Auschwitz denken heißt Keule denken“

Wer den Ausdruck Holocaust meiden will, aber dennoch sich nicht das Etikett eines altmodischen Menschen aufkleben lassen möchte, spricht von der Shoah – ein Wort, das außerhalb eines jüdischen oder israelischen Erinnerungskontextes eine falsche Nähe zu den Opfern des nationalsozialistischen Völkermordes signalisiert. Dem nicht Ivrit-Sprechenden geht auch Shoah leicht über die Lippen – kein zur Aufklärung nötiges Fremdwort, sondern eine kommunikative Spielmarke, die ein konformistisches Scheinwissen kundtut. Die unablässige Kommunikation des Holocaust steht der Erkenntnis im Wege. Das Einmalige von Auschwitz verliert sich; der Holocaust verflüssigt das Unbegreifliche zu einer dünnen und unverbindlichen Lehre der Geschichte: „Nie wieder…“.
Detlev Claussen – Vorbemerkungen zur Neuausgabe von Grenzen der Aufklärung (2005)

Claussen betrachtet die Verwendung des Begriffs Auschwitz als den noch einzig möglichen (aber sicherlich unzureichenden) Terminus für das Unvorstellbare, die Vernichtung von Millionen von Individuen durch die Deutschen. Das Wort Auschwitz impliziert keine Sühne wie Holocaust (Brandopfer) und keine unzulässige Identifizierung mit den Opfern wie Shoah – es gibt zumindest eine Ahnung von der Singularität des Verbrechens, dem letzten Endes kein Begriff gerecht werden kann, das aber dennoch eine Bezeichnung braucht, um benannt, angeklagt und verurteilt werden zu können. „Auschwitz“ sollte also das sein, was das Bilderverbot (vgl. Adorno, Scheit etc.) bereits in sich trägt, die Undarstellbarkeit des Leidens aller und jedes einzelnen vereinsamten Menschen in der Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Die „Fabrikation von Leichen“ (Arendt), die Nichtexistenz jenseits des Schwarzschild-Radius Vernichtungslager – kein Bild ist angemessen. „Vergessen wird, daß die traditionelle westliche Vorstellung der Adäquation, der Annäherung von Darstellung und Sache, durch die Welt der vollendeten Sinnlosigkeit in Auschwitz selbst erschüttert worden ist.“ (Claussen in ISF – Schindlerdeutsche).
Holocaust und Shoah sind als Begrifflichkeiten zum Gründungsmythos einerseits konservativer und andererseits linker, sich allerdings hervorragend ergänzender Neugründer deutschen Selbstverständnisses mutiert worden, während „Auschwitz“ in deutschen Köpfen vor sich hingärte, um mal als „Auschwitzlüge“ und mal als Kriegsgrund an die Öffentlichkeit zu drängen. Mutig haben sich die, die sich trauten, das Wort auszusprechen, dabei immer gefühlt. Die Sinnstiftung für das Wort richtete am Ende der „zitternde“ Martin Walser ein: Zehnmal sagte er in seiner assoziativen Sonntagsrede „Auschwitz“ und addierte das zu „Moralkeule“. Die deutsche Öffentlichkeit multiplizierte es zu „Auschwitzkeule“. Jetzt endlich ist der Begriff all seiner Schrecken beraubt, die er für die