Archiv für Mai 2009

„Game Over, Krauts!“

Grundlegendes 2

Walter Abish – How German Is It / Wie deutsch ist es (1979): „Is it possible for anyone in Germany, nowadays, to raise his right hand, for whatever the reason, and not be flooded by the memory of a dream to end all dreams?“

John Updike über Walter Abish und Deutschland: „Yet I am wary, on this terrain where madness ruled and commanded loyalty to the end. The extensive reconstructions in reunified Berlin have an uncanny suggestion of re-stating again, in boastfully huge Kaiseresque terms, an aesthetic that didn’t bode well the first time.“
The New Yorker 2/16/04

CB I Hate Perfume Store in Brooklyn

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Deutsche Medienwissenschaftler unangemessen bescheiden?…???

Offenbar nicht zu bescheiden, um sich auf dem Plakat für eine Diskussionsveranstaltung an der Universität Siegen allesamt als kleine Obamas darstellen zu lassen: File under fun links!
Bezeichnenderweise wurde selbige Veranstaltung mit dem Titel „Medienwissenschaft: Ein deutscher Sonderweg?“ versehen. Im Ankündigungstext avanciert dann Deutschland zu so etwas wie dem Ursprungsland der Mediengeschichte und -theorie, an dessen Produkten weltweit Maß genommen werde. Die deutschen Medienforscher allerdings seien zu bescheiden, um ihre „eigene Vorrangstellung“ anzuerkennen, und hielten es für undenkbar, dass man sie weltweit bejubelt in einer Forschungsrichtung, die „in vielen akademischen Nationalkulturen überhaupt nicht präsent“ sei. Je nun…….
Die ‚deutschen Sonderwege‘ kennt man zu Genüge von einschlägigen deutschen Staatsanführern; wenn nunmehr auch die deutschen Medienwissenschaftler ihren „Platz an der Sonne“ (Bernhard von Bülow, später Reichskanzler) fordern, sollte man sich auf Einiges gefasst machen: Yes, we… whatever!

„Mit «Schindlers Liste» zum WM-Gold“ – are they serious?

Während Werbung regelmäßig aus dem Programm verbannt wird, wenn ein deutscher Sender Steven Spielbergs Schindlers Liste zeigt, scheint es, als ob Deutschland nunmehr bereit sei, sich unter Zuhilfenahme des Soundtracks zum Film als sportliche Nation zu verkaufen. Die Mitteldeutsche (!) Zeitung betitelte ihren Artikel über das erste goldmedaillendekorierte deutsche Eiskunstlaufpaar seit 45 Jahren stolz: „Mit «Schindlers Liste» zum WM-Gold“.
Nur kurz zur Erinnerung, wovon der Film handelt (inklusive der entsprechenden Musik).
Obwohl „Schindlers Liste“ selbst natürlich ein kulturindustrielles Produkt ist (vgl. hierzu z.B. Detlev Claussens Einleitung zur Neuauflage der Grenzen der Aufklärung, 2005), besteht kein Zweifel, dass die Verwendung der Musik mit all ihren mittlerweile vorhandenen Implikationen mindestens unangebracht für ein (deutsches) Eiskunstlaufpaar ist. Es ist allerdings offensichtlich, dass dieser Zugang hervorragend in die inzwischen offizielle Politik Deutschlands passt, dessen ehemaliger Kanzler Schröder sagte, das Holocaust-Denkmal in Berlin solle zu einem Ort werden, zu dem die Menschen „gerne“ gingen. Zum Thema gibt es einen (dann doch irgendwie satirischen) Artikel auf Lizas Welt.
Und wie zum Beweis von Claussens These, dass die Welt (aus kulturindustriellen Gründen?) kaum anders kann, als mitzuspielen

Grundlegendes 1

„Wenn aber das verselbständigte pathologisch handelnde Subjekt Staat im empirischen Staatsbürger existiert, dann kann auch nicht mehr einfach davon abgesehen werden, welcher Nation im einzelnen dieser Bürger angehört; dann vermag vielmehr das Wort, das diese Nation markiert, zum Begriff zu werden, der jene Einheit von empirischem Bürger und verselbständigtem Staatssubjekt überhaupt erst sichtbar macht. Das ist auch der Grund, warum antideutsche Kritik innerhalb der Linken, die sich alles vom Staat erwartet und das Volk hofiert, so mißfällt: die Kritik nämlich beharrt darauf, daß der verbrecherische Staat von seinen Bürgern nicht abstrahiert werden kann – ohne darum über den Verbrechen der Bürger vom Staat zu schweigen.“ Gerhard Scheit (2004), 253.