Volksgenossen sowieso nie bedeutet hat, von denen sich viele einst nur unbedingt mit den Opfern identifizieren wollten, jetzt aber eine eigene Opferidentität in einem Wort zementieren konnten, in das man nach und nach so alles packt, was den Deutschen im Nachkrieg (und überhaupt!) so angetan wurde. Die konformistische Rebellion (Fromm/ Horkheimer) kennt keine Tabus mehr, jegliche Kritik an noch so antisemitischen Äußerungen kann sich nun mit einem Wort verbeten werden.
Man muss eigentlich nicht mal mutig sein, um „Auschwitzkeule“ zu sagen. Selbst wenn es vermieden wird, schwingt das Wort mit, z.B. wenn Renate Künast einem „Aktivisten“ von „Stop the Bomb“ vorhält: „Ihre Organisation ist nicht ganz koscher“, der „entsetzt“ antwortet: „Koscher ist ein antisemitisches Wort.“ Woraufhin Künast zurückkeilte: „Nein, das ist ein semitisches Wort. (Spiegel online)
Und dabei ignoriert, welche Anteile des jiddischen, abgewandelten hebräischen, „semitischen“, wie auch immer Wortschatzes in Deutschland überhaupt noch Verwendung finden – koscher z.B. prinzipiell nur in Form von „nicht koscher“, Mischpoke, Ganove, Chuzpe, meschugge etc. pp. Selbst wenn Künast ‚das mit dem Mossad‘ nicht gesagt haben sollte, sie macht ihre Vermutungen über „Hintermänner“ recht deutlich.
Man kann sie allerdings auch explizit aussprechen, die „Auschwitzkeule“ – der „deutsche Schriftsteller, Publizist und Philosoph“ (Cicero) Richard David Precht tut es ohne Not und Zusammenhang, nur um zu zeigen, dass er eine kristallklare, überzeugende Sprache verwendet“ (ZDF-Kulturchef Peter Arens).
Arens erwartet sich von der in naher Zukunft von Precht moderierten Sendung im ZDF eine Ergänzung des „Philosophischen Quartetts“ von Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski, ein („Das ZDF wird intellektuell“) „Philosophieformat, das sich in die Gesellschaft hineinbegibt, das relevante Aussagen über unsere Gesellschaft trifft.“ (Spon)
Kann er haben!
Abgesehen davon, dass Precht keine Parteien, sondern nur noch Sinnsuchende kennen will und (haha witzig!) konstatiert, dass sich „für Frauen […] die Sinnsuche überwiegend auf die Liebe, für Männer überwiegend auf den Fußball“ (im Interview mit Cicero) beschränkt, hat er eine gravierende Bedrohung seiner Existenz als „Diskursvermittler“ (Precht/ Cicero) in den Fans von Bio- und/ oder Psychologen gefunden: „Ich habe scharfe Kritik von evolutionären Psychologen bekommen, nicht so sehr von den Fachleuten als von deren Fans, Fans etwa von Richard Dawkins. Dann kommt die Auschwitz-Keule (!) der Biologen: Precht ist ein Kreationist. Das interessiert mich weniger, da ich aus einem atheistischen Elternhaus komme. Fataler ist schon: Diese Leute haben eine Sinnwelt aufgebaut und sind nicht trainiert in dem Gedanken, dass Weltanschauungen relativ sind und auf Sprachspielen basieren“ (ebd.).
Aber sicher doch…

„Ausweitung der einstigen Kampfzone“

Jenseits davon, dass sich die Ausgabe 28/6.7.2009 vermutlich diverse Personen (irgendwie) beschafft haben, die den Spiegel sonst zu Recht nicht lesen mögen – zum kaufoderwasauchimmeranregenden Artikel selbst kann man nichts mehr beitragen, weil das Wenige, was an Inhalt wiederzugeben wäre, bereits treffend zusammengefasst hier steht. Neben den ‚Spiegel‘-üblichen Garnierungen in Form banaler Anekdoten und alberner Stereotypisierungen der Vertreter der in Versailles anwesenden Nationen bekommt man einleitend einige ausgesprochen unangenehme Anspielungen auf „Sonderzüge“ durch die „einstige Kampfzone“ und „mit Brettern und Draht gesichert[e]“ Areale für die deutsche Delegation zu lesen, die wohl auf die Hauptthese, der „Versailler Unfrieden“ (Spiegel) sei letztendlich der Grund dafür gewesen, dass die Deutschen Vernichtungslager in Auschwitz, Majdanek, Belzec, Sobibor, Treblinka, Chelmno etc. errichteten, um dort wie auch sonst überall, wo sie die Möglichkeit hatten, Juden ‚auszurotten‘, einstimmen sollen. Der Rest ist eine nahezu ununterbrochene Jeremiade über die „öffentliche„(!…?) „Demütigung“ „der Deutschen“. Da konnten sie dann wohl nicht anders… und man muss hoffen, dass der Marshall-Plan sich nicht letzten Endes auch noch als so ein fauler Kompromiss herausstellt!
Es wurde schon wesentlich Sinnvolleres zum Thema gesagt:
Jenseits des mythischen Klischees aber war in diesem Augenblick Frankreich als Gegen-Stand zu Hitlers Deutschland das bare gegebene Faktum, dessen Da-Sein die Frage uns aufdrängte, ob die Volksfestlichkeit der Hitler-Diktatur wohl nur wegen der Wirtschaftskrise, nur infolge eines ungerechten Friedensvertrages, ausschließlich aus ein paar mit freiem Augen sichtbaren Gründen die präzise Todesarbeit der Rollkommandos zu ihrer Apotheose machte.“ Jean Améry – Unmeisterliche Wanderjahre
Hören wollte man dies hierzulande allerdings niemals, denn als Améry sich endlich ‚zurück‘ wagte, waren da bereits „gleichsam mit heulenden Motoren die Flinkrassigen im Porsche dahergefahren und winkten mir aus dem eleganten, silbergrauen Cabriolet freundlich mit Robbe-Grillet. Der Hase war schneller als der Igel. Sie waren da und ich sah nachdenklich, tumb, wie ehedem, da ich den deutschen Wald durchstreift hatte, in meine leeren Hände. […] Und da soll eins nicht Gift und Galle speien? Aber ich spie nicht. Ich schüttelte nur staunend den Kopf, müßig sah ich meine Habe und bewundernd untergehen. Man war obenan bei denen, die ich gerne erforscht hätte, aber reisend nur noch beglotzte; sogar ihr ‚Spiegel‘ war schon wohlgelungener als sein Vorbild ‚Time‘.“ (ebd.)
Mindestens der letzte Teilsatz ist ironisch zu lesen und auch das zu Recht!

Die Feiern der Mitmachrepublik: „Du bist Mauerfall!“

Üblicherweise ist Steineschmeißen hierzulande streng verboten, obwohl man sich schon gerne mal mit jugendlichen Steinewerfern in den Palästinensergebieten identifiziert. Auf der offiziellen „Mauerreise“- Homepage des Goethe-Instituts darf man sich allerdings jetzt tatsächlich virtuell als solcher betätigen – indem man einfach auf das Wegweiseschild „Israel“ klickt und einen 2,50 hohen Stein auf die Reise schickt, der soll zwar nur aus Styropor sein, aber beim Spielen ist bekanntlich Phantasie gefragt und außerdem (E=mc²) bewegt sich das Objekt mindestens mit V2-Geschwindigkeit auf sein Ziel zu (schön ist daran also nur, dass man es auch wieder zurückschicken kann). Sinn und Zweck des Projekts erschöpfen sich natürlich nicht in casual gaming – Anlass sind die Jubiläumsfeiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls.
Im Stil der vor allem in Provinzstädten überaus beliebten Cow Parade schicken die Waldorf-Pädagogen des Goethe-Instituts „zwanzig symbolische Mauersteine“ nach „Israel, Palästina, Korea, Zypern, Jemen und [an] andere Orte, wo Teilung und Grenzerfahrung den Alltag prägen“ und lassen sie dort schön bemalen. In Palästina beispielsweise mit der Kaffiyah, die immer wieder gerne von Islamisten, Nazis und Antiimperialisten auf einschlägigen Demonstrationen vorgeführt wird. Ursprünglich gedacht als Abwehr gegen die als westliche[r] Einfluss verstandene Moderne und zur Stärkung der nationalen Identität setzte der damalige Großmufti von Jerusalem, Amin el Husseini, in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts durch, dass die Kaffiyah von allen Männern im britischen Mandatsgebiet Palästina getragen werden musste, gleichzeitig wurde den Frauen der Schleier auferlegt. Doch der Großmufti sorgte nicht nur dafür, dass Nichtträger der Kaffiyah getötet wurden, er rief auch zu Pogromen an Jüdinnen und Juden auf und war ein fanatischer Anhänger des Nationalsozialismus und Organisator von muslimischen SS-Brigaden in Bosnien. Der israelische Beitrag zur Party wurde unter Anleitung „[e]ine[r] Gruppe von jüdischen und arabischen Künstlern aus Israel […] in einem Workshop mit Kindern und Jugendlichen“ in Umm el-Fahem gestaltet, wo zwar keine Mauer im eigentlichen Sinne steht, aber egal – solange nur keiner zu Wort kommt, der mitteilen könnte, dass diese ‚Mauer’ einen drastischen Rückgang von Attentaten auf die Bewohner Israels bedeutet, sie also diverse Leben gerettet und unzählige Personen vor Verletzungen und Verstümmelungen bewahrt hat. Auf der anderen Seite wurde den Bürgern der Vereinigten Staaten von Amerika, die sicherlich Einiges zum Thema zu bemalen hätten, nicht gestattet, einen kritischen Beitrag zum dort zu Recht weitverbreitet abgelehnten Grenzzaun zu Mexiko abzuliefern… Whatever! Die Steine sollen in einer „Dominoaktion“ (s.u.) offenbar irgendwann eh umgekippt werden und mit ihnen sinnvollerweise Kaffiyahgepinsel and the like…
Und die „Mauerreise-Steine“ sind auch nur ein Teil der großen Inszenierung zum Fest der Freiheit am 9. November am Brandenburger Tor – es kommt noch schlimmer: Zum 71. Jahrestag der Reichspogromnacht feiert Deutschland seine Einheit in einer Mischung aus Pathos und Party. In einer konzertierten Aktion von Regierungs-institutionen (unter anderen dem Beauftragten für Kultur und Medien und der Bundesstiftung Aufarbeitung (!)), Industrie, Medien, Provinzposse, Werbeagenturen und dem ‚Stadtmöbel’(?)-Hersteller Wall AG (Entwickler „urbanen Mobiliars“, der passenderweise schonmal eine Informationstafel „Gegen das Vergessen“ stiften durfte), wie man sie seit der „Du bist Deutschland“-Kampagne nicht mehr sehen musste, wird ‚Die Nation’ auf ‚zusammengehörendes Volkstum’ getrimmt. Der „Friedlichen Revolution“ (fehlt nur noch der Soundtrack zum Titel), der „Wir sind das/ ein Volk“-Bewegung, der ersten erfolgreichen ‚alldeutschen’ Bewegung seit 1933, wird gehuldigt mit Ausstellungen (open air und indoors, eat in or take away, inklusive Familienführung), Lesungen, Symposien, Diskussionen blablabla… Devotionalien wird es mit Sicherheit auch wieder geben, wie anno 1989 als „’das glücklichste Volk der Erde’ (Momper) schon in T-Shirts herum[lief], auf denen zu lesen war: ‚9. November – ich war dabei’. Die Veteranen werden sich über diese generationsübergreifende Wiedervereinigung gefreut haben“ (Eike Geisel). Außerdem Engel über Berlin: „Entlang des ehemaligen Grenzverlaufs zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz haben sich lebende Engel auf den Dächern der Stadt niedergelassen. Mit ihren weit ausgebreiteten Flügeln beobachten sie das Berliner Geschehen am 20. Jahrestag des mauerfalls (sic!).“
Jeder darf mitmachen und wenn’s nur in Form von Dominosteinbemalung ist!
Angesichts all dessen bleiben einem nur Max Liebermanns unvergessliche Worte am Tag der so genannten Machtergreifung der Nazis…

Grundlegendes 4: „Schnittmengen“

„Ihre aggressiven Tendenzen werden gegen die Kranken und Schwachen, gegen die Fremden und Außenseiter, gegen Intellektuelle und kompromißlose Kritiker, gegen Luxus und augenfälligen Müßiggang gerichtet. Das Streben nach Gerechtigkeit, Freiheit und Glück wird pervertiert und zum Rachefeldzug gegen alle, die das Leben genießen, die nicht schuften müssen, die in der Lage sind, ihrem Wissen und Willen Ausdruck zu verleihen. Die Gleichheit der Menschen soll durch Nivellierung und nicht durch die Anhebung des Niveaus erreicht werden.“
Herbert Marcuse – Feindanalysen. Über die Deutschen (2007)